Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums

Transdisziplinäres Forschen und Lehren heißt „sozial robustes Wissen“ zu schaffen – über Fachgrenzen hinweg und unter Einbezug der Wissensbestände nicht-wissenschaftlicher Akteure. Ausgangspunkt dafür sind konkrete gesellschaftliche Fragestellungen:

Wie lässt sich mehr Demokratie in unserer Hochschule umsetzen? Wie kann der Energieverbrauch in der Uni erheblich gesenkt werden? Das sind Fragen, die sich in jeder Hochschule bearbeiten lassen – fachübergreifend und besonders wichtig: unter Einbezug von Studierenden auf gleicher Augenhöhe, deren Wissen z.B. über eigene Verhaltensmuster und das von Kommilitonen oder über innovative Nutzungsformen des Web 2.0 wichtige Bausteine für eine solche Lehre liefern können. Transdisziplinäres Lernen bringt den Hochschulen das durch die Bachelor- und Masterstrukturen fast völlig verschwundene Projektstudium zurück – heute nochmals sehr viel stärker methodologisch und konzeptionell abgesichert.

Empfehlung: Fordern Sie im Rahmen der Reformierung der Bachelor- und Masterstudiengänge an ihrer Hochschule mindestens ein transdisziplinäres Projektmodul ein, in dem Lehrende und Studierende auf gleicher Augenhöhe Wissensgenerierung im Modus 2 betreiben und gleichzeitig dazu beitragen, konkrete Probleme und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Links: Projekt „Sparkling Science“ des österreichischen Wissenschaftsministeriums.

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Fokus: General Studies und Professionalisierungsbereiche nutzen

Alle Bachelor- und Masterstudiengänge weisen einen Bereich auf, der hervorragende Möglichkeiten für neue Formen des Lehrens und Lernen eröffnet, aber von den Hochschulen bisher kaum wirklich dafür genutzt wird: die sogenannte General Studies oder Professionalisierungsbereiche. In Deutschland wurde kein Bachelor- oder Masterstudiengang akkreditiert, der nicht einen solchen Bereich der fachübergreifenden Vermittlung von „Schlüsselqualifikationen“ enthält. In den meisten Studiengängen umfasst er bis zu 30 Kreditpunkten und damit ein ganzes Studiensemester. In den meisten Hochschulen wird dieser Bereich stiefmütterlich behandelt, ist ein Sammelsurium von losen Kursangeboten, oft zerrieben in den Konflikten zwischen den Fachkulturen, die diesem Studienbereiche sehr unterschiedliche Bereiche zumessen.

Dabei ist dieser Bereich geradezu prädestiniert, um hochschulübergreifend neue Formen des Lernen zu erproben: Hier lassen sich neue Formen des Lernen und Lernens erproben, hier kann man mit als erstes von zu kleinteiligen Modulen und überfrachteten Prüfungslasten befreien. Gut ausgestaltet können diese Bereiche ein Aushängeschild für jede Hochschule werden.

Empfehlung: Machen Sie die General Studies-/Professionalisierungsbereiche zur zentralen Baustellen und zum Erprobungsort für neue Lehr- und Lernformen. Setzen Sie sich für das Erlernen der Schlüsselqualifikationen ein, auf die es aus studentischer Sicht wirklich ankommt. Hier können Sie fach-übergreifend neue Lern- und Prüfungsformen durchsetzen, ohne sich im Dickicht der vielen Studiengänge zu verlieren. Und zudem tragen Sie damit sogar noch zur Profilbildung Ihrer Hochschule bei und haben daher die Hochschulleitungen auf Ihrer Seite.

Links: Kapitel „Professionaliserungsbereiche/General Studies“ im Buch „Nachhaltige Wissenschaft“

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Fokus: Freiräume für studentisches Engagement erkämpfen

Die Vielfalt der studentischen Aktionen während der Protesttage der letzten Wochen hat gezeigt, welches Potenzial für gutes Lernen in studentischem Engagement steckt. Für diesen Elan gilt es auch in Zukunft Freiräume zu schaffen. Nirgendwo besser lässt sich Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz in engem Zusammenspiel weiterentwickeln als im Rahmen studentischen Engagements – sei es in der Studierendenschafts- oder Fachschaftsarbeit, in studentischen Organisationen wie AIESEC oder christlichen Hochschulgemeinden oder im ehrenamtlichen Engagement außerhalb der Hochschule.

Diese Form der Lernens lässt sich durchaus mit den neuen Studienstrukturen verknüpfen. Sogenannte „Joker“-Module (wie z.B. an der Universität Oldenburg) schaffen die Chance, sich studentisches Engagement auf die „Workload“ anrechnen zu lassen und damit zeitliche Freiräume zu schaffen. Die Verknüpfung von Engagement mit studentischen Job-Möglichkeiten schafft finanzielle Freiräume. Auch hier weisen erste Hochschulen wie die Universität Duisburg-Essen mit ihrem Projekt Uniaktiv vorbildliche Wege. Die General-Studies-Bereiche bieten für entsprechende Vorhaben ein hervorragendes Gefäß – und warum nicht ein Modul schaffen, dass alle Studierenden am Anfang des Studiums in die Möglichkeiten des Engagements an der eigenen Hochschule sowie die Möglichkeiten der Mitgestaltung der eigenen Hochschule einführt?

Empfehlung: Entwickeln Sie Ideen dafür, wie sich studentisches Engagement mit den Rahmenbedingungen der Bachelor- und Masterstudiengänge verknüpfen lässt. Initiieren Sie in Ihrer Hochschule Modellprojekte und öffnen Sie damit auch neue Wege für die Zusammenarbeit von Studierenden mit innovativen Lehrenden und Studiengangsplanern.

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Nachhaltigkeitsinitiative an der FH Jena

Die Zahl der Fachhochschulen, die sich aktuell im Feld der Nachhaltigkeit positionieren, nimmt zu. So hat die Fachhochschule Jena jetzt eine „Engineering Research School for Sustainability“ initiiert, in der 26 Professuren zusammengefasst sind. Diese ergänzt weitere Nachhaltigkeits-bezogene Aktivitäten an der Fachhochschule, wie z.B. Ringvorlesungen oder einen „Tag der Nachhaltigkeit“, an dem Studierende über die entsprechenden Lehrangebote der Fachhochschule informiert worden.

Weitere Informationen unter: http://www.fh-jena.de/index.php/page/231/5665

Campusgrün Herbstkongress

Auch in den Parteien spielen Fragen nachhaltiger Uni-Gestaltung weiter eine Rolle. So wird ‚Campusgrün‘, die Studierendenorganisation der Grünen, ihren diesjährigen Herbstkongress unter das Leitthema „Nachhaltige und klimagerechte Hochschule“ stellen. Es wird einen wissenschaftlichen Vortrag von Herrn Joachim Müller von der HIS zum Thema Nachhaltigkeit an Hochschulen geben und darauf aufbauend verschiedene Workshops, die sich vor allem mit der Erarbeitung von Zielen und konkreten Handlungsmöglichkeiten beschäftigen.

Den Link zur Veranstaltung finden Sie hier:
http://www.campusgruen.de/aktuelles/nachrichten/2916122.html