Lesetipp – Transdisziplinär und transformativ forschen

Defila, Rico; Di Giulio, Antonietta (Hrsg.) 2018: Transdisziplinär und transformativ forschen – Eine Methodensammlung.  Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß. Wiesbaden, Springer VS, 406 Seiten.

Nachdem bereits 2016 das Überblickswerk: „Transdisziplinär forschen – zwischen Ideal und gelebter Praxis“ von Defila und Di Giulio erschienen ist und großes Interesse wie positive Resonanz erzeugte (die Publikation ist hier zu finden), folgt nun eine stärker methodisch orientierte Arbeit zu transdisziplinärer und transformativer Forschung und Wissenschaft. Die Arbeit speist sich aus den Erkenntnissen der baden-württembergischen Reallabore und wurde gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und ist daher frei zum Download verfügbar.

Es werden Methoden der Wissenserzeugung, Wissensintegration und Transformation ausführlich beschrieben. Dabei wird der Blick geweitet, um sowohl transformative wie nicht-transformative Forschung miteinander in Bezug zu setzen und die Forschung innerhalb wie außerhalb von Reallaboren methodisch analysieren und bewerten zu können. Die Ergebnisse haben dabei einen klaren Praxisbezug und sind für die wissenschaftliche Umsetzung zukünftiger Forschungsvorhaben gedacht und geeignet. Schwerpunkte der Publikation sind die Reflexion über den Stellenwert der Partizipation in der Reallaborforschung und anderer partizipativer Forschungsdesigns sowie die Rolle von Praxisakteuren und praxisrelevantem Wissen im wissenschaftlichen Prozess. Die Erkenntnisse, die aus der Reallaborforschung gewonnen wurden, sind dabei auch über dieses Forschungsformat hin anwendbar und bereichern damit den methodologischen und wissenschaftlichen Diskurs insgesamt.

Der Inhalt gliedert sich in zwei Teile:
  • Worauf achten: Kriterien, Prinzipien, Fragen für Planung und Reflexion
  • Wie vorgehen: Methoden für Co-Design und Co-Produktion
Die Zielgruppen sind vor allem:
  • Forschende, Dozierende und Studierende aus allen Disziplinen, die transdisziplinär und/oder transformativ forschen
  • Praxisakteure, die sich an transdisziplinärer und/oder transformativer Forschung beteiligen
Der Herausgeber, die Herausgeberin
Fürspr. Rico Defila und Dr. Antonietta Di Giulio leiten die Forschungsgruppe Inter-/Transdisziplinarität, Programm MGU (Mensch Gesellschaft Umwelt), Universität Basel.
Sofern nicht anderweitig angegeben, wird dieses Buch unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht.

Lesetipp – Zehn wesentliche Punkte für eine wirkungsvollere Klimawandel- und Nachhaltigkeitsforschung

Um zu erklären, wie wir eine sich wandelnde Welt besser verstehen und uns in ihr effektiver zurecht finden können und gleichzeitig sicher zu stellen, dass die Wissensproduktion gezielter gesellschaftliche Bedürfnisse adressiert, haben 40 Wissenschaftler*innen und Praktier*innen zu diesen frei verfügbaren Forschungsartikel beigetragen “Ten essentials for action-oriented and second order energy transitions, transformations and climate change researchund dabei verschiedene Einsichten aus einer reichen und vielfältigen Tradition anwendungsorientierter Forschung zusammengebracht.

Diese Arbeit hebt hervor, dass Wissenschaft vorrangig Ansätze nutzt, die nicht genug  auf das Lernen und Verstehen eines transformativen Wandels fokusiert sind und zu wenig dazu beitragen, diesen zu erreichen. Meist bezieht sich die Forschung eher darauf Probleme zu verstehen, als Lösungen und deren Umsetzung zu identifizieren und zu bewerten. Das kann auf die Tendenz konventioneller Wissenschaft und Forschung zurück geführt werden, sich auf abstraktes Wissen zu konzentrieren, dass man lehren kann, als auf praktisches Wissen, dass man anwenden kann.

Zum Beispiel wissen wir bereits viel über die Probleme des Klimawandels. Die kritische Frage ist jetzt aber, wie innovative, transformative Lösungen entwickelt und Wissen zu deren erfolgreichen Implementierung gefunden werden. Die benötigte Forschung zur Erlanung dieser Art des Wissen benötigt eine andere Art des Lernens. Das involviert Versuch und Irrtum und die praktische Einbindung in das, was in der realen Welt geschieht. Um das zu erreichen müssen Forscher*innen anerkennen, dass sie Teil der Systeme (und der Probleme) sind, die einer Veränderung bedürfen. Wissenschaftliche Ansätze, die das erkennen, können auf eine viel größere Auswahl und auf vielfältigere Arten von Wissen zugreifen und dadurch zu einem tieferen und anderen Verständnis der transformativen Prozesse kommen, von denen die Forscher*innen ein Teil sind.

In diesem Forschungsartikel werden zehn wesentliche Punkte herausgearbeitet, die man beachten sollte für Forschung und Wissenschaft die darauf abzielt einen größeren Einfluss auf Wandel und Nachhaltigkeit zu erreichen. Diese wesentliche Punkte sind:
1 Fokus auf Transformationen für CO2-arme, resiliente Lebensführung;
2 Fokus auf Lösungsprozesse;
3 Fokus auf praktisches Wissen;
4 Begreifen von Forschung als aus dem System entspringend, in das eingegriffen wird;
5 Arbeit mit normativen Aspekten;
6 Versuch zur Überschreitung des aktuellen Denkens;
7 Auswahl facettenreicher Ansätze um Wandel zu verstehen und zu gestalten;
8 Anerkennen des Wertes alternativer Rollen für Forscher*innen
9 Weiterführenden Experimenten ermutigen; und
10 Reflektiert sein.

Es wird gezeigt, dass diese Punkte bei einer kombinierten Anwendung, eine Beschleunigung dieser Arten des Lernens bewirken, die benötigt wird, um eine Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu stärken. Aber ein Wandel wird auch gebraucht in den Forschungsinstitutionen, den fest verwurzelten Disziplinen und den Wegen in welchen Wissen generiert und genutzt wird.

Bibliographische Angaben:
Fazey, I., Schäpke, N., Caniglia, G., Patterson, J., Hultman, J., van Mierlo, B., Säwe, F., Wiek, A., Wittmayer, J., Aldunce, P., Al Waer, H., Battacharya, N., Bradbury, H., Carmen, E., Colvin, J., Cvitanovic, C., D’Souza, M., Gopel, M., Goldstein, B., Hämäläinen, T., Harper, G., Henfry, T., Hodgson, A., Howden, M.S., Kerr, A., Klaes, M., Lyon, C., Midgley, G., Moser, S., Mukherjee, N., Müller, K., O’Brien, K., O’Connell, D.A., Olsson, P., Page, G., Reed, M.S., Searle, B., Silvestri, G., Spaiser, V., Strasser, T., Tschakert, P., Uribe-Calvo, N., Waddell, S., Rao-Williams, J., Wise, R., Wolstenholme, R., Woods, M., Wyborn, C. (2018) Ten essentials for action-oriented and second order energy transitions, transformations and climate change research. Energy Research and Social Science 40, 54-70.

Recommended reading: Ten essentials for more impactful climate change and sustainability-related research

To explain how we can understand and navigate our way through a world of change more effectively and ensure knowledge production contributes more directly to societal needs 40 researchers and professionals have contributed to this freely accessible research paper “Ten essentials for action-oriented and second order energy transitions, transformations and climate change research” and brought together different insights from the rich and diverse traditions of action-oriented research.

This work highlights that science is predominantly using approaches that do not sufficiently focus on, and contribute to, learning and understanding about how to achieve transformative change. Mostly, research focuses on understanding problems rather than identifying and examining solutions or their implementation. This can be traced back to the tendency of conventional science and research focuses on abstract knowledge that is teachable, rather than practical know how that is applicable.

For instance, we already know a lot about the problems of climate change. The critical question now, however, is about how to develop innovative, transformative solutions and the knowledge to implement them successfully. The research needed to attain this kind of knowledge requires a different kind of learning. It involves trial and error and practical involvement in actions happening in the real world. To do that, researchers have to acknowledge they are part of the systems (and problems) that need chaining. Scientific approaches that recognize this can access a much wider range and more diverse kinds of knowledge and therefore lead to a deeper and different understanding of the transformative processes that the researchers are indeed part of.

In this research paper ten essentials are highlighted that need to be considered for research and science that aims at a greater impact towards achieving change and sustainability. These essentials are:
1. Focus on transformations to low-carbon, resilient living;
2. Focus on solution processes;
3. Focus on ‘how to’ practical knowledge;
4. Approach research as occurring from within the system being intervened;
5. Work with normative aspects;
6. Seek to transcend current thinking;
7. Take a multi-faceted approach to understand and shape change;
8. Acknowledge the value of alternative roles of researchers;
9. Encourage second-order experimentation; and
10. Be reflexive

The paper shows how these essentials, when to be applied combined, can ultimately accelerate the kinds of learning needed to enhance transformations for sustainability in society. But changes will also be required in the research institutions, the entrenched disciplines and the ways in which knowledge is produced and used.

 

Bibliographical indication:
Fazey, I., Schäpke, N., Caniglia, G., Patterson, J., Hultman, J., van Mierlo, B., Säwe, F., Wiek, A., Wittmayer, J., Aldunce, P., Al Waer, H., Battacharya, N., Bradbury, H., Carmen, E., Colvin, J., Cvitanovic, C., D’Souza, M., Gopel, M., Goldstein, B., Hämäläinen, T., Harper, G., Henfry, T., Hodgson, A., Howden, M.S., Kerr, A., Klaes, M., Lyon, C., Midgley, G., Moser, S., Mukherjee, N., Müller, K., O’Brien, K., O’Connell, D.A., Olsson, P., Page, G., Reed, M.S., Searle, B., Silvestri, G., Spaiser, V., Strasser, T., Tschakert, P., Uribe-Calvo, N., Waddell, S., Rao-Williams, J., Wise, R., Wolstenholme, R., Woods, M., Wyborn, C. (2018) Ten essentials for action-oriented and second order energy transitions, transformations and climate change research. Energy Research and Social Science 40, 54-70.

Im „Zeitgespräch“: Expertenwissen und Wirtschaftswissenschaften im postfaktischen Zeitalter

Das aktuelle „Zeitgespräch“ des „Wirtschaftsdienst“ der Leibniz-Gemeinschaft, einer der der traditionsreichsten Zeitschriften für aktuelle Debatten zur deutschen Wirtschaftspolitik, widmet sich dem Thema „Expertenwissen im postfaktischen Zeitalter“ – mit Beiträgen von Lars Feld (Sachverständigenrat), Reint Gropp (Leiter des Leibniz-Forschungsinstitutes für Wirtschaftswissenschaften in Halle), Karl-Heinz Paqué (Magdeburg und Mitglied der Wachstums-Enquete), Oliver Geden/Lars Brozus (Stiftung Wissenschaft und Politik) und Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie). Ein Überblick über die Beiträge findet sich hier. Das gesamte PDF mit allen Beiträgen kann hier heruntergeladen werden.

Der Beitrag „Von der Reparatur-Ökonomik zur Orientierungswissenschaft“ von Uwe Schneidewind baut dabei eine Brücke zu den Forderungen nach einer „transformativen Wirtschaftswissenschaft“. Er macht deutlich, dass die Herausforderung der Ökonomie nicht lediglich bei einer verbesserten Politikberatung, sondern am Grundverständnis des Faches ansetzen muss.
Er beleuchtet dabei vier Aspekte:
(1) die Begrenzungen durch den methodologischen Individualismus als erkenntnistheoretische Grundlage der Wirtschaftswissenschaften,
(2) die Annahme exogen gegebener Präferenzen,
(3) die Berührungsangst mit Normativität,
(4) das Ausblenden ihres performativen und sozialwissenschaftlichen Charakters und zeigt u.a. die institutionellen Konsequenzen für eine sich erneuernde Wirtschaftswissenschaft auf.

Der Beitrag von Uwe Schneidewind kann hier heruntergeladen werden.

Beitrag im Merton Magazin „Wissenschaft darf sich nicht auf Fakten reduzieren“

In einem weiteren Beitrag in seiner Kolumne „Transformative Wissenschaft“ plädiert Prof. Dr. Uwe Schneidewind für ein erweitertes Wissenschaftsverständnis moderner Gesellschaften im Sinne einer Öffnung zur Gesellschaft und dem aktivem Einbringen in gesellschaftliche Diskurse.

In seinem Kolumnenbeitrag wendet er sich dabei auch gegen Peter Strohschneider, der in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung „Wissenschaft muss für die Demokratie streiten“ zwar treffend die Herausforderungen von Wissenschaft im wissenschaftsskeptischen Klima analysiert, dabei aber lediglich für die Wissenschaftskommunikation Verbesserungsbedarf sieht.
Dem setzt Prof. Schneidewind 5 Kernforderungen für einen neuen Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entgegen.

Den Beitrag finden Sie hier.

Themenschwerpunkt „Transformative Wissenschaft“ in den ARL-Nachrichten für Raumforschung

Die neu erschienene Ausgabe 2/2016 der Nachrichten der Akademie für Raumforschung und Landesplanung – ARL (Leibniz-Forum für Raumwissenschaften) widmet sich in ihrem Themenschwerpunkt „Transformative Wissenschaft“ dem Mehrwert des Wissenschaftsmodus für die Raumwissenschaften.

Neben einer Einführung in Form von fünf Thesen zur Verbindung von Wissenschaftsdiskurs und Raumforschung und der möglichen Bedeutung transformativer Methoden in den Raumwissenschaften, schildert im Heft u.a. Prof. Uwe Schneidewind in einem Interview seine Sichtweise auf das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft und die Bedingungen für transformative Forschung in Deutschland – inklusive Verbesserungspotenzialen.
Weitere Beiträge zu „transdisziplinären Antworten auf globale Fragen“, „Forschen in gesellschaftlicher Forschung“ und der “ Evaluierung transdisziplinärer Forschung“ machen das Heft dabei nicht nur für Raumforscher_innen interessant.

Die komplette Ausgabe ist hier im Volltext verfügbar.

Bibliographische Angaben
Nachrichten der ARL 2/2016 – Transformative Wissenschaft / ISSN 1612-3905. Akademie für Raumforschung und Landesplanung.

Lesetipp: Reallabore im Kontext transformativer Forschung

Im Rahmen der Begleitforschung der geförderten Reallabore in Baden-Württemberg ist ein neues Diskussionspapier „Reallabore im Kontext transformativer Forschung“ mit Ansatzpunkten zur Konzeption und Einbettung von Reallaboren in den internationalen Forschungsstand erschienen. Der Beitrag steht hier zum Download.

Das Projektteam von Wuppertal Institut, Leuphana Universität und ISOE möchte mit dem Beitrag durch Herausarbeitung eines Begriffsverständnis sowie charakteristischer Merkmale von Reallaboren deren Beitrag zu Transformationsprozessen herausarbeiten. Dazu beschäftigen sie sich in dem Beitrag mit dem Experiment als Forschungsmethode und transdisziplinärem Forschungsmodus sowie der Übertragbarkeit und Skalierbarkeit der Erkenntnisse aus der Reallaborforschung; jeweils unter Berücksichtigung einschlägiger Fachliteratur und den im Rahmen der Begleitforschung zahlreich geführten Gesprächen.

Um eine Einordnung und Abgrenzung im internationalen Kontext zu schaffen, erfolgt ein Vergleich mit den ähnlichen Ansätzen der „Living Labs“, „Urban transitions Labs“ und „Niche Experiments“, um Forschenden und Praktikern der Reallaborforschung eine theoretische Orientierung zu ermöglichen und im Sinne eines Diskussionspapiers zur konzeptionellen Diskussion des Forschungsmodus beizutragen.

Bibliographische Angabe:

Schäpke, N., Stelzer, F., Bergmann, M., Singer-Brodowski, M., Wanner, M., Caniglia, G., Lang, D.J. (2017). Reallabore im Kontext transformativer Forschung. Ansatzpunkte zur Konzeption und Einbettung in den internationalen Forschungsstand. (No. 1/2017) Leuphana Universität Lüneburg, Institut für Ethik und Transdisziplinäre Nachhaltig- keitsforschung. doi:10.13140/RG.2.2.28604.23687
Download: Reallabore im Kontext transformativer Forschung.

Lesetipp: Reallaborforschung für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen

In einer Case Study im kürzlich erschienen Handbook of Theory and Practice of Sustainable Development in Higher Education (Filho et al., 2017), stellt das Reallabor EnSign (Zweite Förderlinie der Reallabore Baden-Württemberg) an der HfT Stuttgart seinen Ansatz vor, die nachhaltige Entwicklung der Hochschule im Rahmen eines Reallabor-Forschungsprojektes  zu übertragbaren Konzepten für einen klimaneutralen Hochschulbetrieb voranzutreiben.

Das Buchkapitel präsentiert die Entwicklung eines iterativen und integrativen Projekt- und Wissensmanagements zur Einbindung interner und externer Stakeholdern, welches im Zentrum des Forschungsvorhabens steht. Ziel ist es, die Transformation des Campus durch ein Maßnahmenbündel u.a. von angepasstem Benutzerverhalten, höherer Enenergieeffizienz durch neue Gebäudeverwaltungskonzepte, neuen Finanzierungsmodellen für Gebäuderenovierungen, die Integration von Stakeholdern sowie institutionelle Managementstrukturen zu fördern.

„While the technical project results will be of transferable to other public buildings, the study of the transformation process catalyzed by EnSign, including the definition of development scenarios, methods, indicators, and assessment protocols, is perhaps of greater value to the societal SD transition than singular energy efficiency achievements.“ (Filho et al., S. 85)

Nach einer Einordung und Reflexion der Relevanz des Forschungsmodus werden anhand von ersten Ergebnissen die angewandte Kommunikationsstrategie und Wege der partizipativen Ausgestaltung des Projektes, verbunden mit einer Einschätzung des institutionellen Transformationspotenzials diskutiert. Bis zum Projektabschluss bleibt noch die weitere Bündelung des Engagements in einem möglichen Green Office offen, sowie eine Ergänzung von Nachhaltigkeitskriterien und EMAS, um neben der ökologischen auch der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Das Kapitel sowie das Handbuch sind über den Springer-Verlag erhältlich:

Botero, Lisa, Michael Bossert, Ursula Eicker, Jan Cremers, Nansi Palla, und Christiane Schoch. „A Real-World Lab Approach to the Carbon Neutral Campus Transition: A Case Study.“ Handbook of Theory and Practice of Sustainable Development in Higher Education World Sustainability Series (2016): 73-88. doi:10.1007/978-3-319-47895-1_5

in: Filho, Walter Leal. et al. Handbook of Theory and Practice of Sustainable Development in Higher Education. Volume 3. Springer, 2017. http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-319-47895-1

Zum weiterlesen: Die Folien einer ersten Zwischenpräsentation des Reallabors EnSign im Juni 2016 stehen hier zum Nachlesen zu Verfügung.

Lesetipp: Schwerpunktheft „Reallabore als Orte der Nachhaltigkeitsforschung und Transformation“

Im Dezember ist das Schwerpunktheft „Reallabore als Orte der Nachhaltigkeitsforschung und Transformation“ der Zeitschrift Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis des KIT erschienen, welches neben konzeptionellen Beiträgen auch erste Ergebnisse aus vier Reallaboren der Förderlinien Baden-Württembergs vorstellt.

Im Schwerpunkt wird durch zwei einführende Beiträge mit konzeptionellen Überlegungen zum Forschungsformat und einer Diskussion der Schlüsselbegriffe des Forschungsmodus der Kontext für die Vorstellung der 4 Reallabor Case-Studys gegeben, wodurch wesentliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Reallaborprojekte deutlich werden.

In den vier Case-Studies stellen dann die Reallabore „Wissensdialog Schwarzwald„, „Urban Office – Nachhaltige Stadtenwicklung in der Wissensgesellschaft„, „Quartier Zukunft – Reallabor 113“ und „Energielabor Tübingen – Gemeinsam zur Energiewende“ ihre jeweiligen Forschungsdesigns und erste gewonnene Erkenntnisse aus der partizipativen Zusammenarbeit in den Reallaboren vor Ort vor.

Abschließend stellt das Begleitforschungsteam ForReal konzeptuelle, praxisorientierte und reflexive Thesen zur Diskussion, welche sich auf die Bedeutung zielorientierter Methodennutzung und das Thematisieren von Lernprozessen als Kerncharakteristiken von Reallaboren stützen.

Das Heft (Open-Access) kann hier heruntergeladen werden.

Factsheet des WBGU zur „Forschung für die Transformation der Städte zu Nachhaltigkeit“

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat in einem neuen Factsheet die wichtigsten wissenschaftspolitischen Empfehlungen des WBGU-Städtegutachens „Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte“ (2016) zusammengefasst.

Bereits im Hauptgutachten kommt Forschung eine bedeutende Rolle als Mittler zu, einen gesellschaftlichen Lern- und Suchprozess zu unterstützen. Die Empfehlungen zielen dabei darauf ab, sowohl die Datenlage für Stadtforschung durch bessere Rahmenbedingungen und Kooperation mit gesellschaftlichen Schlüsselakteuren, als auch global mit anderen Städten und Organisationen zu verbessern. Auch soll Stadtforschung in Reallaboren selbst zur nachhaltigen Entwicklung der Städte beitragen. Dabei macht das Gutachten nicht bei der Nord-Süd Grenze halt sondern fordert auch hier eine globale Perspektive.

Kernforderungen stellen ein „Max-Planck-Institut für urbane Transformation“, „50 urbane Reallabore für 50 Jahre“, sowie die gezieltere Erfassung sozialer, politischer und ökonomischer Indikatoren dar.

„Nachhaltigkeit sollte querschnittsmäßig in allen Programmen der Bundesregierung mit Stadtfokus verpflichtend aufgenommen werden, ohne dabei zur Floskel oder Worthülse degradiert zu werden.“

Der Factsheet steht hier zum Download.

Uwe Schneidewind im Merton-Magazin zum Wandel in den Wirtschaftswissenschaften

In einem neuen Artikel seiner Kolumne „transformative Wissenschaft“ im Merton-Magazin des Stifterverbands geht Prof. Uwe Schneidewind auf die bisherige Rolle der Wirtschaftswissenschaften ein und fordert den Wandel hin zu einer „Möglichkeitswissenschaft“.

Der Kolumnenbeitrag erschien anlässlich der Spiekerooger Klimagespräche, die sich dieses Jahr dem Thema „Transformative Wirtschaftswissenschaften“ widmen.

Den Beitrag im Merton Magazin können Sie hier nachlesen.

Stand der transformativen Forschung in NRW

Am Mittwoch, den 21. September 2016 fand in Düsseldorf eine Veranstaltung zum Thema „Transformative Forschung – Wo steht NRW?“, veranstaltet vom Wissenschaftsministerium NRW, statt.

Auf der Veranstaltung wurde der Stand der seit 2013 verfolgten Forschungsstrategie „Fortschritt NRW“ diskutiert, die zum Ziel hat, umsetzungsorientierte Forschung zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stärken. Sie zielt außerdem darauf ab, die Entwicklung von Themen wie der Energiewende, digitalem Wandel, Arbeit 4.0 oder Verbraucherschutzthemen nachhaltig auszugestalten und dabei auch die Zivilgesellschaft stärker einzubeziehen.

Im Rahmen eines „Science Match“ hat sich eine große Bandbreite an Projekten aus NRW vorgestellt, darunter die transdisziplinären Forschungskollegs und Regionalnetzwerke in NRW, die von Lebensqualität im hohen Alter über Kinder und Jugendgesundheit, Energieeffizienz und Ressourcen in der Landwirtschaft eine große Bandbreite an Themen bearbeiten.

Auch die Verbraucherzentralen NRW engagieren sich zunehmend in dem Feld, indem sie Verbraucherforschung für, mit und zu Konsumentinnen und Konsumenten betreiben.

Ebenfalls kontrovers diskutiert wurde, wie eine engere Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Wissenschaft möglich wäre. Während sich die Podiumsgäste hinsichtlich der allgemeinen Zielsetzung einer „transformativen“ Wissenschaft einig waren, kam die Kritik an Bürgeruniversitäten hier eher von außen.

Ein kürzlich erschienener Artikel in der Welt legt die Ängste in der Debatte anschaulich dar, berücksichtigt aber leider nicht den inzwischen sehr differenzierten Stand der Diskussion (vgl. dazu die Debatte in der GAIA).

Uwe Schneidewind im Merton Magazin: „Radikaler Perspektivwechsel für Hochschulen“

Im Rahmen seiner Kolumne im Merton-Magazin des Stifterverbands hat Prof. Dr. Uwe Schneidewind einen Beitrag zum Perspektivwechsel von Hochschulen hinsichtlich der Bedeutung von gesellschaftlichen Herausforderungen in Forschung und Lehre verfasst.

Er plädiert in seinem Artikel dafür, die „Third Mission“ von Hochschulen zur „First Mission“ zu machen: Eine „transformative“ Ausrichtung hin zu gesellschaftlichen Problemstellungen macht das Verhältnis von Hochschulen zu ihrem Umfeld zu einer systematische Gestaltungsaufgabe. Davon profitieren sowohl die einzelnen Disziplinen, welche sich immer wieder der Anschlussfähigkeit an andere Disziplinen stellen müssen, als auch die Studierenden durch ansprechende Lehrformate. Der Wettbewerb „Innovative Hochschule“ eröffnet gerade kleineren Hochschulen die Möglichkeit sich in diesem Feld zu entwickeln.

Den vollständigen Beitrag können Sie hier lesen.
Den zugehörigen wissenschaftlichen Artikel, erschienen in der Zeitschrift „die Hochschule„, finden Sie hier.

Anhörung „Forschung und Innovation in Deutschland“: Stand der Hightech-Strategie am 6. Juli im Bundestag

Am Mittwoch, den 6. Juli fand um 9.30h eine öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgen-abschätzung zum Thema „Forschung und Innovation in Deutschland: Stand und Perspektiven – einschließlich Zwischenbilanz der Hightech-Strategie“ statt.

Es waren sieben Experten zur Anhörung eingeladen, darunter Dirk Messner, Vorsitzender des WBGU, der in seiner Stellungnahme eine stärkere Ausrichtung der Forschungspolitik auf globale und gesellschaftliche Herausforderungen, insbesondere auf eine Transformation zur Nachhaltigkeit fordert. Er kritisiert an der aktuellen Hightech-Strategie die starke Ausrichtung auf ökonomische Aspekte, und bemängelt das Fehlen einer systemischen Perspektive. Der WBGU sieht daher eine Weiterentwicklung notwendig, die:

„(1) der Dringlichkeit der Transformation zur Nachhaltigkeit Rechnung trägt, die
(2) systemischen statt isolierten technologischen Innovationen Raum schafft und die
(3) auch die nötigen institutionellen und gesellschaftlich-kulturellen Innovationen umfasst.“

Auch die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) sieht soziale Innovationen bisher kaum gefördert. Daher sollten aus öffentlichen Mitteln geförderte Innovationen künftig vor allem dem Gemeinwohl statt wirtschaftlicher Interessen dienen. Dazu ist aus Sicht des WGBU eine breite gesellschaftliche Beteiligung notwendig, um die gesellschaftliche Relevanz und Akzeptanz der strategischen Ziele zu gewährleisten.

Daher schlägt Messner vor, die Hightech-Strategie neben einer inhaltlichen Neuausrichtung an Nachhaltigkeitsaspekten auch durch einen neuen Namen „Forschungsstrategie für Wohlfahrt, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit in Deutschland“ zu reformieren. Eine Orientierung an den Globalen Nachhaltigkeitszielen der 2030 Agenda, und der derzeit entstehenden neuen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung würde die Bestrebungen dabei sinnvoll miteinander verküpfen.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu im Juni einen Antrag mit dem Titel „Innovationspolitik neu ausrichten – Forschen für den Wandel befördern“ in den Bundestag eingebracht, in welchem die Fraktion die Bundesregierung unter anderem dazu auffordert, eine Neuausrichtung der Innovationsstrategie an Nachhaltigkeitskriterien vorzunehmen und dabei auf sukkzessive Beteiligung der Zivilgesellschaft und Reallaborforschung zu setzen. Kleine Fächer und Kleinforschungsprojekte sollen ebenfalls stärker gefördert werden. Eine Steuererleichterung um 15% für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Unternehmen unter 249 Mitarbeitenden soll das auch auf wirtschaftlicher Seite ermöglichen.

Ein Vorbericht zur Anhörung in der taz von Manfred Ronzheimer ist hier zu lesen.

Eine Aufzeichnung der Debatte kann in der Mediathek des Deutschen Bundestages angesehen werden.
Eine kurze Zusammenfassung der Sitzung finden Sie hier.

 

Dossier „Wissenschaft für eine nachhaltige Gesellschaft“ des oekom Verlages

Der oekom Verlag hat ein Dossier zum Thema „Transformation der Wissenschaft“ mit Artikeln aus den Zeitschriften politische ökologie, GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, Ökologisches Wirtschaften und umwelt aktuell zusammengestellt und auf seiner Webseite veröffentlicht.

Das Dossier schafft eine Übersicht der Debattenbeiträge zu einer transformativen Wissenschaft und darüber hinaus, welche seit Ende 2012 in den Zeitschriften des oekom Verlages erschienen sind. Darunter Ausgabe 140 der politischen Ökologie, welche das Thema zusammen mit citizen science aufgreift, ebenso wie die kontroverse Diskussion in GAIA, deren Beiträge auch bereits hier auf dem Blog vorgestellt wurden.

Was fehlt sind die Debattenbeiträge aus anderen Zeitschriften. Wer etwa die Fundamentalkritik von Strohschneider vermisst, der sollte hier weiterlesen.

Die einzelnen Artikel des Dossiers können Sie über die Verlinkungen auf der Überblickseite abrufen.

Andreas Freytag in der Wirtschaftswoche: „Soll Wissenschaft gesellschaftlich gesteuert werden?“

In seiner „Freytags-Frage“ stellt sich Wirtschaftswoche-Kolumnist Andreas Freytag dem Thema gesellschaftlicher Einflussnahme auf Wissenschaft.

Unter Bezug auf die Debatte über eine transformative Wissenschaft warnt Freytag vor der Idee von Bürgeruniversitäten und dem normativen Impetus der entsprechenden Debatten. Eindrucksvoll und erfreulich ist, dass diese wissenschaftspolitische Diskussion inzwischen auch in einem führenden Wirtschaftsmagazin Resonanz findet – da die Debatte über transformative Wissenschaft gerade auch auf Defizite der aktuellen Wirtschaftswissenschaft zielt.

Der Beitrag von Andreas Freytag kann hier abgerufen werden.

Beitrag im Merton Magazin von Prof. Uwe Schneidewind: „Die ‚Co-Benefits‘ einer transformativen Wissenschaft“

Im Rahmen seiner Kolumne im Merton-Magazin des Stifterverbands diskutiert Prof. Dr. Uwe Schneidewind die Vorteile einer „transformativen Wissenschaft“ vor dem Hintergrund der kürzlich angekündigten Details der nächsten Exzellenzinitiative.

In seinem Beitrag geht er auf die Vorzüge eines erweiterten Methodenkanons für Lehre und Forschung ein und betont die verbesserten Chancen für den transdisziplinär ausgebildeten wissenschaftlichen Nachwuchs auch jenseits der klassischen Karrierepfade. Auch im internationalen Austausch spricht er sich für eine verbesserte Kultur des gegenseitigen Lernens auf Augenhöhe aus.

Den Beitrag können Sie hier lesen.

WBGU-Städtegutachen und SRU-Gutachten mit wissenschaftspolitischen Impulsen

WBGU

Der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat ein neues Hauptgutachten zu Urbanisierung herausgegeben.

In der Studie, die sich den Herausforderungen der „großen Transformation“ (WBGU 2011) anschließt und diese auf den Kontext der Urbanisierung überträgt, gibt das Gutachten Handlungsanweisungen für eine urbane Transformation, die zu Städten führen soll, die „die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, die Teilhabe gewährleisten und Eigenart ermöglichen“.

Das Gutachten enthält auch einen umfassenden forschungspolitischen Empfehlungsteil, der hier abrufbar ist. In seiner Analyse nimmt der WBGU eine Bewertung der bestehenden nationalen und internationalen Stadtforschung vor und empfiehlt u.a. die Einrichtung eines „Max Planck Institutes für urbane Transformationsforschung“ sowie unter der Formel „50 urbane Reallabore auf 50 Jahre“ den internationalen Ausbau langfristiger Reallabore für die Erforschung urbaner Transformationsforschung.

Ein Kommentar von Manfred Ronzheimer zur Übersicht ist unter diesem Link in der taz erschienen.

Die Kurzfassung und Empfehlungen des Gutachtens finden Sie hier, die Langfassung ist ab Juni unter dem gleichen Link erhältlich.

SRU

Ebenso hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sein neues Umweltgutachten zu den Haupthandlungsfeldern einer ökologischen Transformation herausgebracht.

Im Gutachten thematisiert der SRU aufgeteilt in sechs Handlungsfelder mögliche Politikstrategien für die intraministerielle Zusammenarbeit für integrativen Umweltschutz in den Problemfeldern der Rolle staatlicher Steuerung, Umweltschutz und Wettbewerbsfähigkeit, Umwelt- und Sozialpolitik der Energiewende, Flächenverbrauch und demographischer Wandel, Raum für Wildnis sowie Schutz der Biodiversität vor dem Hintergrund steigenden Einsatzes von Pestiziden.

Eine wichtige Rolle spielen aber auch die für die Umsetzung relevanten wissenschaftspolitischen Empfehlungen (vgl. S. 64-74). Dort sind die wichtigsten Forderungen um öffentliche Forschungsförderung auf nachhaltige Entwicklungspfade hin auszurichten:

  1. Demokratische Erneuerung: Stärkung von Transparenz und Beteiligung in der Forschungsgovernance
  2. Differenzierte Forschung: Stärkung der Forschung zu sozio-ökonomischen Transformationsbedingungen
  3. Akteure im Rahmen von Technologieentwicklung stärker sozialwissenschaftlich und partizipativ begleiten.
  4. Gemeinsame Zielsetzung: Verbesserung der Ressortszusammenarbeit und Definition langfristiger Forschungsprioritäten
  5. Beendigung der Förderung nicht mehr zeitgemäßer Forschungsbereiche wie bsp. der Extraktion fossiler Ressourcen und Priorisierung relevanter Forschungsfelder.

Vorrangige Aufgabe der Umweltpolitik soll es werden, die Idee einer umfassenden ökologischen Transformation im Sinne eines erweiterten Innovationsverständnisses auf kulturellen, gesellschaftlichen und institutionellen Wandel weiterzuentwickeln und integrativ in die bestehenden Politikfelder einzubinden.

Das Gutachten in Kurz- und Langfassung finden Sie hier zum Download.

Wilfried Hinsch in der FAZ: „Die Freiheit der Forschung“

In einem neuen Beitrag zur Wissenschaftsfreiheit und der Legitimität politischer Steuerung von Forschungsprozessen diskutiert Wilfried Hinsch das Konzept und die Forderungen nach einer transformativen Wissenschaft vor dem Hintergrund der Theorie von „Organisationen“ und „spontanen Ordnungen“ (von Hayek).

Während Wissenschaft klassische Organisationseinheiten voraussetze, dürfe der Prozess wissenschaftlichen Erkennens nicht als organisierter Prozess verstanden werden sondern müsse als „kooperatives kollektives Unternehmen“ verstanden werden, „dessen Ziel ein systematischer gemeinsamer Erkenntnisgewinn ist, auch wenn vorab nicht zu sehen ist, welche Form dieser Gewinn annehmen wird“.

Dies schließe die politische Vorgabe „großer gesellschaftlicher Herausforderungen“ nicht aus. Es schließe aber aus, die wissenschaftliche Auseinandersetzung im Detail zu steuern, da politische Steuerung voraussetze, dass wir wissen, was genau wir erreichen wollen.

Den vollständigen Beitrag können Sie hier lesen.

EFI zu sozialen Innovationen

Die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) betont nach Veröffentlichung ihres Jahresgutachtens 2016 in einer ergänzenden Pressemitteilung nochmals ausdrücklich die Bedeutung sozialer Innovationen in der Forschungs- und Innovationsförderung.

Die EFI äußert sich damit auch zu der Kritik, ein zu enges soziales Innovationsverständnis zu bedienen, wie sie u.a. von Dirk Messner und Uwe Schneidewind geäußert wurde (siehe Kolumne des DIE).
EFI-Mitglied Prof. Böhringer macht in der Pressemitteilung deutlich: „Wir haben die Sorge, durch die Fokussierung auf ein technologisches Innovationsverständnis in der Förderpolitik wichtige soziale Innovationspotenziale zu vernachlässigen“. Die Expertenkommission fordert daher „von der Bundesregierung nun mutige Schritte ein, um mit neuen Formaten der Partizipation und mit neuen Förderinstrumenten zu experimentieren“.

Die Kommission verweist für eine zukünftige Förderung auf Preisgeld-Wettbewerbe oder Vorreiter-Beispiele wie die Reallaborförderung in Baden-Württemberg.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Interview „The knowledge of 7.4 Billion“ mit Uwe Schneidewind

Für die Ausgabe #17 „Sharing“ der Zeitschrift Digital Development Debates hat Prof. Dr. Uwe Schneidewind ein Interview zum Thema „The knowledge of 7.4 Billion“  gegeben.

Im Interview diskutiert Prof. Schneidewind den Stand der wissenschaftspolitischen Debatte in Deutschland und beleuchtet die Möglichkeiten transformativer Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung in Afrika, Asien und Südamerika.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel können Sie hier lesen.
Eine deutsche Kurzinformation zur Ausgabe finden Sie hier.

Rudolph Stichweh über „Große gesellschaftliche Herausforderungen“

Anlässlich der Konferenz ‚Die Freiheit und Relevanz der Wissenschaft‘, im Februar 2016 an der Universität zu Köln hat Rudolph Stichweh einen Beitrag über „Große gesellschaftliche Herausforderungen“, zum Papier des Wissenschaftsrats und zur Theorie des Wissenschaftssystems veröffentlicht.

In seinem Beitrag setzt sich Stichweh kritisch mit der Rolle der Subjekte des Wissenschaftssystem auseinander: Er fragt nach der Verortung der Definitionsmacht darüber, was gesellschaftliche Probleme sind und wer deren Auswahl steuert. Dabei identifiziert er sechs Schwierigkeiten und Gefahren im Positionspapier des Wissenschaftsrat.

Den Beitrag können Sie hier lesen.

Neue Kolumne „Transformative Wissenschaft“ auf dem Online Magazin MERTON des Stifterverbandes

In seinem Online-Magazin MERTON hat der Stifterverband eine eigene Kolumne „Transformative Wissenschaft“ eingerichtet.
Der erste Beitrag zur Kolumne  „Was ist und warum provoziert Transformative Wissenschaft?“ ist gerade erschienen. In dem Beitrag setzt sich Uwe Schneidewind mit dem Anliegen „Transformativer Wissenschaft“ und den Gründen für die kontroverse Diskussion über das Thema auseinander.

Der Beitrag kann hier abgerufen werden.

„Zu enges Verständnis von sozialen Innovationen“ – Dirk Messner und Uwe Schneidewind kritisieren aktuellen Jahresbericht der Expertenkommission für Forschung und Innovation

Am 17.02. hat die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI), die die deutsche Bundesregierung in Forschungs- und Innovationsfragen berät, ihr Jahresgutachten „Forschung, Innovation und technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands“ vorgelegt. Ein Schwerpunkt in dem Jahresbericht waren soziale Innovationen.

In einer aktuellen Kolumne des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik kritisieren Prof. Dr. Dirk Messner und Prof. Dr. Uwe Schneidewind das zu enge Verständnis sozialer Innovationen im Jahresbericht der EFI.

Die Kolumne können Sie hier lesen.

Lesetipp: Transdisziplinär forschen – zwischen Ideal und gelebter Praxis. Hotspots, Geschichten, Wirkungen.

Defila, Rico, Di Giulio Antonietta (Hrsg.) (2016): Transdisziplinär forschen – zwischen Ideal und gelebter Praxis. Hotspots, Geschichten, Wirkungen. Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag, 344 Seiten.

Die gelebte Praxis transdisziplinärer Forschung steht im Mittelpunkt der Analysen und Reflexionen dieser Teilsynthese aus dem BMBF-Themenschwerpunkt „Vom Wissen zum Handeln – Neue Wege zum nachhaltigen Konsum“. Den Erfahrungshintergrund bilden Projekte, in denen die Kooperation zwischen den Partnern aus Forschung und Praxis aus Sicht aller Beteiligten erfolgreich verlief. Dabei zeigt sich, dass es unterschiedliche Wege zum Erfolg gibt, die nicht alle ‚lehrbuchkonform‘ sind und sein müssen. Das Buch ermuntert dazu, transdisziplinäre Prozesse pragmatisch-kreativ anzugehen, ohne dabei den Qualitätsanspruch an transdisziplinäre Forschung aufzugeben. Es richtet sich an Forschende, die transdisziplinär forschen, aber auch an Fördergeber, die transdisziplinäre Projekte fördern, und schließlich an Forschende, die über transdisziplinäre Projekte forschen. Zur Veröffentlichung.

Die Einführung steht auch als kostenfreier Download zu Verfügung: Defila_Di Giulio_2016_Wie_es_begann

(Quelle: SÖF-Konsum-BF)

Die Imboden-Kommission, wissenschaftspolitische Jubelchöre und ein fehlender Plan A2

Warum sich der Erfolg des wissenschaftspolitischen Establishments für die Wissenschaft noch rächen kann – ein Kommentar von Uwe Schneidewind

Am letzten Freitag hat die „Imboden“-Kommission ihre lang erwarteten Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung der deutschen Exzellenzinitiative vorgelegt. Sie verknüpft ein beherztes Bekenntnis zur Spitzenforschung mit eleganten Formeln zur weiteren Finanzierung von Eliteuniversitäten: Eine längere und vom Umfang her flexiblere Finanzierung der Exzellenzzentren wird verbunden mit einer an zehn Universitäten unbürokratisch – nämlich gemessen an ihren bisherigen Erfolgen – ausgezahlte „Exzellenzprämie“.

Noch am selben Tag begrüßten viele Hochschul- und Wissenschaftsorganisationen sowie fraktionsübergreifend die Wissenschaftspolitik auf Bund und Länder-Ebene die Ergebnisse der Imboden-Kommission fast einstimmig (Vgl. zum Überblick die idw-Tickermeldungen vom 30.01.2016).

Dabei bergen die Empfehlungen der Kommission und die erwartbare Reibungslosigkeit, mit der sie jetzt die weiteren wissenschaftspolitischen Entscheidungen leiten werden, große Gefahren für die Zukunft des Wissenschaftssystems in sich.

Die Herausforderung der horizontalen Differenzierung bleibt ungelöst

Die Vorschläge zementieren eine rein vertikale Strukturierung des Wissenschaftssystems, d.h. eine an einem sehr engen wissenschaftlichen Exzellenzverständnisses orientierte Sortierung von Hochschulen nach „besser“ oder „schlechter“. Diese Orientierung war von Beginn an der Ausgangspunkt der Exzellenzinitiative und führte dazu, dass jede Hochschule zumindest ein wenig an dem Glanz der Exzellenzinitiative teilhaben wollte, um nicht als zweitklassig zu gelten.

Die Vorschläge der Imboden-Kommission verfestigt diese Strukturierung des Hochschulsystems. Die Formel der zehn nach den klassischen wissenschaftlichen Leistungen auszuschüttenden Exzellenzprämien hält in fast jedem (größeren) Wissenschaftsbundesland die Hoffnung wach, auch künftig dazu gehören zu können. Das erklärt die breite Zustimmung der Wissenschaftsministerien in den meisten Ländern.

Dabei verbaut die vertikale Orientierung den Weg zu etwas, was das Wissenschaftssystem eigentlich braucht: eine horizontale Differenzierung sowohl zwischen als auch innerhalb von Hochschulen. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen, heterogener Studierendenzusammensetzung oder den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung benötigt es eine Vielfalt von Exzellenz: Hochschulen, die sich konsequent und strategisch an gesellschaftlichen Herausforderungen, an neuen Formen transdisziplinärer Forschung oder an Lehre im digitalen Zeitalter ausrichten und dies zum Kern ihrer strategischen Mission machen. Dies wird solange nicht geschehen, solange dies nicht Anerkennung und Reputation auf gleicher Augenhöhe ermöglicht. Die Exzellenzinitiative hätte mit ihrem Reputationskapital die Chance geboten, hier erste wichtige Akzente auszusenden.

Die Empfehlungen der Imboden-Kommission zementieren aber die bisherige einseitige vertikale Orientierung. Dies kommt schon in ihrem engen Verständnis von horizontaler Differenzierung zum Ausdruck. Sie bezieht sich alleine auf die „Fokussierung der Hochschulen in der (Spitzen-)Forschung auf eine begrenzte Anzahl von Forschungsthemen“ (S. 35 des Imboden-Berichtes). Damit bleiben alle anderen Dimensionen der horizontalen Differenzierung ausgeblendet.

Die wenigen kritischen Kommentierungen der Kommissionsvorschläge, die einfach mehr Grundförderung für alle Hochschulen fordern, lösen das Problem auch nicht. Während die Imboden-Kommission eine viel zu enge Form der Differenzierung forciert, lehnen diese Stimmen Differenzierung letztlich ganz ab.

Was moderne Gesellschaften im 21. Jahrhundert aber brauchen, ist eine intelligente Differenzierung ihrer Hochschulsysteme, um der neuen Bedeutung von Wissen und Wissenschaft in Gesellschaften des Umbruchs gerecht zu werden.

Die Bedingungslosigkeit der Mittelzuwendung wird ein Problem werden

Der Bericht der Imboden-Kommission verstärkt eine weitere Gefahr: die Bedingungslosigkeit, mit der Spitzenforschung Geld vom Staat einfordert. Die allein wissenschaftsgeleiteten Kriterien der Mittelvergabe wurden aus dem Wissenschaftssystem immer wieder gefordert. Mit ihrem Verteilungsvorschlag für die „Exzellenzprämie“ übersetzt die Imboden-Kommission diese Forderung in ein administrativ einfach zu handhabendes System. Die von wissenschaftlichen Peers festgestellte Exzellenz entscheidet darüber, wer auch künftig viel Geld bekommt.

Auch wenn die Ablehnung politisch durchgesetzter Regional-Proporze bei der Mittelvergabe berechtigt scheint, ist es gefährlich daraus abzuleiten, dass sich Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gegenüber gar nicht zu rechtfertigen habe.

Denn „Gesellschaftsorientierung“ meint nicht einfache Lösungsorientierung, sondern die Bereitschaft, Wissenschaft umfassend auf gesellschaftliche Herausforderungen zu beziehen, sich kritisch einzumischen, sich bewusst zu sein, dass Wissenschaft in modernen Wissenschaftsgesellschaften auch besondere gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortung zukommen. Dafür reicht es nicht, dies als individuelles Bewusstsein einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu formen oder hier und da als Nische in einer einzelnen Hochschule zu kultivieren, wie es aktuell passiert.

Eine umfassende Gesellschaftsorientierung braucht institutionelle Formen, muss sich niederschlagen in transdisziplinären Forschungsprogrammen, in angepassten Studienprogrammen, in Reputations- und Qualitätssicherungsmechanismen. Das alles wird nur gelingen, wenn einzelne Hochschulen dies systematisch zu einer strategischen Orientierung ausbauen und damit Impulse in das Gesamtsystem senden – so, wie es aktuell die „Eliteuniversitäten“ für klassische Formen exzellenter Forschung tun.

Die fünf Milliarden Euro, die in den kommenden zehn Jahren zusätzlich ins Hochschulsystem fließen, wären eine Chance gewesen, hier einen Akzent zu setzen.

Schuldenbremse und wachsende gesellschaftliche Problemlagen verlangen einen Plan A2 für das Wissenschaftssystem

Mit der auf zehn Jahre angelegten Runde der Exzellenzinitiative fühlt sich die etablierte Wissenschaft auf der sicheren Seite. Die Laufzeit der nächsten Runde der Exzellenzinitiative „durchtunnelt“ nicht nur mehrere Legislaturperioden auf Bundes- und Landesebene, sondern auch die ab 2020 greifende Schuldenbremse auf Landesebene.

Doch diese Sicherheit ist trügerisch. Aktuell erleben wir eine Phase fast singulärer ökonomischer Prosperität und gefüllter (Bundes-)Haushalte in Deutschland. Die aktuellen internationalen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Umbrüche deuten an, wie brüchig diese Stabilität ist. Und die immer wieder beschworene Formel „Unabhängige Spitzenforschung ist auch Garant für einen prosperierenden Technologiestandort Deutschland“ ist alles andere als belastbar – gerade in Phasen globaler ökonomischer Neuorientierung.

Daher kann es früher als gehofft passieren, dass Wissenschaft nach ihrem gesellschaftlichen Beitrag gefragt wird. Gerade dann, wenn Bundes- und insbesondere Landeshaushalte enger werden und andere gesellschaftliche Anliegen wie z.B. die Flüchtlingsintegration oder Fragen der inneren Sicherheit in der gesellschaftlichen Debatte an Finanzierungspriorität gewinnen.

Eine Wissenschaft, die nur auf ihre Kraft als Selbstzweck verweist, wird es da schwer haben. Dabei könnte sie so viel mehr: Sie könnte sich strategisch einbringen in die Fragen gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen, der Flüchtlingsintegration, der Auseinandersetzung mit vielen anderen gesellschaftlichen Herausforderungen. Das passiert heute durchaus, aber immer nur vereinzelt und nie im Sinne einer strategischen Mission von Hochschulen.

Es ist schade, dass die Chance zu einer solchen wirklichen Ausdifferenzierung des Hochschulsystems in dem aktuellen fantastischen Gelegenheitsfenster durch die eindimensionale Verstetigung der bisherigen Exzellenzorientierung vergeben wird. Dabei wäre noch nicht einmal ein Plan B notwendig gewesen, der Spitzenforschung in Frage stellt. Bedurft hätte es nur eines Plan A2, der einen starken Impuls in Teile der Hochschullandschaft gegeben hätte, sich konsequent auch an gesellschaftlichen Herausforderungen auszurichten und damit eine wirkliche horizontale Differenzierung auf den Weg zu bringen.

„Wie weltfremd darf die Wissenschaft sein?“ – Kommentar von Patrick Illinger in der Süddeutschen Zeitung

Patrick Illinger, Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, hat sich in der SZ-Ausgabe vom 02.01.2016 mit dem ernüchternden Umgang des Wissenschaftssystems mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandergesetzt. Er greift dabei auch die Wissenschaftsrats-Position zu den „Großen gesellschaftlichen Herausforderungen“ auf.

Der Beitrag von Patrick Illinger ist ab sofort auch online abrufbar.

Demokratie und Wissenschaft – Eine Beziehung voller Widersprüche

In der aktuellen Ausgabe des Forum Wissenschaft hat Steffi Ober einen Beitrag zur Einflussnahme wirtschaftlicher Akteure auf die Forschungs- und Innovationspolitik verfasst. In ihrem Artikel „Demokratie und Wissenschaft – Eine Beziehung voller Widersprüche“ analysiert sie die Rolle des wissenschaftspolitischen Gremiums der Forschungsunion in der Weiterentwicklung der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Die Hightech-Strategie hat sich in den letzten Jahren für die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure geöffnet und sich damit vermehrt auch gesellschaftlichen Fragestellungen jenseits der technologischen Innovationsförderung gewidmet.  Steffi Ober zeigt am Beispiel der Plattform Forschungswende wie die Partizipation zivilgesellschaftlicher Organisationen einen Mehrwert für eine Good Governance der Wissenschaft darstellen können und was diese dafür brauchen.

Der Artikel kann hier herunter geladen werden:

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Warum Wissenschaft neue Formen der Demokratisierung braucht

Die Debatten um eine Demokratisierung der Wissenschaft und eine damit einhergehende Neuaushandlung der Beziehungen von Wissenschaft und Gesellschaft haben in den vergangenen 2 Jahren eine intensive Dynamik entfaltet. Uwe Schneidewind und Carsten von Wissel haben in der vierten Ausgabe von „Forum Wissenschaft“ jetzt einen weiteren Debattenbeitrag veröffentlicht: „Transformative Wissenschaft: Warum Wissenschaft neue Formen der Demokratisierung braucht“. Sie argumentieren in dem Artikel, dass besonders die zivilgesellschaftlichen Ansprüche, bspw. in der Mitgestaltung von Forschungsagenden, zu einer Pluralisierung und damit einer Demokratisierung in der Wissenschaftslandschaft führen und zeigen auf welche Herausforderungen und Fragen für die zukünftige Debatte zu erwarten sind.

Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden.

Lesetipp: Sustainability Science – An Introduction

Das Lehrbuch „Sustainability Science – An Introduction“, herausgegeben von Harald Heinrichs, Pim Martens, Gerd Michelsen und Arnim Wiek, ist soeben im Springer Verlag erschienen. Es ist in Kooperation zwischen der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg, der Sustainability School der Arizona State University und der Maastricht University und unter Beteiligung führender internationaler NachhaltigkeitswissenschaftlerInnen entstanden. Das Lehrbuch richtet sich insbesondere an Lehrende und Studierende der inter- und transdisziplinären Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften. Darüber hinaus gibt es einen einführenden Überblick für alle an Nachhaltigkeitsthemen interessierten Fachkreise.

Das Buch kann hier beim Springer-Verlag eingesehen werden.

Lesetipp: Routledge Handbook of Higher Education for Sustainable Development

Das neu erschienene Routledge Handbook of Higher Education for Sustainable Devlopment (Herausgeber: Matthias Barth, Gerd Michelsen, Marco Rieckmann und Ian Thomas) gibt einen systematischen Überblick über etablierte und neue Forschungsansätze in der internationalen „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“. Der Fokus des Handbuchs liegt dabei auf theoretischen Aspekten und methodischen Vorgehensweisen des interdisziplinären und vergleichsweise jungen Forschungsfeldes, wie die Implementierung von BNE an Hochschulen, die Operationalisierung von BNE-Kompetenzen und der organisationale Wandel in Hochschulen. Darüber hinaus werden übergreifende Forschungsparadigmen und Methodologien in der HBNE, zukünftige Forschungsansätze und konkrete Beispiele der HBNE-Forschung vorgestellt. Das Handbuch kann im Routledge Verlag hier bestellt werden.

„Vom Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft – Eine Kritik zum Anspruch der transformativen Wissenschaft“ – Beitrag von Wolfgang Rohe in der aktuellen GAIA

Neben Carsten von Wissels Beitrag zur „Eigenlogik der Wissenschaft neu verhandeln“ ist in der GAIA 3/ 2015 auch ein Artikel von Dr. Wolfgang Rohe (ehemals Referatsleiter in der DFG und Leiter des Forschungsreferats sowie stellvertretender Generalsekretär des Wissenschaftsrats, heute Geschäftsführer der Stiftung Mercator) „Vom Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft – Eine Kritik zum Anspruch der transformativen Wissenschaft“ erschienen.
Wolfgang Rohe unterstreicht in seinem Beitrag zunächst, dass Peter Strohschneider in seinem Artikel nicht primär einen wissenschaftstheoretischen, sondern einen demokratietheoretischen Vorwurf an die „transformative Wissenschaft“ formuliere: „Strohschneider sieht die Gefahr eher in einer Hypertrophie der Wissenschaft, die für sich reklamiert, was in einer Demokratie Aufgabe des Politischen wäre, nämlich: Arena gesellschaftlicher Veränderungen zu sein.“ (Rohe 2015, S. 156) Damit weist Rohe aus differenzierungstheoretischer Sicht auch ein Argument zurück, das Schneidewind (2015) in seiner Strohschneider Replik nochmals formuliert hat: dass Wissenschaft eine wichtige Integrationsfunktion in sich funktional ausdifferenzierenden Gesellschaften erfülle. Mit diesem umfassenden Anspruch verspiele die transformative Wissenschaft zwei Chancen:
1. wichtige Impulse in die wissenschaftliche Praxis durch transdisziplinäre Verfahren und Methoden hineinzugeben und samt der epistemologischen und normativen Implikationen bspw. der Nachhaltigkeitsforschung wissenschaftlich zu diskutieren und
2. eine langsame „Rehabilitierung“ (vgl. ebd. S. 159) des Nutzendiskurses von Wissenschaft durch eine überzogene Kritik an der Autonomie zu torpedieren anstatt zu stärken.
Der Beitrag von Wolfgang Rohe ist in der GAIA 3/2015 (S. 156-159) erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

Die Eigenlogik der Wissenschaft neu verhandeln – Neuer Beitrag zur Debatte um transformative Wissenschaft von Dr. Carsten von Wissel

In der so eben veröffentlichten Ausgabe der GAIA (3/ 2015) wird eine neue Runde in der Kontroverse um eine transformative Wissenschaft eingeleitet. Dr. Carsten von Wissel (ehemals Institut für Hochschulforschung Magdeburg, jetzt ISInova, Institut für soziale Innovationen und Betreiber des Blogs SciencePolicyAffairs) reagiert auf die Kritik des DFG Präsidenten Peter Strohschneider an dem Buch „Transformative Wissenschaft“, sowie die bisherigen Widersprüche zu Strohschneiders Argumentation durch Grunwald (2015) und Schneidewind (2015).
Von Wissel beschreibt, übersetzt und widerlegt zunächst noch einmal die vier Grundlinien der Kritik Strohschneiders. Darauf aufbauend argumentiert er, dass die Funktionalisierung von Wissenschaft durch nicht-wissenschaftliche Akteure gegen die sich Strohschneiders Kritik maßgeblich richtet, in großem Umfang bereits in anderen Bereichen moderner Wissensgesellschaften Realität ist. Deshalb würde die Zukunft der Wissenschaft(-spolitik) nach Carsten von Wissel davon profitieren – anstatt sich gegen wissenschaftsexterne Ansprüche relativ neuer Akteure intellektuell-argumentativ zur Wehr zu setzen – sich mit den vielfältigen Funktionalisierungstendenzen, wechselseitigen Einflüssen und Aushandlungsprozessen zwischen wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Akteuren auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung – und das ist nach von Wissel ein Charakteristikum der Kontroverse – ist wissenschaftsintern angestoßen und mit den Arbeiten zu transdisziplinärer Forschung und deren Qualitätskriterien bereits breit untersetzt. Daher erfordert sie auch die Eigenlogik der Wissenschaft selbst zu hinterfragen und neu zu verhandeln.
Der Beitrag von Carsten von Wissel ist in der GAIA 3/2015 (S. 152-155) erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

Transformative Wissenschaft: Uwe Schneidewind antwortet in GAIA auf die Kritik von DFG-Praesident Peter Strohschneider

Im Herbst 2014 hat Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in einem Aufsatz „Zur Politik der Transformativen Wissenschaft“ eine Frontalkritik am Konzept der „Transformativen Wissenschaft“ geübt. Sein Vorwurf: Transformative Wissenschaft sei durch die „Entgrenzung“ der Sphären von Wissenschaft und Politik ein Programm der De-Politisierung und der Preisgabe wissenschaftlicher Wahrheitssuche. Im Forum der Zeitschrift GAIA 1/2015 hatte Armin Grunwald darauf geantwortet. In der gerade erschienen Ausgabe 2/2015 von GAIA reagiert Uwe Schneidewind auf die Kritik von Peter Strohschneider.
In seinem Aufsatz macht er deutlich, dass das Konzept der „Transformativen Wissenschaft“ keine Gefahr, sondern geradezu eine Belebung für gute Wissenschaft und lebendige Demokratie in einer modernen Wissensgesellschaft sein. Unter Bezug auf das im April 2015 vom Wissenschaftsrat veröffentlichte Positionspapier „Zum wissenschaftspolitischen Diskurs über Große gesellschaftliche Herausforderungen“ konkretisiere sich hier eine auch vom Wissenschaftsrat eingeforderte „dritte Mission“ von Wissenschaft. Für die weitere Diskussion sei es unerlässlich die sich daraus ergebenden Implikationen differenziert nach unterschiedlichen Wissenschaftsfeldern zu diskutieren.
Der Aufsatz von Uwe Schneidewind kann hier heruntergeladen werden.

„Viele Stimmen, kein Kanon. Konzept und Kommunikation der Third Mission von Hochschulen“ – Forschungsbericht des Instituts für Hochschulforschung

Das Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg hat jünst einen Arbeitsbericht zur Berichterstattung über die Third Mission an Hochschulen veröffentlicht. Der Bericht von Justus Henke, Peer Pasternack und Sarah Schmid ist Teil eines BMBF-geförderten Forschungsprojektes „BeMission –- Die Third Mission in der Leistungsbewertung von Hochschulen“. Er liefert neben konzeptionellen und analytischen Perspektiven zur Idee der Third Mission vor allem eine Bestandsaufnahme, inwiefern bestehende Berichtsaktivitäten und öffentliche Darstellungen der Hochschulen die Third Mission bereits mit einbeziehen, welche Berichtsformate inhaltlich welche Third-Mission-Aktivitäten abdecken und welche Rückschlüsse auf mögliche Indikatoren zum gesellschaftlichen Engagement von Hochschulen gezogen werden können.
Der komplette Bericht kann hier heruntergeladen werden.

Partizipation in der Forschungs- und Innovationsfförderung – Dossier im Geschäftsbericht des Projektträgers Jülich

Der neu veröffentlichte Geschäftsbericht des Projektträgers Jülich (PtJ) behandelt das Thema der zivilgesellschaftlichen Partizipation in der Forschungs- und Innovationsförderung im Rahmen eines eigenen Dossiers. Da es seitens der Auftraggeber eine zunehmende Nachfrage nach Forschung zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen gibt und die zivilgesellschaftliche Partizipation in der Wissenschaft auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung verankert ist, sieht der Projektträger Jülich das „Thema Partizipation als strategische Chance. Für unsere Auftraggeber schaffen wir ein strukturiertes Angebot, das die Zivilgesellschaft entlang des gesamten Prozesses der Forschungs- und Innovationsförderung mit ins Boot holt.“ (Geschäftsbericht 2015, S. 5).
In verschiedenen Artikeln des Geschäftsberichtes wird auf einige grundlegende Fragestellungen zu Partizipation in der Wissenschaft eingegangen (Interview mit Markus Weißkopf, Wissenschaft im Dialog, S. 25), sowie die Partizipations-Konzepte des Projektträgers vorgestellt, u.a. im Agendaprozess zum BMBF-Rahmenprogramm FONA3 (S. 26ff.) oder der Kommunalrichtlinie zum Klimaschutz des BMUB (S. 30ff.). Der Geschäftsbericht kann hier heruntergeladen werden.

„Wieviel und welche Innovationen braucht das Land?“ – Diskussionsbeitrag von Prof. Dr. Hartmut Kopf zum Forschungsgipfel „Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation“

HKmitBrille_klein Prof. Dr. Hartmut Kopf
Leiter des Centers for Transformation in Society am gleichnamigen Institute for Transformation in Business and Society (INIT) der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden und Honorarprofessor am Institut für Soziale Innovation (ISI) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Kritische Würdigung und konstruktives Weiterdenken des Forschungsgipfels 2015
„Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation“
am 20.05. in Berlin

Der Anspruch der Veranstalter war hoch, er kam einer Aufforderung gleich: „Denn jetzt ist es an der Zeit, unserem Forschungssystem mit prägnanten Ideen und mutigen Initiativen neue Zukunftsperspektiven im weltweiten Wettbewerb zu eröffnen.“ So die Veranstalter Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem gemeinsamen Vorwort in der Tagungsbroschüre verheißungsvoll.

400 persönlich eingeladene Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten am 20. Mai 2015 im Allianzforum in Berlin erstmalig gemeinsam die zentrale Frage, wie alle vier Bereiche Sektor-übergreifend wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und gesellschaftliches Wohlergehen nachhaltig in und für Deutschland sichern können. Vom begrüßenden Andreas Barner (CEO Boehringer Ingelheim) als Präsident des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft über Staatssekretär Helge Braun in Vertretung der kurzfristig verhinderten Bundeskanzlerin bis zum Schlussimpuls von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka waren sich alle einig: Hierzu bedarf es neben technischen Innovationen auch und gerade sozialer Innovationen. Dies wurde von allen Diskutierenden auf dem Podium des „Inner Circle“ auch explizit immer wieder genannt. Martin Stratmann, Präsident der Max-Plank-Gesellschaft, formulierte noch weiter gehend: Für ihn braucht es im Forschungs- und Transferumfeld der Universitäten wieder den Typus „Campus als Lebensraum“, in dem fach- und sektorübergreifend gedacht und geforscht, aber eben auch gelebt wird – zum Wohle der besseren, weil ganzheitlicheren und gesellschaftsrelevanteren Ergebnisse („Cambridge-Modell“).

In dieser zwar wohlklingenden Einmütigkeit zum erstmalig in der Neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung vom September 2014 formulierten „erweiterten Innovationsbegriff, der nicht nur technologische, sondern auch soziale Innovationen umfasst“ und die Gesellschaft „als zentralen Akteur“ miteinbezieht (ebd. S.4)  hat es mich zum einen sehr gefreut, aus der sympathisch-kritischen Distanz des „Extended Circle“ der 380 Zuhörenden insbesondere die auf dem Podium sitzenden Experten für soziale und nachhaltige Innovationen Helmut Anheier und Uwe Schneidewind doch immer wieder sehr dezidiert und engagiert die besondere Bedeutung von Sozialen Innovationen im Sinne neuer Praktiken zur Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungen einfordern zu hören: Uwe Schneidewind war es, der mehrfach explizit gesellschaftlich offene Räume für Open Social Innovation gerade außerhalb des formalen und manchmal auch nicht ganz barrierefreien Raumes von Hochschulen und den stark technologisch fokussierten Transferzentren forderte.

Von der nachhaltigen zur transformativen Hochschule : Perspektiven einer „True University Sustainability“ – Beitrag von Uwe Schneidewind

Die Perspektive einer nachhaltigen Hochschule konzentriert sich häufig auf die ökologische und soziale Qualität des Betriebs der Einrichtung sowie die in Forschung und Lehre behandelten Inhalte. Doch bei der Idee einer nachhaltigen Hochschule geht es um mehr. Sie stellt die Frage nach dem Verhältnis von Hochschule und Gesellschaft neu. Wie geht eine Hochschule mit zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen um? Wie interagiert sie mit den gesellschaftlichen Akteuren in ihrem Umfeld? In welcher Form bringt sie sich in nachhaltigkeits-orientierte Transformationsprozesse ein? Diese Dimensionen spielen bisher in der Diskussion um die nachhaltige Hochschule eine untergeordnete Rolle. Der Beitrag von Uwe Schneidewind zeigt auf, was unter einer „True University Sustainability“ zu verstehen ist wo sich erste Ansätze in deutschen Hochschulen finden lassen.

Der Beitrag ist erschienen in der Zeitschrift Umweltwirtschaftsforum (Jg. 22, Nr. 4, S. 221-225) und kann ab sofort hier heruntergeladen werden.

Wichtiger Sprung nach vorne – eine erste Bewertung des vom Wissenschaftsrat beschlossenen Positionspapieres „Zum wissenschaftspolitischen Diskurs über Große Gesellschaftliche Herausforderungen“

Nach zweijähriger Vorbereitung durch eine Arbeitsgruppe und über einjähriger Beratung im Rat selber hat der Wissenschaftsrat am 25.04.2015 das Positionspapier „zum wissenschaftspolitischen Diskurs über Große Gesellschaftliche Herausforderungen“ beschlossen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Entstanden ist ein Papier, das die Debatte über die Rolle Großer gesellschaftlicher Herausforderungen für das Wissenschaftssystem nach vorne bringt. Jetzt sind Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aufgefordert den Ball aufzunehmen.

Differenzierte Einordnung der Debatte über große gesellschaftliche Herausforderungen in der Wissenschaftspolitik

Die Diskussion über die Bedeutung „Großer gesellschaftlicher Herausforderungen“ ist in den letzten Jahren teilweise zu einem Kampffeld geworden, in dem sich grundsätzliche wissenschaftstheoretische, methodische, allgemein- und institutionen-politische Positionen miteinander vermischten. Die große Leistung des vorliegenden Positionspapieres ist die Abgrenzung und Einordnung dieser Dimensionen in der Debatte über die „Großen gesellschaftlichen Herausforderungen“. Das Positionspapier leistet das in mehrfacher Hinsicht:

(1) Es liefert eine umfassende historische Einordnung der Diskussion (S. 7 ff.) – beginnend mit dem Klimadiskurs seit Ende der 80er-Jahre, der Debatte über Modus-2-Forschung und Transdisziplinarität in den 90er-Jahren sowie den richtungsweisenden Arbeiten der ERA-Expertengruppe auf Europäischer Ebene im Jahr 2008, die die Grundlagen für das an „Grand Challenges“ orientierte EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ schuf.

(2) Vor dem Hintergrund dieses historischen Abrisses nähert sich das Positionspapier dem unscharf verwendeten Begriff der „Großen Herausforderungen“ durch die Herausarbeitung zentraler Charakteristika (S. 15 f.): Jenseits geläufiger Aufzählungen einzelner Herausforderungen sind es insbesondere formale (hohe Komplexität, Vernetztheit, Zielpluralität, Unschärfe) und inhaltliche Kriterien (globale und transnationale Verortung, soziale Innovationen neben Produkt- und Prozessinnovationen, umfassender Begriff des Gemeinwohls, gleichzeitiges Gefordertsein von Natur-, Ingenieurs-, Lebens- und Sozial- und Kultur- incl. der normativen Wissenschaften), über die sich „Große gesellschaftliche Herausforderungen“ kennzeichnen lassen. Der Wissenschaftsrat verzichtet im Positionspapier bewusst auf eine explizite Definition. Er fordert vielmehr dazu auf, „die wissenschaftspolitische und alltagssprachliche Begriffsverwendung kritisch zu hinterfragen“ und  „einen nachvollziehbaren Umgang mit dem Begriff (…) zu entwickeln“ (S. 17).

(3) Damit löst er ein, was in der Position vorher überzeugend herausgearbeitet wurde: Große gesellschaftliche Herausforderungen zeichnen sich aus durch „wechselseitige Abhängigkeiten zwischen Lösungsversuchen und Problemdefinitionen sowie (dem) Einfluss (streitiger und sich ändernder) normativer Wertungen auf das Verständnis und Lösung dieser Probleme.“ (S. 16). Große gesellschaftliche Herausforderungen sind Moving Targets, mit denen nur durch „Vielfalt und Selbstkorrekturfähigkeit des Wissenschaftssystems“ (S. 25 f.) adäquat umgegangen werden kann.

Mitsprache in der Wissenschaft – Neues Heft der Deutschen Universitätszeitung

Die neue Ausgabe der duz (Deutsche Universitätszeitung) hat ihren Schwerpunkt in der Bürgerbeteiligung in der Wissenschaft und greift damit die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankerte Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure in der Wissenschaftslandschaft auf. In verschiedenen Beiträgen werden aktuelle Beteiligungsbewegungen und -prozesse an Wissensproduktionsprozessen oder der Forschungspolitik thematisiert. In dem Leitartikel analysiert Gudrun Sonnenberg unterschiedliche Beteiligungsformate – von der Wissenschaftskommunikation über Reallabore bis hin zur Citizen Science. Der Artikel von Dr. Steffi Ober, Koordinatorin der Plattform Forschungswende, diskutiert Richtlinien für eine echte Partizipation zivilgesellschaftlicher Verbände an der Forschungs- und Innovationspolitik.

Die gesamte Ausgabe der duz kann hier eingesehen und bestellt werden.

„Der Nachholbedarf ist enorm“

Steffi Ober von der Plattform Forschungswende fordert Richtlinien für echte Partizipation.

Sichere Forschung

Über Grenzen von Forschung spricht Bärbel Friedrich, Vize-Präsidentin der Leopoldina.

– See more at: http://www.duz.de/duz-magazin/2015/05#sthash.P2CslzG0.dpuf

Reallabore als Katalysator für eine lernende Gesellschaft auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung

Was sind die Schlüsselelemente einer nachhaltigen Entwicklung? Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski setzen sich in ihrem Artikel „Vom experimentellen Lernen zum transformativen Experimentieren – Reallabore als Katalysator für eine lernende Gesellschaft auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung“ mit der Frage auseinander, wie der Wissenstransfer von Nachhaltigkeitsthemen gelingen und zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen beitragen kann und welche Rolle dabei Reallabore spielen.
Der Beitrag knüpft an die Inhalte der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) an und schlüsselt auf, wie sich Lernende über die Durchführung eigener Projekte, die real existierende Probleme thematisieren (real-world-problems), Kompetenzen im Sinne einer reflektierten Lebensweise aneignen können. Dabei steht die Reflexion des eigenen Denkens und Handels im Sinne eines emanzipatorischen Ansatzes im Vordergrund. Lernende sollen mittels der Projektarbeit selbständig auf Probleme aufmerksam werden und Lösungen für diese entwickeln als auch kooperatives Handeln erlernen. Schneidewind und Singer stellen die Vorteile des Erfahrungslernens (experiential learning) in Nachhaltigkeitsprojekten dar und erklären wie diese Form des Lernens einen gesellschaftlichen Wandel fördern und somit zur großen Transformation beitragen kann. Sie zeigen die Notwendigkeit von Realexperimenten bzw. von Reallabors für die transdisziplinäre Forschung und Bildung auf und benennen die methodischen und normativen Herausforderungen ihrer Umsetzung.
Der Beitrag ist in der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (zfwu 1/2015) erschienen und steht mit freundlicher Genehmigung des Rainer Hampp Verlags nun hier als Download zur Verfügung.

„Sustainability – Higher Education’s New Fundamentalism“ – Kritischer Bericht der US-amerikanischen National Association of Scholars

Im März 2015 hat die National Association of Scholars einen kritischen Bericht über die Nachhaltigkeitsbewegung im US-amerikanischen Hochschulsektor veröffentlicht. Der Report versucht eine erste kritische Analyse der Nachhaltigkeitsinitiativen an US-amerikanischen Hochschulen und ihren „ideologischen, ökonomischen und praktischen Effekten“ zu liefern.
Vor dem Hintergrund des – vor allem unter den US-amerikanischen Studierenden – steigenden Zuspruchs zu einer Nachhaltigkeitsausrichtung der eigenen Hochschulen wollen die Autoren des Berichtes,  Peter Wood und Rachelle Peterson, diese Bewegung umfassend in Frage stellen: „“Sustainability” is a key idea on college campuses in the United States and the rest of the Western world. To many, sustainability is just a new name for environmentalism. But the word has come to mean something much larger: an ideology that demands new limits on economic, political, and intellectual freedom as the price that must be paid to ensure the welfare of future generations“ (Executive Summary, S. 11). Die Autoren kritisieren u.a. die 685 Hochschulen, die das American College and University President’s Climate Commitment unterzeichnet haben. Der Bericht hat in der US-amerikanischen Szene eine kontroverse Debatte entfacht.
Er kann hier heruntergeladen werden.

„Transformative Wissenschaft – eine neue Ordnung im Wissenschaftsbetrieb?“ – Armin Grunwald antwortet auf Peter Strohschneiders Kritik an der „Transformativen Wissenschaft“

In der aktuellen GAIA verteidigt Prof. Dr. Armin Grunwald die Idee der Transformativen Wissenschaft. Er bezieht sich dabei auf einen Artikel des DFG-Präsidenten, Prof. Dr. Peter Strohschneider, der sowohl den Ansätzen der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung als auch der Transformativen Wissenschaft vorwirft, durch eine zu starke Lösungsorientierung und Entgrenzung die Idee eines unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses zu gefährden. Armin Grunwald greift die zentralen Kritikpunkte Strohschneiders auf und zeigt am Beispiel der aktuellen internationalen und nationalen Praxis der Nachhaltigkeitsforschung, dass es in diesen Ansätzen nicht um ein gegenseitiges Ausspielen sondern um eine Balance zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und praktischer Relevanz geht. Weiterhin zieht Grunwald eine Analogie zur historischen Entwicklung der Technikwissenschaften, die sich am Beginn ihrer wissenschaftlichen Etablierung ähnlichen Vorwürfen des Solutionismus und der Wertgebundenheit von Forschung ausgesetzt sah. Ihre erfolgreiche Verankerung im Kanon der Disziplinen zeigt nach Grunwald, dass sie nicht – wie zunächst befürchtet – die wissenschaftlichen Qualitätskriterien abgeschafft hat, sondern zu einer inhaltlichen und methodischen Erweiterung der Wissenschaftslandschaft beigetragen hat.

Fuer eine erweiterte Governance von Wissenschaft – Ein wissenschaftspolitischer Rueckblick auf das Jahr 2014 von Uwe Schneidewind

Auf den NaWis-Seiten der aktuellen GAIA gibt Prof. Dr. Uwe Schneidewind einen wissenschaftspolitischen Rückblick auf das Jahr 2014, zeichnet aktuelle Entwicklungen in den Bundesländern NRW, Baden Württemberg und Niedersachsen sowie auf Bundesebene nach. Schwerpunkt des Beitrages sind die aktuellen wissenschaftspolitischen Konfliktlinien im Kontext einer „Nachhaltigen Wissenschaft“. Diese beziehen sich insbesondere auf die „Governance“ von Wissenschaft und Gesellschaft.  Auf drei Governance-Ebenen verlaufen dabei die Konflikte: 1. der Ebene der Governance „in“ der Wissenschaft, also diejenigen institutionellen Strukturen, die eine nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft langfristig im Wissenschaftssystem verankern, 2. der Governance „von“ Wissenschaft durch neue gesellschaftliche Kräfte, die die gesellschaftlichen Einfluss- Möglichkeiten auf die Wissenschaft umfasst und 3. der Ko-Governance von Gesellschaft „durch“ Wissenschaft als das weitreichendste Form des Zusammenspiels von Wissenschaft und Gesellschaft. In allen drei Governance-Bereichen haben sich im Jahr 2014 erhebliche Kontroversen ergeben.
Der Beitrag ist in GAIA 24/1 (2015) erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

„Transforming Higher Education for Sustainable Development“ – Policy Brief zum Beitrag der Wissenschaft zu den SDGs

2015 veröffentlicht die UN ihren ersten Global Sustainable Development Report (GSDR). Darin wird eine erste Bilanz zu den Themen der im selben Jahr zu beschließenden Sustainable Development Goals (SDGs) gezogen. Im Vorfeld des GSDR wurden über das online Portal der UN zu den SDGs einige Beiträge zur Rolle der Wissenschaft im Rahmen der SDGs gesammelt. Diese Beiträge stehen nun auf der UN Sustainable Development Knowledge Plattform zur Einsicht und Diskussion.
Clemens Mader (Leuphana Universität Lüneburg, Universität Zürich) und Christian Rammel, (Wirtschaftsuniversität Wien) haben einen Policy Brief zu „Transforming Higher Education for Sustainable Development“ beigetragen. Dieser GSDR-Brief verdeutlicht die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Hochschulsystems und der Institutionen für eine nachhaltige Entwicklung. Dabei wird auf eine globale Hochschulstudie Bezug genommen, welche sie in Kooperation mit der International Association of Universities und dem Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft durchgeführt haben.
Download und Kommentare zum GSDR-Brief sind noch bis zum 31. März auf dieser Webseite möglich.

„Ohne Forschung können wir die großen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht lösen“ – Diskussionsbeitrag von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze

Auf dem Portal der NRW-Landesregierung stellt sich die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze der Diskussion zum Thema Verantwortung der Wissenschaft. In ihrem Diskussionsbeitrag fordert sie insbesondere eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft ein: „Und ich wünsche mir selbstbewusste Vereine und Verbände, Interessensgruppen und Initiativen, die ihre Fragen laut stellen und den Dialog mit der Wissenschaft dazu einfordern.“ Unter https://land.nrw/de/blogbeitrag/ohne-forschung-koennen-wir-die-grossen-gesellschaftlichen-herausforderungen-nicht-loesen können Sie zum Thema mitdiskutieren.

„Forschungswende: Wissen schaffen für die Große Transformation“ – Schwerpunktheft der Zeitschrift politische ökologie

Der aktuelle Band der Zeitschrift politische ökologie beschreibt, wie sich Forschungsinhalte und Hochschulsystem ändern müssen, damit die Wissenschaft ihrer Verantwortung für die Gesellschaft gerecht werden kann. Die Autor(inn)en der Zeitschrift  fordern eine Wissenschaft, die disziplinäre Grenzen überwindet, lebensnahe Schwerpunkte in Forschung und Lehre setzt und mit Politik und Zivilgesellschaft an einem Strang zieht. Und sie beleuchten Nischen, in denen das heute schon passiert.

Das Heft wurde in Kooperation mit der Kommission Wissenschaftspolitik im Wissenschaftlichen Beirat des BUND herausgegeben und nimmt vor allem die zivilgesellschaftliche Beteiligung an Forschung und Lehre in den Blick. In dem Eingangsbeitrag „Verantwortung für die Gesellschaft – Wissenschaft in der Großen Transformation“ erläutert Uwe Schneidewind warum die Wissenschaft wieder stärker ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden muss und wo es Vorreiter einer Transformativen Wissenschaft gibt. Der Artikel „Forschung, bitte wenden! – Wissenschaftspolitik für nachhaltige Entwicklung“ von Wilfried Kühling, Rudi Kurz und Hubert Weiger begründet, dass vor allem die Partizipation zivilgesellschaftlicher Verbände im Wissenschaftssystem dessen Transparenz und Effektivität entscheidend erhöhen kann. Doch auch Studierende sind wichtige Impulsgeber für eine Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung: Das zeigt Michael Wihlenda in seinem Beitrag Curriculum Change now! – Studentische Initiativen als Treiber der Transformation“. Die zunehmende Vernetzung von Studierenden, zivilgesellschaftlichen Akteuren und WissenschaftlerInnen führt in der Kombination mit aktuellen Steuerungsanreizen der Politik für eine Nachhaltigkeitsorientierte Forschung zu einer neuen Governance der Wissenschaft – das begründet nicht zuletzt Mandy Singer-Brodowski in ihrem Beitrag „Die Governance einer Wissenschaft für die Gesellschaft“.

Das Heft der politischen ökologie (Band 140) „Forschungswende: Wissen schaffen für die Große Transformation“ ist im oekom Verlag erschienen. Sein Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden.

Diskussionsbeitrag: Zum Erhalt der Vielfalt im Wissenschaftssystem: Diskussionsbeitrag zur Schließung der Interfakultären Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie an der Universität Bern

Antonietta Di Giuliophoto von Dr. Antonietta Di Giulio
Universität Basel, MGU und

 

 

von Mandy Singer-Brodowski 
Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt

Zu Ende des Jahres 2013 wurde die „Interfakultäre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie“ (IKAÖ) an der Universität Bern nach 25 Jahren erfolgreicher Forschung und Lehre aufgelöst. 2014/15 beendet auch das „Forum für Allgemeine Ökologie“, das Aufsichtsgremium der IKAÖ, seine Tätigkeit, und die letzten Studierenden schließen ihr Studium in Allgemeiner Ökologie ab. Ein Teil der Aufgaben der IKAÖ wurde vom Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern übernommen.

Die rund 30 MitarbeiterInnen der IKAÖ aus verschiedenen Disziplinen namentlich der Sozial- und Geisteswissenschaften beschäftigten sich inter- und transdisziplinär mit Fragen der Mensch-Umwelt-Beziehung und mit Umweltproblemen im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung (zur Entstehung und Institutionalisierung der Allgemeinen Ökologie an der Universität Bern s. Defila/DiGiulio 2007). Ihre Arbeiten haben dabei national und international immer wieder großes Interesse erfahren.

Die Auflösung eines solchen universitären Komptenzzentrums (mit eigenem Lehrstuhl) für transdisziplinäre Forschung und Lehre entspricht einem allgemeinen Trend in der Wissenschaft, den z.B. der BUND als  „Artensterben ganz besonderer Art“ bezeichnete (vgl. 2012, S. 7). Eine Analyse dieses Verlusts an „Biodiversität“ im schweizerischen Wissenschaftssystem (ein alternativer Weg zur Auflösung der Einheit wurde in Basel mit der Transformation des Programms Mensch Gesellschaft Umwelt (MGU) beschritten) kann auch für die Diskussion in Deutschland aufschlussreich sein, denn beide „Ökosysteme“ weisen strukturelle Ähnlichkeiten auf in der Stellung der Nachhaltigkeitsforschung und -lehre. Dazu sollen im Folgenden einige Punkte dargelegt werden.

„Gesellschaft spaltet Wissenschaft“ – Kommentar von Manfred Ronzheimer zur verschobenen Abstimmung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates in der taz

In der taz vom 05.02. kommentiert Manfred Ronzheimer die verschobene Abstimmung des Wissenschaftsrates über die Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Große gesellschaftliche Herausforderungen“. Die Diskussion über die Ansprüche der Gesellschaft an die Wissenschaft und damit verbunden das Empfehlungspapier erweisen sich als große Herausforderung für den Wissenschaftsrat selbst, so Ronzheimer. Er verdeutlicht mit Verweis auf einen Beitrag in der duz vom Januar 2015 weiterhin die besondere Rolle von Wolfgang Marquardt (ehemaliger Leiter des Wissenschaftsrates) und dessen Engagement für die Arbeitsgruppe und das Papier. Dass trotz dieser besonderen Themen-Schirmherrschaft bisher keine Einigkeit über das Papier entsteht, zeigt nicht zuletzt wie kontrovers das Thema wissenschaftspolitisch diskutiert wird. Ronzheimer zitiert einen Kommentar von Uwe Schneidewind, der die Verschiebung der Empfehlungen letztlich für eine gute Nachricht hält. Dadurch wird der wichtigen Diskussion über einen konstruktiven Umgang der Wissenschaft mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen mehr Zeit gegeben und weitere Akteure werden eingeladen sich daran zu beteiligen.

Den Beitrag von Manfred Ronzheimer können Sie hier lesen.

 

Vorzeigeprojekte und Lücken zu BNE-Weiterbildungen für Hochschullehrende – Erste Ergebnisse aus dem EU-Projekt „University Educators for Sustainable Development“

Im Rahmen des UE4SD-Projektes („University Educators for Sustainable Development“) haben 54 Hochschulinstitutionen aus 33 europäischen Ländern zwischen Februar und Mai 2014 den aktuellen Stand von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an Hochschulen erhoben. Die Projektpartner repräsentieren ein Gebiet mit mehr als 3.000 Hochschulen und 24 Millionen Studierenden. Es wurde die Integration von BNE in der europäischen Hochschullandschaft recherchiert, wobei der Fokus auf BNE-Weiterbildungsangeboten für Hochschullehrende lag. Gute Lehre wird im Projekt als essentiell angesehen, um Studierenden jene Kompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen, um Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.

Die Ergebnisse der 33 nationalen Recherchen wurden in vier regionale Berichte zusammengeführt. Daraus wiederum wurde ein zusammenfassender Bericht generiert, dessen Resultate am Jahrestreffen des UE4SD-Projekts am 2. Oktober 2014 an der Karls-Universität in Prag präsentiert wurden. Das Team des UNESCO Chairs „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ war für einen Regionalberichts und für den zusammenfassenden Bericht zuständig.

Wesentliche Ergebnisse: Bildung für nachhaltige Entwicklung gewinnt an europäischen Hochschulen an Bedeutung. In fast allen UE4SD-Partnerländern existieren Richtlinien oder Gesetze, die auf die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Hochschulsystem hinweisen. Aus einem Großteil der Länder wurde berichtet, dass Hochschulen Leitbilder und Strategien entwickelt haben, die auf BNE verweisen. Allerdings fehlen in vielen Ländern BNE-Weiterbildungsangebote für Hochschullehrende. Es konnten nur wenige umfassende Programme für Lehrende eruiert werden, die die Aneignung von BNE-Lehrkompetenzen ermöglichen. Beispiele guter Praxis sollen im Rahmen einer Publikation und auf einer Online-Ressourcenplattform ausführlich vorgestellt werden.

Inwiefern nachhaltige Entwicklung in der europäischen Hochschullandschaft integriert ist, hängt vom kulturellen und institutionellen Kontext ab. Wie diese unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse z.B. in die Arbeit einer länderübergreifenden Akademie zur Entwicklung von BNE-Kompetenzen für Hochschullehrende integriert werden können, wird noch eine Herausforderung im weiteren Projektverlauf darstellen.

Der zusammenfassende Bericht sowie die Regionalberichte können auf www.ue4sd.eu/outcomes heruntergeladen werden. Mehr allgemeine Informationen zum Projekt erhalten Sie auf www.ue4sd.eu oder www.copernicus-alliance.org, dem europäischen Hochschulnetzwerk für nachhaltige Entwicklung, welche das UE4SD-Projekt initiiert hat. Oder kontaktieren Sie die Projektkoordinatorin Marlene Mader am UNESCO Chair der Leuphana Universität Lüneburg.

Wissenschaftsrat verschiebt seine Empfehlungen zur Bedeutung großer gesellschaftlicher Herausforderungen für das Wissenschaftssystem ein weiteres Mal – ein Kommentar

Eigentlich hatte der Wissenschaftsrat für heute, den 2.2.2015 zur Pressekonferenz geladen, um über die Ergebnisse seiner Wintersitzung am 29./30.01.2015 zu berichten. Diese Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Ein Grund dafür: Ein weiteres Mal gelang es dem Gremium nicht, das Positionspapier „Große gesellschaftliche Herausforderungen als wissenschaftspolitisches Leitbild“ zu verabschieden.

Das Positionspapier hat inzwischen eine lange Vorgeschichte. Im Juli 2012 setzte der Wissenschaftsrat eine Arbeitsgruppe ein, um sich mit dem Thema „Bedeutung großer gesellschaftlicher Herausforderungen für das Wissenschaftssystem“ zu beschäftigen. Die Arbeitsgruppe legte unter Leitung des damaligen Wissenschaftsratsvorsitzenden Wolfgang Marquardt einen umfassenden Empfehlungsentwurf vor. Dieser wurde vom Wissenschaftsrat im April 2014 erstmalig diskutiert und an die Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates zur Überarbeitung zurückverwiesen. Es entstand eine erheblich verkürzte Fassung, die ursprünglich für die Sitzung des Wissenschaftsrates im Herbst 2014 vorgesehen war, endgültig auf der jetzt gerade stattgefundenen Januar 2015-Sitzung diskutiert wurde. Hier fiel die Entscheidung zu einer weiteren Vertagung auf den April 2015. (Vgl. zum Papier und seinen Hintergrund auch den Bericht in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung (DUZ): http://www.duz.de/duz-magazin/2015/02/experten-entwerfen-leitbild-fuer-berater/294).

Vermutlich ist die Verschiebung sogar eine gute Nachricht. Sie zeigt, dass die Diskussion darüber, wie sich Wissenschaft gegenüber den gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen des 21. Jahrhunderts positionieren soll, einen Nerv trifft. Wenn selbst der Wissenschaftsrat, der häufig schon zukunftsweisender Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems in den letzten Jahrzehnten war, hier keinen gemeinsamen Nenner findet, wird deutlich, wie tief die Diskussion über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft das Wissenschaftssystem und seine aktuelle Aufstellung herausfordert.

Die fehlende „weise“ Empfehlung des Wissenschaftsrates schafft Raum, diese Debatte in der nötigen Intensität zu führen. Sie ist eine Einladung an die vielen Akteure und gesellschaftlichen Gruppen, die sich längst in diese wissenschaftspolitische Debatte eingemischt haben, sich weiterhin intensiv einzubringen. Sie ist auch eine Aufforderung an Vorreiter-Einrichtungen – ob Institute, Hochschulen, Citizen-Science-Organisationen, Stiftungen oder Forschungsförderer-  einer gesellschaftsorientierten Wissenschaft, noch plastischer werden zu lassen, wie eine inter- und transdisziplinäre Wissenschaft aussehen muss, die sich in ein produktives Verhältnis zu großen gesellschaftlichen Herausforderungen stellt.

Und egal wie die Position des Wissenschaftsrates im April 2015 – oder wann immer sie kommt – aussehen wird, durch die vielen Verschiebungen ist eine intensive Diskussion über diese Position sicher.

Lesetipp: The Public Shaping of Medical Research – neuer Sammelband zur zivilgesellschaftlichen Partizipation in der Wissenschaft

Die Gesundheitsforschung ist neben der Nachhaltigkeitsforschung eines der Felder, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen und Interessensvereinigungen aktuell viel Einfluss auf die Forschungspolitik gewinnen. Patientenvereinigungen zur Erforschung seltener Krankheiten oder Netzwerke von Betroffenen zur Erforschung lokaler Umwelt- und Gesundheitsrisiken (sowie deren Zusammenhang) gestalten das Agendasetting der Forschungspolitik mit, finanzieren konkrete Forschungsprojekte oder versuchen die Entwicklung von Medikamenten oder Therapien zu beschleunigen. Die Rolle solcher Vereinigungen und Intiativen in ihrem Wirken auf die aktuelle Forschungspolitik ist bisher wenig untersucht. Der neue Sammelband von Peter Wehling, Willy Viehöver und Sophia Koenen „The Public Shaping of Medical Research.Patient Associations, Health Movements and Biomedicine“ bringt wesentliche internationale Erkenntnisse über die zivilgesellschaftliche Partizipation im Feld der Wissenschafts- und Forschungspolitik zusammen und kann damit auch als Inspiration für die aktuellen zivilgesellschaftlichen Bemühungen um eine größere Gesellschafts- und Nachhaltigkeitsorientierung der deutschen Wissenschaftslandschaft bieten. Das Buch ist im Routledge Verlag erschienen und kann hier bestellt werden.

Warum die Forschung Werte schaffen muss – kritischer Beitrag von Patrick Illinger in der Süddeutschen Zeitung

In der Süddeutschen Zeitung vom 04.01.2015 wirft Patrick Illinger, Leiter des Ressorts Wissen der SZ, die Frage auf ob Forschung und Wissenschaft ihrer Verantwortung nachkommen zu einer allgemeinen Aufklärung beizutragen. Zwar steigen die weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung stetig, die Anzahl akademischer Publikationen erreicht an manchen Orten Rekordwerte und der Beitrag von Forschung und Bildung wird zum Erfolgsmotor ganzer Regionen und Länder. Dennoch mehren sich die öffentlichen Zweifel an einem angemessenen Umgang der Wissenschaft mit ihrem eigenen Erfolgskurs. Patrick Illinger plädiert daher für einen weniger selbst-fixierten Kurs der Wissenschaft. Den ganzen Artikel können Sie hier lesen.

„Urbane Reallabore – ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt“ – Grundlagenartikel von Uwe Schneidewind veröffentlicht

„Reallabore“ und hierbei insbesondere „urbane Reallabore“ spielen beim Verständnis komplexer Transformationsprozesse zu einer nachhaltigen Entwicklung als methodischer Zugang eine zunehmend bedeutsame Rolle. So hat das Land Baden- Württemberg erst vor kurzem im Rahmen einer eigenen Förderlinie sieben solcher Reallabore auf den Weg gebracht. In einem Grundlagenbeitrag in der Zeitschrift Planung Neu Denken (pnd online) führt Uwe Schneidewind in das Konzept und die aktuelle Debatte zu urbanen Reallaboren ein und bettet dort u.a. auch die baden- württembergischen Reallabore ein. Der Beitrag „Urbane Reallabore ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt“ kann online hier abgerufen werden.

Verantwortung der Wissenschaften für Nachhaltiges Wirtschaften – Vortrag von Angelika Zahrnt auf der Göttinger Tagung „Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?“

Vom 14.-16.11.2014 veranstaltete die Universität Göttingen zusammen mit der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.) das inzwischen 3. Symposium „Wissenschaft für Frieden und Nachhaltigkeit“. Nach den Themenschwerpunkten Ernährungssicherheit („Sicherung der Welternährung und Armutsbekämpfung als Herausforderung für Frieden und Nachhaltigkeit“) im Jahr 2012 und Nachhaltigkeit („Nachhaltigkeit – Verantwortung für eine begrenzte Welt“) im Jahr 2013 stand in dem diesjährigen Symposium das Thema „Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?“ im Zentrum. Das Symposium wurde gemeinsam mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Göttingen veranstaltet.

In ihrem Vortrag auf der Abschlussveranstaltung am 16.11.2014 spannte die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Zahrnt, u.a. Autorin der Bücher „Postwachstumsgesellschaft“ und „Damit gutes Leben einfacher wird. Perspektiven einer Suffizienzpolitik“, Ehrenvorsitzende des BUND und langjähriges Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung einen Bogen von den inhaltlichen Herausforderungen der Wirtschaftswissenschaften im Kontext Nachhaltiger Entwicklung bis zu den daraus folgenden institutionellen Konsequenzen für das Wissenschaftssystem. Mit ihren pointierten Forderungen zur künftigen Berufungspolitik, der nötigen Diversifizierung in den Hochschulen aber auch der Landschaft der außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie einer Demokratisierung der Forschungsförderpolitik löste sie in Göttingen eine lebhafte Debatte aus.

Die Universität Göttingen wird zeitnah einen Videomitschnitt des Vortrages und der anschließenden Diskussion zur Verfügung stellen (Eine Information darüber erfolgt ebenfalls hier auf dem Blog). Zudem greift auch der Blog www.postwachstum.de die Debatte über das Thema Wirtschaftswissenschaften und Nachhaltigkeit auf.

Lesetipp: Implementing Sustainability in Higher Education. Learning in an age of transformation von Matthias Barth

Bildung spielt zunehmend eine Schlüsselrolle um die aktuellen gesellschaftlichen Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit zu gestalten und Pioniere des Wandels zu unterstützen. In diesem Buch geht Prof. Dr. Matthias Barth, Prof. für Sachunterricht und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg, der Frage nach, wie Studierende und WissenschaftlerInnen die Komptenzen erlangen, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren und in ihren eigenen Hochschulen, den notwendigen Paradigmenwandel herbeizuführen.

Internationational machen sich eine Reihe von Hochschulen und WissenschaftlerInnen auf den Weg auf die Anforderungen großer gesellschaftlicher Transformationen im Rahmen ihrer eigene Lehre, des eigenen Lernens oder der Lehrpläne zu reagieren. In dem Buch untersucht Matthias Barth Fallstudien über innovative Lehr-/Lernsettings oder Veränderungen der Lehrpläne; er skizziert darüber hinaus Schlüsselprinzipien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Hochschulsektor und identifiziert Treiber und Hemmnisse der Implementierung von Nachhaltigkeit in den Hochschulen. Hier erhalten Sie einen Blick ins Buch.

Das Buch ist im Routledge Verlag erschienen.

Lesetipp: Perspektiven nachhaltiger Entwicklung – Theorien am Scheideweg – Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung

Ein im Dezember 2012 erschienener Sammelband „Perspektiven von nachhaltiger Entwicklung – Theorien am Scheideweg – Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung“ von Judith C. Enders und Moritz Remig dokumentiert die Ergebnisse eines Workshops am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) im Mai 2011. Das IASS ist ein interdisziplinäres und internationales Institut, in dem WissenschaftlerInnen Nachhaltigkeitsthemen wie Klimastabilität,Energiesicherheit, Ressourceneffizienz, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsdynamik, Koevolution urbaner und ruraler Räume und nachhaltige technologische Entwicklungen erforschen. Es ist Teil der NaWis-Runde.

Zum Sammelband:

Braucht es eine Theorie der Nachhaltigkeit? Gibt es die eine oder eine Vielzahl theoretischer Herangehensweisen, um Ökologie, Soziales und Ökonomie dauerhaft und global in Einklang zu bringen? Welche theoretischen Ansätze stehen uns zur Verfügung, und wo herrscht weiterer Forschungsbedarf? Dieser Band resümiert die Theorieentwicklung zum Begriff der Nachhaltigkeit.
Schon seit der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen von Stockholm im Jahre 1972 zeichnet sich auch eine theoretische Auseinandersetzung mit Themen der Menschheitsentwicklung in den Grenzen unseres Planeten ab. Dabei sind die Auseinandersetzungen mit der Nachhaltigkeit als Gegenstand theoretischer Überlegungen nicht so einheitlich, wie die inflationäre Nutzung des Begriffs vermuten lässt. Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde, was genau gemeint ist, darüber gibt es eine Vielzahl kontroverser Auffassungen. Hier setzt der Sammelband an und bietet eine Sammlung von Nachhaltigkeitskonzepten und Theorien, die die theoretische Vielfalt des Begriffs insbesondere im deutschen Diskurs abbildet.

Das Buch kann hier bestellt werden: http://www.metropolis-verlag.de/Perspektiven-nachhaltiger-Entwicklung/934/book.do

Die englischsprachige Ausgabe des Sammelbandes ist im November 2014 Routledge-Verlag erschienen.

Weitere Lesetipps erhalten Sie hier.

Transformative Wissenschaft als Teil der Weltbürgerbewegung

Rechtzeitig zum UN-Weltklimagipfel Ende September in New York hat der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein Sondergutachten „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“ vorgelegt. Darin spielt wie schon im 2011 erschienenen Transformationsgutachten die Wissenschaft und Forschung für Transformationsprozesse eine zentrale Rolle. Im Kapitel 4.4.  auf den Seiten 93 ff. geht der WBGU im Kapitel „Von Reallaboren bis zur Citizen Science – zum unterschätzten Potenzial einer transformativen Wissenschaft“ auf die Rolle von Wissenschaft in der vom WBGU eingeforderten Weltbürgerbewegung ein. Auf den Seiten 109 ff. erfolgen umfassende Forschungsempfehlungen für eine so konzipierte Transformations- und transformative Forschung über den Klimawandel. Das gesamte Gutachten kann hier heruntergeladen oder als Papierfassung beim WBGU bestellt werden.

Diskussionsbeitrag: Wie weit muss die Reform des Wissenschaftssystems gehen? Uwe Schneidewind antwortet auf den Aufsatz von Jürgen Mittelstraß in der FAZ vom 22.09.2014

Prof. Dr. Uwe Schneidewind
von Prof. Dr. Uwe Schneidewind
Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt
In der FAZ vom 22.09.2014 hat Jürgen Mittelstraß zu einem radikalen Neudenken der institutionellen Struktur des deutschen Wissenschaftssystems aufgerufen. Unter Rückgriff auf die „Verhältnisse, die es zum Tanzen zu bringen“ gilt, scheut sich Jürgen Mittelstraß nicht vor radikalen Reformvorschlägen: die Auflösung der Leibniz-Gemeinschaft, die Verkleinerung der Universitäten, der massive Ausbau der Fachhochschulen sind nur einige seiner Forderungen. Uwe Schneidewind antwortet auf diesen Aufsatz und wirft Jürgen Mittelstraß vor, in seiner Kritik nicht weit genug zu gehen. Die komplette Replik lesen sie hier:„Die Wissenschaft braucht eine neue Melodie“ oder warum das Wissenschaftssystem nicht nur einer Struktur- sondern auch einer Orientierungsrevolution bedarf

In der FAZ vom 22.09.2014 hat Jürgen Mittelstraß zu einem radikalen Neudenken der institutionellen Struktur des deutschen Wissenschaftssystems aufgerufen. Unter Rückgriff auf die „Verhältnisse, die es zum Tanzen zu bringen“ gilt, scheut sich Jürgen Mittelstraß nicht vor radikalen Reformvorschlägen: Auflösung der Leibniz-Gemeinschaft, Verkleinerung der Universitäten, massiver Ausbau der Fachhochschulen sind nur einige seiner Forderungen.Jürgen Mittelstraß geht es im Kern darum, der „materialen Idee“ von Wissenschaft eine institutionelle Form zu geben, die ihr eine angemessene Entfaltung ermöglicht. Mittelstraß bemängelt die verengte institutionelle Selbstbeschäftigung von Hochschulen und Forschungsorganisationen. Er kritisiert zu Recht, dass selbst der Wissenschaftsrat in seinem jüngsten Empfehlungen zur Zukunft des Wissenschaftssystems nicht mehr als ein „Weiter-so“ mit nur marginalen Verbesserungsvorschlägen vorgelegt hat. Der Blick auf die oft bemüht wirkenden Abgrenzungsdebatten zwischen unterschiedlichen Hochschultypen in der Hochschulrektor-enkonferenz oder zwischen den großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen legen ein beredtes Zeugnis davon ab.Wissenschaft ist mehr als Erkenntnisgewinn und WohlstandsmotorMittelstraß´ Philippika gegen die institutionelle Erstarrung trifft einen zentralen Schwachpunkt des Wissenschaftssystems. Aber sie greift zu kurz, weil sie sich zu wenig mit der „Melodie“ auseinandersetzt, nach der die Verhältnisse künftig tanzen sollen. Denn nicht nur im Hinblick auf die institutionelle Verfasstheit steht das Wissenschaftssystem vor einem Umbruch, sondern auch bei der dahinter liegenden materialen Idee.

Zwei grundlegende Ideen von Wissenschaft spielen bei Mittelstraß und der aktuellen Wissenschaftsdiskussion eine Rolle: Wissenschaft als Ort des Erkenntnisgewinns. Mittelstraß diesbezüglichen Vorschlägen zur Stärkung der Universitäten oder der Max-Planck-Gesell-schaft ist hier wenig hinzufügen.

Ein zweite materiale Idee adressiert Mittelstraß eher implizit: Wissenschaft als Motor zur Wohlstandsmehrung. In seinem Lob für die Fraunhofer-Gesellschaft kommt diese Mission zum Ausdruck. Die konsequente Ausrichtung von Wissenschaft an ökonomisch-technologischer Verwertung, wie sie in der Fraunhofer-Gesellschaft idealtypisch umgesetzt ist, treibt neben dem losgelösten Erkenntnisgewinn die Wissenschaftsentwicklung in den letzten rund 200 Jahren.

„Wissenschaft der Transformation – Transformationen der Wissenschaft“ – Sammelrezension von Stefan Böschen in der aktuellen GAIA

In der aktuellen GAIA (3/2014) hat PD Dr. Stefan Böschen, Mitarbeiter am ITAS, drei aktuelle wissenschaftspolitische Bücher rezensiert. Der Sammelband „Neue Governance der Wissenschaft – Reorganisation – externe Anforderungen – Medialisierung“ (2013) von Edgar Grande und anderen stellt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der gleichnamigen wissenschaftspolitischen Förderinitiative des BMBF dar und macht nach Stefan Böschen deutlich, dass die „Zahl und Reichweite von Steuerungsimpulsen zunimmt, dass aber das Wissenschaftssystem institutionell so organisiert ist, dass es die Wirkkraft solcher Impulse bremst“ (S. 278). Das Buch „Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien“ von Peter Finke weist auf die grundlegende Bedeutung von BürgerInnen in der Produktion wissenschaftlichen Wissens hin. Die LaienwissenschaftlerInnen unterstützen die „Wissenschaft paradoxerweise auch bei der Realisierung ihres ureigensten Ziels – dem der Wahrheitssuche“ (S. 279). Nicht zuletzt bespricht Stefan Böschen das Buch „Transformative Wissenschaft – Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“, in dem er „ungewöhnlich vielfältige Maßnahmen für die Neuorientierung und institutionelle Umbettung des Wissenschaftssystems“ (S. 278) sieht. In allen drei Büchern manifestiert sich nach Böschen eine neue öffentliche Diskussion über die Rolle der Wissenschaft in der Orientierung an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wobei sich die Wissenschaft selbst in einer Double-Bind Situation zwischen der Orientierung an diesen Herausforderungen und dem Streben nach wissenschaftlicher Exzellenz sieht.

Die gesamte Rezension können Sie hier herunterladen .

ZEIT-Streitgespräch zur zivilgesellschaftlichen Teilhabe an Wissenschaft zwischen Günter Stock und Uwe Schneidewind jetzt auch online verfügbar

In der ZEIT-Ausgabe vom 18.09.2014 stritten der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft (BBAW), Prof. Dr. Günter Stock, und Prof. Dr. Uwe Schneidewind über das Für und Wider zivilgesellschaftlicher Beteiligung in der Wissenschaft und in der Wissenschaftspolitik. Das vollständige Streitgespräch ist jetzt auch auf den Online-Seiten der ZEIT verfügbar. Sie finden es unter diesem Link.

Sustainability erreicht den Mainstream in der Forschung – Artikel von Manfred Ronzheimer in der taz vom 26.09.

In der Rückschau zur 11. FoNa-Konferenz am 23./24. September in Berlin hat Manfred Ronzheimer einen Artikel in der taz vom 26.09. veröffentlicht. Seine Bilanz: Nachhhaltigkeit hat in den Mainstream der Forschung Eingang gefunden. Die neue Stufe der Weiterentwicklung in der Nachhaltigkeitsforschung besteht jetzt in der noch stärkeren Erforschung gesellschaftlicher Prozesse und in der Partizipation von VertreterInnen der Zivilgesellschaft. Den ganzen Artikel können Sie hier lesen.

„Die unfertige Demokratie“ – Beitrag von Peter Finke in der Deutschen Universitätszeitung

In der Septemberausgabe der Deutschen Universitätszeitunig (duz) greift Peter Finke die aktuelle Debatte über die Demokratisierung der  Wissenschaft auf. Er kritisiert aktuelle Äußerungen des Bonner Universitätsrektors Günter Fohrmann, des neuen Leibniz-Präsidenten Matthias Kleiner, des DFG-Präsidenten Peter Strohschneider und des BBAW-Präsidenten Günter Stock und zeigt das Potenzial einer Bürgerwissenschaft vor diesem Hintergrund auf. Der Beitrag ist jetzt online verfügbar unter diesem Link.

Diskussionsbeitrag: Zur Gründung des „Haus der Zukunft“ – Kommentar von Reinhold Leinfelder zum Diskussionsbeitrag von Steffi Ober

leinfelderNov2012 Prof. Dr. Reinhold Leinfelder

Gründungsdirektor des „Haus der Zukunft“

Steffi Ober schreibt in ihrem Beitrag vom 9.9. im Hinblick auf die Vorstellung der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung u.a.:

„Deshalb solle die Gesellschaft „Technologieaufgeschlossener“ werden. Man könnte es auch anders formulieren: sie solle weniger technologiekritisch sein.“ …. „Leider zieht sich im gesamten (Anm:letzten) Kapitel (Anm.: der Hightechstrategie) der überholte Ansatz durch, dass Wissenschaft nur gut aufbereitet und erklärt werden muss, damit das ‚von den Menschen verstanden, angenommen und angewendet wird‘. Dies trifft auch für das Haus der Zukunft zu …“  
Da Frau Obers Einschätzung nach dieser Ansatz also auch auf das Projekt Haus der Zukunft zutrifft, erlaube ich mir hier eine Stellungnahme. Ich sehe zum einen ein gewisses Missverständnis – so ist eine grundsätzliche Technologieaufgeschlossenheit meines Erachtens nicht automatisch gleichzusetzen mit „weniger technologiekritisch“. Zum anderen ist es natürlich legitim und notwendig, die kommunikativen Aufgaben des Haus der Zukunft  zu hinterfragen. Es wäre auch aus meiner Sicht tatsächlich völlig falsch, wenn Wissenschaftskommunikation für die Zukunft nur in einer aufbereitenden und didaktischen Weise „von oben herab“ betrieben würde. Natürlich geht es nun darum, das Haus der Zukunft, bei dem ja gerade erst die Trägergesellschaft gegründet wurde und ich als Gründungsdirektor erst seit einigen Tagen (d.h. seit 1.9.2014) im Amt bin, sukzessive mit Inhalt und Leben zu erfüllen. Hier ein paar erste Gedanken dazu: Beim Haus der Zukunft ist es mir als Gründungsdirektor selbstverständlich ganz besonders wichtig, ALLE, d.h. insbesondere auch die Zivilgesellschaft intensiv mit einzubinden. „Die“ Politik, aber auch „die“ Wissenschaft, „die“ Wirtschaft oder „die“ NGOs/Initiativen werden eine Transformation in die Zukunft nicht jeweils alleine, sondern nur im Zusammenspiel  mit der gesamten Zivilgesellschaft hinbekommen, so wie dies auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen in seinem Gutachten „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ auf den Punkt gebracht hat. (An diesem sowie weiteren Gutachten habe ich als damaliges WBGU-Mitglied selbst mitgearbeitet, natürlich sehe ich es damit auch für mein Wirken als verpflichtend an).

Diskussionsbeitrag: Veröffentlichung der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung – von Steffi Ober

Dr. Steffi Ober Dr. Steffi Ober

NABU/ Plattform Forschungswende

Anfang September wurde die neue Hightech-Strategie, die zentrale und interministeriell organisierte Innovationsstrategie der Bundesregierung, im Bundeskabinett verabschiedet. Allein 2014 sollen für diese Strategie 11 Milliarden € zur Verfügung stehen um Wohlstand und Wachstum durch Forschung zu befördern. In einem Kommentar aus der Perspektive der organisierten Zivilgesellschaft diskutiert Steffi Ober positive und kritische Aspekte der neuen Innovationsstrategie.

„Nicht weniger als “ Innovationspolitik aus einem Guss “ verspricht die Bundesregierung mit der neuen Hightech-Strategie, die mit 11 Mrd. Euro startet. Obwohl geschickt in der Darstellung immer wieder auf „Lebensqualität“ und „qualitatives Wachstum“ verwiesen wird, scheinen die kritischeren Überlegungen der Enquete – Kommission des Deutschen Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ wenig Spuren hinterlassen zu haben.  Die Green Economy soll als Wachstumsmotor dienen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Als prioritäre Zukunftsaufgaben für Wohlstand  und Lebensqualität werden fünf Kernelemente vorgestellt:

·       Innovationsdynamik in der Wirtschaft
·       Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen
·       Vernetzung und Transfer
·       Partizipation und Transparenz
Innovation brauche die Mitte der Gesellschaft, so die Erkenntnis der Bundesregierung. Deshalb solle die Gesellschaft „Technologieaufgeschlossener“ werden. Man könnte es auch anders formulieren: sie solle weniger technologiekritisch sein. Dabei steht doch gerade die technologiekritische Haltung der Gesellschaft für einen reflektierten Umgang mit Technologie, der auf einer hohen Bildung und Kritikfähigkeit beruht. Dabei stellt das seitens des BMWI in Auftrag gegebene Gutachten fest, dass die vermeintliche Technologieverweigerung der Deutschen nicht zutrifft. Menschen sind dann technologieaufgeschlossen, wenn sie einen deutlichen Nutzen erkennen können und wenn sie in die Mitgestaltung der Technologieentwicklung von Anfang ein mit einbezogen werden. Diesen Gedanken  nimmt die Hightech Strategie in ihrem letzten Punkt auf. Informationen sollen neutral vermittelt und die Diskussion sachlich geführt werden. Wir erinnern uns – mit diesem Konzept ist bereits die Diskussion um die Grüne Gentechnik krachend gescheitert, da mit solchen Formulierungen unterschiedliche Werthaltungen und Interessen der Akteure verschleiert anstatt dem Dialog zugänglich gemacht werden. Leider zieht sich im gesamten Kapitel der überholte Ansatz durch, dass Wissenschaft nur gut aufbereitet und erklärt werden muss, damit der das „von den Menschen verstanden, angenommen und angewendet wird“. Dies trifft auch für das Haus der Zukunft zu, das mit Millionenbeträgen gebaut und im Jahr 2017 eröffnet werden soll.

Lesetipp: Nachhaltigkeit als soziale Innovation – Eine Anwendung der Diffusionstheorie auf Hochschulen

Die Implementierung von Nachhaltigkeit an Hochschulen wird zunehmend von studentischen Initiativen vorangetrieben. Sie können Brücken zwischen den verschiedenen Statusgruppen an den Hochschulen bauen und Nachhaltigkeitsprojekte initiieren und vorantreiben. In der Abschluss-Arbeit von Nadine Richter (FH Dortmund, Sozialwesen) wird die Wirkweise dieses studentischen Nachhaltigkeitsengagements im Sinne der Verbreiterung der sozialen Innovation Nachhaltigkeit in der Hochschule beschrieben und empirisch untersucht. Dazu wurden auf Grundlage der Diffusionstheorie von Rogers leitfadengestützte ExpertInneninterviews mit Mitgliedern aus studentischen Nachhaltigkeitsinitiativen geführt und ausgewertet.
Die Arbeit kann auf dem Server der Fachhochschule Dortmund hier heruntergeladen werden.

Wissenschafts- und Hochschulfreiheit und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen – Videos des Workshops „Autonomie der Hochschulen“ an der Universität Bonn

Wie sich die gesellschaftliche Aufgabe der Wissenschaft und die Autonomie der Hochschulen zueinander verhalten, wird häufig sehr zugespitzt diskutiert. Der Workshop „Autonomie der Hochschulen“ in der Diskussionsreihe „Zur Zukunft der Universität“ hat am 7. Juli 2014 in Bonn das multidimensionale Beziehungsgeflecht von Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und Politik der Wissenschaft beleuchtet. Die Workshop-Beiträge sind als Videos im YouTube-Kanal der Universität Bonn verfügbar. Darunter auch der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Schneidewind „Wissenschafts- und Hochschulfreiheit und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen – Liebes- oder Konfliktbeziehung?“ sowie seine anschließende Diskussion mit Prof. Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die per Video aufgezeichneten Vorträge und Diskussionen können über die Veranstaltungs-Seite der Universität Bonn angesehen werden.

Diskussionsbeitrag von Armin Grunwald über die Rolle der Nationalen Akademie der Wissenschaften

Aktuell findet eine intensive Debatte über das Für und Wider eines Chief Scientific Advisors auf europäischer Ebene statt. Im Kern geht es um die Frage, ob es die eine bündelnde Stimme der Wissenschaft auf europäischer oder nationaler Ebene geben kann. Armin Grunwald hat im Jahr 2008 anlässlich der Gründung der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften, die mit einem ähnlichen Anspruch gegründet wurde, eine treffende Analyse zu dieser Frage vorgelegt. Darin macht er deutlich, dass die Idee der „einen Stimme“ eine gefährliche Illusion ist. Aufgabe von Wissenschaft kann nur „aufklärende Vorarbeit“ im Sinne einer „Vorwegnahme einer allgemeinen gesellschaftlichen Debatte“ mit all ihren (inter)disziplinären Widersprüchen, offenen Flanken und involvierten Werturteile sein.
Der ganze Beitrag von Armin Grundwald in der GAIA 3/ 2008 kann hier heruntergeladen werden.

Diskussionsbeitrag: Die Wissenschaft braucht mehr Demokratie – Essay in „Bild der Wissenschaft“

Vor einem stärkeren Einfluss der Zivilgesellschaft auf die Wissenschaft warnte Professor Günter Stock, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, auf dem diesjährigen Leibniztag. Er sieht die Autonomie der Wissenschaft in Gefahr. In der neuen Ausgabe von „Bild der Wissenschaft“ widerspricht Uwe Schneidewind in seinem Essay „Die Wissenschaft braucht mehr Demokratie“: Eine Rechtfertigungspflicht gegenüber nicht-wissenschaftlichen gesellschaftlichen Perspektiven würde der Wissenschaft intellektuell nicht schaden, sondern nützen.

Der komplette Beitrag ist abrufbar unter: http://wupperinst.org/info/details/wi/a/s/ad/2711/

„Science, technology and innovation in the context of development“ – ein wissenschaftspolitischer Diskussionsbeitrag aus entwicklungspolitischer Perspektive

 

Anna Schwachula

 Zentrum für Entwicklungs-

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Universität Bon

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Vila Seoane
Zentrum für Entwicklungs-
forschung/
Universität Bon
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Katharina 
Hornidge Zentrum für Entwicklungs-
forschung/
Universität Bonn
Wissenschaft und Innovation können nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu sozialer und ökologischer Entwicklung beitragen. Dies würde aber eine Wissenschafts- und Innovationspolitik voraussetzen, die auch diese Dimensionen von Entwicklung begünstigt. Zwar haben sich verschiedene Autoren in der Vergangenheit bereits mit einzelnen Auswirkungen von Wissenschaft und Innovation auf Entwicklung beschäftigt. Ein umfassender Überblick und eine Systematisierung der möglichen Einflussbereiche von Wissenschaft und Innovation auf die verschiedenen Dimensionen von Entwicklung fehlte jedoch bisher. Im Arbeitspapier zu „Science, technology and innovation in the context of development – an overview of concepts and corresponding policies” stellen Anna Schwachula, Maximiliano Vila Seoane und Anna-Katharina Hornidge deshalb die verschiedenen wissenschaftlichen Konzepte von Wissenschaft, Innovation und deren potentiellen Auswirkungen auf Entwicklung vor und zeigen auch die Rolle der Forschungspolitik auf. Entlang idealtypischer Entwicklungsdimensionen – Wissenschaft und Innovation für wirtschaftliche, soziale und ökologisch-nachhaltige Entwicklung – werden die Politikempfehlungen von OECD, Weltbank und UNESCO analysiert. Dabei wird klar, dass die internationalen Organisationen häufig noch einem linearen und wirtschaftlich geprägten Verständnis von Innovation und Entwicklung anhängen.

Das Working Paper kann hier herunter geladen werden: http://www.zef.de/uploads/tx_zefportal/Publications/zef_wp_132.pdf

taz Artikel über die aktuellen Spannungsfelder von Citizen Science

Am 08.07.2014 fand in Berlin die Auftakt-Veranstaltung zum Projekt GEWISS (Bürger schaffen Wissen) statt. Die BMBF geförderte Plattform soll die Citizen Science in Deutschland voran treiben und sowohl für wissenschaftlich engagierte BürgerInnen als auch für WissenschaftlerInnen eine Vernetzungsmöglichkeit schaffen. Ob diese Form aktuelle Unterstützung der Beteiligung an Forschungsprojekten eine echte Partizipation von BürgerInnen in der Wissenschaft darstellt, wird zunehmend kontrovers diskutiert. Befürchtet wird die Gefahr einer Scheinbeteiligung, die eine echte Demokratisierung der Wissenschaft z.B. in der Co-Definition von Forschungsfragen oder der Mitbestimmung in der Erstellung von Forschungsagenden eher verhindert. Darüber hinaus wird gefragt, ob die aktuelle Institutionalisierung der Citizen Science den gerade nicht instiutionalisierten Forschungsprojekten vieler BürgerInnen ein entscheidendes Maß an Unabhängigkeit und Freiheit nimmt. Dies betont der Citizen Science Experte, Prof. Dr. Finke, der im Frühjahr das Buch „Citizen Science -Das unterschätzte Wissen der Laien“ veröffentlicht hat und die Chancen der Citizen Science vor allem in ihrem, vom Mainstream des Wissenschaftssystems unabhängigen, Bestreben nach mehr Unabhängigkeit, mehr Nachhaltigkeitsforschung, mehr Transdisziplinarität und mehr bürgerfreundliche Kommunikationsweisen sieht. In einem aktuellen taz Artikel zieht Manfred Ronzheimer ein Fazit zur GEWISS- Auftakveranstaltung und zeigt das Spannungsfeld der aktuellen Debatte um Citizen Science differenziert auf.
Der Artikel wurde am 11.07. veröffentlicht und kann hier gelesen werden.

Die Debatte um eine transformative Wissenschaft gewinnt an Schärfe – Prof. Dr. Günter Stock warnt vor den Gefahren einer „transformativen Wissenschaft“ auf dem Leibniztag

Auf dem diesjährigen „Leibniztag“ (28.06.14) der Berlin-Brandenburgischen Akademie, auf dem die Akademie ihre wichtigsten Auszeichnungen verleiht, hat ihr Präsident Prof. Dr. Günter Stock seine Grußansprache für grundlegende wissenschaftspolitische Überlegungen genutzt.

Er setzt sich dabei mit der aktuellen Debatte über Autonomie und Demokratisierung der Wissenschaft auseinander. Dabei werden insbesondere der Entwurf des aktuellen nordrhein-westfälischen Hochschulgesetzes und das Konzept einer „transformativen Wissenschaft“ kritisiert.

Die Schärfe des gewählten Tons ist eindrucksvoll. So heißt es zur Demokratisierung:

„Nein, mit der „Demokratisierung von Wissenschaft“ ist hingegen etwas ganz anderes gemeint, nämlich dass die Gewährung von Forschungsmitteln und die Definition von Forschungszielen sehr viel stärker an einem wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Interesse ausgerichtet werden soll. (….) Im 20. Jahrhundert haben wir in Deutschland zweimal auf bittere Weise erfahren, was es bedeutet, wenn Forschung und Wissenschaft ausschließlich in den Dienst sogenannter gesellschaftlicher Interessen gestellt werden.“

Und unter Bezugnahme auf die Debatte um eine „transformative Wissenschaft“ sowie die aktuelle Diskussion über eine stärkere zivilgesellschaftliche Beteiligung an den Wissenschaftsprozessen heißt es dann:

„Diejenigen, die eine „Demokratisierung der Wissenschaft“ einfordern, sind jedoch bestrebt, Partikularinteressen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen durch Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und mittels partizipativer Strukturen in den Entscheidungsgremien durchzusetzen. Plakativ formuliert könnte folgendes eintreten: Gesellschaftlich relevante Gruppen halten Einzug in den Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um dort – u.a. im Rhythmus von Landtagswahlen – Forschungsziele zu definieren. Immerhin gibt es für diese Art der Definition von Forschung schon eine akademische Debatte und auch Begrifflichkeiten: So sprechen wir von „transformativer Wissenschaft“ sowie von „Solutionismus“. – Grund genug, sorgfältig aufzupassen.“

Es ist bemerkenswert, dass sich Spitzenvertreter des deutschen Wissenschaftssystems mit solchen Tönen in die Diskussion um das angemessene Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts einbringen. Statt einer offenen Auseinandersetzung damit, dass es heute natürlich schon erhebliche Einflussnahmen – gerade bei der Forschungsprogrammgestaltung – von zumeist ökonomischen Partikularinteressen im Wissenschaftssystem gibt, und dass der Umgang ganzer Fachdisziplinen wie den Wirtschaftswissenschaften mit den aktuellen gesellschaftlichen Umbruchssituationen als sehr ernüchternd wahrgenommen wird, wird die Diskussion über eine pluralisierte Form der Wissenschaftssteuerung in die Nähe nationalsozialistischer Einflussnahme auf das Wissenschaftssystem gerückt. Gleichzeitig erklärt Stock den „Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ quasi zur unantastbaren Heiligenstätte der wissenschaftlichen Autonomie. Auch das überrascht angesichts der Debatte über den Reformbedarf innerhalb der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die derzeit geführt wird.

 

Weiterführende Links:

Aktuelle Artikel zum Wandel des Wissenschaftssystems und Forschungslücken zum Rebound-Effekt

In den aktuellen Ausgaben der Zeitschriften des oekom-Verlags finden sich einige Artikel von wissenschaftspolischer Relevanz.  In dem Artikel „Wandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“ der aktuellen Ausgabe „Ökologisches Wirtschaften“ argumentiert Hellmuth Lange, Mitarbeiter am artec-Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen, dass eine gesellschaftliche Transformation in Richtung Nachhaltigkeit auch eine verstärkte Forschung zum Umsetzen dieser Transformation, besonders hinsichtlich steuerungspolitischer und institutioneller Innovationen benötigt. Wenn sich die WissenschaftlerInnen und vor allem die Förderorganisationen nicht stärker engagieren, bleiben vor allem die Fragen nach dem Wie der Nachhaltigkeitstransformation unterbeleuchtet (vgl. Lange 2014, S. 10) .

Deutlich wird dies am aktuellen Defizit in der Forschung zu Rebound-Effekten, die Tillman Santarius in seinem aktuellen GAIA-Artikel „Der Rebound-Effekt: ein blinder Fleck der sozial-ökologischen Gesellschaftstransformation“ in den Blick nimmt. Während die Rebound-Effekte auf Ebene der KosumentInnen empirisch mittlerweile relativ gut belegt sind, bestehen weiterhin große Forschungslücken in der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion über den makro-ökonomischen Rebound-Effekt, also „ein „energieproduktivitätsbedingtes Wirtschaftswachstum“ , infolgedessen sich die Energienachfrage vergrößert (Santarius 2014, S. 113). Dessen Rolle wird bis heute kontrovers diskutiert und in den wirtschaftswissenschaftlichen Modellrechnungen unterschätzt. In den Nachhaltigkeitsstrategien daher allein auf Effizienz-Strategien zu setzen, reicht nach Santarius nicht aus und es müssen die Effizienzpolitiken durch Suffizienz- und Lebensstilpolitiken (vgl. ebd. S.116) ergänzt werden. Diese neuen Politikstrategien müssen wiederum wissenschaftlich untersucht werden.

Lesetipp: Zwischen Marketing und Citizenship. Zivilgesellschaftliches Engagement von Hochschulen von Stefanie Groll

Was haben Wissenschaft, Hochschulmanagement, Lehre und Forschung mit zivilgesellschaftlichem Engagement zu tun? Inwiefern kann eine Hochschule als zivilgesellschaftlicher Akteur beansprucht werden? Welche Perspektive haben Studierende auf Engagement? Dies sind Kernfragen der empirischen Untersuchung von Stefanie Groll, die an der Schnittstelle von politikwissenschaftlicher Engagementforschung und organisationssoziologischer Hochschulforschung angesiedelt ist. Die Rekonstruktion programmatischer Konzeption der Hochschulentwicklung zeigt den institutionellen Wandel der Universität und ihre multikontextuelle Einbettung in die Gesellschaft auf. Am Ende steht die Erkenntnis, dass zivilgesellschaftliches Engagement an Hochschulen einerseits politisch wünschenswert ist, aber andererseits zum obligatorischen Bestandteil von Marketing und Profilbildung wird.
Das Dissertation von Stefanie Groll kann hier bestellt werden.

Lesetipp: „Partizipation in der Wissenschaft“ von Steffi Ober

Von der Wissenschaft werden aktuelle Antworten auf die großen Herausforderungen sowie die Transformationen in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft erwartet. Forschung soll die notwendigen Innovationen in Infrastruktur und Produktion voranbringen. Die Bundesregierung unterstützt Wissenschaft und Wirtschaft in der Gestaltung der Zukunft mit der Hightech-Strategie. Bislang wurde jedoch noch wenig untersucht, inwieweit diese Strategie mit der Gesellschaft verzahnt ist und ob sie im ausreichenden Maße dazu beiträgt, die globalen Zukunftsprobleme zu lösen. Die Untersuchung »Partizipation in der Wissenschaft« von Dr. Steffi Ober kommt hier zu einem kritischen Ergebnis. Demnach ist die Hightech-Strategie der Bundesregierung unzureichend legitimiert, ihre Errungenschaften reichen für eine nachhaltige Entwicklung nicht aus. Wenige Lobbygruppen beeinflussen Ziele und Ergebnisse und verhindern eine am Gemeinwohl orientierte Entwicklung.
Das Buch „Partizipation in der Wissenschaft“ ist im oekom Verlag erschienen und kann unter folgendem Link bestellt werden.

„True University Sustainability “ – Artikel von Uwe Schneidewind im UmweltWirtschaftsForum

In einem Artikel der kommenden Ausgabe der Zeitschrift UmweltWirtschaftsForum entwickelt Uwe Schneidewind das Konzept einer „True University Sustainability“. Vor dem Hintergrund, dass die Perspektive einer nachhaltigen Hochschule  sich bisher häufig auf die ökologische und soziale Qualität des Betriebs der Einrichtung sowie die Umorientierung der Inhalte von Forschung und Lehre konzentriert, fordert der Autor, dass es bei der Idee einer nachhaltigen Hochschule um weit mehr gehen sollte. Eine True University Sustainability stellt die grundlegenderen Fragen nach der Beziehung von Gesellschaft und Hochschule: „Wie geht eine Hochschule mit zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen um? Wie interagiert sie mit den gesellschaftlichen Akteuren in ihrem Umfeld? In welcher Form bringt sie sich in nachhaltigkeits-orientierte Transformationsprozesse ein? Diese Dimensionen spielen bisher in der Diskussion um die nachhaltige Hochschule eine untergeordnete Rolle“ (Abstract des Artikels). In dem Artikel zeichnet Uwe Schneidewind die Konturen einer „True University Sustainability“ und argumentiert, dass in verschiedenen deutschen Hochschulen (bspw. Leuphana Universität Lüneburg, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Bergische Universität Wuppertal) Ansätze dieser „True University Sustainability“ bereits zu finden sind. Der Artikel ist bereits online erschienen.

„Wissenschaftspolitik demokratischer gestalten“ – Artikel von Steffi Ober in der neuen GAIA

Über Ziele und Strategien von Forschungsagenden entscheiden vornehmlich Vertreter(innen) aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Zivilgesellschaftliche Akteure fehlen allzu oft in diesen Prozessen – und damit fehlt die gesellschaftliche Legitimation der Forschungsagenden. Demokratischere Entscheidungsprozesse führen dagegen zu einer transparenteren Wissenschaftspolitik und treiben die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit voran.
In ihrem neuen Artikel in der GAIA 2/2014 nimmt Dr. Steffi Ober die Strukturen der deutschen Forschungsförderung kritisch in den Blick und plädiert für deren Demokratisierung durch eine stärkere zivilgesellschaftliche Einbindung beim Agendasetting von Forschungsprogrammen.

Den kompletten Artikel können Sie hier einsehen.

Lesetipps im Kontext einer Transformativen Wissenschaft

Die Diskussion um einen „Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“ berührt viele allgemeine hochschul- und wissenschaftspolitische Themen: eine Bürgerwissenschaft, das zivilgesellschaftliche Engagement von Hochschulen oder neue Ansätze zur Governance der Wissenschaft. An dieser Stelle stellen wir Ihnen aktuelle Veröffentlichungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft vor.

Lesetipp: Citizen Science – das unterschätzte Wissen der Laien von Peter Finke

Peter Finke, emeritierter Wissenschaftstheoretiker der Universität Bielefeld, hat mit seinem gerade im oekom-Verlag erschienenen Buch „Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien“ einen inspirierenden Beitrag zur Diskussion über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft vorgelegt. Die bisherige Reformdebatte konzentriert sich insbesondere auf Veränderungen im etablierten Wissenschaftssystem sowie die Beteiligung von Zivilgesellschaft an den bestehenden wissenschaftlichen Strukturen. Mit dem Buch von Peter Finke wird mit vielen Beispielen und in Fortsetzung der Ideen von Paul Feyerabend ein viel breiterer Blick eröffnet: Von Bürgern betriebene Wissenschaft, die die Grenzen und Strukturen der etablierten Wissenschaft herausfordert. Ein sehr lesenswertes Buch!
Link zum Buch mit „Search inside“ und ersten Rezensionen.

Zwei informative Interviews mit Peter Finke zum Buch und zum Thema finden sich unter:
und

Forscher kritisieren Innovationsbericht – taz-Artikel über das Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation

Unter dem Titel „Schuss nach hinten“ erschien in der taz vom 06.03.2014 ein Artikel von Manfred Ronzheimer über das von der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) vorgelegte Gutachten „Forschung, Innovation und technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands“. Der Wissenschaftsjournalist beleuchtet darin vor allem die Einschätzungen der Expertenkommission zum EEG, dem in der Frage der Innovationsförderung kein Erfolg zugesprochen wird, kritisch. Diese Einschätzungen hatte bundesweit zu Stellungnahmen von wissenschaftlichen Expertenkreisen und außeruniversitären Instituten, wie dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung, geführt.

Der komplette taz-Artikel kann hier gelesen werden.
Das EFI Gutachten kann hier eingesehen werden.

Offener Brief der Early Career Scientists zum neuen Forschungsprogramm Future Earth

Im Anschluss an den German Future Earth Summit im Januar 2014 fand das Early Career Scientists (ECS) Netzwerktreffen statt, an dem über 50 WissenschaftlerInnen verschiedener Fachgebiete teilgenommen haben. Eingeladen waren alle DoktorandInnen, Post-Docs, NachwuchsgruppenleiterInnen, Junior-ProfessorenInnen und frischberufene ProfessorInnen, die Interesse an einer Vernetzung und Austausch im Rahmen von Future Earth haben. Während des Workshops wurde über Ziele und Aufgaben, eine mögliche Governance-Architektur des ECS Netzwerkes sowie über eine Petition von jungen WissenschaftlerInnen an das das Deutsche Komitee Nachhaltigkeitsforschung (DKN) in Future Earth diskutiert. Diese nun überarbeitete Petition soll an das nationale Future Earth Komitee (DKN) übermittelt werden. Darin fordern die Early Career Scientists eine aktive Einbeziehung der jungen WissenschaftlerInnen-Generation in das DKN.

Den offenen Brief an das DKN finden Sie hier:

FutureEarth Young ScientistsPetition_DE

Wenn Sie das Anliegen der Early Career Scientists unterstützen wollen, senden Sie bitte den offenen Brief formlos, aber unter Angabe des Namens und der Institution, bis spätestens 01.03.2014 an: ecsfutureearth@gmail.com.

„Vorsicht vor der Autonomiefalle“ – Diskussionsbeitrag von Uwe Schneidewind in der FAZ vom 22.01.2014

In der Diskussion um eine „transformative Wissenschaft“ spielt das Verhältnis zur Wissenschaftsfreiheit eine wichtige Rolle. In einem Beitrag in der FAZ vom 22.01.2014 greift Uwe Schneidewind diese Frage im Rahmen der Debatte um den neuen Hochschulgesetzentwurf in NRW auf. Der Beitrag kann hier abgerufen werden: http://wupperinst.org/info/details/wi/a/s/ad/2482/

Eine Vertiefung der Diskussion findet sich im Buch „Transformative Wissenschaft“, insbesondere zur Leistungsfähigkeit von Autonomie und zur Wissenschaftsfreiheit.

„Die Machtfrage stellen“ – Artikel über Nachhaltige Wissenschaft in der taz

Unter dem Titel „Die Machtfrage stellen“ erschien in der Ausgabe vom 24.01.2014 ein Artikel von Manfred Ronzheimer über die Aktivitäten im Kontext einer Nachhaltigen Wissenschaft. Der Wissenschaftsjournalist beleuchtete darin vor allem die Rolle der Umweltbverbände, wie dem BUND und dem Nabu, die zunehmend lauter eine Wende in der Forschungs- und Wissenschaftspolitik einfordern. Diese Wende gewinnt dann an Fahrt, wenn auch die verkrusteten Machtstrukturen in der Wissenschaftslandschaft offensiver thematisiert werden – so meint Ronzheimer und greift damit die Diskussion im Rahmen der Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“ des BUND und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde auf.
Der komplette Artikel kann hier gelesen werden.

„Der inkonsequente Reformer“ – Diskussion über Bürgerwissenschaft und Bürgeruniversität in der Deutschen Universitätszeitung (DUZ)

In der August-Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung reagierte Uwe Schneidewind mit einem „Plädoyer für eine Bürgeruniversität“ auf die im Sommer erschienenen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu den „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“. Grundtenor des Beitrages: Hochschulen müssen sich in einer ganz neuen Form gegenüber der Gesellschaft öffnen. Dies hat massive methodische und institutionelle Konsequenzen – in Forschung und Lehre.

Peter Finke, Wissenschaftstheoretiker aus Bielefeld, antwortet in der Januarausgabe der Deutschen Universitätszeitung auf den Beitrag vom August. In seiner Kritik „Der inkonsequente Reformer“ macht er deutlich, dass die Idee einer „Bürgeruniversität“ letztlich noch viel zu eng gedacht ist. Es bedarf vielmehr einer „Bürgerwissenschaft“, die sich heute schon an vielen Orten zeigt und auch über die Ansätze einer „Citizen Science“ hinausweist.

Die DUZ will mit den veröffentlichten Beiträgen eine Plattform für eine breitere Diskussion über „Citizen Science“ schaffen.

Bewegung in der Wissenschaftspolitik – Ein forschungspolitischer Rückblick auf das Jahr 2013

Das Wissenschaftsjahr Zukunftsprojekt ERDE hat 2012 die Diskussion über Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität im deutschen Wissenschaftssystem geprägt. Es war mehr als ein Schaufenster zu aktuellen Forschungs- und Lehrprojekten in Sachen Nachhaltigkeit, sondern hat deutlich gemacht, dass eine institutionelle Transformation des Wissenschaftssystems sowie ein langfristiges Capacity Building notwendig ist. Im Folgejahr haben sich einige vielversprechende Vorhaben konsolidiert. So hat das BMBF einen Agenda-Prozess „Sustainability in Science“ ins Leben gerufen, es etabliert sich eine zweite Generation an Vorreiter-Hochschulen und auf Länderebene hat nach den Aktivitäten in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auch Niedersachsen eine eigene Förderrichtlinie „Nachhaltige Wissenschaft“ eingerichtet. Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski ziehen in den NaWis-Mitteilungen der aktuellen GAIA ein Fazit der wissenschaftspolitischen Aktivitäten im Jahr 2013.

Der Artikel kann hier heruntergeladen werden.
Im Rahmen der Open-Access Strategie des Oekom-Verlags wird der Artikel in Kürze auch hier zu lesen sein.

Nachhaltigkeit als Strukturchance für die Leibniz-Gemeinschaft?

Die Institute der Leibniz-Gemeinschaft wollen sich durch exzellente Spitzenforschung profilieren und gleichzeitig mit interdisziplinären Fragestellungen zur gesellschaftlichen Relevanz ihrer Forschung beitragen. Insofern hätte die Leibniz-Gemeinschaft großes Potential zum Motor einer transformativen Forschung, orientiert an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, zu avancieren. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt die strukturellen Chancen und Grenzen der Leibniz-Gemeinschaft aus dieser Perspektive.

„Insbesondere die disziplinäre und methodische Vielfalt der in der Leibniz-Gemeinschaft organisierten Institute ist eindrucksvoll. Bisher nutzt die Leibniz-Gemeinschaft dieses Potenzial nur in Ansätzen. Statt in einigen Bereichen zu viel „vom Gleichen“ zu betreiben, das gilt z.B. für die sechs Wirtschaftsforschungsinstitute, die letztlich alle einem konventionellen wirtschaftswissenschaftlichen Paradigma verhaftet sind, gelte es vielmehr die konzeptionellen und methodischen Vernetzungsinstitutionen zu stärken, wie sie in einem Institutstypus der Art „GESIS“ zum Ausdruck kommen“ (S. 179f.).

Eine detailliertere Darstellung der Leibniz-Gemeinschaft und ihrer Nachhaltigkeitsbezüge findet sich im Buch auf den Seiten 177-180.

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Diskussionsbeitrag: Reallabore weiter denken – ein Kommentar zum Expertenbericht „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ des Baden-Württembergischen Wissenschaftsministeriums

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Prof. Dr. Andreas Löschel

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

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Dr. Daniel Römer

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Im Bericht der Expertengruppe „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ wird als eine wichtige Aufgabe der Aufbau von Reallaboren genannt, um  „Transformationsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung gezielt wissenschaftlich anzuregen und zu begleiten.“ Weiterhin soll es in diesem Rahmen möglich sein, „Veränderungsprozesse zu beobachten, in ihren Ursachen und Wirkungen besser zu verstehen, Probleme ggf. früh zu erkennen und gemeinsam mit den vor Ort Betroffenen Maßnahmen zu ihrer Lösung zu entwickeln.“ Aus dieser Sicht dienen Reallabore daher zwei Zielen: Zum einen beinhaltet die Ausrichtung eine starke Ergebnisorientierung, d.h. das Ziel, konkrete Veränderungsprozesse zu erreichen und zu dokumentieren. Zum anderen wird aber auch ein Erkenntnisgewinn angestrebt, d.h. die Identifikation von Kausalzusammenhängen, die sich auf zukünftige Herausforderungen übertragen lassen. Wenn beide Ziele ernst genommen werden, sollte somit sichergestellt werden, dass Reallabore nicht nur einen Wissenstransfer in die Praxis darstellen, sondern auch aus wissenschaftlicher Perspektive einen Erkenntnisgewinn generieren.

Die im Bericht erwähnten Beispiele für Reallabore erwecken beim Lesen den Eindruck, dass sie eher Fallbeispiele einer erfolgreichen Transformation darstellen. Durch die Analyse erfolgreicher Transformation können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Allerdings ist die Generalisierbarkeit dieser Erkenntnisse durchaus kritisch zu hinterfragen. Der Nachweis von Kausalzusammenhängen ist auf Grundlage eines Einzelfalles nicht möglich. Nur durch Vergleich mit einer geeigneten Kontrollgruppe kann ein wissenschaftlich fundierter Erkenntnisgewinn erzielt werden. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die  Gegenüberstellung von Reallaboren mit einer Kontrollgruppe, d.h. mit vergleichbaren Orten, an denen keine Eingriffe vorgenommen werden. Hierbei stellt die benötigte Vergleichbarkeit der Kontrollgruppe allerdings eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, insbesondere bei einer kleinen Anzahl an Beobachtungen. In jedem Fall sollte diese Einschränkung bei der Entwicklung des Konzepts beachtet werden. Aufgrund der beschriebenen Identifikationsprobleme wäre ein grundsätzlich weiter gefasstes Verständnis von Reallaboren sinnvoll, das über die Betrachtung von Fallbeispielen hinausgeht und natürliche Experimente und feldexperimentelle Studien mit einschließt. Natürliche Experimente entstehen durch die Veränderung der institutionellen oder politischen Rahmenbedingungen, beispielsweise aufgrund einer neu eingeführten Politikmaßnahme. Auch hier ist eine ideale Kontrollgruppe häufig nicht zu beobachten. Aufgrund der typischerweise umfangreicheren Anzahl an Beobachtungen lassen sich hier jedoch mit Hilfe moderner ökonometrischer Verfahren (wie z. B. Propensity Score Matching oder Synthetische Kontrollgruppen) Kausaleffekte identifizieren. Feldexperimente hingegen werden gezielt zur Beantwortung einer praxisbezogenen Forschungsfrage gestaltet. Bei dieser Methodik, die sich in den Sozialwissenschaften einer steigenden Beliebtheit und Anwendung erfreut, wird durch systematische Randomisierung eine geeignete Kontrollgruppe generiert und somit eine saubere Kausalanalyse möglich. Beide methodischen Ansätze wahren den starken Bezug zur politischen und wirtschaftlichen Realität, genügen jedoch auch den Ansprüchen wissenschaftlicher Forschung. Sie bieten die Gelegenheit, individuelles Entscheidungsverhalten in einem natürlichen Umfeld und unter einer systematischen Veränderung der Rahmenbedingungen beobachten zu können. Im Vergleich zu einem leicht als Untersuchungsobjekt identifizierbaren Reallabor ist den Beteiligten hier zudem in der Regel weniger bewusst, dass ein wissenschaftlicher Begleitprozess stattfindet.

Aktuelle GAIA Ausgabe mit Beiträgen zum Thema „Transformation“

Die Zeitschrift GAIA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft enthält in ihrer neuesten Ausgabe einige Beiträge zum Thema Transformation. Dies zeigt, dass das Konzept der „großen Transformation“, wie es vom WBGU im letzten Hauptgutachten in die Debatte eingebracht wurde, von immer mehr WissenschaftlerInnen – zum Teil auch sehr kritisch – als Bezugspunkt der eigenen Arbeit genutzt wird. Die NaWis Runde unterstützt durch eine Mitträgerschaft die GAIA als eine der wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften mit peer-review im Feld der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung.

Adelheid Biesecker und Uta von Winterfeld diskutieren die Frage, ob der Staat oder der Markt der Hauptakteur im Prozess einer „Großen Transformation“ der Gesellschaft sein soll? Und: Welcher Staat und welcher Markt? Sie sind der Meinung, dass eine Transformation Richtung Nachhaltigkeit nicht gelingen kann, wenn alte Rationalitätsmuster – wie die vom starken Staat und vom selbstregulierenden Markt – fortbestehen. Dagegen muss ein demokratischer Prozess stehen, der auf den Fähigkeiten der Bürger(innen) basiert und der emanzipatorische und herrschaftskritische Bewegungen stärkt.

Alte Rationalitätsmuster und neue Beharrlichkeiten. Impulse zu blinden Flecken der Transformationsdebatte (Leseprobe)
Adelheid Biesecker, Uta von Winterfeld
GAIA 22/3 (2013):160-165.
Frank Betker beschäftigt sich mit städtischen Gewerbegebieten und wie hier im Kontext der „Großen Transformation“ Nachhaltigkeit dauerhaft institutionalisiert werden kann. Viele Gewerbegebiete aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind heute sanierungsbedürftig. Gleichzeitig schlummert in ihnen ein großes Potenzial für den Klimaschutz. Um sie erfolgreich zu revitalisieren, braucht es nach Betker neue Governance-Modelle – Gewerbegebietsmanagment und standortbezogene Kooperation der Unternehmen.
Nachhaltigkeit institutionalisieren: ein neuer Gesellschaftsvertrag für städtische Gewerbegebiete (open access)
Frank Betker
GAIA 22/3 (2013):178-186.
Schließlich gibt es einen englischsprachigen Beitrag, der die Wirkung des Filme Machens auf eine nachhaltige Konsumorientierung untersucht:
Harald A. Mieg, Judith Bauer and Stephan Bedenk conducted a field experiment to examine whether filmmaking about sustainable consumption can serve as educational tool and will have an effect on students‘ personal behavior. The answer is twofold. Yes, making a topical short film about sustainable consumption subsequently influenced personal behavior. However, it is easier to increase political commitment than to change personal consumption patterns.
Being Moved by Moving Images: The Influence of Filmmaking on Sustainable Consumption Patterns
Harald A. Mieg, Judith Bauer, Stephan Bedenk
GAIA 22/3 (2013):187-194.

Konferenzbericht zur Tagung „Neue Governance der Wissenschaft“ am 10./ 11. Oktober im WZB Berlin

Mandy Singer-Brodowski Mandy Singer-Brodowski

Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt


Die Tagung „Neue Governance der Wissenschaft“ war von ca. 70 TeilnehmerInnen besucht und stellte einen Abschluss der gleichnamigen BMBF-Förderinitiative dar. Die Vorstellung der 13 Forschungsprojekte, die auch in dem Sammelband „Neue Governance der Wissenschaft – Evaluation, externe Anforderungen, Medialisierung“ ausführlich beschrieben sind, stand daher auch im Mittelpunkt. Sie stellen den State-of-the-Art der Wissenschaftsforschung in Deutschland dar. Insgesamt gab es eine Vielfalt von Projekten, die teilweise erstaunlichen Bezug zu den Themenstellungen einer Nachhaltigen Wissenschaft hatten. Im Rahmen des folgenden Konferenzberichts sollen einige Vorträge mit besonderem Bezug zu den sonstigen Beiträgen im Blog kurz vorgestellt und einige weiterführende Gedanken ausgeführt werden. Das komplette Programm der Tagung sowie Hintergrund-Informationen zur Förderinitiative können hier eingesehen werden.

Das Konzept der Governance ist zunächst eine sozialwissenschaftliche Perspektive, die die Interdependenzen und das Zusammenspiel, sowie die Aushandlungsprozesse verschiedener gesellschaftlicher Akteure beschreibt. Im Vergleich zu anderen politikwissenschaftlichen Analyse-Rahmen steht in der Theorie der Governance der handelnde Akteur im Mittelpunkt. Mit dem Schwerpunkt der „externen Anforderungen“ wurden in den vorgestellten Governance-Projekten nun vor allem die nationalen und internationen Trends, die auf Forschungseinrichtungen einwirken sowie deren „Reaktion“ darauf diskutiert. Diese enspringen zum einen aus neuen Steuerungsmodellen in der Hochschulpolitik („New public management“) und zum anderen aus gesellschaftlichen Megatrends, wie der Medialisierung, also der zunehmenden Durchdringung wissenschaftlicher und medialer Wissensgenerierung.

Prof. Dr. Bogumil skizzierte in dem ersten Vortrag „Zwischen Selbstverwaltung und Managementmodell“ die Ergebnisse einer quantiativen Untersuchung über den Implementationsstand neuer Steuerungsinstrumente in allen deutschen Universitäten aus der Perspektive vieler hochschul-interner Akteure (PräsidentInnen, KanzlerInnen, DekanInnen und ProfessorInnen). Die Implementierung der neuen Steuerungsinstrumen ist überraschend weit – so der Bochumer Hochschulforscher – geht jedoch mit  hohen Transaktionkosten und einem signifikanten Administrationsaufwand einher, woraus die Forderung einer Nachsteuerung entsteht.

Diskussionsbeitrag: Plädoyer für eine Bürgeruniversität – Beitrag von Uwe Schneidewind in der Deutschen Universitätszeitung

Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt

Genauso wie die Gesellschaft differenziert sich auch das Wissenschaftssystem weiter aus. Dabei brauchen gerade moderne Gesellschaften den Blick auf das Ganze mehr denn je. Die Idee der „Bürgeruniversität“ könnte nicht nur die gesellschaftliche Entwicklung, sondern auch die künftige Wissensproduktion beleben.

Der Wissenschaftsrat hat in diesen Tagen seine Empfehlungen zu den „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ vorgelegt. Ausdifferenzierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese Differenzierung ist längst in vollem Gange. Die Hochschulrektorenkonferenz zerfällt immer mehr in eine Sammlung von Subgruppen, die großen Wissenschaftsgemeinschaften bringen sich mit jeweils individuellen Profilen in die anstehenden Verteilungskämpfe für die Wissenschaftsetats ein.

Was hier im Wissenschaftssystem passiert, hat seine Parallelen in der gesellschaftlichen Entwicklung: Immer höhere Spezialisierung von Wirtschaft, Politik und Medien führt zu deren vermeintlich höherer Produktivität, lässt sie aber in ihrer Eigenlogik erstarren: Wirtschaftskrisen, Politikverdrossenheit und Medienverarmung sind die Folge. Die gesellschaftliche Systemtheorie suggeriert uns, es könne nicht anders sein. Aufgeklärte Gesellschaftsentwürfe setzen dem die Vision einer „Bürgergesellschaft“ (Ulrich Beck u.a.) entgegen: Reintegration der Gesellschaft durch verstärktes bürgerschaftliches Engagement.

Gerade die Universität könnte der zentrale Ort einer solchen Bürgergesellschaft sein. Sie könnte Gesellschaft, Wissenschaft und Politik in neuer Weise aufeinander beziehen. Sie könnte die „Reflexive“ in sich einer zunehmend fragmentierenden und orientierungslos werdenden Gesellschaft sein. Doch von solchen Visionen ist wenig zu spüren in der aktuellen hochschulpolitischen Debatte. Es dominiert das Schachern um Anteile des Kuchens von Exzellenz- und Studierenden-Aufwuchsmitteln und das Ringen um möglichst hohe Anerkennung in den wissenschaftsinternen Reputationssystemen.

Die Unzufriedenheit mit den Hochschulen nimmt daher zu: von engagierten Studierenden, die keine Antworten auf die Fragen bekommen, die sie in die Hochschule geführt haben; von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die den Eindruck haben, Wissenschaft kümmere sich nur um selbst gesteckte Fragen und um die mit Drittmitteln ausgestatteten Themen der Wirtschaft. Und selbst die Politik wird unruhig – erste Landesregierungen wie in Baden Württemberg oder in Nordrhein Westfalen verordnen nach einer langen Phase der Autonomievergrößerung dem Wissenschaftssystem eine stärkere Ausrichtung an den großen gesellschaftlichen Fragen.

ZEIT-Dossier zur „gekauften Wissenschaft“ – ein Kommentar

In ihrer Print-Ausgabe vom 01.08.2013 hat die ZEIT ein dreiseitiges Dossier dem Thema „Die gekaufte Wissenschaft“ gewidmet. Dieses Dossier liegt jetzt auch online auf der Internetseite der Zeit vor. Uwe Schneidewind kommentiert den ZEIT-Artikel.
Im Beitrag thematisiert die ZEIT die immer stärkere Einflussnahme der Wirtschaft auf die Wissenschaft – über Forschungsprojekte, Stiftungsprofessuren und weitere Formen des Sponsoring. 2011 flossen demnach 1,8 Milliarden Euro von Firmen und wirtschaftsnahen Stiftungen an die Hochschulen in Deutschland. Das Zeit-Dossier – mit vielen plastischen Beispielen – ist insofern eindrucksvoll als dass deutlich wird, wie die starke wirtschaftliche Einflussnahme auf den Wissenschaftsprozess immer stärker als Problem wahrgenommen wird. In den Lösungsvorschlägen bleiben die Autor(inn)en Kerstin Kohlenberg und Yassin Masharabash eher schwach. Der Einflussnahme durch die Wirtschaft wird das Idealbild des unabhängigen Wissenschaftlers entgegengestellt. Dies kann aber nur ein Teil der Lösung sein. Denn -wie im Artikel herausgearbeitet- ist eine zentrale Frage, welche Forschungsfragen überhaupt untersucht werden. Hierauf wird insbesondere von der Wirtschaft Einfluss genommen. Eine alleinige Entscheidung dieser Frage durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führt jedoch im Wissenschaftsbetrieb beobachtbar oft zu einem anderen Extrem : (methodischen) Glasperlenspiele ohne Relevanz. Eine wirklich „freie“ Wissenschaft verläuft daher nicht entlang einer Linie „Unabhängig“ vs. „von Wirtschaft beeinflusst“, sondern braucht eine möglichst große Pluralität der Einflüsse. D.h. neben durch Wissenschaft alleine bestimmte Themen der Grundlagenforschung sollte die Anwendungsforschung ihre Impulse sowohl von der Wirtschaft als auch von anderen gesellschaftlichen Interessengruppen wie Umweltverbänden, Kirchen oder Gewerkschaften erhalten. Dafür sind die Voraussetzungen zu schaffen und die liegen bisher kaum vor.

Vgl. auch zur Fehlwahrnehmung: „Bedeutet die Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen das Ende der Wissenschafts- und Forschungsfreiheit“.

Zukunftspakt ohne Nachhaltigkeit – BUND veröffentlicht Stellungnahme zu Wissenschaftsrat-Empfehlungen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) hat eine Stellungnahme zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrates vom 15.7.2013 veröffentlicht. Er begrüßt die prinzipielle Stärkung des Wissenschaftssystems, wie es der Wissenschaftsrat vorgeschlagen hat. Dennoch spielen aus Sicht des BUND Themen der Nachhaltigen Entwicklung und die gesellschaftliche Verantwortung des Wissenschaftssystems eine zu geringe Rolle. Mit der Veröffentlichung einer Stellungnahme zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrates demonstriert der BUND die anhaltenden Forderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen für eine Wende in der Wissenschafts- und Forschungspolitik. Bereits im Jahr 2012 hatte er eine Diskussionspapier „Nachhaltige Wissenschaft“ in die Debatte eingebracht.

Die vollständige Stellungnahme kann hier heruntergeladen werden.

Wissenschaftsrat legt „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ vor – aus Sicht einer gesellschaftsorientierten Wissenschaft eine Enttäuschung

Der Wissenschaftsrat hat am heutigen Montag offiziell seine Empfehlungen zu den „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ vorgestellt. Sie waren vom Wissenschaftsrat am Freitag in Braunschweig nach einem langen Diskussionsprozess verabschiedet worden. Hochschulrektorenkonferenz und Leibniz-Gemeinschaft begrüßen das „gelungene Ensemble gut abgestimmter Maßnahmen, die das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt stärken werden“ und fühlen sich durch die Empfehlungen „bestätigt und gestärkt“.

Aus der Sicht einer gesellschafts-orientierten Wissenschaft enttäuschen die Empfehlungen. Zwar werden im Analyseteil mit dem Titel „Wissenschaft im Kontext des beginnenden 21. Jahrhunderts“ neben der „Globalisierung“, der „Beschleunigung“,  der „Demographie“, der „Innovationsfähigkeit“ und dem „Investitionsbedarf“ unter dem Punkt „Komplexität“ (S. 20) auch die „großen gesellschaftlichen Herausforderungen“ und die Bedeutung der Wissenschaft zur ihrer Bewältigung angesprochen. In den weiteren Empfehlungen findet dies aber keinen Niederschlag.

Letztlich sind die Empfehlungen durch ein reines „Weiter so!“ geprägt – eben nur auf möglichst besserer finanzieller Basis. Dies gilt insbesondere für die beiden neuen vorgeschlagenen Förderinstrumente: (1) die Merian-Professuren und (2) die Liebig-Zentren. Merian-Professuren sollen 200-250 besonders gut ausgestattete (ca. 1 Mio. Euro pro Jahr) Professuren sein, die Schwerpunktbereiche in Universitäten stützen. Liebig-Zentren sollen ein neues Instrument der strukturellen Schwerpunktbildung werden. Gedacht ist an rund 50 Liebig-Zentren, die mit durchschnittlich 8 Mio. Euro pro Jahr gefördert werden sollen.

Hinter diesen Instrumenten verbergen sich faktisch nur Ansätze zur Verstetigung der Finanzierungen aus der Exzellenzinitiative. Die Chance, mit der Einrichtung dieser Förderansätze auch wissenschaftspolitisch neue Akzente auszulösen, wird in den Empfehlungen nicht angenommen. So würde sich das Instrument der Merian-Professuren geradezu anbieten, eine bestimmte Zahl gezielt transdisziplinär forschender Professorinnen und Professoren prominent an Hochschulen zu verankern. Ähnliches gilt für Liebig-Zentren. Hier sollten eine Reihe von Liebig-Zentren aufgesetzt werden, die transdisziplinäre, gesellschaftsorientierte Ansätze in vorbildlicher Weise umsetzen.

Neben der Perspektiven-Arbeitsgruppe hat der Wissenschaftsrat im Jahr 2012 auch eine Arbeitsgruppe zur Frage der „Bedeutung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen“ für das Wissenschaftssystem eingesetzt. Sie wird voraussichtlich Ende des Jahres 2013 ihre Empfehlungen vorlegen. Es ist zu hoffen, dass mit den Ergebnissen dieser Arbeitsgruppe die „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“ etwas weiter gedacht werden als im am Freitag verabschiedeten Perspektivpapier.

Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Gewerkschaften intensivieren

Kritische und Arbeitnehmerorientierte Wissenschaft hat in Zeiten der Drittmittelorientierung in der Forschungslandschaft einen schwierigen Stand – zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht der Gemeinsamen Arbeitsstelle Ruhr-Universität Bochum / IG Metall für 2012. Aus diesem Grund wird in dem Bericht für eine verstärkte strukturierte Kooperation zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt in Form von gemeinsamen Kooperationsstellen plädiert. Die aktuell 23 gewerkschaftlichen Kooperationsstellen an deutschen Hochschulen können dabei ein exzellentes Beispiel für eine intensivere Partizipation der Zivilgesellschaft im Wissenschaftssystem sein. Sie „sind Orte für die Suche nach wissenschaftlichen Fragestellungen, für eine an Nachhaltigkeit und an sozialem Ausgleich orientierte Forschung und für Impulse in Lehre und wissenschaftlicher Weiterbildung“ (Jahresbericht der Gemeinsamen Arbeitsstelle Ruhr-Universität Bochum / IG Metall, S. 4).

Der ganze Bericht kann hier heruntergeladen werden.

 

Science about & for Sustainability – Empfehlungen der UNESCO im Kontext Nachhaltiger Wissenschaft

Die UNESCO setzt sich zunehmend für eine Wissenschaft über und für Nachhaltigkeit ein – dies wird im aktuellen Newsletter der UNESCO Wissenschaftsprogramme deutlich. Thematisiert werden hier auch instittutionelle Veränderungen, die im Wissenschaftssystem notwendig sind um eine Wissenschaft über Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Im Mai hielt ein Mitglied des Fachausschusses Wissenschaft der Deutschen UNESCO Kommission (DUK) einen Vortrag zum Thema „Das europäische Wissens- und Fortschrittsmodell: Am Ende oder am Anfang?“ auf der DUK-Hauptversammlung.

Darüber hinaus wird auf eine Initiative Japans „Sustainability Science“ international als neues strukturierendes Element der Wissenschaftsprogramme der UNESCO eingeführt. Anfang April organisierte die UNESCO dazu eine internationale Tagung „A science based approach to realise the future we want for all“ in Kuala Lumpur/ Malaysia, auf der eine erste Operationalisierung dieses Vorschlag versucht wurde. Die zehn Empfehlungen, die auf der Konferenz veröffentlicht wurden, können Sie hier herunterladen.

AG Hochschule veröffentlicht neue Broschüre zu Institutionalisierung und Implementierung von Nachhaltigkeit

Die 2.000.000 Studierenden im deutschen Hochschulsystem mit Bildung für nachhaltige Entwicklung zu versorgen, stellt das vorhandene Lehrpersonal vor eine große Herausforderung. Aber auch auf anderen Ebenen muss Nachhaltigkeit in die Hochschulen getragen werden. Die Broschüre der AG Hochschule der UN-Dekade stellt zahlreiche Best-Practice-Beispiele aus Lehre, Forschung und Betrieb vor.

Unter Chefredaktion des Sprechers der AG Hochschule, Prof. Georg Müller-Christ, wurde die Publikation „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ grundlegend überarbeitet und erweitert. In Interviews und eigenen Beiträgen berichten Nachhaltigkeitsakteure an Hochschulen aus der Praxis an Hochschulen in Deutschland sowie dem europäischen Ausland und liefern „Ideen zur Institutionalisierung und Implementierung“. Der Weg vom Projekt zur Struktur ist zwar noch weit. Allerdings: „Wer gute, adaptierbare Ansätze für die Forschung, die Lehre und die nachhaltige Organisation von Hochschulen sucht, wird hier fündig, stellt Prof. Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade in seinem Vorwort fest. Denn das Heft bietet ebenfalls umfangreiche Listen erfolgreicher Projekte.“

Quelle: www.bne-portal.de

Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ zum Thema Transformative Wissenschaft

Ökologisches WirtschaftDie aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Ökologisches Wirtschaften (herausgegeben vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung e.V.) widmet sich der aktuellen Debatte zu den Möglichkeiten und Grenzen transformativer Wissenschaft. Zwei Jahre nach Veröffentlichung des WBGU Gutachtens wird damit die wissenschaftspolitische Dimension der „Großen Transformation“ zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen. In den Beiträgen der AutorInnen werden unterschiedliche Bezüge zum Leithema hergestellt: das neue Feld der Transformationsforschung, der Beitrag der Wirtschaftswissenschaften oder die Technikfolgenabschätzung als Vorreiter einer Transformativen Wissenschaft. Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe kann hier eingesehen werden.

Forschung geht uns alle an: Veröffentlichung der Kernforderungen der zivilgesellschaftlicher Organisationen

Die großen deutschen Umweltverbände BUND, DNR und NABU fordern eine nachhaltige Wissenschaftspolitik. Im Rahmen der gestrigen Tagung der Plattform „Forschungswende“ zur Transparenz und Partizipation in der Wissenschafts- und Forschungspolitik veröffentlichten die Verbände einen gemeinsamen Forderungskatalog der organisierten Zivilgesellschaft.

Der Zehn-Punkte Katalog wurde mit Verbänden und Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit und dem kirchlichen Umfeld sowie studentischen Netzwerken entwickelt und bis Mai 2013 von 17 Organisationen unterzeichnet. Die Forderungen reichen von der stärkeren Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Formulierung von Forschungsfragen und -programmen bis hin zur Ermöglichung eines freien Zugangs zu Forschungsergebnissen. In einem Pressehintergrundgespräch stellten die Präsidenten der drei initiierenden Organisationen den Forderungskatalog vor.

Die anschließende Tagung ermöglichte über 100 BesucherInnen ihre Fragen an VertreterInnen des BMBF, der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften und auch einiger Stiftungen zu stellen. Auf der Tagung wurde vor allem die Frage diskutiert wie die Wissenschaft zu einer Gemeinwohlorientierung beitragen kann und welche Instrumente zur Beteiligung der organisierten Zivilgesellschaft im Wissenschaftssystem geeignet sind (bspw. die Beteiligung von VerbändevertreterInnen in den Aufsichtsräten der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften oder Projekte zur Förderung eines Capacity Buildings innerhalb der Verbände). Diese Konkretheit zeigt dabei eine echte Entwicklung innerhalb der Debatte um ein neues Zusammenspiel von Wissenschaft und Zivilgesellschaft, indem nicht zuletzt die Wissenschaft selbst profitiert. Denn die Kritik und Forderungen der zivilgesellschaftlichen Verbände befördern eine permanente Reflexion aktueller Schwerpunkte und Entwicklungen in der Forschungsfärderung und damit auch die Innovationsfähigkeit im Wissenschaftssystem.

Der Forderungskatalog der zivilgesellschaftlichen Verbände kann hier heruntergeladen werden.

Hochschulrektorenkonferenz greift in Jahresversammlung die Energiewende auf

Auch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) positioniert sich aktiv in der Forschung zur Energiewende. Auf ihrer Jahresversammlung in Nürnberg nahm das Thema Energiewende eine zentrale Rolle ein. HRK-Präsident Horst Hippler betonte, dass „bei der Energiewende nicht nur Natur- und Ingenieurwissenschaften gefordert seien sondern auch die Wirtschafts-, Rechts-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Die Fragen der Energiewende müssten im interdisziplinären Verbund angegangen werden.“ Er betonte weiterhin, dass die notwendigen Veränderungs- und Umstellungsprozesse „nur zum Erfolg führen können, wenn die Wissenschaft und damit die Hochschulen maßgeblich beteiligt werden. Die Hochschulen seien in der Forschung gefordert und müssten das notwendige Personal auf die neue Herausforderung vorbereiten.“
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Damit bringt sich die HRK aktiv in die Debatte über die Rolle der Wissenschaft bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen ein – und setzt einen Akzent der Hochschulen neben den bestehenden prominenten Positionierungen der Helmholtz-Gemeinschaft (Helmholtz 2020), der Technikakademie Acatech und weiterer Wissenschaftsorganisationen. Es wird interessant zu sehen sein, wie die Hochschulen jenseits schon bestehender Pioniereinrichtungen die notwendigen inter- und transdisziplinären Strategien künftig umsetzen.
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Mehr können Sie in der idw-Pressemeldung erfahren: http://idw-online.de/de/news533016

Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen? Diskussion im Deutschlandfunk

Am 26.04.2013 fand im Rahmen des „Hochschulquartetts“ im Deutschlandradio Kultur eine interessante Diskussion zur Rolle der Helmholtz-Gemeinschaft im künftigen Wissenschaftssystem statt: „Hochschulquartett: Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen?“.
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Die Helmholtz-Gesellschaft hatte mit ihrem Positionspapier „Helmholtz 2020“ im Sommer letzten Jahres eine umfassende Themenführerschaft für die Forschung zu den „großen Herausforderungen“ angemeldet und damit bereits heftige Kritik ausgelöst. Als Zusammenschluss verschiedener Institute erforscht die Helmholtz-Gemeinschaft „Systeme hoher Komplexität unter Einsatz von Großgeräten und wissenschaftlichen Infrastrukturen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern.“ (Mission der Helmholtz-Gemeinschaft, S. 4). Mit dem Anspruch einer transformativen Wissenschaft für gesellschaftliche Herausforderungen ist dieses Profil nur bedingt zu vereinen.
In der Sendung des Deutschlandfunkes diskutieren Prof. Walter Rosenthal von der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dietmar Harhoff, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation, Prof. Dieter Lenzen, Präsident Universität Hamburg sowie Prof. Josef Pfeilschifter, Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes. Auch wenn die zivilgesellschaftliche Perspektive und die neue Debatte um eine Transparenz und Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Forschung in der Debatte weitgehend ausgeblendet blieben, so gibt die Diskussion doch einen guten Einblick in die Konfliktlinien im klassischen Wissenschaftssystem.

Die Sendung ist abrufbar unter: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturgespraech/2079488/