Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen? Diskussion im Deutschlandfunk

Am 26.04.2013 fand im Rahmen des „Hochschulquartetts“ im Deutschlandradio Kultur eine interessante Diskussion zur Rolle der Helmholtz-Gemeinschaft im künftigen Wissenschaftssystem statt: „Hochschulquartett: Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen?“.
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Die Helmholtz-Gesellschaft hatte mit ihrem Positionspapier „Helmholtz 2020“ im Sommer letzten Jahres eine umfassende Themenführerschaft für die Forschung zu den „großen Herausforderungen“ angemeldet und damit bereits heftige Kritik ausgelöst. Als Zusammenschluss verschiedener Institute erforscht die Helmholtz-Gemeinschaft „Systeme hoher Komplexität unter Einsatz von Großgeräten und wissenschaftlichen Infrastrukturen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern.“ (Mission der Helmholtz-Gemeinschaft, S. 4). Mit dem Anspruch einer transformativen Wissenschaft für gesellschaftliche Herausforderungen ist dieses Profil nur bedingt zu vereinen.
In der Sendung des Deutschlandfunkes diskutieren Prof. Walter Rosenthal von der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dietmar Harhoff, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation, Prof. Dieter Lenzen, Präsident Universität Hamburg sowie Prof. Josef Pfeilschifter, Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes. Auch wenn die zivilgesellschaftliche Perspektive und die neue Debatte um eine Transparenz und Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Forschung in der Debatte weitgehend ausgeblendet blieben, so gibt die Diskussion doch einen guten Einblick in die Konfliktlinien im klassischen Wissenschaftssystem.

Die Sendung ist abrufbar unter: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturgespraech/2079488/

Nachhaltigkeit braucht strukturelle Veränderungen im Wissenschaftssystem – Erklärung des Ecornet anlässlich des Symposiums „Sustainability in Science“

Wie muss Wissenschaft gestaltet werden, damit sie wesentliche Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung leisten kann? Das Ecological Research Network (Ecornet) betont anlässlich des vom BMBF veranstalteten Symposiums „Sustainability in Science“ am 23.04.2013 in Berlin, dass neben den inhaltlichen Fragen der Nachhaltigkeitsforschung notwendige strukturelle Veränderungen im Wissenschaftssystem ein besonderes Augenmerk verdienen.

Eine der großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts ist die Gestaltung von Übergängen in eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung. Vor diesem Hintergrund begrüßt das Forschungsnetzwerk Ecornet das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranstaltete Symposium „Sustainability in Science“ am 23. April 2013 in Berlin. Das Forschungsministerium will mit dieser Veranstaltung den im Wissenschaftsjahr 2012 ins Leben gerufenen Prozess „Zukunftsprojekt Erde“ fortsetzen. Zugleich ist das Symposium Startschuss für die „Sustainability in Science Initiative“, die die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Forschung stärken soll.

Dr. Thomas Jahn betont, dass neben den inhaltlichen Fragen der Nachhaltigkeitsforschung notwendige strukturelle Veränderungen im Wissenschaftssystem ein besonderes Augenmerk verdienen. Es seien weitergehende Anpassungen des Wissenschaftssystems als bisher unerlässlich. Jahn ist Sprecher der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und war Mitglied des Programmbeirates des Symposiums. Er verantwortet im Rahmen der Veranstaltung den Workshop „Nachhaltigkeit in Forschungsprozessen“.

Eine weitere wichtige Aufgabe sei die Intensivierung der Kooperationen von Hochschulen mit staatlichen und unabhängigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen – sowohl in der Verbundforschung als auch in der Hochschulbildung, sagt Thomas Korbun, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und einer der Ecornet-Sprecher. Ziel müsse es sein, die Durchlässigkeit zwischen den Sektoren zu verbessern. Die unabhängigen außeruniversitären Institute, und insbesondere die Mitgliedsinstitute des Ecornet, bringen hier langjährige Erfahrungen in der inter- und transdisziplinären Forschung mit. Gerade diese Erfahrungen sollten in der Forschung wie auch in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zukünftig verstärkt gefordert werden. Und schließlich sollte die Zusammenarbeit zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften einerseits und die Kooperation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft andererseits im Rahmen von inter- und transdisziplinären Kooperationen stärker als bisher in die Forschungs- und Nachwuchsförderung aufgenommen werden. Damit Karrierepfade am Ende nicht wieder in disziplinären Strukturen enden, bedarf es zudem verstärkt der Einrichtung von Lehrstühlen und Fakultäten mit einer transdisziplinären Ausrichtung.

Die Erklärung und weitere Informationen zum Ecornet können Sie hier lesen.

Global Sustainability Summer School 2013 vom 01. bis 12. Juli in Potsdam

Unter dem Titel „Complex(c)ity – urbanization and energy transitions in a changing climate“ wird vom 01. bis 12. Juli die internationale Summerschool des IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) und des PIK (Potsdam Institute for Climate Impact Research) statt finden. Bereits zum zweiten Mal wird diese internationale Veranstaltung In Kooperation mit dem Santa Fe Institute (SFI), dem Institute for New Economic Thinking (INET), der Oxford Martin School (University of Oxford), dem Joint Institute for Strategic Energy Analysis (JISEA) und dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) organisiert. Ziel der Veranstaltung ist es international renommierte WissenschaftlerInnen mit NachwuchswissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammenzubringen. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Helmholtz-Gemeinschaft verkündet Moratorium für umstrittene Ölsand-Forschung in Kanada

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat sich in ihrem Forschungs-Projekt „Helmholtz-Alberta-Initiative“ selbst ein Moratorium auferlegt. Das Kooperations-Projekt zielt auf die Erforschung umweltverträglicher und energieeffizienter Abbaumethoden von Teersand – eine Ressource, die in der kanadischen Partnerregion in großen Mengen verfügbar ist. Die Förderung und Verarbeitung der Ölsande erzeugt jedoch erheblich mehr klimaschädliche Emmissionen als die Förderung konventionellen Öls – ein Punkt, warum das Projekt von Anfang an in der Kritik von Umweltverbänden stand. Hauptlinie der Kritik war, dass über die Grundfinanzierung der Helmholtz-Allianz durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung deutsche Steuergelder unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit indirekt zur Förderung von umweltschädlichen Abbaumethoden der Ölsande eingesetzt werden – immerhin sollten für das Projekt bis 2016 mehr als sechs Millionen Euro ausgegeben werden. Die Gelder würden jedoch nicht nur zur Forschung über den umweltverträglichen Teersand-Abbau sondern für die Erforschung anderer innovativer Energiegewinnungs-Technologien und die Reinigung bereits verschmutzter Abbaugebiete ausgegeben – so die Replik der Helmholtz-Gemeinschaft.

Jetzt verkündete das beteiligte Umweltforschungszentrums Halle-Leipzig (UFZ) ein Moratorium für ein Teilprojekt der Helmholtz-Alberta-Initiative. Mit diesem Schritt soll dem Verlust von Reputation der wissenschaftlichen Organisation vorgebeugt werden. „As an environmental research centre we have an independent role as an honest broker and doing research in this constellation could have had reputational problems for us, especially after Canada’s withdrawal from the Kyoto Protocol,“ sagt Dr. Frank Messner, Leiter der wissenschaflichen Stäbe des UFZ in der internationalen Presse. Das nun verkündete Moratorium zeigt daher die Wirksamkeit der Kritik von Umweltverbänden, Oppositionsparteien und anderer Wissenschaftsorganisationen. Es macht gleichzeitig eine stärkere Sensibilität für die gesellschaftliche Verantwortung von Forschung innherhalb der Helmholtz- Gemeinschaft deutlich.

Quellen:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/helmholtz-alberta-initiative-raus-aus-dem-oelsand/7960668.html
http://www.euractiv.com/science-policymaking/german-research-institute-pulls-news-518608
http://business.financialpost.com/2013/03/20/german-scientists-quit-oil-sands-research-over-public-climate-concerns/

IÖW stellt Grundzüge der „transformativen Forschung“ im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vor

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung war am 13. März 2013 zu einer Anhörung im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses eingeladen, um die Grundvorstellungen der „transformativen Forschung“ darzustellen. Die Grünen im Abgeordnetenhaus hatten die Einladung durch den Ausschuss initiiert. Der Wissenschaftliche Geschäftsführer des IÖW Thomas Korbun ist seit langem wissenschaftspolitisch aktiv und hatte nahegelegt, das Thema in den Ausschuss einzubringen. Die Präsentation vom Leiter des IÖW-Forschungsfeldes Umweltpolitik und Umweltökonomie Ulrich Petschow zum Tagesordnungspunkt „Transformative Wissenschaften – ein zukunftsorientierter Schwerpunkt in Berlin?“ wurde im Ausschuss mit Interesse aufgenommen.

Praxisbeispiele zeigen Relevanz des Themas

Es gab eine Reihe von Nachfragen von den verschiedenen Fraktionen. Die Relevanz des Themas erläuterte Petschow vor allem über Praxisbeispiele sowie über Aktivitäten aus anderen Bundesländern. Ein sehr aktuelles Beispiel aus dem Themenspektrum mit lokalem Bezug ist etwa das Projekt „Klimaneutrales Berlin“. Wie kann die Stadt es schaffen, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden? Diese Frage, die derzeit von einem Projektkonsortium unter Beteiligung des IÖW im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt untersucht wird, sei ein Paradebeispiel für transformative Forschung, so Petschow. Ein Good-Practice-Beispiel auf Länderebene stelle z. B. die neue NRW-Forschungsstrategie „Fortschritt NRW“ dar, die Transformationsherausforderungen benennt und Ansatzpunkte für die transformative Forschung aufzeigt.

Senatorin Scheeres: „Transformative Forschung“ soll auf die Berliner Agenda

Die Grünen im Wissenschaftsausschuss verwiesen auf die hohe Relevanz dieses Ansatzes. Die Piraten-Fraktion stellte die Themen Transformation und transformative Forschung in Bezug zu ihren Kernvorhaben, wie etwa dem bedingungslosen Grundeinkommen oder der sogenannten „Share Economy“. Die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft Sandra Scheeres von der SPD bekundete ihr Interesse an dem Ansatz und verwies darauf, dass man das Thema auf die Agenda für die Berliner Wissenschaftspolitik nehmen wolle.

Mehr Informationen zum Ausschuss für Wissenschaft des Berliner Abgeordnetenhauses

„Strategien und Kompetenzen für eine Nachhaltigkeitstransformation“ – Symposium am 15.04. an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde setzt mit ihrem Profil auf Schlüsselbereiche wie Erneuerbare Energien, Regionalmanagement, Nachhaltigen Tourismus, Naturschutz, Forstwirtschaft, Ökolandbau, Anpassung an den Klimawandel oder Nachhaltige Wirtschaft. Ab dem Wintersemester 2013/14 wird als berufsbegleitender Fernstudiengang der Master „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ angeboten. Begleitend zur Konzeption des Masters werden in öffentlichen Veranstaltungen Konzepte und Theorien einer Ausbildung für Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement diskutiert.

Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement stellt hohe Ansprüche an Organisationen. Hochschulen können sie durch die Bereitstellung von Transformationswissen und die Ausbildung von qualifizierten Fach- und Führungskräften unterstützen. Seit mehreren Jahren bieten sie spezielle Studiengänge zum Thema Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitstransformation an.

Wie die Vielfalt an Konzepten, Ausbildungsprofilen und Studiengängen zeigt, gibt es nicht „das“ Konzept für eine Nachhaltigkeitsmanagementausbildung, sondern verschiedene fachliche und methodische Ansätze, branchenspezifische Zugänge und Schwerpunktsetzungen. Auf der Veranstaltung soll diskutiert werden, wie die Hochschulen ein differenziertes hochwertiges Bildungsangebot entwickeln und diesen „Markt“ gemeinsam erschließen können.

Das Symposium möchte einen Austausch von Unternehmen, Non-profit-Organisationen und Hochschulen zu folgenden Fragen anregen:

• Was macht eine Transformationsstrategie aus?
• Wer kann diese konzipieren und wie?
• Wie kann die Transformationsstrategie unter den gegebenen Rahmenbedingungen umgesetzt werden?
• Welche Erwartungen haben Organisationen an die Hochschulausbildung zum Nachhaltigkeitsmanagement? Wie ist der Bedarf an qualifizierten Absolventen/-innen?

Eine Anmeldung zum Symposium und weitere Informationen sind in Kürze hier erhältlich.

Leuphana Universität Lüneburg wird durch ZEIT-Wissen Preis ausgezeichnet

Der ZEIT-Wissen Preis und die Bildungsinitiative »Mut zur Nachhaltigkeit« haben mit einem eigenen Wettbewerb überzeugende Konzepte nachhaltigen Wissens und Handels ausgezeichnet. In der Kategorie „Wissen“ gewann die Leuphana Universität Lüneburg (Mitglied der NaWis- Runde) den Preis, der mit 10 000 € dotiert ist und von der Stiftung Forum für Verantwortung unterstützt wird. In einer zehnköpfigen Jury aus VerteterInnen der Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien wurde die Leuphana Universität aus den Nominierten ausgewählt. In der Presseerklärung zur Preisverleihung heißt es:

„ZEIT WISSEN und die Initiative Mut zur Nachhaltigkeit honorieren das Konzept der Universität, wonach das Thema Nachhaltigkeit in sämtliche Bereiche des akademischen Lebens integriert wird. >Wissen und Handeln werden dabei vorbildlich miteinander verknüpftViele theoretische Erkenntnisse und Ideen werden direkt auf dem Universitäts-Campus angewandt, so dass die Studenten und Lehrkräfte bereits in ihrem Alltag nachhaltiges Leben umsetzen.

Entscheidend für die Jury war das Konzept der Leuphana Universität auch aufgrund ihres Anspruchs junge Menschen zu aktiven BürgerInnen einer Ziviligesellschaft des 21. Jahrhunderts auszubilden und studentisches Engagement in hohem Maße zu unterstützen. Deutlich wird dies nicht zuetzt auf der aktuell stattfindenden Konferenzwoche „Aufbruch – Wie geht Veränderung?“, die den Abschluss des transdisziplinär angelegten Leuphana- Semesters bildet. In dem Semester haben weit über 1000 Erstsemestler sich im Rahmen des Moduls „Verantwortung“ problem- und forschungsorientiert mit Fragestellungen der nachhaltigen Entwicklung auseinandergesetzt.

Ausschreibung für Juniorprofessur Social Entrepeneurship an der Leuphana Universität Lüneburg

Die Universität Lüneburg, „die öffentliche Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“, schreibt eine Juniorprofessur Social Entreneurship an der Fakultät Nachhaltigkeit aus. Ausgerichtet ist die Ausschreibung auf eine „Forschung an der Schnittstelle zwischen Unternehmertum, Management, innovativen gesellschaftsorientierten Initiativen und nachhaltigem gesellschaftlichen Wandel.“ (…) Die schwerpunktmäßige lehrbezogenen Tätigkeit liegt „im Aufbau eines Projektangebots für Studierende, das durch eine Kombination von Theorievermittlung und praktischer Umsetzung die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden, insbesondere das gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein, fördert.“

Zwei weitere Professur-Ausschreibungen der Fakultät Nachhaltigkeitswissenschaft finden Sie hier.

Bewerbungen richten Sie bitte bis zum 15.02.2013 an den Präsidenten der Leuphana Universität Lüneburg, Postfach 2440, D-21314 Lüneburg oder elektronisch an beko@leuphana.de.

Quelle und weitere Informationen unter www.leuphana.de. 

Ausschreibungen für 2 Professuren an der Leuphana Universität Lüneburg

An der inter- und transdisziplinären Fakultät Nachhaltigkeitswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg werden zwei Professuren ausgeschrieben. Das Profil der Leuphana als öffentliche Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts bietet WissenschaftlerInnen der Nachhaltigkeitswissenschaften ein optimales und inspirierendes Arbeitsumfeld. Die Leuphana ist Mitglied in der NaWis-Runde.

Die Ausschreibung für die Professur für Umweltchemie und Stoffdynamik (W3) finden Sie hier:

Die Ausschreibung für die Professur für „Behaviour, Communication and Sustainable Development“ (W3) finden Sie hier:

Bewerbungsschluss für beide Stellen ist der 15.02.2013.

Erster Nachhaltigkeitsbericht für die Universität Hamburg durch oikos Hamburg veröffentlicht

Oikos Hamburg ist ein gemeinnütziger Studierendenverein, der im Oktober 2010 in Eigeninitiative und unentgeltlich auf das Präsidium der Universität Hamburg zugegangen ist um in Kooperation mit der Universität Hamburg den ersten Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.

Nach zwei Jahren und vielen Gesprächen mit verschiedensten Mitgliedern der Universität Hamburg aus dem Senat, der Universitätsleitung, der Verwaltung, der Wissenschaft und den Studierenden ist das Ergebnis im Dezember 2012 veröffentlicht worden. Der erste Nachhaltigkeitsbericht der Universität Hamburg soll öffentlichkeitswirksam und reflexiv möglichst viele Mitglieder der Universität Hamburg und darüber hinaus über die nachhaltige Entwicklung informieren.

Die Mitglieder der Universität Hamburg widmen sich in den vergangenen Jahren verstärkt der Umsetzung eines Leitbilds der Nachhaltigen Entwicklung. Die Universität Hamburg hatte sich mit einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept für die zweite Runde der Exzellenz-Initiative beworben. Trotz des Scheiterns dieser Bewerbung, sind die Bemühungen um eine „Nachhaltige Universität“ an der Universität im Präsidium fest verankert und werden in einem eigenen Kompetenzzentrum weitergeführt. Hamburg ist damit eine der größte Universitäten, die sich dieser Herausforderung der stärkeren Implementierung von Nachhaltigkeit in den Bereichen Forschung, Lehre und Hochschul-Governance annimmt. Die studentische Berichterstattung zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten ist dazu eine hervorragende Ergänzung.

Der vollständige Nachhaltigkeitsbericht ist auf der oikos Hamburg Homepage als PDF zu finden und steht hier als Download zur Verfügung:
oikos_Hamburg_Nachhaltigkeitsbericht

Kontakt:
info@oikos-international.org

„Wahrhaft nützlich – Was eine kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht?“ – Veranstaltungsbericht zur Tagung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Neuartige und komplexe Problemlagen, wie sie etwa für den Klimawandel oder den Verlust der Artenvielfalt charakteristisch sind, stellen Wissenschaft und Gesellschaft vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund war es Ziel der vom ISOE veranstalteten Tagung „Wahrhaft nützlich – Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ zu diskutieren, wie Wissenschaft und Forschung mit der Spannung zwischen dem eigenen Wahrheitsanspruch und den gesellschaftlichen bzw. den politischen Forderungen nach Nützlichkeit von Forschung umgehen soll. Durch die fast 140 TeilnehmerInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft waren die verschiedenen gesellschaftlichen Perspektiven zum Thema vertreten und sorgten für eine lebhafte Diskussion.

Diskussions- und Orientierungsgrundlage waren die vom ISOE entworfenen „Frankfurter Thesen zur kritischen Nachhaltigkeitsforschung“. Diese wurden zu Beginn der Tagung von Thomas Jahn vorgestellt und erläutert. In dem darauffolgenden Eingangsvortrag beschrieb Professorin Gesine Schwan zunächst die Bedeutung der Freiheit der Wissenschaft und deren Suche nach Wahrheit und kam zu dem Schluss, dass die Freiheit der Wissenschaft eine zweckgerichtete und engagierte Wissenschaft nicht ausschließe, solange diese methodisch reflektiert sei. Am Beispiel des von der Humboldt-Viadrina School of Governance initiierten Energiewende-Trialogs berichtete Schwan anschließend über die Erarbeitung von Lösungsansätzen für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende durch unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.

In der Podiumsdiskussion „wahrhaft nützlich – Anspruchskonflikt zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ wurden an konkreten Beispielen aus der Nachhaltigkeitsforschung Ansprüche an Wissenschaft und Forschung sowie die Themensetzung in der Wissenschaftspolitik diskutiert: Wichtig sei eine breite Einbindung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen – sowohl bei der Themensetzung im Rahmen der Forschungspolitik als auch in der Forschungspraxis selbst. Auf die Forschungspraxis bezogen bedeute dies – ganz im Sinne eines transdisziplinären Forschungsprozesses – sich in einem ersten Schritt auf einen gemeinsamen Forschungsgegenstand zu verständigen. Während des Forschungsprozesses sollten die gesellschaftliche Problemwahrnehmung und die wissenschaftliche Problembeschreibung regelmäßig abgeglichen werden und schließlich sei eine gemeinsame kritische Bewertung der Ergebnisse vorzunehmen.

Der zweite Teil der Tagung galt den Transformationsfeldern „Wasserressourcen und Wasserinfrastruktur“, „Energie und Konsum“, „Elektromobilität und Verkehr“ und „Ernährungssicherung und Biodiversität“. In Workshops wurden die wichtigsten Problemfelder und daraus resultierende Forschungsbedarfe benannt. Das themenübergreifende forschungspolitische und -praktische Fazit lautet, dass nicht nur die Vernetzung der verschiedenen Versorgungssysteme, wie etwa die Wasser- oder Nahrungsversorgung, sondern auch die Rolle der KonsumentInnen als entscheidender Faktor in der Transformation sowohl in der Forschung als auch in der Forschungsförderung bislang zu wenig Beachtung finde.

Eine ausführliche Tagungsdokumentation befindet sich derzeit in Bearbeitung und wird demnächst auf der Webseite www.isoe.de erscheinen.

Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“.

 

Ausschreibung Postdoc-Fellowships im Postdoc-Kolleg „Sustainable Future“ des Kompetenzzentrums Nachhaltige Universität Hamburg

Im Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität der Universität Hamburg hat zum Sommersemester 2012 das Postdoc-Kolleg „Sustainable Future“ seine Arbeit aufgenommen. Es bietet herausragend qualifizierten Postdoktorandinnen und -doktoranden sowohl von der Universität Hamburg als auch von anderen Universitäten im In- und Ausland die Möglichkeit, als Fellows des Kollegs und zugleich eingebunden in eine von ihnen zu wählende Forschungseinrichtung der Universität Hamburg Forschungsprojekte zu Fragen, Problemen und Perspektiven von Nachhaltigkeit durchzuführen.

In ihrem Bestreben, sich zu einer „University for a Sustainable Future“ zu entwickeln, möchte die Universität Hamburg mit dem Postdoc-Kolleg gerade auch jene Fächer ansprechen, in denen Nachhaltigkeit noch keine prominente Rolle spielt, und sie ermuntern, dieses Thema auch in reflexiv-wissenschaftskritischer und/oder didaktischer und/oder institutioneller Perspektive in den Blick zu nehmen.

Anträge können jederzeit eingereicht werden. Die Förderentscheidungen finden im halbjährlichen Turnus statt. So werden alle Anträge, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorliegen, jeweils vergleichend geprüft.

Förderparameter:
• Voll- und Teilstipendien für einschlägige Projekte zur Nachhaltigkeit
• Laufzeit von bis zu zwei Jahren
• eine akademisch und sozio-kulturell attraktive, interdisziplinäre Arbeitsumgebung
• Einbindung in eine Forschungseinrichtung der Universität Hamburg und gezielte Betreuung
• Auswahlentscheidung nach persönlicher Präsentation

Fördersumme:
Vollstipendien in Höhe von 2.200 Euro pro Monat, zuzüglich monatlicher Sachkostenpauschale von 150 Euro Teilstipendien in Höhe von 800 Euro pro Monat zur Finanzierung von Fahrt- und Aufenthaltskosten sowie sonstigen anfallenden Sachkosten (bei anderweitiger Finanzierung der eigenen Position).

Nächster Antragstermin: 31. Dezember 2012

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.nachhaltige.uni-hamburg.de/de/Foerderprogramme/Fellowships.html

Die Ausschreibung finden Sie hier:
Anzeige_Postdoc_Fellowships_31-12-2012_lang.pdf

Projekt CuveWaters des ISOE für BMBF Forschungspreis Nachhaltige Entwicklung nominiert

Das Projekt CuveWaters ist für den Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) nominiert worden. Damit gehört das hessische Forscherteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main zu den drei Finalisten des Wettbewerbs. Der Preis wird im Zuge der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises am 7. Dezember 2012 zum ersten Mal für herausragende Projekte in den Bereichen Klima, Energie, Ressourcen und Umwelttechnologien vergeben. Das ISOE ist Mitglied des Ecological Research Network (Ecornet), das sich zum Ziel gesetzt hat die wissenschaft-lichen Disziplinen für die sozial-ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu öffnen.  Die Nominierung des ISOE-Projektes durch das BMBF ist daher ein kraftvolles Symbol für die Anerkennung der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland.

Seit 2006 setzt das ISOE in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt das internationale Verbundprojekt CuveWaters im nordnamibischen Cuvelai-Etosha-Becken um. In dieser Region variiert das Klima sehr stark. Die Menschen sind im Wechsel von Dürren und Überschwemmungen betroffen. An vielen Stellen ist das Grundwasser zudem zu salzhaltig zum Trinken. Ziel von CuveWaters ist es, die natürlichen Wasserquellen nutzbar zu machen und maß- geschneiderte Lösungen für eine dezentrale und nachhaltige Wasserver- und -entsorgung umzusetzen. Innovativ ist zudem das städtische Abwasser- und Sanitärkonzept mit anschließender Wasserwiederverwendung, Energie- und Soffverwertung.

Das Forscherteam hat bereits zehn Pilotanlagen entwickelt: Solarbetriebene Entsalzungsanlagen liefern Trinkwasser, weitere Anlagen sammeln und speichern Regen- und Flutwasser und ermög- lichen so eine ganzjährige Bewässerung der neu angelegten Nutzgärten. Mehrere Familien können inzwischen Gemüse anbauen und auf lokalen Märkten verkaufen. Alle Anlagen sind Teil eines sogenannten Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM).

Transdisziplinärer Ansatz für die nachhaltige Nutzung knapper Wasserressourcen

Eine Besonderheit von CuveWaters ist sein transdisziplinärer Ansatz: Unter Berücksichtigung der regionalen Bedürfnisse beziehen die WissenschaftlerInnen ganz unterschiedlicher Disziplinen das Praxiswissen der Menschen vor Ort mit ein. Um einen dauerhaften Projekterfolg zu gewährleisten, werden Bewohner an den verschiedenen Standorten für den Bau, die Wartung und die Bedienung der Anlagen sowie für den Bewässerungsgartenbau geschult.

Die enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung wertet die Jury des Nachhaltigkeitspreises neben der „Anpassungsfähigkeit an die ökologischen und sozialen Bedingungen vor Ort“ als Stärke des Projekts. Die nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen gelinge zudem durch die zahlreichen Maßnahmen zum Wissenstransfer. „CuveWaters fördert Millenniumsziele und Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene und stärkt Fähigkeiten und Strukturen vor Ort“, lautet die Urteilsbegründung der Jury für die Nominierung von CuveWaters.

Mehr Informationen finden Sie in der Pressemitteilung des ISOE:

pm-nachhaltigkeitspreis-cuvewaters-2012

oder unter: www.isoe.de

Stellenangebote für transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung an der Leuphana Universität Lüneburg

Die Professur Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg wird in den nächsten zwei Jahren ein transformatives Forschungsprojekt im Bereich nachhaltige Stadtquartiersentwicklung durchführen. Gefördert wird das Projekt innerhalb des EU Großprojekt Innovations-Inkubator an der Leuphana Universität. Die Leuphana Universität Lüneburg ist Mitglied der Runde für Nachhaltige Wissenschaft und immer wieder Vorreiter-Institution im Design und der Umsetzung transdisziplinärer Forschungsprojekte.

Im Rahmen des Projekts wird von Forschungsseite an einem Nachhaltigkeitskonzept für eine konkrete Liegenschaft in der Hansestadt Lüneburg mitgearbeitet werden. In einem transdisziplinären Ansatz sollen durch intensive Interaktion mit einer Vielzahl bereits akquirierter Praxispartner wechselseitige Lernprozesse gestaltet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse und Resultate werden eingebettet in Umsetzungsstrategien sowie auf generelle Anwendbarkeit hin überprüft. Zudem soll erforscht werden, welche Rolle nachhaltige Stadtquartiere als „Leuchttürme“ für eine regionale Nachhaltigkeitstransformation spielen und auch in andere Bereiche ausstrahlen können. Im Sinne eines transdisziplinären Prozesses finden aktuell Gespräche zwischen der wissenschaftlichen Leitung des Projekts (Prof. Dr. Daniel J. Lang) und Schlüsselakteuren statt, um die Arbeitsschwerpunkte des Forschungsprojekts zu präzisieren.
Für die erste Phase des Projektes sind momentan zwei 50% Stellen für Wissenschaftliche MitarbeiterInnen ausgeschrieben. Bewerbungsschluss ist der 25. Oktober. Die Ausschreibungstexte finden Sie unter folgenden Links:

http://www.leuphana.de/aktuell/ausschreibungen/offene-stellen/inkubator/ansicht-inkubator/datum/2012/11/12/1-wissenschaftlicher-mitarbeiterin-schwerpunkt-szenariobasierte-und-partizipative-planungsprozess.html

http://www.leuphana.de/aktuell/ausschreibungen/offene-stellen/inkubator/ansicht-inkubator/datum/2012/11/12/1-wissenschaftlicher-mitarbeiterin-schwerpunkt-analyse-und-evaluation-nachhaltiger-stadtquartiere.html

Die Tagungsdokumentation der Jahrestagung des Öko-Instituts 2012 ist erschienen

„Energiewende – Gut vernetzt? Wie die Transformation des Energiesystems gelingen kann“, lautete der Titel der diesjährigen Jahrestagung des Öko-Instituts. Am Donnerstag, den 13. September referierten und diskutierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Berlin darüber, welche Veränderungen es braucht, das Energiesystem auf Effizienz und emissionsfreie Energieträger umzustellen.

Auf vier Panels wurden diskutiert, zu Themen wie:

  • Infrastruktur? Ja bitte! Das Stromnetz für die Energiewende
  • Strommärkte reloaded. Das Marktdesign auf dem Prüfstand
  • Gut planen – fair entscheiden Planung und Konfliktlösung beim Infrastruktur-Umbau
  • Speicher unter Druck. Stromspeicher und andere Flexibilitätsoptionen

Eine ausführliche Dokumentation mit Präsentationen, Fotos und Videos der Panels und Podiumsdiskussion der Jahrestagung „Energiewende – Gut vernetzt“ des Öko-Institut finden Sie unter: www.oeko.de/jahrestagung2012

Leibniz-Gemeinschaft richtet Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ ein

Als einen von bisher insgesamt neun Forschungsverbünden hat die Leibniz-Gemeinschaft einen Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ eingerichtet.
Im Zentrum des Forschungsverbunds „Krisen einer globalisierten Welt“, zu dem bislang 19 Leibniz-Institute gehören, stehen Finanzmarkt- und Verschuldungskrisen, Welternährungs-krisen, Krisen politischer Ordnungssysteme und Umweltkrisen. Im Verbund soll Wissen generiert werden, um Krisen in ihrer Komplexität verstehen und Optionen für eine künftige gesellschaftliche Verarbeitung von Krisen erarbeiten zu können.

Leibniz-Einrichtungen schließen sich in Leibniz-Forschungsverbünden zusammen, um aktuelle wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante Fragestellungen inter- und transdisziplinär zu bearbeiten.
Die Forschungsverbünde sind mit einer Perspektive von fünf bis fünfzehn Jahren angelegt und offen für die Zusammenarbeit mit Universitäten, anderen außeruniversitären Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen sowie ausländischen Forschungsgruppen.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ und der dort vorgesehenen Teilprojekte finden Sie hier.

IDW-Meldung zur Einrichtung des neuen Forschungsverbundes: http://idw-online.de/de/news500310

Nachhaltige Wissensprozesse. Bleibt die Universität ein privilegierter Ort der Wissenschaft?

Ein Vortrag im Rahmen der ISOE-Lectures, am 29.10. 2012

Derzeit stehen die Universitäten unter starkem Veränderungsdruck: Als intellektuelle Zentren sollen sie die „große Transformation“ der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vordenken, entwerfen und analysieren. Zugleich stellen »Informationsgesellschaft«, »Bologna-Prozess« und »Exzellenzinitiative« Universitäten als privilegierte Orte vor neue Herausforderungen. In seinem Vortrag geht Egon Becker der Frage nach, wie sich die Universitäten so verändern können, dass sie nachhaltige gesellschaftliche Entwicklungen befördern – und dabei zugleich gegen den Ökonomisierungsdruck und den „Exzellenzwahn“ ihren Eigensinn und ihre systemische Eigenfunktionen stärken. Dabei wird eine Neufassung der klassischen Universitätsidee im Horizont des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung als von zentraler Bedeutung betrachtet.

Der Vortrag bildet den Auftakt der zukünftig jährlich veranstalteten ISOE-Lectures, die ausgewählte Themen sozial-ökologischer Forschung behandeln. Die Veranstaltung findet an der Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend, Casino, Raum 1.801, statt.

Redner: Prof. Egon Becker (ehem. Uni Frankfurt, ISOE)

Veranstalter: Institut für sozial-ökologische Forschung
Mehr Infos erhalten Sie hier.

„Helmholtz 2020 – Zukunftsgestaltung durch Partnerschaft“ – die Helmholtz-Gemeinschaft legt ein kontroverses Positionspapier vor

Ein Kommentar von Uwe Schneidewind

Die Diskussion um die Weiterentwicklung der deutschen Wissenschaftslandschaft nach dem Jahr 2017 ist in vollem Gange. 2017 ist das Jahr, in dem die jetzige Exzellenzinitiative ausläuft und in den kommenden zwei bis drei Jahren wird entschieden, wie mögliche milliardenschwere Nachfolgeprogramme des Bundes ausgestaltet werden. Zu dieser Diskussion hat jetzt die Helmholtz-Gemeinschaft als die größte der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften einen bemerkenswerten Beitrag vorgelegt. Sie versteht ihr Positionspapier „Helmholtz 2020 – Zukunftsgestaltung durch Partnerschaft“ als einen „Beitrag der Helmholtz-Gemeinschaft zur Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Deutschland.“ Dabei reklamiert sie im künftigen Wissenschaftssystem einen zentralen Führungsanspruch (S. 26/27), der schon in der ersten Reaktion von den anderen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland kontrovers aufgenommen wurde (TAZ-Artikel).

Das Papier der Helmholtz-Gemeinschaft leistet dabei einen durchaus wichtigen Beitrag für die Debatte über die künftige Wissenschaftspolitik: Es sensibilisiert für die Bedeutung, die die großen gesellschaftlichen Herausforderungen für die künftige Weiterentwicklung des Wissenschaftssystem haben sollten.

Und dabei geht es nicht darum, Grundlagenforschung durch gesellschaftsbezogene Anwendungsforschung zu ersetzen. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, die Forschung in ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen so auf gesellschaftliche Herausforderungen beziehen zu können, dass ein breites Spektrum von Lösungsmöglichkeiten in Politik und Gesellschaft entsteht. An die Seite des heute im deutschen Wissenschaftssystem relevant ausgeprägten „Science Impacts“ sollte ein stärkerer „Societal Impact“ treten. Für diese Aufgabe reklamiert die Helmholtz-Gemeinschaft einen zentralen Koordinationsanspruch für sich. Die Helmholtz-Gemeinschaft sieht sich im künftigen Wissenschaftssystem als „Architekt und Koordinator“ für diese Form der Forschung (S. 15.)

Und genau hier liegt das Problem des Helmholtz-Anspruches: Die Helmholtz-Gemeinschaft erforscht „Systeme hoher Komplexität unter Einsatz von Großgeräten und wissenschaftlichen Infrastrukturen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern.“ (Mission der Helmholtz-Gemeinschaft, S. 4). Damit ist die Forschungsperspektive der Helmholtz-Gemeinschaft immer in einer bestimmten Form geprägt: Wenn sich die Helmholtz-Gemeinschaft „Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft“ annimmt, dann tut sie dies aus der Perspektive technologischer und insbesondere großtechnologischer Forschung. Viele der kommenden gesellschaftlichen Herausforderungen sind jedoch sozialer und institutioneller Natur. Sie sind zunehmend auf soziale denn alleine auf technologische Innovationen angewiesen. Das macht es so sensibel, wenn die Helmholtz-Gemeinschaft einen Führungsanspruch für die Forschung zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen für sich proklamiert. Es verengt die Lösungsräume für Politik und Gesellschaft.

Deswegen ist es von so zentraler Bedeutung, dass die Forschung zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen möglichst plural organisiert wird. Es braucht eine Vielfalt von Forschungsperspektiven und eine Einbindung der Zivilgesellschaft, die über Akzeptanzbeschaffung für neue technologische Lösungen hinausgeht. Es bedarf einer wirklichen Einbindung der Zivilgesellschaft beim „Co-Design“ (d.h. bei der Definition von Problemen und Forschungsfragen) sowie bei der „Co-Production“ von Forschungsprozessen. In ihrem Papier zielt die Helmholtz-Gemeinschaft lediglich auf „Gesellschaftliche Akzeptanz als Forschungsgrundlage“, dies ist weit von einer wirklichen Beteiligung entfernt.

Hier kommen die Hochschulen und insbesondere auch die nicht in den Großforschungsgemeinschaften organisierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen ins Spiel. Gerade sie können eine solche Pluralität gewährleisten. Aber die Hochschulen müssen dafür die Herausforderung einer gesellschaftsorientierten Forschung noch stärker als heute annehmen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft versteht ihr Positionspapier explizit als Einladung zum Dialog und ermuntert andere Akteure im Wissenschaftssystem zu einer ähnlich selbstbewussten Positionierung (S. 3). Dies ist zu begrüßen, sie sollte wahrgenommen werden – nicht nur von den Hochschulen und den anderen Wissenschaftsorganisationen, sondern auch von möglichst vielen Akteuren in der Zivilgesellschaft. Denn die anstehenden Neuorientierungen im Wissenschaftssystem eröffnen die Chance, Wissenschaft näher an die großen gesellschaftlichen Herausforderungen heranzuführen statt bestehende Forschungstraditionen nur zu verlängern.

Quellen:

„Nachhaltige Universität“ Hamburg – Diskussion von Uni-Präsident Lenzen mit Vertretern der Zivilgesellschaft

In einer Diskussionsveranstaltung am 23. Oktober um 19:00 Uhr im Bürgersaal des Rathauses stellt sich der Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen, Vertretern der Zivilgesellschaft zu den Herausforderungen einer „Nachhaltigen Universität“.

In einem Eingangsreferat wird Dieter Lenzen, das Konzept der „Nachhaltigen Universität“ vorstellen, während in einem zweiten Teil dieses Konzept mit gesellschaftlichen Akteuren aus den Bereichen Wirtschaft, Gewerkschaften, Umwelt und Soziales auf seine Relevanz hin überprüft werden soll. An der Podiumsdiskussion werden neben Prof. Dr. Lenzen teilnehmen:

  • Dr. Wilma Simon, Vorsitzende des Verbandsrates des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
  • Dr. Andreas Keller, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes und Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg und
  • Heinrich Lieser, Geschäftsführer Notus Energy.

Die GAL bittet um Anmeldung unter Tel: 42831-1397 oder per Mail: info@gruene-fraktion-hamburg.de.

Konferenz „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ am 16. November 2012

Das ISOE-Institut für sozial-ökologische Forschung lädt am Freitag, den 16. November 2012, zur Tagung „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ ein. Sie ist Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012.
Die Tagung des ISOE steht unter der Leitfrage „Was für eine Nachhaltigkeitsforschung brauchen wir, und in welchem Verhältnis muss sie zu Gesellschaft und Politik stehen, um die globalen sozial-ökologischen Herausforderungen der Zukunft besser bewältigen zu können?“.
Vor Beginn der Tagung werden an die Teilnehmer/innen die „Frankfurter Thesen“ verschickt, die als Diskussionsgrundlage dienen sollen. Während der Tagung werden diese dann in Themenwerkstätten zu Wasser, Energie, Mobilität sowie Biodiversität & Ernährungssicherung bearbeitet.

Die Keynote der Tagung hält Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance.

Veranstaltungszeit und -ort:

„wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“
16. November 2012
10:00 – 17:30 Uhr
Haus am Dom, Frankfurt am Main

Mehr Informationen zu Programm und Anmeldung demnächst auf www.isoe.de

Oral History: Die Anfänge der Umweltpolitikberatung am 18. Oktober 2012, im Ecologic Institut

„Das Ecologic Institut steht als Umweltpolitikinstitut in der Tradition der kritischen Wissenschaft. Wenn Martin Jänicke als Zeitzeuge der Anfänge der wissenschaftsbasierten Politikberatung in der deutschen Umweltpolitik spricht, dann ist das auch Teil der Vorgeschichte des Ecologic Instituts.“ (Andreas Kreamer, Geschäftsführer Ecologic Insitut) Das Interview mit Martin Jännicke am findet am 18.10. um 17 Uhr im Ecologic Institut, Pfalzburger Str. 43/44, 10717 Berlin statt. Es wird der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen mit Zeitzeugen unter dem Namen „Oral History“ sein. Die Veranstaltungen werden in Kooperation mit dem Ecornet organisiert.

Im Anschluss an die Veranstaltung bietet sich die Gelegenheit, den Abend bei einem Dinner (Selbstzahler) in einem naheliegenden Restaurant ausklingen zu lassen. Bitte informieren Sie Jana Siemonsmeier (oral-history@ecologic.eu, Tel. 030/86880-129), wenn Sie Interesse haben, teilzunehmen.

Stipendien für Nachhaltigkeitswissenschaftler an der Harvard University ausgeschrieben

Das Programm für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Harvard University vergibt zum akademischen Jahr ab September 2013 Forschungsstipendien für Doktoranden und Post-Docs, die ihren Forschungssschwerpunkt im Design, der Implementation oder Evaluation wirksamer Interventionen für nachhaltige Entwicklung haben. Dabei sollen vor allem die Interdependenzen verschiedener Sektoren in Indien, China und Brasilien im Vordergrund stehen. Bewerbungsschluss ist der 15. Januar 2013. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Diskussionsveranstaltung „Perspektiven der Wachstumskritik“ und VÖW Mitgliederversammlung am 09.11. in Berlin

Im Vorfeld der nächsten Mitgliederversammlung veranstaltet die Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung am 09.11.2012 um 15:00 Uhr eine Diskussion mit Dr. Christian Hey, Generalsekretär des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) und Mitglied der VÖW zu den „Perspektiven der Wachstumskritik“. Der SRU hat sich in einem aktuellen Gutachten im Sommer 2012 intensiv mit der Wachstumsfrage auseinandergesetzt und damit in die Endphase der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestages einen wichtigen Akzent gesetzt. Mit Christian Hey wird u.a. Uwe Schneidewind, VÖW-Vorstandsmitglied und selber Mitglied der Enquete-Kommission, diskutieren. Weitere Informationen finden sich ab Anfang Oktober hier.

Im Anschluss an die Veranstaltung findet um 17 Uhr die Mitgliederversammlung der VÖW statt. Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung steht der Rückblick auf die Aktivitäten der VÖW im Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/Zukunftsprojekt Erde“ und ein Ausblick auf das Jahr 2013. Die Einladungen mit genauer Tagesordnung und Ort der Versammlung finden sich ab Mitte Oktober hier.

„Unternehmen Postwachstum: Unternehmensstrategien an den Grenzen des Wachstums“ – Öffentliche Abschlussdiskussion der Sneep und VÖW Sommerakademie 2012

„Unternehmen Postwachstum: Unternehmensstrategien an den Grenzen des Wachstums“ so lautet der Titel der diesjährigen Sommerakademie der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung und des studentischen Netzwerks für Wirtschafts- und Unternehmensethik sneep vom 20.08. bis 24.08. in Berlin. Die sneep-VÖW-Sommerakademie für 20 engagierte Studierende und Doktorandinnen will aktuellen Fragen und Erkenntnissen zur Wachstumsdiskussion nachgehen und setzt dabei einen Fokus auf die Rolle der Unternehmen als einem Teil der Postwachstumsgesellschaft: Was sind die Eckpunkte der aktuellen Debatte um Wachstum? Welche Rolle spielen Unternehmen darin? Welchen Gestaltungsspielraum haben Unternehmen im Hinblick auf Wachstum? Welche Rolle spielen der Wettbewerb und makroökonomische Rahmenbedingungen? Wie könnten Unternehmensstrategien in einer Postwachstumsgesellschaft aussehen? Welche Rolle haben BürgerInnen und KonsumentInnen? Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

Die Ergebnisse der Sommerakademie werden auf einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert und diskutiert:

am Freitag, den 24. August 2012, von 14.00 – 15.30 Uhr
im kleinen Saal in der Heinrich Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin.

Im Anschluss an die Diskussion gibt es die Möglichkeit des Kennenlernens und des Austauschs bei einem kleinen Imbiss. Um eine Anmeldung wird gebeten. Dazu reicht eine Mail mit Name, Institution und Anschrift an die Geschäftsstelle der VÖW: info@voew.de.

ISOE-Tagung „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“

Das ISOE-Institut für sozial-ökologische Forschung lädt am Freitag, den 16. November 2012, zur Tagung „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ ein. Sie ist Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012. Die Tagung des ISOE steht unter der Leitfrage „Was für eine Nachhaltigkeitsforschung brauchen wir, und in welchem Verhältnis muss sie zu Gesellschaft und Politik stehen, um die globalen sozial-ökologischen Herausforderungen der Zukunft besser bewältigen zu können?“.

Vor Beginn der Tagung werden an die Teilnehmer/innen die „Frankfurter Thesen“ verschickt, die als Diskussionsgrundlage dienen sollen. Während der Tagung werden diese dann in Themenwerkstätten zu Wasser, Energie, Mobilität sowie Biodiversität & Ernährungssicherung bearbeitet. Die Keynote der Tagung hält Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance.

„wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“

16. November 2012

10:00 – 17:30 Uhr

Haus am Dom, Frankfurt am Main

Mehr Informationen zu Programm und Anmeldung demnächst auf www.isoe.de

HWR Berlin gründet fachbereichsübergreifendes Institut für Nachhaltigkeit

Nachhaltige Ökonomie und Nachhaltigkeitsmanagement sind bereits seit den 1990er Jahren Forschungsthemen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin. Nun haben Professorinnen und Professoren der HWR Berlin das fachbereichsübergreifende Institut für Nachhaltigkeit gegründet mit dem Ziel, die vielfältigen Aktivitäten der Hochschule in diesem Bereich zusammenzuführen.

Das Institut für Nachhaltigkeit will die Forschungs- und Lehraktivitäten an der HWR Berlin in den interdisziplinären Themenbereichen Nachhaltige Ökonomie, Nachhaltigkeitsmanagement, Corporate Social Responsibility, Wirtschaftsethik und Umweltrecht bündeln sowie das vorhandene Fachwissen verstärkt in die Forschungs- und Lehrtätigkeiten integrieren. Erfolgen soll dies durch Forschungsprojekte, Workshops, Konferenzen und Veröffentlichungen, wobei die Einbeziehung von Studierenden eine wichtige Rolle spielt.

Der Direktor des neugegründeten Instituts ist Prof. Dr. Holger Rogall, Professor für Nachhaltige Ökonomie und Vorsitzender des Vereins Gesellschaft für Nachhaltigkeit.

Quelle: HRW Berlin

Transdisziplinarität zwischen Mainstream und Marginalisierung: Aufsatz in Ecological Economics von Thomas Jahn, Matthias Bergmann und Florian Keil

Thomas Jahn, Matthias Bergmann und Florian Keil vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) sind Autoren des Artikels „Transdisciplinarity: Between mainstreaming and marginalization“ in der aktuellen Ausgabe von Ecological Economics (Volume 79, Juli 2012, S. 1–10). Das Ziel des Artikels ist es, Gemeinsamkeiten im transdisziplinären Diskurs zu finden. Basierend auf einer Analyse der wissenschaftlichen Literatur identifizierten die Autoren zunächst die Hauptmerkmale eines sich herausbildenden, geteilten Rahmenkonzepts der Transdisziplinarität. Aufbauend auf diesem Rahmenkonzept präsentieren sie ein konzeptionelles Modell, das von Wissenschaft und Wissenschaftspolitik genutzt werden kann, um verschiedene Typen von Transdisziplinarität und deren Bedarf an Integration zu charakterisieren. Zusammenfassend schlagen die Autoren eine allgemeine Definition von Transdisziplinarität vor. Der Artikel macht das die Transdisziplinaritätsdebatte seit einigen Jahren prägende ISOE-Modell für die internationale Diskussion verfügbar.

Weitere Informationen über: Dr. Thomas Jahn/ISOE 

Der Artikel ist erschienen in: Thomas Jahn, Matthias Bergmann, Florian Keil (2012); Transdisciplinarity: Between meinstreaming and marginalization. Ecological Economics, 79, 1-10

Memorandum zur sozial-ökologischen Forschung – jetzt unterzeichnen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt die Weichen für die Förderung der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) neu. In der gut zwölfjährigen Förderperiode des Schwerpunkts wurden Verbünde und Einzelvorhaben mit wegweisenden Forschungsprojekten zu globalen Problemen wie Klimawandel, Umweltzerstörung oder Ernährungssicherung unterstützt. Jetzt wird diese Förderung neu aufgelegt.

Führende Akteure der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung setzen sich in einem Memorandum dafür ein, dass die sozial-ökologische Forschung in den kommenden Jahren konsequent vertieft und verbreitert wird – inhaltlich, organisatorisch und institutionell. Denn: Neues und transdisziplinäres Wissen ist der Schlüssel für grundlegende gesellschaftliche Transformationen.

Unterzeichnen ab sofort möglich – Gemeinsam für innovative Forschung eintreten

Das Memorandum zur sozial-ökologischen Forschung gibt Empfehlungen zur Förderung von Themenfeldern und für Maßnahmen der Strukturentwicklung in der nächsten SÖF-Förderperiode. Es kann ab sofort mitunterzeichnet werden. Es soll Forschungsministerin Annette Schavan bis zum 20. Juni 2012 übergeben werden.

Das Memorandum erarbeitete ein Kernautorenteam aus dem Umfeld der sozial-ökologischen Forschung. Ein erster Entwurf wurde auf der BMBF Agenda-Konferenz „Sozial-ökologische Forschung für eine zukunftsfähige Gesellschaft“ am 20. März 2012 in Bonn mit über 200 Teilnehmer/innen diskutiert.

Das vollständige Memorandum finden Sie hier:

SOEF_Memorandum

H
ier können Sie das Memorandum unterzeichnen.

Alternativen zur Mainstream-Ökonomik? Vortragsreihe heterodoxe Ökonomik im SoSe 2012 der FU Berlin

Wirtschaftswissenschaften in der Krise? Was tut sich eigentlich jenseits der Neoklassik?
Die Neoklassik und ihre diversen Spielarten haben sich sehr breit gemacht in den Hörsälen – von theoretischer und methodischer Vielfalt ist zumindest in der Lehre keine Spur – so der Eindruck vieler Studierender. Dem wollen engagierte und kritische Wirtschaftsstudierende mit einem erfrischenden Blick über den Tellerrand entgegenwirken: Was ist eigentlich Post-Keynesianismus? Was macht feministische oder ökologische Ökonomik aus? Was ist dran an Marx‘ Krisentheorie?

Veranstaltungsort
Freie Universität Berlin, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Garystr. 21, 14195 Berlin (U-Bhf Thielplatz) Kontakt zu den Kriwis und Programmaktualisierungen finden Sie auf http://www.kritische-wirtschaftswissenschaften.de

„Forschung für die Nachhaltigkeit“ – Neue Publikation des Projekts „Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW“

Seit 2005 informieren 20 nordrhein-westfälische Fachhochschulen gemeinsam Politik und Wirtschaft über ihre Forschungsaktivitäten. Die jüngste Publikation „Forschung für die Nachhaltigkeit“ gibt einen Einblick in unterschiedliche Forschungsbereiche und Forschungsaktivitäten zur energetischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit an den Fachhochschulen in NRW. In einem Serviceteil liefert die Broschüre Kurzportraits der einzelnen Hochschulen und Informationen zu relevanten Forschungsschwerpunkten. Die Broschüre „Forschung für die Nachhaltigkeit“ kann kostenlos (gegen Rückporto) über die Website des Projektes „Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW“ bestellt werden:
www.fachhochschulen-nrw.de/publikationen/index.html

Netzwerk von insgesamt 20 Fachhochschulen in NRW
Das Projekt „Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW“ wird getragen von folgenden 20 Hochschulen: Fachhochschule Aachen, Fachhochschule Bielefeld, Hochschule Bochum, Technische Fachhochschule Georg Agricola zu Bochum, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Fachhochschule Dortmund, Fachhochschule Düsseldorf, Westfälische Hochschule, Hochschule für Gesundheit, Hochschule Hamm-Lippstadt, Fachhochschule Köln, Rheinische Fachhochschule Köln, Fachhochschule Münster, Hochschule Niederrhein, Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Hochschule Rhein-Waal, Hochschule Ruhr West und Fachhochschule Südwestfalen.

Weitere Informationen:
Lebendige Forschung an Fachhochschulen in NRW
c/o Fachhochschule Köln | KISD
zefo | Zentrum für Forschungskommunikation
Ubierring 40, 50678 Köln
Tel.: 0221 8275-3097
E-Mail: info@fachhochschulen-nrw.de

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Hochschule Bochum

Workshop „BO – Ökologisch. Ökonomisch. Sozial. Nachhaltigkeit ist machbar!“ verbreitet Aufbruchsstimmung

Die Vision steht: Die Hochschule Bochum möchte eine nachhaltige Hochschule werden. Mit nachhaltigen Studiengängen, in denen Nachhaltigkeit auch zentrales Thema ist. Und auch als Institution so nachhaltig ausgerichtet wie nur möglich. Aber: was soll das sein, eine nachhaltige Hochschule? Motiviert, auf diese Frage Antworten und Anregungen zu geben, waren die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des offenen Workshops, an dem am 16. April mit Professorinnen und Professoren, wissenschaftlichen wie nichtwissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie auch Studierenden Hochschulangehörige aus allen Gruppen teilgenommen haben.

 

Am Ende des Tages waren Zuversicht und Erwartung bei den Workshop-Teilnehmern deutlich zu spüren. Diese Gefühle sollen in die ganze Hochschule strahlen, hoffen die Organisatoren aus dem Verwaltungsdezernat für Hochschulentwicklung.

„Dass etwas von dem, was wir in dem Workshop zusammengetragen haben, vergessen wird oder unberücksichtigt bleibt, das braucht niemand in der Hochschule Bochum zu befürchten. Wir werden es weitertragen und weiterentwickeln!“, verspricht Vizepräsidentin Reinhardt. Schließlich ist, so lautete auch ein Ansatz aus der Teilnehmerrunde, Nachhaltigkeit ein Prozess.

 

Weiter Informationen unter: http://idw-online.de/de/news473533

 

Dokumentation der IÖW/VÖW-Jahrestagung jetzt online

Die Veranstalter der IÖW/ VÖW Jahrestagung freuen sich, mitteilen zu können, dass die Tagung „Was bewegt? Von sozial-ökologischen Experimenten in den Alltag“ vom 8. und 9. März umfassend online dokumentiert wurde. Die Tagung war eine Veranstaltung der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im BMBF-Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde/ Nachhaltigkeit„. Zu den anderen Veranstaltungen der Reihe gelangen Sie hier.
Unter www.was-bewegt.org finden Sie die Tagungsdokumentation zum Nachlesen, -hören, und -schauen:

  • „Was bewegt Sie…?“ – Stimmen zur Konferenz als Kurzvideo sowie Mitschnitte ausgewählter Vorträge (zu den Videos)
  • Den Tagungsreader und die Präsentationen der Referent/innen als PDF-Download sowie Audiobeiträge „Drei Visionen für den Brennpunkt Stadt“ (zu den Downloads und Audios)
  • Ein Fotoalbum mit Impressionen der Tagung (zum Album)

Wenn Sie über Neuigkeiten aus dem Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung informiert bleiben möchten, können Sie mit dem IÖW-Newsletter aktuelle Informationen direkt in Ihren Posteingang erhalten. Der Newsletter erscheint rund viermal im Jahr: zum IÖW-Newsletter-Abonnement.

Newsletter zur Fachzeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ gestartet

Mit der ersten Ausgabe 2012 von „Ökologisches Wirtschaften“ wird ab sofort ein neues Informationsangebot rund um die Fachzeitschrift angeboten. Mit dem „Ökologisches Wirtschaften Newsletter“ sind stets vorab neue Ausgaben und Themen der Zeitschrift angekündigt sowie Informationen zu Artikeln im Open Acess Bereich von „Ökologisches Wirtschaften Online“ verfügbar. Sie können sich hier für den Newsletter anmelden.

Über „Ökologisches Wirtschaften“

„Ökologisches Wirtschaften“ ist die wissenschaftliche Zeitschrift zu sozial-ökologischen Wirtschaftsthemen. „Ökologisches Wirtschaften online“ bietet als Open Access Portal Zugang zu allen Fachartikeln seit der Gründung der Zeitschrift 1986. In diesem reichen Wissensfundus können Sie über 1.000 Artikel durchsuchen und herunterladen. Die Ausgaben der letzten zwei Jahre stehen exklusiv Abonnent(inn)en zur Verfügung. Herausgeber sind das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Vereinigung für Ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW). Ökologisches Wirtschaften erscheint im oekom Verlag, München.
Zum Newsletter Ökologisches Wirtschaften 1/2012 gelangen Sie hier.

Quelle:
http://www.ioew.de/news/article/newsletter-zur-fachzeitschrift-oekologisches-wirtschaften-gestartet/

Gespräche zu Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsforschung: Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besucht Heidelberger IÖW-Büro

Am 2. März 2012 war die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zu Gast beim IÖW. Gemeinsam mit Thomas Korbun und Dr. Frieder Rubik vom IÖW sowie Markus Duscha vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) sprach sie über die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsforschung ihres Bundeslandes. Anlässlich des Besuches würdigte Bauer die beiden traditionsreichen unabhängigen Institute in ihrem Wahlkreis Heidelberg: „Institute wie das IÖW und das IFEU sind Zukunftslabore, die mit Forschung und Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Ich möchte sie und andere außeruniversitäre Umweltforschungsinstitute deshalb in die Landesstrategie „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ einbinden.“

Mehr auch auf: http://www.ioew.de

Rückblick auf Sustainability Summit in Lüneburg

Der Leuphana Sustainability Summit vom 29.02. bis 02.03.2012 brachte knapp 300 Teilnehmer_innen aus 50 verschiedenen Ländern an der Universität Lüneburg zusammen. Die Konferenz war eine Veranstaltung der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012 „Zukunftsprojekt Erde“. Mit der Reihe fragen die Initiatoren (NaWis-Verbund und Ecornet) nach der Motorfunktion der Wissenschaft auf dem Weg zu einer gesellschaftlichen Transformation in Richtung Nachhaltiger Entwicklung.

Eröffnet wurde der erste Konferenztag mit einer Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen einer Politik für Nachhaltigkeit im 20. Jahr nach Rio an der u.a. Tim Jackson, Angelika Zahrnt und Jürgen Maier teilnahmen. Am Nachmittag wurden die theoretischen und praktischen Anforderungen an eine transdisziplinäre Wissenschaft diskutiert (u.a. mit Beiträgen von Thomas Jahn, Arnim Wiek und Roland W. Scholz ). Arnim Wiek von der School of Sustainability der Arizona State University plädierte für eine Wissenschaft, die aus den Laboren geht und verlernt, was einer Zusammenarbeit mit der Gesellschaft im Weg steht.

Insbesondere am zweiten Konferenztag erörterten die internationalen Experten in einer Reihe von Workshops zu den Themen Biodiversität, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeitspolitik und Transdisziplinarität intensiv den „state of the art“ und machten gleichzeitig immer wieder auf Best- Practice Beispiele im Feld aufmerksam.

Neben der Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse am Morgen des dritten Konferenztages, wurde in den letzten Keynotes des Summits noch einmal die Rolle und Verantwortung von Wissenschaft thematisiert. Aus dem internationalen Kontext präsentierten sich Vorreiterinstitutionen (University of British Columbia/ Kanada), die mit ihrer Arbeit explizit einen „sozialen Wandel“ zum Ziel haben. Neben diesem Wandel, den jede einzelne Organisationen im Wissenschaftssystem anstoßen kann, betonte UBA-Präsident Jochen Flasbarth die Aufgabe von Wissenschaftler_innen: Diese sollten vor allem ihre Ergebnisse in der Komplexität reduzieren und Ratschläge für politische Entscheidungsprozesse möglichst einfach kommunizieren. „Bürokraten können viel mehr verändern, als sie manchmal vorgeben.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch der Leuphana Sustainability Summit im Zeichen der Veränderung stand: die gewaltigen Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung fordern statt des häufig betriebenen „blame games“ ein „mutual learning“ – ein gemeinsames Lernen aller Akteure aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Daher sprachen die anwesenden Wissenschaftler_innen sich für die Schaffung einer durchsetzungsfähigen Weltumweltorganisation und eines Weltrates Nachhaltigkeit aus, wie es in der Pressemitteilung der Leuphana Universität Lüneburg heißt.

Alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ finden Sie hier.

Neues Präsidium für COPERNICUS Alliance gewählt

Das europäische Netzwerk für Nachhaltige Entwicklung im Hochschulssystem – COPERNICUS Alliance – ist mit einem neuen Präsidium ins Jahr 2012 gestartet. Bereits auf der jährlichen Vollversammlung im November 2011 in Kerkrade/ Niederlande wurden Prof. Daniella Tilbury (University of Gloucestershire, UK) als Präsidentin und Dr. Clemens Mader (Universität Graz, Österreich) als Vize-Präsident gewählt. Das neue Team will sich für weitere Aktivitäten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, den Transfer der Ergebnisse von Rio + 20 für das Hochschulsystem und die Verbreiterung des Netzwerks in Europa engagieren.

Die Mitglieder der COPERNICUS Alliance verschreiben sich der COPERNICUS Charta, eine Selbstverpflichtung für Nachhaltige Entwicklung, die bisher 326 Hochschulen unterzeichnet haben. Die im Jahr 2011 aktualisierte Fassung der COPERNICUS Charta 2.0 kann unten heruntergeladen werden. Eine Teilnahme an einem der stärksten europäischen Netzwerke für eine Nachhaltige Wissenschaft bietet Hochschulen nicht nur freien Zugang zu relevanten Informationen, sondern auch die Teilnahme an den spannenden Veranstaltungen des Netzwerks.

Download der COPERNICUS Charta 2.0:

COPERNICUS Charta 2.0

Aktueller Umweltbericht der TU Berlin veröffentlicht

Die TU Berlin hat vor kurzem ihren aktuellen Umweltbericht veröffentlicht.
Der CO2-Ausstoß wurde halbiert, der Stromverbrauch ist jedoch gestiegen.

Diese und andere Ergebnisse können im neuen Umweltbericht der TU Berlin für das Jahr 2010 nachgelesen werden. Er stellt ausführlich die Umweltauswirkungen von Lehre, Forschung und Verwaltung der Universität dar. Der Anteil von Lehre (10%) und Forschung (15%) mit Nachhaltigkeitsbezug erhöht sich stetig.

Als besonderer Erfolg konnte die CO2-Emission der TU Berlin durch Umstellung der elektrischen Energie auf erneuerbare Energiequellen auf 17.000 Tonnen pro Jahr mehr als halbiert werden. Doch auch kritische Entwicklungen sind auszumachen: Aufgrund der steigenden Technisierung z. B. im EDV-Bereich und der Tendenz zu halbindustriellen Großforschungsständen steigt der Stromverbrauch seit Jahren trotz korrigierender Maßnahmen der Fachtechnik kontinuierlich an.

Umweltbericht der TU Berlin als Download:    
Umweltbericht_2011

„Evidence for Sustainable Development“ – Konferenz des Forschungszentrums für Umweltpolitik der FU Berlin und des Network of Excellence LIAISE

Das Forschungszentrum für Umweltpolitik der FU Berlin und das LIAISE (Linking Impact Assessment Instruments to Sustainability Expertise) Network of Excellence laden am 5. und 6. Oktober 2012 in Berlin zur 11ten Konferenz der Reihe Conferences on the Human Dimensions of Global Environmental Change ein. Die Themen der Konferenz sind die Wissensbasierung von politischen Entscheidungen für eine Nachhaltige Entwicklung, die Konstruktion von wissenschaftlichem Wissen („evidence“) und die Wege, wie solches Wissen in politischen Entscheidungen genutzt wird.

Ziel der Konferenz ist es, Wissenschaftler_innen verschiedener Fachrichtungen und Forschungsgebiete, die Wissen produzieren, welches zur Unterstützung der Entscheidungsfindung für eine nachhaltige Entwicklung genutzt werden kann, zusammenzubringen mit jenen Wissenschaftler_innen, die über die Nutzung dieses Wissens forschen. Darüberhinaus sind politische Entscheidungsträger_innen und Praktiker_innen, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik arbeiten oder sich mit dem Umgang mit wissenschaftlichem Wissen in der Politik befassen, herzlich eingeladen. 

Abstracts für Papers können bis zum 1. April 2012 eingereicht werden. Alle Einreichungen werden von einem internationalen Review-Team begutachtet. Die Bekanntgabe des Reviews wird spätestens zum 30. Juni 2012 per E-Mail mitgeteilt. Die vollständigen Papers werden bis zum 15. September 2012 erwartet.

Weitere Informationen zu den Konferenzthemen entnehmen Sie dem Call for Papers.
Zu den allgemeinen Informationen zur Konferenz besuchen Sie bitte die Website: http://www.berlinconference.org/2012/

„Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ – Eine Broschüre gibt Orientierungshilfe –

In Deutschland beginnen jedes Jahr knapp 400.000 neue Studierende an 400 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen ihr Studium. Ein Ziel der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist es, ihre Lehrpläne dauerhaft um das Konzept der Nachhaltigkeit zu bereichern.Einige Studien- und Promotionsprogramme existieren bereits. Forschung, Lehre und Betrieb der Hochschule müssen jedoch Hand in Hand gehen, wenn das Konzept ganzheitlich umgesetzt werden soll.

Die neue Broschüre der AG „Hochschule und Nachhaltigkeit“ der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt deshalb nicht nur die akademische Leistungsfähigkeit verschiedener Initiativen auf, sondern nennt auch hilfreiche Quellen, Netzwerke und Beispiele aus dem Alltag, etwa in den Bereichen Energieeffizienz und Klimaneutralität.

Sie bietet außerdem eine Checkliste, die es erleichtert, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie in Hochschulen zu implementieren: Wie viele Schritte auf dem Weg zu einer verantwortungsbewussten und nachhaltigeren Hochschule wurden schon zurückgelegt? Welche weiteren Schritte können gegangen werden? Wie kann das Nachhaltigkeitsengagement sichtbarer gemacht werden?


Ein kleiner Einblick aus der Broschüre:

STUDIERENDE FÜR NACHHALTIGKEIT AN HOCHSCHULEN

Für eine Hochschullandschaft in nachhaltiger Entwicklung!

Forderungspapier des Netzwerks studentischer Nachhaltigkeitsinitiativen


FORSCHUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Nachhaltigkeitsforschung: Was können Hochschulen tun?


LEHRE FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Ansatzpunkte in Studium und Lehre


Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit

Ein Angebot innovativer Lehrveranstaltungen für eine nachhaltige Entwicklung


GEMEINSAME ERKLÄRUNG

Hochschulen für nachhaltige Entwicklung ?
Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung


BETRIEB DER HOCHSCHULE

Nachhaltige Entwicklung im Betrieb der Hochschulen


NACHHALTIGE WISSENSCHAFT IM NETZ

Blog Nachhaltige Wissenschaft


PROFILBILDUNG UND NETZWERKE FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Heraus aus der Nische ? 
Profilbildung und Netzwerke als Katalysatoren für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems


EIN BUNDESLAND UNTERSTÜTZT SEINE HOCHSCHULEN

Hochschulen als Antreiber für nachhaltige Entwicklung


TRANSDISZIPLINÄRE FORSCHUNG

Hochschulen und nachhaltige Entwicklung in der Region


NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Nachhaltigkeitsbewertung von Hochschulen


NACHHALTIGKEITSSELBSTTEST

Nachhaltigkeit in der Hochschule: Ein Konzept für die interne Selbstüberprüfung

Skizzenblätter für den ersten Selbsttest

 

„Was bewegt? – Von sozial-ökologischen Experimenten im Alltag“ – Tagung des Instituts und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung

„Was bewegt? Von sozial-ökologischen Experimenten in den Alltag“ – so lautet die gemeinsame Jahrestagung von IÖW und VÖW vom 08. bis 09. März im Umweltforum Berlin.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die immer weiter um sich greifende Feststellung, dass weitreichende gesellschaftliche Transformationen erforderlich sind, um den gekoppelten gesellschaftlichen und ökologischen Krisen zu begegnen. Wesentliche Ideengeber und Treiber dieses Wandels sind sozial-ökologische Pioniere etwa in der nachhaltigen Energieerzeugung, im Unternehmertum oder im Wandel des Konsums. Was bewegt solche Pioniere und wie sehen ihre Zukunftsentwürfe aus? Könnten ihre sozialen Innovationen zur alltäglichen Praxis vieler Menschen werden? Welche neuen politischen Strategien und Rahmenbedingungen sind dafür erforderlich?
Auf der Tagung kommen Pioniere sozial-ökologischer Lebensweisen zusammen, um ihre Visionen zu präsentieren und gemeinsam mit Wissenschaftler/innen, Vertreter/innen von NGOs, Politiker/innen und Unternehmer/innen zu diskutieren. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, wie die politischen Handlungsstrategien und Forschungsansätze so gestaltet werden können, dass sie dazu beitragen, nachhaltige Lebensweisen substanziell zu verbreiten. Raus aus der Experimentierphase, rein in den Alltag! Nachhaltige Lebensweisen ? wie können sie tauglich für den Mainstream werden?
Anmeldeschluss ist der 28.02., direkt zur Anmeldung geht es hier.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ des NaWis-Verbundes und des Ecornet, die sich als Beitrag für das BMBF- Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/ Zukunftsprojekt Erde“ versteht.

Hier geht es zur Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

DFG fördert Forschungskolleg zu Postwachstumsgesellschaften

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit 6 Millionen Euro eine sozialwissenschaftliche Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit dem „Festtag der Jenaer Soziologie“ am 26. Januar nahm die Forscher_innengruppe unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Dörre ihre Arbeit auf. Die Initiatoren begründen die Beantragung des Kollegs mit weltweiten Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und sich verschärfende soziale Ungleichheiten. Diese Herausforderungen führen zu einem Ende des Wachstumskapitalismus und benötigen daher die sozialwissenschaftliche Erforschung von Alternativen. Das – auf 6 Jahre ausgelegte – Kolleg, ist das bislang erste und einzige DFG-geförderte Kolleg dieser Art und kann, laut Prof. Dr. Klaus Dörre, als Ritterschlag bezeichnet werden.

Ecological Research Network (Ecornet) – der freien Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland

Das „Ecological Research Network“ (Ecornet) versteht sich als Netzwerk von Pioniereinrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Aus den konkreten Herausforderungen der ökologischen und nachhaltigkeitsorientierten Wende ist in den letzten 30 Jahren der Bedarf in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nach einer Forschung und Forschungseinrichtungen entstanden, die die entsprechenden Transformationsprozesse wissenschaftlich begleiten und befördern. Durch die existierende Wissenschaftslandschaft konnte dieser Bedarf nicht befriedigt werden. Dies führte zur Gründung einer Reihe von freien Forschungsinstituten (vgl. Übersicht der beteiligten Institute weiter unten) mit besonderen Spezifika:

  • Konsequente Orientierung an einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung und damit Ausrichtung der Forschung an konkreten gesellschaftlichen Problemlagen. Die Forschung der Institute soll gesellschaftlich relevante Fragestellungen thematisieren, die Forschungsergebnisse Eingang in das Handeln der betroffenen Akteure finden. Der Umgang mit dieser normativen Dimension ihrer Forschung erfolgt explizit.
  • Problemdefinition der Forschungsvorhaben gemeinsam mit betroffenen Akteuren/Auftraggebern. Ein besonderes Charakteristikum der Umweltforschungs-Institute ist das breite Spektrum ihrer Förderer, die von Politik über Unternehmen bis zu Umweltverbänden und der Wissenschaft selbst reichen.
  • Umsetzung einer hohen Interdisziplinarität in der Forschungsarbeit – insbesondere ein intensiver Brückenschlag zwischen Natur-, Technik- und Sozialwissenschaften.
  • Besondere strukturelle Bedingungen (geringe/keine Grundförderung, Ausrichtung an Drittmittelmärken), die ständigen Anreiz zu hoher Innovationsfähigkeit, Flexibilität und Anschlussfähigkeit an die Adressaten der Forschung führen.
  • Hohes Maß an Reflexität über Inhalte und Art der eigenen Forschung.

Die Institute verkörpern damit in besonderen Maße die Anforderungen an eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft. Durch die Förderung in spezifischen Forschungsprogrammen, insbesondere der sozial-ökologischen Forschung (SÖF) des BMBF wurden die inhaltlichen und insbesondere methodischen Standards dieser Forschung entscheidend weiterentwickelt.

Im deutschen Wissenschaftssystem stellen die führenden freien gemeinnützigen Umweltforschungsinstitute heute eines der inhaltlich und methodisch am besten entwickelten Zentren transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung dar.

Mitglied des Ecornet sind folgende Institute:

Zur Homepage des Ecornet gelangen Sie unter: http://ecornet.de/

Leibniz-Gemeinschaft richtet strategische Forschungsverbünde zu zentralen Zukunftsthemen ein

Auf ihrer Jahrestagung in Frankfurt am Main hat Leibniz-Präsident Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer angekündigt, „Strategische Forschungsverbünde“ in der Leibniz-Gemeinschaft einzurichten. Zunächst werden auf den Gebieten Nanotechnologie, Bildung, Biodiversität, Alternsforschung und Biotechnologie interdisziplinäre und institutsübergreifende Verbünde entwickelt. Die Strategischen Forschungsverbünde sollen auch externen Kooperationspartnern geöffnet werden und der Forschungspolitik „kritische Massen“ für gezielte, themenorientierte Forschungsinitiativen anbieten. Die Leibniz-Gemeinschaft will damit ihre Rolle als einer der zentralen wissenschaftlichen Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft weiter ausbauen.

Mit dem Themenfeld „Biodiversität“ ist auch ein Forschungsverbund aus dem Kontext der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung unter den vorgesehnen Verbünden.

Die Leibniz-Gemeinschaft geht damit einen weiteren wichtigen Schritt, die bisher nur lose Kopplung ihrer einzelnen Institute weiter zu intensivieren und zu themenbezogenen Koordinationsmustern zu kommen, die denen in der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft ähneln.

Weitere Informationen zu den Beschlüssen der Jahrestagung 2011 unter http://idw-online.de/de/news453395

Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität der Universität Hamburg schreibt Postdoc-Stipendien für das Kolleg „Sustainable Future“ aus

Das Kompetenzzentrum „Nachhaltige Universität“ der Universität Hamburg schreibt noch bis zum 31.12.2011 die nächste Runde von Post-Doc-Fellowships aus. Die Stipendien sind auf maximal 2 Jahre mit 2200,- Euro + Sachkostenzuschuss dotiert. Bewerben können sich herausragend qualifizierte Postdoktorandinnen und -doktoranden sowohl von der Universität Hamburg als auch von anderen Universitäten im In- und Ausland. Voraussetzung ist, dass das betreffende Vorhaben das Thema der „Nachhaltigkeit“ entweder in
thematisch-inhaltlicher, reflexiv-wissenschaftskritischer, didaktischer und/oder institutioneller Perspektive aufgreift. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden sich unter http://www.nachhaltige.uni-hamburg.de/de/Foerderung/Fellowships.html.

Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung. Vision 2030. Ein Dialog im Ruhrgebiet mit Wirtschaft und Gesellschaft

Konferenz
02.12.2011, 09:30 Uhr – 17:30 Uhr, FOM Hochschule für Ökonomie und Management, Schulungs- und Hörsaalzentrum II, Sigsfeldstr. 5, 45141 Essen

Nachhaltige Entwicklung kann nur gemeinsam gehafft werden. Deshalb arbeitet die Nachhaltigkeitsforschung nicht nur fächerübergreifend, sondern vernetzt auch Wissenschaft und Praxis miteinander. Wie das in der Zukunft bis 2030 aussehen könnte, wird am 2. Dezember an der FOM in Essen diskutiert.
Am Beispiel der Region Ruhrgebiet werden konkrete Maßnahmen konzipiert und deren Umsetzung angestoßen. Hochschulakteure, regionale Initiativen, Unternehmen und interessierte Studierende sind eingeladen, sich am Ideenaustausch und der Formulierung einer gemeinsamen Vision 2030 für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen zu beteiligen. Professorin Ute Klammer, Prorektorin für Diversity Management an der Universität Duisburg-Essen, Olivier Laboulle, Vertreter der Deutschen UNESCO-Komission (DUK) sowie Frau Claudia Determann, Vertreterin des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, führen in das Thema ein. Vorträge zu den Themenkomplexen „Hochschule, Forschung und Nachhaltigkeit“, „Leben, Ruhrgebiet und Zivilgesellschaft“ sowie „Wirtschaft und Nachhaltigkeit“ geben Impulse für den anschließenden Dialog. Entsprechend der drei Themenbereiche werden Arbeitsgruppen gebildet, die zum Abschluss der Konferenz die Ergebnisse ihrer Diskussionen präsentieren. Die Konferenz wird von dem Projekt „BENA-Nachhaltigkeit entdecken“ (Universität Duisburg-Essen) in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und der Arbeitsgruppe Hochschule des Runden Tisches der UN-Dekade „AG Hochschule und nachhaltige Entwicklung“ ausgerichtet.

Zur Anmeldung: http://www.uni-due.de/bena/veranstaltungen.shtml

Zum Konferenzprogramm: http://www.uni-due.de/imperia/md/content/nachhaltigkeit/konferenzprogramm_aghochschule_bena-1.pdf

Ansprechpartner:
BENA – Nachhaltigkeit entdecken
Frau Klaudia Schreiber
Tel.: 0201 – 183 7238
nachhaltigkeit@uni-due.de
www.uni-due.de/bena

Erster Nachhaltigkeitstag der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim

Am 11.11.2011 haben die sechs Hochschulen im Rahmen des Projektes „Rendevouz mit der Zukunft“ den ersten Nachhaltigkeitstag der Hochschulregion begangen. Zu ihnen gehören die Universität Tübingen, die Universität Hohenheim, die Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, die Hochschule Reutlingen sowie die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Alle sechs Hochschulen sind in unterschiedlichen Feldern im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung und -lehre aktiv. Die Universität Tübingen feierte an dem Tag ihre EMAS-Umweltzertifizierung und ist damit die erste EMAS-zertifizierte Hochschule in Baden Württemberg. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung in Baden Württemberg und wird durch die Landesregierung aktiv unterstützt.

Die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung“ nimmt Arbeit auf

Unter Leitung von Prof. Dr. Armin Grunwald und Prof. Dr. Ortwin Renn startet in diesen Tagen die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit“ ihre Arbeit. Die Allianz ist auf 5 Jahre ausgelegt und wird von der Helmholtz-Gemeinschaft mit 8,25 Mio. Euro gefördert. Die Federführung der Allianz liegt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Weitere beteiligte Helmholtz-Zentren sind das Forschungszentrum Jülich, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Darüber hinaus arbeiten am Zentrum Wissenschaftler der Universität Stuttgart, der Otto von Guericke Universität Magdeburg, der FU Berlin sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim mit.

Der Schwerpunkt der Arbeit der neuen Allianz liegt an der Schnittstelle zwischen Energietechnik, Planungsverfahren und Verbraucherverhalten. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die aktuelle Transformation des Energiesystems vorwiegend auf regenerative Energiequellen und Energieeffizienz setzt und damit die Energienachfrageseite mehr und mehr in den Fokus von Forschung und Energiepolitik rückt.

Weitere Informationen zur Allianz finden sich unter:
o http://www.helmholtz.de/index.php?id=2270
o Pressemeldung der Universität Stuttgart
o Pressemeldung des Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Hochschultag „Rendezvous mit der Zukunft – Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“ am 14.10.2011 – Perspektiven Nachhaltiger Entwicklung an Hochschulen

Wie können Hochschulen auf die komplexen Herausforderungen der Nachhaltigen Entwicklung eingehen? Wie organisiert man Lehre, Forschung und Transfer inter- und transdisziplinär? Wie können Hochschulen an bereits vorhandenes Wissen aus Unternehmen und Bürgerorganisationen anschließen – und wie können Hochschulen ihre Kompetenzen in die Prozesse Nachhaltiger Entwicklung aktiv einbringen?

Das haben Studierende, Professoren sowie Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz ein Jahr lang praktisch ausprobiert. Das Projekt „Rendezvous mit der Zukunft: Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“ (im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württembergs) kommt am 14.10.2011 mit einem Hochschultag zum Ende, bei dem die Erfahrungen ausgewertet sowie Empfehlungen für Hochschulen und Politik formuliert werden.

Nähere Informationen finden sich auf folgender Website, auf der auch eine Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist:
http://www.htwg-konstanz.de/hochschultag-ne

Die Teilnahme ist kostenlos, für Schüler und Studierende besteht die Möglichkeit zur Fahrtkostenerstattung.

Kontakt/Fragen an:
Frau Juliane Dross ( juliane.dross[at]htwg-konstanz.de )
07531-206433

Internationale Konferenz „Planning Research for the Future?“ vom 13.-15.10.2011 an der FU Berlin

Vom 13.-15.10.2011 veranstaltet das „Center for Cluster Development“ an der FU Berlin (Prof. Dr. Carsten Dreher) eine internationale Konferenz zum Thema „Planning Research for the Future?“. Im Zentrum der Konferenz steht die Frage, inwiefern Forschung -insbesondere solche, die sich an gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen orientiert- geplant werden kann und werden sollte. Die Konferenz adressiert damit Schlüsselfragen, die von hoher Relevanz für die Diskussion über eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft sind. Das Programm der Konferenz kann hier heruntergeladen werden.

Humboldt-Universität tritt mit THESys (The Great Transformations of Human-Environmental Systems) zur Exzellenzinitiative an

Zum 01. September mussten die Vollanträge der in der Vorauswahl erfolgreichen Universitäten zur Exzellenzinitiative bei DFG und Wissenschaftsrat eingereicht werden. Aus der Perspektive transdiszplinärer Nachhaltigkeitswissenschaften waren nur wenige Beiträge dabei. Eine erfreuliche Ausnahme ist die Humboldt-Universität mit dem in ihrem Zukunftskonzept vorgesehenen Integrated Research Institute (IRI) THESys (The Great Transformations of Human-Environmental Systems). Dieses IRI ist eines von drei IRI an der Humboldt-Universität und widmet sich dem Themenkomplex Nachhaltigkeit, Landnutzung und Globalisierung. Es ist verknüpft mit einem der zehn Graduiertenschool-Anträge der Humboldt-Universität, der von Prof. Patrick Hostert koordinierten FutureLand Graduate School – Wege zu einer nachhaltigen Landnutzung (http://hu-berlin.de/futureland). Auch wenn diese Bereiche der Nachhaltigkeitsforschung nur einen kleinen Teil des Gesamtforschungsspektrums der Humboldt-Universität darstellen, so ist es doch ein sehr erfreuliches Signal, dass an dem symbolträchtigen Flagschiff der deutschen Universitätslandschaft die Nachhaltigkeitswissenschaft einen festen Platz hat.

Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten an der Universität Tübingen

Zum kommenden Wintersemester wird erstmalig der Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten von der Universität Tübingen vergeben. Das Konzept dieses Preises wurde von dem seit einem Jahr bestehenden Beirat für Nachhaltige Entwicklung entwickelt, auf Initiative von und in Zusammenarbeit mit der StudierendenInitiative Greening the University e.V. Tübingen.

Mit dem Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten sollen jährlich jeweils bis zu drei Bachelor- und Masterarbeiten (bzw. äquivalente akademische Leistungen wie z.B. Zulassungsarbeiten, Diplomarbeiten etc.) prämiert werden. Bis zum 1. September diesen Jahres können sich alle Studierenden und Alumni der Universität Tübingen für den Preis bewerben, die ihre Abschlussarbeit in den vergangenen beiden akademischen Jahren verfasst haben. Die Preise sind mit 300€ für Bachelorarbeiten und 500€ für Masterarbeiten dotiert und werden jedes Jahr im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung vergeben.

Mit der Vergabe des Nachhaltigkeitspreises möchte die Universität erreichen, dass Themen der Nachhaltigen Entwicklung vermehrt in Forschungsprojekten aufgegriffen werden. Hierbei richtet sich die Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung – also der Frage, wie sich unsere Gesellschaft ökologisch, ökonomisch sowie sozial-kulturell global- und generationengerecht weiterentwickeln kann – explizit an alle Fachbereiche! Mit der Ausschreibung des Nachhaltigkeitspreises möchte die Universität also sowohl Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Nachhaltigen Entwicklung schaffen als auch bestehende gute Lehre und Forschung an der Universität Tübingen sowie deren Relevanz für die Gesellschaft sichtbar machen.

Die Verleihung des Preises wird am 11.11.2011 im Rahmen des Nachhaltigkeitstages der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim in einer Vorabendveranstaltung stattfinden; Prof. Dr. Klaus Töpfer wird dabei die erste Sustainability Lecture der Universität Tübingen halten.

Wie oben bereits angemerkt können sich (leider) nur Studierende und Alumni bewerben, welche ihre Abschlussarbeiten an der Universität Tübingen abgefasst haben. Als Initiatoren dieses Preises hoffen wir natürlich darauf, dass weitere Hochschulen über Tübingen hinaus diesem Beispiel folgen werden, um verstärkt Anreize zur Erforschung von Themen der Nachhaltigen Entwicklung zu schaffen.

Den vollständigen Auschreibungstext sowie alle Bewerbungskriterien für den Nachhaltigkeitspreises für Abschlussarbeiten finden sich unter http://www.uni-tuebingen.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/Uni_Tuebingen/Fakultaeten/WiSo/Wiwi/Uploads/Karriere/Stipendien/Aushang_Nachhaltigkeitspreis_2011.pdf&t=1312629062&hash=f483d2acd8d254dfc3a9c2995e1b40bdf589f158

Kongress „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“ zum 40-jährigen Bestehen des IWU am 6./7.10.2011 in Darmstadt

Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens veranstaltet das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) am 06./07. Oktober 2011 in Darmstadt einen Kongress zum Thema „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“. Der Kongress orientiert sich am Forschungsverständnis des IWU, Forschungsthemen aus den Problemen der Gesellschaft zu generieren. Er will das aktuelle Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren und zugleich die Merkmale exzellenter wie nachhaltiger Forschung beleuchten. Besonders im Augenmerk steht dabei, in welchen Netzwerken eine derartige Forschung gestaltet werden kann. Das vorläufige Programm des Kongresses findet sich hier.

Die IWU GmbH ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung des Landes Hessen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt und arbeitet sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Das Institut befasst sich mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen sowie umwelt- und energierelevanten Fragestellungen. Es erstellt Analysen und Prognosen für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft und unterstützt sie mit Konzepten, Leitlinien und Instrumenten. Das IWU verfügt über hohe Kompetenz bei prozessbegleitenden Steuerungsinstrumenten wie Monitoring und Evaluation. Das Gesamtbudget beträgt rund 3 Millionen Euro. Neben der institutionellen Förderung finanziert sich das IWU zu erheblichen Teilen aus Drittmittelforschung. Derzeit beschäftigt das Institut 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon überwiegend Wissenschaftler aus mehr als 10 Disziplinen.

Verbund für Nachhaltige Wissenschaft (NaWis) – Netzwerk zur Stärkung der Nachhaltigkeits-Wissenschaften

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Die Universität Kassel, die Leuphana Universität Lüneburg und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH haben sich zur NaWis-Runde zusammengeschlossen. Seit dem 01.01.2012 ist auch das Institute for Advanced Sustainability Studies Mitglied der NaWis-Runde. Ziel des Verbundes ist die Förderung transdisziplinärer Nachhaltigkeitswissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem – sowohl in Hochschulen als auch in außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Klima- und Umweltherausforderungen sprengen schon lange Disziplinengrenzen. Sie erfordern eine enge Zusammenarbeit von Natur- und Technik- mit Sozial- und Geisteswissenschaften. Nur so lassen sich Übergänge zu einer nachhaltigen Gesellschaft gestalten. International entwickeln sich viele Initiativen für eine inter- und transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft. Im deutschen Wissenschaftssystem steht diese noch am Anfang.

Hier setzt die von den Universitäten Kassel und Lüneburg, dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie sowie dem Institute for Advanced Sustainability Studies getragene „NaWis“-Runde an. Sie wird von vier führenden Wissenschaftseinrichtungen im Bereich der Nachhaltigen Wissenschaft getragen.

Schon heute arbeiten die vier Trägerinstitutionen auf Schlüsselfeldern der Nachhaltigkeitswissenschaft zusammen, wie z.B.

  • der Klimaanpassungsforschung,
  • dem Ausbau regenerativer Energiezeugung,
  • die nachhaltige Gestaltung von Ressourcen- und Stoffströmen,
  • nachhaltige Prozesse auf Stadtebene bzw. Nachhaltigkeitsstrategien von Städten

In Zukunft plant die NaWis-Runde u.a.

  • gemeinsame Forschungsprojekte, Graduiertenkollegs und Lehrangebote zu initiieren,
  • die Konzepte und Methoden einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft weiterzuentwickeln,
  • gemeinsam Foren und Tagungen zur Weiterentwicklung einer transdisziplinären Nachhaltigkeits-Wissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem zu veranstalten und
  • Positionen zur institutionellen und wissenschaftspolitischen Weiterentwicklung einer Nachhaltigkeits-Wissenschaft in Deutschland zu entwickeln.

Als deutscher Herausgeberkreis der -transdisziplinär ausgerichteten- Zeitschrift GAIA verfügt die NaWis-Runde über eine Publikationsplattform.

Eine Erweiterung des Netzwerkes um weitere Institutionen in den kommenden Jahren ist geplant. 

Weitere Hintergrundinformationen zur NaWis-Runde: Homepage der NaWis-Runde

Wissenschaftsstandort Ulm als Motor für eine Nachhaltige Entwicklung

Der Wissenschaftsstandort Ulm hat eine lange Tradition in der inter- und transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Durch die Einrichtung einer von der Stadt Ulm und zahlreichen Unternehmen der Region getragenen Stiftungsprofessur „Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften“ im Jahr 2008 hat dieser Prozess zusätzliche Dynamik bekommen. So besteht an der Universität Ulm eine enge fächerübergreifende Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zwischen der Informatik (Prof. Radermacher, FAW Ulm), der Biologie (Prof. Kazda), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (Prof. Tillmetz) und der bereits erwähnten Stiftungsprofessur (Prof. Müller). Dabei bezieht sich die Zusammenarbeit in der Forschung u.a. auf Projekte im Bereich regenerativer Energien (Biogasanlagen), der Elektromobilität (Marktchancen) oder des Mobilitätsverhaltens (car2go). Auch zu ethischen Fragen der Nachhaltigkeit wird an der Universität Ulm (Prof. Fangerau) und dem Humboldt Studienzentrum geforscht.

In der Lehre existieren übergreifende Module zur Nachhaltigkeit (Biologie/Wirtschaftswissenschaften). Im November letzten Jahres wurde ein erster Hochschultag zur Nachhaltigkeit durchgeführt.

Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit der Hochschule Ulm in Fragestellungen der Energieforschung. Sie drücken sich in Projekten zur Energieeffizienz (Prof. Kleiser) oder zu Photovoltaik (Prof. Heilscher) aus.

Ein wesentliches Kennzeichen der Nachhaltigkeitsforschung der Ulmer Hochschulen ist die enge Vernetzung mit Unternehmen der Region. Die Offenheit der Ulmer Unternehmen zu Fragen der Nachhaltigkeit ist dem bereits seit 15 Jahren bestehenden Ulmer Initiativkreis Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. zu verdanken. In diesem Netzwerk sind zahlreiche Unternehmen der Region versammelt, um gemeinsam mit der Wissenschaft Projekte zur Nachhaltigen Entwicklung durchzuführen. Es wurden Projekte zum Stoffstrommanagement, zur Ökobilanzierung oder zum zivilgesellschaftlichen Engagement für nachhaltige Entwicklung bearbeitet (http://www.unw-ulm.de/sites/251.html). Finanziert wurden die Projekte u.a. von der EU, dem BMBF und der DBU. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Institutionen für eine transformative Forschung – GAIA-Beitrag zur Konstituierung der NaWis-Runde

In der aktuellen Ausgabe 2/2011 der Zeitschrift GAIA ist der Beitrag (Download siehe unten) „Institutionen für eine transformative Forschung – zur Gründung der NaWis-Runde“ von Uwe Schneidewind, Andreas Ernst und Daniel Lang erschienen. Der Beitrag zeigt die Notwendigkeit institutioneller Veränderungen im Wissenschaftssystem auf, um den Anforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden – ähnlich wie dies gerade der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem aktuellen Hauptgutachten eingefordert hat. Mit der NaWis-Runde, die von den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut initiiert wurde und die seit 2011 der deutsche Träger der Zeitschrift GAIA ist, soll dazu ein Beitrag geleistet werden.

Der GAIA-Beitrag steht hier zum Download bereit: 110614-GAIA-NaWis-definitiv mit Titelblatt

Fachhochschulen in Baden Württemberg für Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Anläßlich des Regierungswechsels in Baden Württemberg haben die 21 staatlichen Fachhochschulen des Landes Baden-Württemberg ihr Angebot, eine „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auszubauen, bekräftigt. Die Initiative ist als Netzwerk konzipiert, das an jeder Hochschule einen Knoten in Gestalt eines Senatsbeauftragten für Nachhaltige Entwicklung und mittlerweile ca. 180 Kolleginnen und Kollegen umfasst. Bei der Gründung des „HNE-Netzwerks“ am 28. Oktober 2005 in Ulm wurde das Referat für Technik- und Wissenschaftsethik (rtwe) als geschäftsführendes Institut und Prof. Dr. Michael Wörz als Sprecher des Netzwerks gewählt.

Das gesamte Projekt wurde erstmals im April 2006 und zuletzt im Februar 2010 von der UNESCO als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“ ausgezeichnet. Unter http://www.rtwe.de/hne findet sich ein aktueller Stand der Initiative.

Ökosoziale Studientage in Tübingen – Ideenwerkstatt für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Vergangenes Wochenende fanden die ökosozialen Studientage in Tübingen statt. Ein gemischtes Programm brachte den Teilnehmern die Schnittstellen von Nachhaltigkeit und der Vision einer ökosozialen Marktwirtschaft ihres hochschulischen Alltages näher. In Vorträgen und Workshops, sowie Meinungsplätzen erarbeiteten Studierende, aber auch von auswärts kommende gemeinsam mit den Referenten Ideen und konkrete Handlungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung.
Initiatoren waren verschiedene Tübinger Hochschulgruppen, die sich im Bereich der Nachhaltigkeit engagieren, und das Forum für Ökosoziale Marktwirtschaft.
Die Idee der Hochschultage ist keine alleinige Tübinger Veranstaltung, sondern soll flächendeckend in Deutschland Verbreitung finden. Nach dem Auftakt 2010 mit insgesamt vier Veranstaltungen wird für das diesige Jahr schon eine weit höhere Resonanz erwartet.
Interessierte Initiativen sind herzlich geladen, sich an dem Projekt zu beteiligen und selbst vor Ort Veranstaltungen zu organisieren, um wirklich nachhaltige Akzente im Bereich der hochschulischen Bildung zu setzen. Weitere Infos gibt’s hier.

Fraunhofer Gesellschaft setzt auf fünf globlale „Fraunhofer Challenges“

In einem umfassenden Prozess hat die Fraunhofer Gesellschaft fünf globale Zukunftsfragen identifiziert, in denen sie die technologische Kompetenz ihrer Institute künftig stärker bündeln möchte:
– Verlustarme Erzeugung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie,
– Bezahlbare Gesundheit,
– Produzieren in Kreisläufen,
– Emissionsarme, zuverlässige Mobilität in urbanen Räumen,
– Erkennen und Beherrschen von Katastrophen.

Diese Herausforderungen dienen der Fraunhofer-Gesellschaft zur Definition künftiger strategischer Projekte. Die Themen ergänzen hervorragend den von der Fraunhofer-Gesellschaft eingeschlagenen Nachhaltigkeitsprozess. Sie decken Nachhaltigkeitsherausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen ab und betten die von Fraunhofer vorangetriebene Technologieentwicklung konsequent in die übergeordneten Herausforderungen ein.

Die Fraunhofer Gesellschaft bündelt die Themen in einem Programm »Märkte für Übermorgen« und fördert die Projekte des Programmes mit insgesamt 33 Millonen Euro.

Weitere Informationen unter http://idw-online.de/de/news422212

Kurzporträts und Nachhaltigkeitsprofil der an der NaWis-Runde beteiligten Institutionen

Anbei finden sich Kurzporträts der an der NaWis-Runde beteiligten Wissenschaftseinrichtungen:

Universität Kassel
Die Universität Kassel – 1971 im Zuge der Bildungsreformen als eigenständiges Gesamthochschulmodell gegründet – ist geprägt durch einen in Deutschland ungewöhnlich vielschichtigen Verbund von Kompetenzen, die sich auf Natur und Technik, Kultur und Gesellschaft konzentrieren. Das Fundament interdisziplinär entwickelter Innovation bilden starke Fach disziplinen, deren besonderes Leistungsspektrum von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung reicht. Strategische Partnerschaften mit führenden Forschungs-Instituten und Wissenschafts-Partnern im In- und Ausland stärken ihre Position im nationalen und internationalen Wettbewerb.

Umweltbezüge spielen seit der Gründung der Universität Kassel eine wichtige Rolle: Über 60 Professuren und etwa 250 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen gemeinsam mit Kooperationspartnern an der Universität Kassel in Fachbereichen, Instituten und einer Anzahl von Forschungsschwerpunkten zu Umweltthemen. Mit über 200 umweltbezogenen Lehrveranstaltungen pro Studienjahr, 19 Studiengängen mit Abschlüssen zu Umweltthemen, vielfältigen Promotionskollegs, Zusatzqualifikationsmöglichkeiten, weiterbildenden Studienprogrammen und Qualifizierungsangeboten für internationale Studierende nimmt die Universität Kassel eine Spitzenposition in Sachen Umweltforschung und –lehre ein.

An der Universität Kassel studieren rund 20.000 Studierende. Die Universität beschäftigt 2500 Menschen, davon knapp über 300 Professorinnen und Professoren.

Leuphana Universität Lüneburg
Die Leuphana Universität versteht sich als öffentliche Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Ihr deutschlandweit einmaliges Studienmodell mit international üblichen Bachelor- und Masterabschlüssen, ausgewiesenen Forschungsschwerpunkten und einer engen Kooperation mit gesellschaftlichen wurde mehrfach ausgezeichnet. Kernbestandteile sind das College für das Erststudium, die Graduate School mit verzahnten Master- und Promotionsprogrammen sowie die Professional School für berufliche Weiterbildung und Wissenstransfer. Vier Wissenschaftsinitiativen prägen das fachliche Spektrum der Hochschule: Nachhaltigkeitsforschung, Bildungsforschung/Lehrerbildung, Management und unternehmerisches Handeln sowie Kulturforschung.

Zum 01. Oktober 2010 hat die Leuphana als erste deutsche Universität eine Fakultät Nachhaltigkeit eingerichtet. Als Träger der universitätsweiten Wissenschaftsinitiative Nachhaltigkeitsforschung beschäftigt sich die Fakultät mit Bedingungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung. Die Fakultät verbindet dazu Human- und Naturwissenschaften mit derzeit etwa 25 Professuren aus den Disziplinen Chemie, Informatik, Kommunikation, Management, Ökologie, Philosophie, Planung, Politik, Psychologie, Recht, Technik und VWL. Transdiziplinarität kennzeichnet die Arbeitsweise der Fakultät in Forschung und Lehre.

Symbol der Neuausrichtung der Leuphana ist das geplante zukunftsweisende Zentralgebäude nach Entwürfen des international renommierten Architekten Daniel Libeskind. Mit einem Innovations-Inkubator stärkt die Universität Forschungs- und Wirtschaftspotenzial des Wissenschaftsstandorts Lüneburg. Der Inkubator ist derzeit europaweit das größte Regionalentwicklungsprojekt durch Wissenschaft. Es hat ein Volumen von rund 100 Millionen Euro und wird durch die Europäische Union gefördert.

An der Leuphana studieren 7.000 junge Menschen. Rund 450 der 800 Leuphana-Beschäftigten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, davon 150 Professorinnen und Professoren.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung.

Nachhaltige Entwicklung bedarf eines integrierten Politik- und Wissenschaftsansatzes. Denn die Fragestellungen einer zukunftsfähigen Entwicklung sind häufig nicht innerhalb von Ressortgrenzen oder einzelner wissenschaftlicher Disziplinen zu beantworten. Hier setzt das Forschungsprogramm des Wuppertal Instituts an. Es baut auf interdisziplinäres und am Systemverständnis orientiertes Arbeiten auf. Das Wuppertal Institut sieht sich seit seiner Gründung im Jahr 1991 der anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung verpflichtet.

Das Wuppertal Institut beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wird in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH geführt. Es erhält eine Grundfinanzierung vom Land Nordrhein-Westfalen. Den größten Teil seines Budgets von rund 11 Mio. Euro erwirtschaftet das Institut mit extern finanzierten Projekten.

IASS, Potsdam (ab 01.01.2012)
Ab dem 01.01.2012 tritt das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) der NaWis-Runde als viertes Kernmitglied unter Leitung von Exekutivdirektor Klaus Töpfer bei.

Die Anregung des Nobelpreisträger-Symposiums „Global Sustainability – A Nobel Cause“ und die Aufforderung durch die Bundesregierung beim nachfolgenden Klimaforschungsgipfel im Oktober 2007 aufgreifend, hat die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ein Konzept zur Schaffung eines interdisziplinären, interaktiven und internationalen Elite-Instituts für Nachhaltigkeitsforschung erarbeitet (Institute for Advanced Sustainability Studies – IASS).

Dieses Institut soll anspruchsvolle und neuartige Ansätze zu hochrelevanten Nachhaltigkeitsthemen wie Klimastabilität, Energiesicherheit, Ressourceneffizienz, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsdynamik, Koevolution urbaner und ruraler Räume und nachhaltige technologische Entwicklungen erschließen. Zudem soll das IASS einen zentralen Beitrag zur Entwicklung einer nationalen Forschungsstrategie zum Klimaschutz leisten und sich mit der ökologischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Klima- und Erdsystemforschung einbringen. Dabei soll das Institut herausragende Beiträge zum wissenschaftlichen Fortschritt leisten und als Drehkreuz des strategischen Dialogs zwischen Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Meinungsbildung beitragen.

Universitäre Nachhaltigkeitsberichte -Neuer Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen erschienen

Die Universität Bremen legt für das Jahr 2010 einen neuen Nachhaltigkeitsbericht vor. Nachdem bereits vor fünf Jahren ein erster Nachhaltigkeitsbericht erschienen war, werden hier die Entwicklungen der Universität erneut unter die Lupe genommen.

Nachhaltigkeitsberichte dienen dazu, alle Interessengruppen einer Universität über deren Entwicklungen zu informieren. Sie untersuchen die Universität hinsichtlich ihres inneren wie äußeren Wirkens, was zum einen die Betriebsabläufe der Universität selbst, zum anderen aber auch deren Rolle im regionalen Umfeld umfasst. Ganzheitlichkeit, die quasi begriffsimmanent mit Nachhaltigkeit verbunden ist, spiegelt sich auch konzeptuell in Nachhaltigkeitsberichten wieder. Während beispielsweise eine EMAS-Zertifizierung oder Umweltberichte in der Regel nur Aktivitäten einer Einrichtung hinsichtlich bestimmter Umweltkriterien bewerten, finden auch soziale und ökonomische Komponenten in Nachhaltigkeitsberichten ihren Niederschlag.

Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen beispielsweise teilt sich formal in zwei Bereiche: eine Innen- wie Außenansicht der Universität.
Nach Innen konzentriert sich der Bericht auf die Darstellung der Universität als nachhaltige Hochschule, aufgegliedert in die drei Komponenten der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Im Innenbereich geht es darum, die Qualität von Lehre und Forschung zu sichern, ein umweltverträgliches Energie- und Abfallmanagement zu betreiben sowie Chancengleichheit, Diversität und Familienfreundlichkeit zu fördern.

Nachhaltigkeit in der Außenwirkung einer Hochschule findet ihren Bewertungshintergrund in ihrer gesellschaftlichen Aufgabe: dem Transfer und der Generierung von Wissen. Eine Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist danach zu bewerten, wie sie ihren Studierenden für Themen der Nachhaltigkeit sensibilisiert und gleichzeitig einen Transfer diesen Wissens in die Gesellschaft leistet; auch die Forschung sollte bestimmte Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen.

Nicht nur die Universität Bremen ist bisher diesen Schritt gegangen, ihre Rechenschaftslegung auf eine solch breite Ebene zu legen, auch an anderen Universitäten finden sich solche Initiativen. Aktuell liegen beispielsweise Berichte der Universitäten Graz, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück vor. Es gibt jedoch auch Universitäten, an denen das Engagement zu einer solch ausführlichen Berichterstattung nicht von der Hochschulleitung sondern von Studierenden ausging. So hat beispielsweise eine Lokalgruppe des Netzwerkes Oikos für die Universität Bayreuth einen Nachhaltigkeitsbericht verfasst.

Orientierung beim Erstellen eines solchen Nachhaltigkeitsberichtes können internationale Standards liefern. So stellt beispielsweise die Global Reporting Initiative Richtlinien zur Verfügung, anhand derer ein Nachhaltigkeitsbericht aufgebaut werden kann.
Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bayreuth ist beispielsweise nach diesen GRI-Standards strukturiert.

„Nachhaltige Hochschule – Das Konzept der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt“: eine Vorstellung von Andreas Lob-Hüdepohl im Rahmen des Treffens der AG Hochschule vom 03.03.11

Die Idee der „Nachhaltigen Hochschule“ ist an der KU Eichstätt-Ingolstadt kein ganz neuer Gedanke. Bereits im Jahr 1993 unterzeichnete die KU EI die sogenannte Copernicus-Charta, die im Eindruck der Rio Konferenz von 1992 die Rolle der Hochschulen im Kontext nachhaltiger Entwicklung neu definierte. So bekundete die KU EI schon früh ihre Ambitionen zu mehr Nachhaltigkeit. Über Umweltringvorlesungen, die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Kommunen und Verbänden begann sich dieses Anliegen zu konkretisieren. Aus verschiedenen Gründen verlor diese Bewegung mit der Zeit jedoch an Schwung und wurde erst im Jahr 2008 wieder aufgegriffen.

Quasi zeitgleich mit der Wiederaufnahme des Konzeptes einer nachhaltigen Universität durch Umweltringvorlesungen und den Ideenwettbewerb „Sustainable Campus“ kam auch bundesweit Leben in die Debatte um die Verantwortung der Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung. Anfang 2010 verfassten die UNESCO-Kommission und der Hochschulrektorenkonferenz „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“.

Die Hochschulleitung selbst definiert in einem Wechselspiel zwischen Bottom-up und Top-down Einflüssen zu betrachten. Sie selbst trägt hierbei lediglich die Verantwortung für die Struktur und den Prozess, nicht aber für das Ergebnis selbst. Konkret lässt sich das beispielsweise an der Ernennung eines Beauftragten für Nachhaltige Entwicklung festmachen. Aufgabe der Hochschulleitung ist es für die institutionelle Einbettung eines solchen Prozesses zu sorgen.

Nachhaltigkeit selbst sei hier als normatives Konzept verstanden. Eine nachhaltige Universität müsse sich ständig einer kritischen Selbstreflexion unterziehen und hierin ihre Legitimation neu definieren. Gesellschaftliche Verantwortung ist zentral im Selbstverständnis als Nachhaltige Hochschule. In dieser stetigen Selbstreflexion und Legitimation unterliegt die einem steten Gestaltungsprozess. Im Kontext einer so nennbaren „organisierten Anarchie“, die an Universitäten vorherrschend ist, unterliegen Gestaltungsprozesse meist dem zufälligen Engagement einzelner Akteure, was einen hohen Anspruch der Durchsetzbarkeit an die Idee der Nachhaltigen Hochschule stellt.

Nachhaltigkeit als Leitbild einer Hochschule ist jedoch mehr als ein abstraktes Bild, sondern stellt hohe Ansprüch an alle Bereiche. Hierbei tun sich insbes. drei Handlungsfelder hervor: 1. Forschung, 2. Studium, Lehre und Weiterbildung sowie 3. die institutionelle Umsetzung und Infrastruktur.
Kurzfristig gilt es in der Forschung den Bezug des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltigkeit“ sichtbar zu machen. Im weiteren kann diese Forschung durch die Veranstaltung von Tagungen und Symposia, der Beteiligung an (inter)nationalen Forschungsprojekten und den Ausbau institutionenübergreifender Kooperationen gestärkt werden. Die Verstetigung wird über die Beteiligung an einschlägigen nationalen wie internationalen Netzwerken und Kooperationen angestrebt.
In Lehre und Studium ist zunächst wichtig, Studierende für das Fach BNE, hier Konkret in Form eines Masterstudienganges, zu begeistern. Auch gilt es, für Studierende anderer Studiengänge die Verfügbarkeit von Wahlmodulen zur Nachhaltigkeit zu erweitern. Umweltringvorlesungen des Studium generale sollen weiterhin zentraler Bestandteil des Campusleben bleiben. Auch in der Lehre ist es wichtig, durch eine stärkere nationale wie internationale Sichtbarkeit eine Verstetigung und Profilierung im Bereich der Nachhaltigkeit zu erlangen.
Auf Seite der institutionellen Umsetzung und Infrastruktur heißt dies auch, die Universität in ihrem Vorbildcharakter zu stärken: Es gilt Abfall zu vermeiden, Energiesparmaßnahmen einzuleiten und Studierende und Mitarbeiter der Universität für das Konzept der Nachhaltigkeit auch im eigenen Wirken zu begeistern. Partizipation aller Universitätsangehörigen bei der Umgestaltung und steten Weiterentwicklung der Universität sind durch institutionelle Verankerung zu bestärken und verstetigen. Auch das verstärkte Sichtbarmachen von Literatur und sonstigen Medien zur Thematik kann zur Sensibilisierung für eine NE einen Beitrag leisten. Langfristig wird eine EMAS-Zertifizierung angestrebt.

Die Entwicklung einer Universität zu einer Nachhaltigen Universität hat also nicht nur Relevanz im Bereich der Lehre und des Studiums sondern spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gesellschaftliche Verantwortung ist auch darin zu sehen, dass Universitäten eine Vorbildfunktion zu erfüllen haben. Durch den eigenen, verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen kann so glaubhaft vermittelt werden, dass Hochschulen die Idee der „Nachhaltigen Entwicklung“ ernst meinen.

Universität Erfurt setzt auf Nachhaltigkeit in der öffentlichen Darstellung

Als Ergebnis der langjährigen Bemühungen der studentischen Initiative „AG Nachhaltigkeit Erfurt“ um eine Umgestaltung der Universität in Richtung Nachhaltige Entwicklung wird der Schwerpunkt Nachhaltigkeit in Zukunft deutlich in der Öffentlichkeitsarbeit der Universität ausgewiesen.

http://www.uni-erfurt.de/nachhaltigkeit/

Neben Aktivitäten wie der Teilnahme am Ökoprofit und der Einrichtung einer Tauschbörse für Austauschstudierende steht das Selbstorganisierte Seminar „Sustainability – Face the Challenge!“ im Mittelpunkt der öffentlichen Darstellung. Bei dem Projekt treten Sudierende als Organisator/-innen ihrer eigenen Lehrveranstaltung auf. Ihr Ziel ist es Studierenden im Rahmen von Mikroprojekten in Erfurt und Umgebung eine praktische Auseinandersetzung mit dem Konzept nachhaltiger Entwicklung zu ermöglichen. Dabei sind ausgeklügelte Organisationsstrukturen, Kreativität und ein hohes Maß an Motivation und Engagement gefragt. Eine Ringvorlesung für die interessierte Öffentlichkeit bildet den einführenden Rahmen. Im Jahr 2010 brachten die Studierenden eine Broschüre zur Lehrveranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit heraus. Lesenswert:

http://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public-docs/Nachhaltigkeit/Unterlagen/Broschuere_StuFu_Nachhaltigkeit_2010_web.pdf

Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde

Anbei ausgewählte Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde:

Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep/Präsident der Universität Kassel:
„Die Universität Kassel zählt sicher zu den Vorreiterhochschulen im Feld interdisziplinärer Umweltwissenschaften. Wir haben unsere entsprechenden Forschungs- und Lehraktivitäten schon früh über Fachgrenzen hinweg gebündelt. Die Kooperation im NaWis-Verbund eröffnet unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun neue Synyergien“

Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg:
„Die Leuphana ist mit der Gründung einer eigenen Fakultät für Nachhaltigkeit die erste deutsche Universität, die eine transdisziplinäre Ausrichtung auch konsequent in ihrer organisatorischen Struktur umsetzt. Die Zusammenarbeit mit anderen Vorreiterinstitutionen im Rahmen des NaWis-Verbundes stärkt unsere Aktivitäten.“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes:
„Die NaWis-Runde ist ein Nukleus, um die Nachhaltigkeitswissenschaften in Deutschland insgesamt weiter auszubauen. Das Netzwerk soll sich in den kommenden Jahren um weitere Schlüsseleinrichtungen in anderen Bundesländern erweitern.“

Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein Westfalen:
„Nordrhein Westfalen verfügt über hervorragende wissenschaftliche Potenziale, um Beiträge zur Transformation zu einer klimagerechten und nachhaltigen Welt zu leisten. Mit unserer Initiative Fortschritt.NRW wollen wir u.a. zu den dafür notwendigen interdisziplinären Brückenschlägen beitragen. Die NaWis-Runde setzt länderübergreifend auf eine Vernetzung der entsprechenden Vorreitereinrichtungen im Wissenschaftssystem. Das begrüßen wir ausdrücklich.“

Zukunftskonzept der Nachhaltigen Universität Hamburg leider nicht zur endgültigen Antragstellung in der Exzellenzinitiative aufgefordert

Die Universität Hamburg hatte in ihrer Antragsskizze für die 3. Linie der Exzellenzinitiative als erste große deutsche Universität konsequent auf das Konzept einer Nachhaltigen Universität gesetzt. Leider ist die Skizze in der heutigen Auswahlrunde von Wissenschaftsrat und DFG nicht zur endgültigen Antragsstellung aufgefordert worden. Obwohl das Konzept selber von den Gutachtern für visionär gehalten wurde, führte insbesondere Skepsis bzgl. des Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Hamburg insgesamt dem Vernehmen nach zur Ablehnung (vgl. hierzu auch die Pressemeldung der Universität Hamburg sowie die Meldung des Nachhaltigkeitsrates). Es ist zu hoffen, dass die Universität Hamburg sich von dieser Entscheidung nicht entmutigen lässt und die Umsetzung des wegweisenden Konzeptes auch unter den anderen Randbedingungen weiter vorantreibt.

Hochschulen Europas werden gemeinsam für nachhaltige Entwicklung aktiv: Die COPERNICUS Alliance

Die neu gegründete COPERNICUS Alliance vereint europäische Hochschulen in einem Netzwerk um gemeinsam Aktivitäten für nachhaltige Entwicklung zu setzen. Seit dem Startschuss im Rahmen des Kick-Off-Workshops im Juli in Graz ist das Netzwerk auf aktuell 15 Mitgliederinstitutionen aus 7 Nationen angewachsen.
Grundlegend für die Entstehung der COPERNICUS Alliance war die COPERNICUS Charta, die bereits 1993 von der Europäischen Hochschulrektorenkonferenz entwickelt und bis 2005 von 326 Universitäten unterzeichnet wurde. Eine der ersten Aktivitäten der aktuellen Mitglieder ist eine Überarbeitung der Charta, die dem Wandel der Zeit Rechnung trägt und die Grundlage für die Ziele des Netzwerks bilden kann. Die Vision der COPERNICUS Alliance ist es, eine nachhaltige Entwicklung im Rahmen des europäischen Hochschulsektors zu fördern, indem Bildung und Forschung gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteuren entsprechend weiterentwickelt werden.
Die COPERNICUS Alliance ist Ergebnis und Reaktion auf die stetig wachsende Bedeutung von Hochschulaktivitäten im Horizont nachhaltiger Entwicklung weltweit und stellt auf europäischer Ebene ein ähnliches Netzwerk dar, wie etwa AASHE (Association for the Advancement of Sustainability in Higher Education) in Nordamerika oder ProSPER.Net (Network for the Promotion of Sustainability in Postgraduate Education and Research) im Asien-Pazifik-Raum.
Die die nächsten Schritte des wachsenden Netzwerkes zielen auf Aktivitäten innerhalb der bestehenden Arbeitsgruppen zu Themen wie „Innovative Teaching & Learning“, „Implementation of Sustainability in Universities“, „Students Involvement“, „Research“ sowie auf die Organisation von speziellen Veranstaltungen für COPERNICUS Alliance Mitglieder ab.

Nähere Informationen zum Netzwerk gibt es auf der Website www.copernicus-alliance.org

4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement an die Tübinger Studierenden Initiative „Greening the University e.V.“

Am 25. Oktober 2010 hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, den 4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement 2009/2010 „Studierende für Studierende“ an die Tübinger Studierendeninitiative „Greening the University e.V.“ verliehen. Die Studierendeninitiative „Greening the University“ wird für ihr Engagement im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ausgezeichnet und dabei insbesondere für ihr seit dem Sommersemester 2009 organisiertes Kursprogramm „Studium Oecologicum“. Dieses Tübinger Modell ist bundesweit bisher einzigartig. Weitere Informationen sehen finden Sie hier.

Stiftungsprofessur für „Nachhaltige Entwicklung“ an der Universität des Saarlandes gestartet

Seit dem 01.10.2010 ist die Stiftungsprofessur für Nachhaltige Entwicklung an der Universität des Saarlandes gestartet.Der Lehrstuhl wurde bereits im vergangenen Jahr von der Saar-Uni und der Europäische Akademie Otzenhausen gemeinsam mit der Bildungsinitiative „Mut zur Nachhaltigkeit“ eingerichtet und wird von der Asko-Europa-Stiftung gefördert. Lehrstuhlinhaber ist Prof. Dr. Olaf Kühne. Der Lehrstuhl soll Angebote zur Nachhaltigen Entwicklung in alle Fachbereiche der Universität Saarbrücken einbringen – eine hoch interessante Initiative, über deren Fortgang auf dem Blog weiter berichtet wird. Weitere Informationen finden Sie unter: http://bit.ly/92OICb

Fraunhofer-Gesellschaft startet umfassende Nachhaltigkeitsinitiative

Der Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft hat ein internes Projekt mit über 1,1 Mio € zur Implementierung eines Nachhaltigkeitskonzeptes in der Fraunhofer-Gesellschaft bewilligt. Das Konzept baut auf den Aktivitäten des im Dezember 2009 offiziell gegründeten „Fraunhofer Netzwerkes Nachhaltigkeit“, dem insgesamt 18 Fraunhofer-Institute angeschlossen sind, auf. Das jetzt vom Vorstand bewilligte interne Projekt „Strategie Nachhaltigkeit“ startet im November 2010 und läuft bis zum Oktober 2011. Seine Ziele sind:
o die Fraunhofer-Gesellschaft an den Zielen einer »Nachhaltigen Entwicklung« zu orientieren,
o die Fraunhofer-Gesellschaft durch konkrete Handlungsstrategien und daraus resultierende Innovationsprozesse zu stärken,
o die Fraunhofer-Gesellschaft als Dienstleisterin für Nachhaltigkeitsstrategien von Industrie, Politik und Gesellschaft zu positionieren sowie
o Zukunftsthemen -auch mit Blick auf Entwicklungs- und Schwellenländer- für die Fraunhofer Gesellschaft zu identifizieren, die neue Beiträge zu einer »Nachhaltigen Entwicklung« liefern.

Das Projekt teilt sich in drei Teilprojekte „Leitbild und Strategie“ (Koordination Fraunhofer IGB/Stuttgart ; Prof. Dr. Thomas Hirth, Dr. Johanna Leissner), „Nachhaltige Forschungs- und Geschäftsprozesse“ (Fraunhofer UMSICHT/Oberhausen, Jürgen Bertling, Markus Hiebel) und „Forschung für Nachhaltigkeit“ (Fraunhofer ISI/Karlsruhe, PD Dr. Rainer Walz).

Weitere Informationen zur Initative und zum Netzwerk gibt es hier oder bei: Johanna.leissner@zv.fraunhofer.de

Damit positioniert sich die erste der großen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften prominent im Themenfeld Nachhaltigkeit – ein weiterer wichtiger Impuls zur Entwicklung der Wissenschaftslandschaft in Deutschland.

Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ vom 16.-18.09.2010 in Lüneburg – interessante Impulse für eine „Nachhaltige Wissenschaft“

Vom 16.-18.09.2010 fand in Lüneburg die Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ statt. Hervorragend besetzt (so waren dort neben vielen führenden internationalen Wissenschaftlerinnen u.a. die ehemalige Bundespräsidentin Rita Süßmuth sowie die amtierende DAAD-Präsidentin Sabine Kunst anwesend) wagte die Tagung zehn Jahre nach dem erfolgreichen Projekt der Frauenuniversität auf der Expo 2000 einen Blick auf die Perspektiven einer transkulturellen Wissenschaftsentwicklung. Es wurde deutlich, wie eng die Bezüge zwischen transkultureller Wissenschaft (vgl. z.B. den Beitrag von Mae), Gender- und Diversity-Forschung sowie den Anforderungen an eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft sind. Hier bestehen erhebliche Potenziale, das Projekt einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in enger Kooperation dieser Forschungs- und Wissenschaftsbezüge zusammenzubringen. Die Ergebnisse der Tagung werden im nächsten Jahr in einem Buch dokumentiert erscheinen.

Universität Hamburg geht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ als Zukunftskonzept in die nächste Runde der Exzellenzinitiative

Die Universität Hamburg setzt mit ihrem Zukunftskonzept (3. Linie) in der Bewerbung für die kommende Runde der Exzellenzinitiative auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Antrag für die 3. Förderlinie heißt „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung Universität Hamburg: Seeking Knowledge for a Sustainable Future“ und soll mit einem Partnernetzwerk deutscher und skandinavischer Universitäten umgesetzt werden. Dies verspricht spannende Impulse für die Diskussion um eine Nachhaltigkeitsausrichtung von Hochschulen in Deutschland.

„Sustainability Lectures“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Im Rahmen der Lüneburger „Sustainability Lectures“, einer öffentlichen Veranstaltungsreihe zu aktuellen Fragen des Nachhaltigkeitsdiskurses finden bis zur Sommerpause noch drei Vorträge statt:

17. Juni 2010 Prof. Dr. Uwe Schneidewind/Wuppertal Institut
Transformationsforschung – eine integrierte Perspektive in der Nachhaltigkeitsforschung

24. Juni 2010 Prof. Dr. Hans-Peter Dürr
Lebensstile – Zahlenspiele, Wie viel menschliche Aktivität verträgt die Geobiosphäre?

1. Juli 2010 Prof. Dr. Lenelis Kruse/Universität Heidelberg
Biodiversität – eine Herausforderung für „Nachhaltigkeit lernen“

Weitere Informationen finden sich unter: http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-68/122_read-21138/date-66287

Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Am heutigen 21.05.2010 fand im Rahmen des Wettbewerbes „Land der Ideen“ die Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg statt. Die Veranstaltung war insofern eindrucksvoll als deutlich wurde, wie weitgehend die Leuphana Universität ihre integrierte Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt hat. Die meisten der neu geschaffenen Nachhaltigkeitsprofessuren sind berufen. Inzwischen erfolgte auch die Einrichtung einer eigenständigen Fakultät für „Nachhaltigkeitwissenschaften“ als eine von vier Fakultäten der Leuphana Universität. Das vom Stararchitekten Libeskind als Positiv-Energie-Gebäude entworfene neue Hörsaalzentrum steht bald vor seiner Grundsteinlegung und wäre ein weiterer Schritt zur Vision eines klimaneutralen Campus an der Leuphana-Universität.

In einem weiteren Vortrag stellte Frau Dr. Evelyn Nowotny vom österreichischen Wissenschaftsministerium die in den letzten Jahren in Österreich initiierten Maßnahmen für die politische Förderung Nachhaltiger Hochschulen vor. Diese reichen von neuen Formen der Forschungsförderung, wie sie sich auch in Deutschland finden, insbesondere über flexible Formen der finanziellen Unterstützung für innovative Initiativen über einen alle zwei Jahre in 8 Kategorien mit hoher Sichtbarkeit verliehenen „Sustainability Award“ bis hin zur Integration von Nachhaltigkeitszielen und -projekten in die Leistungsvereinbarungen des Wissenschaftsministeriums mit den Hochschulen. Hier stecken einige Anregungen auch für politische Impulse auf Bundes- und Landesebene in Deutschland.

Das grüne Hochschulranking 2010 gestartet

Auf der Internetplattform Utopia wurde das grüne Hochschulranking 2010 gestartet. Der Fragebogen richtet sich an Studierende, nimmt ca. 5 Minuten in Anspruch und muss bis zum 31.05.2010 ausgefüllt werden. Es werden Fragen zu ökologischen Standards an der eigenen Hochschule (Bio-Essen in der Mensa, Energieeinsparung, Müll-Trennung, Engagement der Hochschulleitung, Ökologie/Nachhaltigkeit in der Leere) gestellt. Der Fragebogen bleibt sehr grob, aber das Ranking ist ein erster Schritt in ein Benchmarking aus Studierendensicht. Im Jahr 2009 gewannen (auf der Grundlage von 3000 Beteiligten) die Uni Witten-Herdecke und die FH-Eberswalde das Ranking (vor den Universitäten Kassel und Lüneburg).

Nachhaltigkeit in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften, d.h. die Helmholtz- Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft stellen eine zentrale Säule des deutschen Wissenschaftssystem dar. Über 6 Mrd. Euro werden in den Instituten der Gemeinschaften für Forschung ausgegeben. Die Max Planck-Gesellschaft ist im wesentlichen auf Grundlagenforschung hin orientiert. 

In der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und in der Fraunhofer-Gesellschaft spielt eine inter- und teilweise transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung aber eine Rolle. Die Motorfunktion, die diese Wissenschaftsgemeinschaften bei der weiteren Etablierung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung haben könnten, wurde lange Zeit von diesen nur bedingt eingelöst. Seit wenigen Jahren ist aber in den Wissenschaftsgemeinschaften beim Thema Nachhaltigkeitsforschung Bewegung entstanden. Die folgenden pointierten Beiträge kennzeichnen den Stand der Nachhaltigkeitsforschung in den drei Wissenschaftsgemeinschaften und gehen auf ihre diesbezüglichen Zukunftsperspektiven ein. Ein weiterer Beitrag zeichnet das Bild einer möglichen zukünftigen Vorreiterrolle der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften auf dem Weg zu einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in Deutschland:
o Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung
o Leibniz-Gemeinschaft: „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial
o Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
o Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung“

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit rund 2,8 Milliarden Euro Jahresbudget die größte der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften. Sie fasst 16 Großforschungszentren zusammen. Die Forschungsbereiche Energie, Umwelt, Verkehr und Gesundheit spielen in der Helmholtz-Gemeinschaft traditionell eine zentrale Rolle. Über die Festlegung von sechs Forschungsbereichen (Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr) sind sie in der Helmholtz-Gemeinschaft auch institutsübergreifend organisiert und müssen sich mit ihren Forschungsprogrammen alle fünf Jahre einer Evaluation stellen.

Die Relevanz der Themen sowie die finanzielle Potenz der Helmholtz- Gemeinschaft führt dazu, dass Helmholtz der dominante technologisch-naturwissenschaftliche Motor in der deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung ist. Dies fand erst Mitte Dezember seinen Ausdruck darin, dass Helmholtz sowohl an dem jeweils mit 100 Mio Euro geförderten „Energie-“ als auch dem „Klima“-KIC (Knowledge Innovation Cluster des European Institute of Technology EIT) der EU prominent beteiligt ist.

Die Großforschungs(= Großgeräte)-Ausrichtung der Helmholtz- Gemeinschaft hat aber zur Konsequenz, dass eine transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, die neben naturwissenschaftlich- technischen auch umfassend ökonomische, gesellschafts- und naturwissenschaftliche Bezüge aufweist, auf wenige Inseln in der Helmholtz-Gemeinschaft beschränkt bleibt: Zu diesen Inseln gehört die sozialwissenschaftlich-ökonomische Forschung im Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ) sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemananalyse (ITAS) am Karlsruher Institute of Technologie (KIT).

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Leibniz-Gemeinschaft : „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial“

Die im Jahre 1997 aus der 1990 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ hervorgegangene Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich im Vergleich zur Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft durch eine noch größere Vielfalt ihrer 86 Institute (Stand Ende 2009) sowie durch eine sehr viel dezentralere Organisationsform aus. Ihre Einrichtungen sind in den meisten Fällen wissenschaftlich und organisatorisch unabhängig und decken Forschungsfelder von den Naturwissenschaften bis zu den Sozial- und Geisteswissenschaften ab. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeitsforschung setzten daher in den letzten Jahren einzelne Institute Akzente, die sich explizit Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen verschrieben haben. Besonders relevant ist hierbei das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) . Als ein zentraler Akteur der nationalen und internationalen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung deckt es mit seinen Arbeiten die Klimaforschung breit und interdisziplinär ab. Im PIK gibt es neben den naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kompetenzen auch umfassende sozialwissenschaftliche Bezüge. In der Leibniz-Gemeinschaft sind auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute organisiert, die wie z.B. das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim über umfassende umweltökonomische Abteilungen verfügen.

Ausgelöst durch eine in den Jahren 2004/2005 bundespolitisch intensiv geführte Debatte über die Zukunft der Leibniz-Gemeinschaft hat diese unter ihrem Präsidenten Ernst Th. Rietschel erfolgreiche Anstrengungen in der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes sowie der Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft unternommen. Die in einem Strategiepapier ausgearbeitete Vision „Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen“ entwickelt eine umfassende gesellschaftsorientierte Wissenschaftsvision für die Leibniz-Gemeinschaft und fördert Ansätze von disziplinen- und institutsübergreifenden Clusterbildungen, die z.B. in der Biodiversitätsforschung schon erfolgreich umgesetzt sind.

Über das Konzept des Wissenschaftscampus treibt die Leibniz-Gemeinschaft zudem die Kooperation mit Hochschulen voran. Mit Blick auf die Leibniz-Gemeinschaft kann daher festgestellt werden, dass zunehmend nicht nur einzelne ihrer Institute (wie z.B. das PIK) Motor für eine nachhaltigkeitsorientierte Forschung sind, sondern sich die Gemeinschaft insgesamt zu einem wichtigen Dach für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland zu entwickeln verspricht.

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Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“

Mit einem Geschäftsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Euro gehört auch die Fraunhofer-Gesellschaft zu den großen, weltweit agierenden deutschen Forschungsorganisationen. Sie ist das Dach von rund 60 Fraunhofer-Instituten, in deren Zentrum der Forschung der (industrielle) Anwendungsbezug steht. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den anderen Forschungsgemeinschaften hohen Drittmittelanteil, der fest zur Programmatik der Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Er hat erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen Felder, die von den Instituten bearbeitet werden.
So ist die Fraunhofer-Gesellschaft prominent an der von der Bundesregierung initiierten Hightech-Strategie beteiligt, für die in Deutschland von 2005 bis 2009 fast 15 Mrd. Euro für Spitzentechnologien bereitgestellt werden. Die Gelder dienen der Verbreitung neuer Technologien in siebzehn Zukunftsfeldern, um insbesondere Forschung und Wirtschaft besser zu vernetzen, damit aus neuen Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die meisten der 17 Zukunftsfelder sind auch Schwerpunkte der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die Arbeit der Fraunhofer-Gesellschaft ist in sieben Forschungsverbünden organisiert: Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Mikroelektronik, Oberflächentechnik/Photonik, Produktion, Werkstoffe und Verteidigungs-/Sicherheitsforschung.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere in der Energieforschung, aber auch in den Feldern der weißen Biotechnologie, der Wassernutzung, nachwachsenden Rohstoffen, der Optimierung von Stoffkreisläufen sowie Recycling-Technologien eine Rolle.

In den meisten Forschungsfeldern und Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft dominiert die technologische Perspektive. Jedoch verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) und insbesondere dem schon 1972 gegründeten Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) über ein Institut mit einer organisationswissenschaftlichen Kompetenz. Das ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Bei der Analyse von Innovationssystemen arbeitet man in hohem Maße interdisziplinär. In insgesamt sieben Competence Centern (Neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und Energiesysteme, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung und Innovation, Innovations- und Technologie-Management sowie Vorausschau) mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern arbeiten rund 160 MitarbeiterInnen. Nachhaltigkeit gehört neben relevanten Teilgebieten wie der Energiepolitik und Energiesystemen explizit zum Arbeitsbereich des Fraunhofer ISI. Zur nachhaltigkeitsorientierten Innovationspolitik sind von dort immer wieder wichtige Forschungsimpulse ausgegangen.

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung des Themenfeldes Nachhaltigkeit hat sich in der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2007 auch eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ gebildet. Über die zukünftige strategische Bedeutung des Themas für die Fraunhofer-Gesellschaft wird derzeit intensiv diskutiert.

Gerade aufgrund der hohen Anwendungskompetenz und der hohen Adaptivität an neue Themen könnte sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu einem wichtigen Motor einer zukünftigen „Nachhaltigen Wissenschaft“ entwickeln – insbesondere in dem Maße, in dem Nachhaltigkeitsfragen für immer mehr Unternehmen und Branchen relevant und damit für eine industriebasierte Drittmittelforschung zugänglich werden.

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Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft haben alle den Anspruch gesellschaftlicher (bzw. wirtschaftlicher) Relevanz in ihrer Mission. Durch ihre Governance-Strukturen sind an der Themenfindungen der Forschung auch Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt. Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in allen drei Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Der Koordinationsgrad im Hinblick auf institutsübergreifende Themen ist unterschiedlich. Bei der Helmholtz-Gemeinschaft ist die übergreifende Programmpolitik am konsequentesten ausgeprägt. So finden sich Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in einzelnen Gemeinschaften (Helmholtz) prominent bei den übergreifenden Programmen und Schwerpunkten, bei der Leibniz-Gemeinschaft verortet in einzelnen Instituten, seit kurzem jedoch auch in der Gesamtvision und einzelnen integrierten Themenfeldern. Die Gemeinschaften liefern unterschiedliche Beispiele für die mögliche Integration nicht naturwissenschaftlich-technischer Kompetenz in ihr Arbeit.

Ihre Größe und wissenschaftliche Potenz würden den Wissenschaftsgemeinschaften die Möglichkeit geben, eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung noch sehr viel stärker zu fördern und zu einem nationalen „Capacity-Building“ für diese Form der Forschung beizutragen. Und das in einem Ausmaß, das von einzelnen Hochschulen oder einzelnen wissenschaftlichen Instituten nicht geleistet werden kann.

Beispiele für einen solchen Kapazitätsaufbau sind:
o die Initiierung transdisziplinärer Forschungsprojekte in komplexen Nachhaltigkeitsfragen,
o die Integration transdisziplinärer Forschungselemente in bestehende Großforschungsstrukturen (Exzellenzcluster, Knowledge Innovation Clusters (KICs),..),
o der Aufbau von Karrierepfaden für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftler(innen),
o die Qualifizierung von Wissenschaftler(innen) und Gutachter(innen) in den Qualitätskriterien transdisziplinärer Methoden
o der Aufbau transdisziplinärer Infrastrukturen wie Journals, Panels, Preise,
o die Vernetzung mit führenden internationalen Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung,
o die wissenschaftspolitische Lobby-Arbeit zur Stärkung transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem insgesamt.

Es wäre erfreulich, wenn sich die Dynamik zu mehr transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften fortsetzt und diese einen Beitrag zu dem o.g. Kapazitätsaufbau leisten würden.

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Schwerpunkt Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule im HIS: Mitteilungsblatt 4/2009

Im Mitteilungsblatt 4/2009 vom Dezember 2009 der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), Hannover steht das Thema „Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule“ im Mittelpunkt. Neben einer umfassenden Rezension des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ werden aktuelle Tagungen vorgestellt sowie über den Neustart des Copernicus-Netzwerkes berichtet.

Nachhaltige Wissenschaft messen? – Ansatzpunkte für eine Operationalisierung

Wie lässt sich der Stand einer Nachhaltigkeitswissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem feststellen? Wie läßt sich beobachten, ob einzelne Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Fortschritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung machen? Dies sind bisher weitgehend unbeantwortete Fragen, da die Darstellung nachhaltigkeitsbezogener Forschung und Lehre selbst in den Nachhaltigkeitsberichten der Pionierinstitutionen nur qualitativ und anekdotenhaft anhand einzelner Beispiele erfolgt.

Das hat mehrere Gründe:
o Die Unklarheit darüber, wie „Nachhaltige Forschung“ und „Nachhaltige Lehre“ überhaupt abgegrenzt werden können. Je unterschiedlicher die Abgrenzungen, desto schwieriger verbindliche Operationalisierungen.
o Das Fehlen von Berichtssystemen und Kennzahlen, die Forschung und Lehre aus der spezifischen Perspektive der Nachhaltigkeit wahrnehmen.
o Eine grundsätzliche Zurückhaltung, die Forderung nach einer qualitativ neuen Ausrichtung von Forschung und Lehre in quantitativen Dimensionen zu fassen

Im folgenden werden drei Thesen formuliert, die für eine Quantifizierung des Nachhaltigkeitsstandes in einzelnen Wissenschaftsinstitutionen sowie dem Wissenschaftssystem insgesamt plädieren:

1. Ohne Quantifizierung keine Fortschrittskontrolle. Auch Unternehmen sind in ihren Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten mit anekdotenhaften Berichten über erfolgreiche Prozess- und Produktinnovationen gestartet und dafür zurecht kritisiert worden. Nur über die Definition von Indikatoren ist im Zeitablauf feststellbar, ob sich nachhaltige Forschungs und Lehransätze wirklich in wissenschaftlichen Einrichtungen ausbreiten. Die hochschulinterne Diskussion über konkrete Indikatoren hilft zudem, sich differenziert über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution zu verständigen.

2. Sowohl für den Bereich Forschung als auch für den Bereich Lehre sind solche Indikatoren zu definieren – sowohl absolute als auch relative Indikatoren. In der Forschung liegen dazu gute Vorschläge vor. Gerade die Festlegung solcher Indikatoren ist ein guter Weg, um sich über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution bewusst zu werden.

3. Die Erfassungs- und Controllingssysteme in den meisten Wissenschaftseinrichtungen sind auf die entsprechenden Indikatoren hin noch nicht ausgerichtet. Dieses ist jedoch mit relativ einfachen Anpassungen möglich.

In einem studentischen Projekt im Rahmen des Masterstudienganges „Sustainability Economics and Management“ an der Universität Oldenburg werden aktuell entsprechende Indikatoren für Nachhaltigkeits- Forschung und Lehre entwickelt und implementiert. Die dort gemachten Erfahrungen sollen anderen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Anregungen für eine Übertragung geben. Die dort entwickelten Indikatoren werden im Laufe des Februars auf dem Weblog vor- und zur Diskussion gestellt.

Der grüne Weg zu mehr Profil – Schwerpunktthema in der DUZ 1/2010

In ihrer Januarausgabe (1/2010) stellt die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) unter dem Titel „Der grüne Weg zu mehr Profil“ die umweltorientierten Profilbildungsstrategien mittelgroßer Universitäten vor. Konkret werden die Universitäten Kassel, Lüneburg und Oldenburg porträtiert. Der Beitrag zeigt auf, warum im Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema gerade für mittelgrosse Universitäten ein besonderes strategisches Potenzial steckt. Die Beiträge des Schwerpunktes zum Download als pdf finden Sie hier:

Greening the University – Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen

Greening the University ist nicht nur programmatisches Ziel, sondern auch der Name einer Studierendeninitative an der Universität Tübingen, die mit einer „bottom-up“-Strategie daran arbeitet, die Universität zu einem Ort in nachhaltiger Entwicklung zu machen. Sie soll dabei sowohl als Lebens- und Arbeitsraum wie auch als Ort für Lehren, Lernen und Forschen wahrgenommen werden. Zum einen initiierte und begleitet die Initiative das universitäre Umweltmanagement und die Validierung nach EMAS. Zum anderen organisieren die Aktiven das „Studium Oecologicum“, ein Seminar- und Vorlesungsangebot für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für ihr Engagement wurde die Initiative als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und informierte über ihr Vorgehen mit Vorträgen und Diskussionen bei Initiativen an anderen Hochschulen. Im Folgenden berichten die Studierenden über ihre Erfahrungen:

Greening the University – der Start
Gegründet im Herbst 2007 auf Initiative des damaligen AStA-Umweltreferenten widmeten wir uns zunächst der inhaltlichen Arbeit, die schließlich im Juni 2008 in ein Symposium „Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“ an der Universität Tübingen [1] mündete, die – allein organisiert von der Studierendeninitiative – den weiteren Nachhaltigkeitsprozess anstieß.
Auf dem Symposium wurden zwei Themenfelder definiert, die in dieser Form bis jetzt unser Engagement und damit auch das der Universität prägen: Zum einen wurden umweltgerechtes Handeln und Umweltmanagementsysteme thematisiert, zum anderen Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema des universitären Lehrens und Lernens diskutiert.

Nach inhaltlichen Inputvorträgen wurden in verschiedenen Workshops die Leitideen für das zukünftige Vorgehen in Tübingen entwickelt. Als ReferentInnen waren ExpertInnen von der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH) sowie von Hochschulen in Bremen, Lüneburg, Dresden und Nürtingen anwesend. Gezielt wurde darauf geachtet, neben Studierenden und DozentInnen auch die universitäre Verwaltung und Interessierte aus der Region einzubinden – dieser partizipative Charakter bildete einen Grundstein des späteren Engagements. Zusätzlich trugen PolitikerInnen, angefangen beim Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer über die Landesumweltministerin Tanja Gönner bis hin zum ehemaligem Direktor des UNEP und Bundesumweltminister a.D., Prof. Dr. Klaus Töpfer, mit Vorträgen zu dem Symposium und vor allem zur Öffnung für ein breites (auch außeruniversitäres) Publikum bei. Die Inhalte und Ergebnisse des Symposiums wurden als Buch veröffentlicht [2], das für uns inhaltlich zur Grundlage unseres Engagements wurde.

EMAS-validiertes Umweltmanagementsystem
Im Verlauf des Symposiums verkündete der Rektor der Universität, Prof. Dr. Engler, den Beschluss zur Einführung eines EMAS-validierten Umweltmanagementsystems [3]. In Folge des Symposiums wurde die Stelle einer Umweltkoordinatorin geschaffen, die als zentrale Ansprechpartnerin für das universitäre Umweltmanagementsystem fungiert. Die notwendige Umweltbilanzierung der Universität wurde erstmalig seit Jahren wieder durchgeführt; die Umweltleitlinien [4] in Zusammenarbeit zwischen Rektorat und Studierendeninitiative entworfen.
Im Juli 2009 startete der EMAS-Validierungsprozess offiziell, der in der Anlaufphase auch vom Landesumweltministerium finanziell unterstützt wird [5]. Inzwischen ist die Phase der ersten internen Umweltbegutachtung im Rahmen der EMAS-Validierung abgeschlossen. Nach der externen Begutachtung steht aus unserer Sicht dem EMAS-Prozess mit seinem Zyklus aus Umweltprüfung, Setzung von Zielen, konkretem Umweltmanagement, dem öffentlichen Umweltbericht und externer Begutachtung nichts mehr im Wege. Die Studierendeninitiative versteht sich hier als Teil dieses dauerhaften und kontinuierlichen Prozesses, der zum einen darauf achtet, die Ziele innerhalb des EMAS-Prozesses ambitioniert zu gestalten, und zum zweiten dazu beiträgt, die Bekanntheit und Akzeptanz des Umweltmanagements an der Universität Tübingen zu verstärken.

Studium Oecologicum – Veranstaltungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
Aus den Diskussionen auf dem Symposium heraus setzten wir uns ein weiteres langfristiges Ziel: Die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung soll in alle (modularisierten) Studiengänge integriert werden. In einer kurzfristigeren Planung wurden für uns zwei zentrale Überlegungen leitend: Zum einen musste das Veranstaltungsangebot als Querschnittsthema Studierenden aller Fachrichtungen offen stehen und möglichst auch für das kurrikulare Studium verwendbar sein, zum anderen sollten auch freiere und diskursivere Lehr- und Lernformen Eingang finden und somit ein Beispiel für Bildung für Nachhaltige Entwicklung darstellen.
Als Anknüpfungspunkt an der Universität Tübingen bot sich vor diesem Hintergrund das Programm des „Studium Professionale“ [6] an, in dessen Rahmen Studierende aller Fachrichtungen Schlüsselqualifikationskurse absolvieren. Mit finanzieller Unterstützung des „Studium Professionale“ organisierten wir im Sommersemester 2009 vier Seminare inklusive einer Zukunftswerkstatt. Im Wintersemester 2009/10 wurde dieses Seminarangebot auf 9 Kurse ausgebaut [7]. In beiden Semestern wurden die Kurse sehr gut von den Studierenden angenommen; aufgrund überbuchter Kurse mussten sogar BewerberInnen abgewiesen werden.
Die Kursinhalte decken sowohl konzeptionelle Inhalte der nachhaltigen Entwicklung (z.B. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“) und ihre dialogische Wechselwirkung mit Fachdisziplinen (z.B. „Literatur(wissenschaft) und Ökologie“) ab als auch kontextbezogene Anwendungsbereiche wie „Betriebliches Umweltmanagement von der Theorie in die Praxis“ oder „Klimawandel – die Prognosen verstehen“. Zentrales Element aller Kurse ist die Vermittlung von Orientierungswissen und Gestaltungskompetenz; das „Studium Oecologicum“ versteht sich dabei als Beitrag zu einer umfassenden Bildung, die die Studierenden zu eigenverantwortlichem und bewusstem Handeln in Unsicherheit und Komplexität befähigen will.
Als Ergänzung dieses Seminarprogramms organisieren wir im aktuellen Wintersemester 2009/10 die Ringvorlesung „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“ im Rahmen des „Studium Generale“ [8] an der Universität Tübingen. Die Vorlesungsreihe geht der Frage nach, wie nachhaltige Entwicklung einerseits als Leitbild in verschiedenen Wissenschaften fungiert, andererseits aber auch mit fachdisziplinären Perspektiven weiterentwickelt wird. Das Spektrum der vertretenen Disziplinen wurde dabei bewusst weit gewählt, neben den Disziplinen der Ethik, Ökologie und Ökonomie kommen unter anderen auch Vertreter der Literatur-, Politik- und Rechtswissenschaft zu Wort [9]. Mit der Reihe wollen wir zeigen, dass die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung als echtes Querschnittsthema an der Universität verankert werden kann – die Dokumentation dieser Reihe wird im Laufe des Jahres 2010 in Buchform erscheinen.

Das weitere Engagement der Studierendeninitiative in diesem Bereich richtet sich vor allem auf die Verstetigung und Institutionalisierung dieses Kursprogramms. Unser spezielles Augenmerk gilt dabei der Qualitätssicherung und Verstärkung des Veranstaltungsangebots, die nur Hand in Hand den Ansprüchen eines starken Nachhaltigkeitsgedankens genügen können. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung muss in den Fachbereichen verankert werden, das übergreifende Veranstaltungsangebot auch konzeptionell weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sind einzelne und einmalige Veranstaltungen und Workshops zu Themen rund um nachhaltige Entwicklung in Planung, die das regelmäßige Programm ergänzen sollen.

Studentisches Engagement an Universitäten – konkrete Erfahrungen
Das Engagement von Studierenden steht vor einem grundsätzlichen Dilemma: Einerseits geht es darum, Dinge grundsätzlich anders zu denken und zu gestalten, andererseits ist Umsetzung immer auch an vorhandene Strukturen gekoppelt, die mitgedacht werden müssen.
Einerseits lässt sich mit ideellen Forderungen, deren Umsetzung nicht mitgedacht wird, wenig bewegen. Andererseits kann es nicht Aufgabe einer Studierendeninitiative sein, der Universität dauerhaft organisatorische Aufgaben abzunehmen – allein die Mitgliederfluktuation durch kürzere Studienzeiten und Auslandsaufenthalte sowie die mangelnde finanzielle Grundausstattung machen ein solches Unterfangen unmöglich.
Unser Engagement zwischen den beiden Polen der Fundamentalkritik und des Einverleibtseins richtete sich deshalb bisher konkret an drei Begriffen aus: Kritische Begleitung, Innovation und Institutionalisierung. Wir verstehen uns als Motor der universitären Umgestaltung im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung, kommentieren dabei sachlich vorhandene Bemühungen und zeigen mit Pilotprojekten Möglichkeiten auf. Dabei behalten wir jedoch stets die langfristige Einbindung unserer Projekte in vorhandene universitäre Strukturen im Blick, auch wenn damit unser eigener Gestaltungsspielraum eingeschränkt wird.
Die Kooperation und der Dialog mit Studierenden, DozentInnen und der Hochschulleitung sind dabei ebenso wichtig wie die Interaktion mit politischen Akteuren aus Kommunal-, Umwelt- und Bildungspolitik sowie der Presse. Studentisches Engagement steht hier aber immer vor dem Problem und der Chance, dass erst Kontaktpersonen gefunden und Vertrauen geschaffen werden muss, dass die Flexibilität und Basisdemokratie einer Studierendeninitiative auf gefestigte Strukturen in Verwaltung und Gesellschaft trifft. Unsere Ergebnisse sind unsere einzige Visitenkarte, auch wenn unsere Vision und die unzählbaren Stunden rein ehrenamtlicher Arbeit darin kaum sichtbar werden. Nachhaltige Entwicklung mit ihrer partizipativen und diskursiven Struktur nicht nur als Zielvorgabe zu begreifen, sondern auch in dem eigenen Vorgehen zu etablieren, zeigt sich vor diesem Hintergrund als notwendiges und gleichzeitig sehr anspruchsvolles Ziel.
Der Weg unserer Studierendeninitiative ist nur gangbar, weil sich viele Engagierte finden, die über Disziplinengrenzen und Weltvorstellungen hinweg mitgehen. Doch der Weg ist steinig – und diese Tatsache zeigt, wie weit es noch ist hin zu einer partizipativen, inter- und transdisziplinären, sozial- und umweltgerechten Universität – einer Universität in nachhaltiger Entwicklung.

Informationsquellen:
[1] Kurzbericht über das Symposium „Greening the University“: http://www.greening-the-university.de/index.php/symposium-2008
[2] Studierendeninitiative Greening the University e.V., 2009: „Greening the University – Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“, oekom, München, ISBN: 3865811329
[3] Informationsseite des Umweltgutachterausschusses des BMU: http://www.emas.de
[4] Umweltleitlinien der Universität Tübingen (veröffentlicht in den Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 8/2009 vom 10.08.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/UmweltleitlinienUniversit%C3%A4tT%C3%BCbingen.pdf
[5] Pressemitteilung der Universität Tübingen zur Einführung des Umweltmanagementsystems nach EMAS (15.07.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/09-07-15EMAS_Umweltmanagement.pdf
[6] Webseite des Studium Professionales in Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/akademisches-beratungszentrum-abz/career-service/studium-professionale-kurse.html
[7] Zusammenfassungsseite des Seminarprogramms „Studium Oecologicum“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-oecologicum
[8] Übersichtsseite zu dem Ringvorlesungsangebot Studium Generale an der Universität Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/aktuell/studium-generale.html
[9] Zusammenfassungsseite der Ringvorlesungsreihe „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-generale

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Nachhaltigkeits-Prozess an der Hochschule Fulda gestartet

Mit einer Auftaktveranstaltung „Die Hochschule Fulda – nachhaltig“ hat die Hochschule Fulda unter Leitung von Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader einen Nachhaltigkeitsprozess für die Hochschule gestartet. Dem Auftakt werden in den kommenden Monaten weitere Veranstaltungen folgen. Informationen zum Prozess gibt es über Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader (Christian.Schrader@sk.hs-fulda.de).

Nachhaltigkeitsbericht der Uni Graz

Die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit führt zunehmend auch zu sehr praktischen Umsetzungen im Hochschulbereich. So hat die Karl-Franzens-Universität Graz bereits 2005 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Auch der aktuelle Bericht von 2008 kann durchaus als Vorbild für andere Universitäten gelten. Er zeichnet sich besonders durch den breiten Ansatz aus, der die gesamte Universität umfasst und alle Bereiche aktiv miteinbezieht. So haben zum Beispiel die einzelnen Fakultäten jeweils ihren Zugang zum Leitbild der Nachhaltigkeit definiert. Dabei wird deutlich, welch umfassenden Organisations-Entwicklungsprozess eine gesamt-universitäre Nachhaltigkeitsorientierung darstellt. Ein hohes Maß an Überzeugung und Kooperationsbereitschaft ist von allen Beteiligten gefragt.

Insgesamt ist die Uni Graz dabei auf einem eindrucksvollen und sehr erfolgreichen Weg. Sie erhielt bei der Verleihung des Sustainability Award 2008 durch das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gleich mehrere Preise für ihr Engagement beim Thema Nachhaltigkeit.

Die Nachhaltigkeitsberichte der Uni Graz können auf der folgenden Website heruntergeladen werden:
http://www.uni-graz.at/en/geo2www/geo2www_nachaltigkeitsberichte.htm

„Neue Leitbilder für die Hochschule“ – 100 Teilnehmer diskutieren in der Böll-Stiftung über die Potenziale einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ für die deutschen Hochschulen

Die am Dienstag (27.10.09) Abend von der Böll-Stiftung und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) ausgerichtete Veranstaltung „Neue Leitbilder für die Hochschule. Nachhaltigkeit als Chance für die deutsche Wissenschaft?“ ist auf eine erfreuliche Resonanz gestoßen. Rund 100 Teilnehmer fanden den Weg in die Böll-Stiftung, um nach einem Eingangsstatement von Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Autor der Studie „Nachhaltige Wissenschaft) mit Prof. Dr. Sascha Spoun (Präsident der Leuphana-Universität Lüneburg), Krista Sager (Stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende der Grünen und ehemalige Hamburger Wissenschaftssenatorin), Dr. Thorsten Wilhelmy (Wissenschaftsrat) und Dr. Thomas Jahn (Leiter des Instituts für sozial-ökologische Forschung) unter Moderation von Thomas Korbun (Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Vorstandsmitglied der VÖW) zu diskutieren.

Vier Leitfragen standen im Vordergrund der Debatte:
• Ist das Leitbild „Nachhaltige Wissenschaft“ bzw. einer „Nachhaltigen Hochschule“ wirklich eine Perspektive für deutsche Hochschulen? Oder greifen inhaltlich ausgerichtete Leitbilder für ganze Hochschulen zu kurz?
• Ist das Leitbild einer „Nachhaltigen Hochschule“ eher eine gezielte Nischenstrategie für wenige Hochschulen oder kann es prägenden Charakter für größere Teile des Wissenschaftssystems haben?
• Was bedeutet die thematische Orientierung für die Führung einer Hochschule oder Wissenschaftseinrichtung? Mit welchen Konflikten hat man zu rechnen?
• Wie lässt sich die Ausdifferenzierung der Leitbilder politisch flankieren?

Zu allen Fragen wurde auf dem Podium und mit dem Publikum kontrovers diskutiert:

Vorsicht vor der Kompensationsfalle
Nachhaltigkeit ist ein interessantes Profilierungsthemen für Hochschulen – es eröffnet die Chance zu wissenschaftlichen Antworten auf die großen Transformationsherausforderungen unserer Gesellschaft, es ist als Dach offen genug und daher anschlussfähig an andere Debatten (z.B. die regionale Ausrichtung von Hochschulen, eine Gender-Orientierung, eine stärker entwicklungspolitische Ausrichtung). Nachhaltigkeitsorientierung hat dabei Potenziale sowohl in der Forschung und der Lehre ….

In dieser Hinsicht waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Kontroversen gab es aber über die Reichweite einer solchen Ausrichtung im deutschen Hochschulsystem. Im schlechten Fall wird die Nachhaltigkeitsorientierung zum Profilfeld einiger weniger Nischenhochschulen. Und dann droht die „Kompensationsfalle“ (Wilhelmy): eine oder einige wenige Hochschulen übernehmen die Abdeckung des Feldes und entlasten damit alle anderen, die sich nicht mehr um die Fragestellung zu kümmern brauchen. Eine Entwicklung, die sich z.B. im Bereich der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens in anderen Wissenschaftssystemen beobachten lässt: eine spezialisierte Hochschule übernimmt die Funktion, die anderen fühlen sich nicht mehr betroffen.

Diese Gefahr wird nur zu überwinden sein, wenn deutlich wird, dass „Nachhaltigkeits-orientierung“ mehr ist als die Konzentration auf spezielle Themenfelder in Forschung und Lehre. Nur wenn erlebbar wird, dass transdisziplinäre Forschung und Lehre einen ganz neuen Modus der Wissensentwicklung bedeutet, der Hochschulen hilft, ihre Forschung und Lehre neu und breiter zu definieren, dann hat ein Leitbild Nachhaltigkeit eine umfassende Chance im deutschen Wissenschaftssystem. Um diese sicht- und erfahrbar zu machen, kann es sinnvoll sein, dass einige Hochschulen mit einer engagierten Nachhaltigkeitsausrichtung vorangehen und so Beispielgeber für das Gesamtsystem werden.


Zur doppelten Führungsfalle einer universitären Nachhaltigkeitsstrategie

Welche Herausforderungen es für eine Hochschulleitung bedeutet, eine Nachhaltigkeitsstrategie auf universitärer Ebene konsequent umzusetzen, das wurde in den Ausführungen von Sascha Spoun deutlich, der vor vier Jahren als neuer Präsident der Lüneburger Universität angetreten ist, um sie zu einer „Hochschule für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ zu entwickeln.

Thorsten Wilhelmy zeigte die zwei zentralen Hürden einer solchen Strategie auf:
1. Es gibt keine Tradition im deutschen Wissenschaftssystem, Hochschulen als institutionelle Akteure zu begreifen. Die gestärkte Macht und Autonomie der Hochschulleitungen, um gesamtuniversitäre Strategien zu befördern, ist mit einer unmittelbaren Einschränkung der Autonomie der einzelnen Hochschullehrerinnen und Fächer verbunden und wird daher als Bedrohung empfunden.
2. Es gibt eine zentrale Rolle der Disziplinarität im deutschen Wissenschaftssystem. Über die Disziplinen rekrutiert sich der Nachwuchs und entscheiden sich wissenschaftliche Karrieren. Isolierte Strategien einzelner Universitäten sind in Deutschland zusätzlich erschwert, weil der Hochschulwechsel für eine wissenschaftliche Karriere unabdingbar ist.

Wer als Hochschulleitung seine Hochschule als „Nachhaltigkeitshochschule“ positionieren will, kämpft damit gleich an doppelter Front: Er schränkt über eine institutionelle Strategie die Autonomie der Hochschullehrerinnen ein und bricht zudem mit dem Disziplinenprinzip.

Dies erfordert ein hohes Maß an Vision, Mut und Durchhaltekraft.

Umsteuern mit mehr als der „finanziellen Möhre“
Auch deswegen wurde intensiv darüber diskutiert, wie solche Prozesse in Hochschulen politisch unterstützt werden können.

Angesichts der Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen ist Geld ein ganz zentrales Steuerungsmittel. Es erklärt auch, warum die deutschen Hochschulen so gleichgeschaltet der „finanziellen Möhre“ (Theresa Bauer) Exzellenzinitiative hinterhergelaufen sind. Krista Sager zeigte sich aus den eigenen Erfahrungen als Wissenschaftssenatorin optimistisch, dass Förderprogramme für mehr Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarität schnell entsprechendes Umdenken in Hochschulen auslösen können. Auch die bestehenden Steuerungsinstrumente (Zielvereinbarungen, indikatororientierte Mittelzuweisungen) ließen sich noch effektiver für eine entsprechende Umsteuerung in den Hochschulen nutzen.

Doch Geld wird angesichts der Überschuldung der öffentlichen Haushalte in den kommenden Jahren immer weniger vorhanden sein. Daher ist auch die Hoffnung auf entsprechende Bund-Länder-Programme unabhängig von den hohen Zustimmungshürden kaum realistisch. Auch vor dem Hintergrund gilt es einmal die nächste Runde der Exzellenzinitiative zu nutzen, die Türen für mehr transdisziplinäre Forschung zu öffnen (z.B. durch Einlösung der Transdisziplinaritätsanforderung an Graduiertenschulen, eine Lockerung des Standortprinzips und der Verpflichtung einer federführenden Hochschule sowie die Gewährleistung von Gutachterteams mit Erfahrung in transdisziplinärer Forschung).

Zum anderen ist nach Wegen zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung jenseits umfassender staatlicher Förderprogramme zu suchen. Durch die Zivilgesellschaft und private Stifter initiierte Institutionen wie ein „Centrum für Nachhaltige Hochschulentwicklung“ oder ein „Stifterverand für eine Nachhaltige Wissenschaft“ (so zwei Vorschläge aus der Studie „Nachhaltige Wissenschaft“) könnten hier Wege sein.

Genauso wichtig ist es aber, das intrinsische Potenzial von Lehrenden und Studierenden für eine Umorientierung zu transdisziplinärer Forschung und Lehre zu nutzen. Nachhaltigkeit bietet neue Perspektiven und Befriedigung durch wissenschaftliche Tätigkeit durch ihren partizipativen Charakter und die Möglichkeit, Beiträge zu relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen zu liefern. Dies können Wege sein, die Freude an Hochschule und wissenschaflticher Tätigkeit auch in Zeit leerer Kassen zu erhalten.

Den Schwung von unten nutzen, Studierende besser einbinden

Die Suche nach diesen intrinsischen Potenzialen rief eine sehr berechtigte Kritik aus dem Plenum hervor: die viel zu geringe Einbindung von Studierenden in die Debatte und auch auf das Podium der Veranstaltung.

Die Diskussion über Umorientierung zu mehr Nachhaltigkeit wird heute noch zu stark forschungsorientiert und aus der Perspektive von Hochschulleitungen geführt. Dabei haben sich prägende Ansätze transdisziplinärer Wissenschaft und Forschung häufig aus innovativen Lehrkonzepten entwickelt. Die Transdisziplinaritätsforschung an der ETH Zürich ist ein Beispiel dafür. Es sind auch oft Studierendeninitiativen, die die Brücken zwischen Forschung und Lehre und ganz konkret praktizierter Nachhaltigkeit an den Hochschulen (z.B. im Rahmen von Energieeinspar- oder Unisolarprojekten) leisten.

Die Möglichkeiten studentischen Engagements gilt es noch intensiver zu nutzen und zu eruieren. Daher stand am Ende der Veranstaltung der feste Vorsatz, eine der nächsten Hochschuldebatten der Böll-Stiftung unter das Thema studentischer Potenziale für eine nachhaltige Hochschule zu stellen und dann ein Podium zusammenzustellen, das mindestens zur Hälfte aus Studierenden besteht.

Was waren Ihre Eindrücke von der Veranstaltung? Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie!

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Aktuell beste Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung

Was sind die aktuell besten Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung in Deutschland? An welchen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungsgemeinschaften wird transdisziplinäre Forschung heute schon praktiziert und aktiv gefördert?

Nennen Sie unter „Kommentar schreiben“ Beispiele oder stellen Sie die Ansätze aus Ihrer eigenen Institution vor.

Zurück zum Thema „Transdisziplinäre Forschung – Quo vadis?“ geht es hier.

Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ von Rolf Kreibich

Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin hat ein pointiertes Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ vorgelegt. Rolf Kreibich ist Mitglied der „Gruppe 2004“ und Mit-Autor des Memorandums „Die Hochschule neu denken“ aus dem Jahr 2004. Mit seinem Diskussionsbeitrag entwickelt er einige der Ideen des Memorandums provokant weiter. Insbesondere seine Ideen zur (Re-) Demokratisierung der Hochschulen, um gesellschaftlichen Herausforderungen besser gerecht zu werden, sind lesens- und diskussionswert.