Schleswig-Holstein: Über die Meeresforschung den globalen Wandel verstehen

Trotz seiner geringen Größe und schwierigen finanziellen Situation des Landes schnitten die Schleswig Holsteiner Universitäten bei der Exzellenzinitiative sehr gut ab: Mit zwei Exzellenzclustern und einer Graduiertenschule war die Universität Kiel neben Bremen die erfolgreichste norddeutsche Universität. Daneben gelang der Universität Lübeck die Einwerbung eines Exzellenzclusters im Bereich der Medizininformatik.

Das besondere des Kieler Erfolges: Mit dem Cluster „Ozean der Zukunft“ zur Meeresforschung wurde eines der wenigen Cluster mit unmittelbaren Nachhaltigkeitsbezug bewilligt, das in sich auch interdisziplinäre Bezüge trägt (z.B. enge Zusammenarbeit mit der Ökonomie). Schleswig Holstein besitzt hier in der Kombination der Universität und der angesiedelten außeruniversitären Einrichtungen (IFM Geomar, Institut für Weltwirtschaft) einen prominenten Nachhaltigkeitschwerpunkt. Dazu kommen relevante Forschungspotenziale zu regenerativen Energien (u.a. an der Universität Flensburg), die eng gekoppelt sind mit der wirtschaftlichen Bedeutung, die insbesondere die Windindustrie für Schleswig Holstein bedeutet.

Kurzum: Lauter Argumente für eine noch aktivere Nachhaltigkeitsausrichtung für die Schleswig-Holsteinische Wissenschaftspolitik!

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Hamburg: Potenziale – versunken in Konflikten?

Hamburg wäre eigentlich ein idealer Standort für eine nachhaltigkeits-orientierte Wissenschaftsstrategie: Weltweit führend in der Klimaforschung (und hier auch mit einem Exzellenzcluster an der Universität Hamburg ausgezeichnet), zudem viele wissenschaftliche Potenziale, die die globale Vernetzung der Hafenstadt Hamburg spiegeln – von Afrikastudien bis zur globalen Logistik. Zudem verfügt die Stadt mit der neu gegründeten Hafen City University (HCU) über eine der wenigen deutschen Universitäten, die sich konsequent an einem inhaltlichem Schwerpunkt (den Perspektiven und der Entwicklung von Metropolen) ausrichtet ist und dieser Schwerpunkt mitten im Kern der Nachhaltigkeitsfrage liegt.

Jedoch leidet die Stadt seit vielen Jahren unter Konflikten, die ihr Potenzial erheblich schwächen – Konflikten innerhalb der Universität, die erst vor wenigen Monaten im erzwungenen Rücktritt der Präsidentin gipfelten, Rivalitäten zwischen den unterschiedlichen Hochschulen , und Streitpunkten zwischen Hochschulen und Landesregierung.

Gerade für einen schwarz-grünen Senat würden in einer zukunftsgewandten Entwicklung des Wissenschaftsstandortes interessante Potenziale zur Profilierung des Landes Hamburg liegen. Es ist zu hoffen, dass dies in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen gelingt.

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Bremen: Bremen Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Ballast?

Bremen war der große Überraschungskandidat der ersten Runde der Exzellenzinitiative: Da stand die ehemalige „rote Kaderschmiede“ kurz davor in den Kreis der deutschen Eliteuniversitäten zu gelangen. Auch wenn es am Ende knapp nicht zur Förderung Zukunftskonzeptes gereicht hat, so war die Universität Bremen mit einem Exzellenzcluster und zwei Graduiertenschulen neben Kiel und Göttingen die erfolgreichste norddeutsche Universität im Wettbewerb.

Das Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule sind in der weltweit führenden Bremer Meeresforschung angesiedelt – einem für den Klimawandel wichtigsten globalen Öko-Systeme. Mit dem Alfred Wegener Institut (AWI) verfügt das Land zudem über eines der weltweit führenden außeruniversitären Institute in der Meeresforschung. In den letzten Jahren wurde der Bereich der Windenergiewirtschaft und –forschung konsequent in Bremen ausgebaut und war die Entscheidung der Bundesregierung, Bremerhaven in enger Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Hannover im Rahmen des Aufbaus eines neuen Fraunhofer-Institutes zum zentralen nationalen Windenergieforschungsstandort zu machen, nur konsequent. An der Universität Bremen wird die naturwissenschaftlich und technische Forschung dabei schon lange mit sozialwissenschaftlichen Bezügen verknüpft – hier hilft Bremen, dass es auch einer der führenden sozialwissenschaftlichen Forschungsstandorte ist – ebenfalls ausgezeichnet mit einer Graduiertenschule.

Dazu kommen in Bremen zwei Fachhochschulen (die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremen), in denen Fragen der Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre schon lange eine wichtige Rolle spielen. Die private Jacobs University, Deutschlands einzige Privat-Universität mit einer signifikant ausgebauten Ingenieurwissenschaft und enger Kooperationspartner der Universität Bremen in der Exzellenzinitiative, überlegt aktuell, ihr Wissenschaftsprofil noch konsequenter an den zentralen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten.

All das kombiniert mit einem rot-grünen Senat, in dem u.a. auch ein profilierter Umweltwissenschaftler als Senator sitzt, müssten Bremen eigentlich zur Wissenschaftshauptstadt der Nachhaltigkeit in Deutschland machen. Doch ein zu offensives Bekenntnis dazu gibt es nicht. Steckt die unbegründete Sorge dahinter, plötzlich als die „grüne Kaderschmiede der Republik“ stigmatisiert zu werden?

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Berlin: Wo bleibt die Nachhaltige Politische Kraft der Universitäten?

Berlin hat mit der FU Berlin, der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin drei große Universitäten, deren Politik und Management der letzten Jahre insbesondere durch massive Einsparprogramme gekennzeichnet waren – Folge des überschuldeten Landeshaushaltes der Bundeshauptstadt. Proaktive Wissenschaftspolitik fällt dadurch alles andere als leicht, Rivalitäten um knappe Ressourcen sowie Dauerkonflikte mit der Landesregierung, insbesondere dem Finanzsenator prägen dann schnell das Bild eines Wissenschaftsstandortes.

Dabei sind die Universitäten und Hochschulen in hohem Masse potent, mit der FU Berlin war eine der Berliner Universitäten als Eliteuniversität erfolgreich, insgesamt gingen vier Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen an die Berliner Universitäten.

Gerade für die Wissenschaftseinrichtungen in der Bundeshauptstadt ist das Vorleben einer gesellschaftsoffenen und –orientierten Wissenschaft eine besondere Herausforderung. Im Themenfeld „Nachhaltigkeit“ sind die Voraussetzungen in Berlin dafür durchaus sehr gut. Die Technische Universität Berlin hat die meisten ihrer Forschungsschwerpunkte in Themenfeldern unmittelbarer Nachhaltigkeitsrelevanz (Energie, Wasser, Verkehr/Mobilität, Gestaltung von Lebensräumen, Ernährung/Gesundheit). Mit freien Instituten wie dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem IZT oder Ecologic sitzen wichtige ökologische Vordenkereinrichtungen der freien Institutslandschaft in Berlin, mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Mitglied der Leibnizgemeinschaft) das der führenden Wirtschaftsinstitute mit einer profilierten umweltwirtschaftlichen Abteilung. Einige der Berliner Fachhochschulen wie die FHW oder FHTW waren früh Vorreiter der Ökologie- und Nachhaltigkeitsdebatte und mit privaten Hochschulen wie der Hertie School of Governance verfügt Berlin über weltweit führende Wissenschaftseinrichtungen für die globale politische Steuerung, die zunehmend von Nachhaltigkeitsthemen bestimmt ist.

Die Wissenschaftslandschaft der Bundeshauptstadt bringt mithin alles mit, um eine nationale Politik wissenschaftlich zu unterstützen, die den Anspruch erhebt, international in Nachhaltigkeitsfragen federführend zu sein. Dazu sollte sich die Berliner Wissenschaftspolitik noch aktiver bekennen.

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Mecklenburg-Vorpommern: Meer und Ökosystemforschung in schwierigem Umfeld

Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in keiner leichten hochschulpolitischen Situation: Bei einem äußerst angespannten Landeshaushalt besitzt es mit Greifswald und Rostock zwei der traditionsreichsten deutschen Universitäten in räumlicher Nähe, die beide zudem über eine eigene Universitätsmedizin verfügen.

In den letzten Jahren ist es in Greifwald und Rostock gelungen, den Anspruch, breit aufgestellte Volluniversität zu sein, abzuschwächen zugunsten einer Herausbildung von übergreifenden Schwerpunkten. Nachhaltigkeits-orientierte Themen spielen dabei eine wichtige Rolle. So hat die Universität Rostock ihre gesamte Forschung in drei interdisziplinären „Profillinien“ organisiert, von denen die Linien „Maritime Systems“ sowie „Aging Science and Humanities“ viele Nachhaltigkeitsbezüge aufweisen. In Greifswald ist die Ökosystemforschung in hohem Maße interdisziplinär aufgestellt und vereint z.B. das „Institut für Botanik und Landschaftsökologie“ Arbeitsgruppen aus der Biologie, der Ökonomie und der Umweltethik.

Die Leitfunktion, die der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbezug bei der Herausbildung von universitätsweiten Schwerpunkten an den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern hat, gilt es durchaus noch deutlicher bundesweit herauszustellen und damit die entsprechenden Prozesse an den Universitäten selber zu stärken.

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Brandenburg: Advanced Studies als Motor?

Für das Land Brandenburg ist der Wissenschaftsstandort Potsdam von zentraler Bedeutung. Neben der Universität selber befindet in Potsdam eine große Zahl bedeutender nationaler außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Alle profitieren von der Nähe zur Bundeshauptstadt und deren Wissenschaftseinrichtungen. Die Universität Potsdam hat diese Potenziale erkannt und setzt mit dem „Potsdam Research Network (PEARLS)“ auf eine Netzwerkstrategie der Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen.

Mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eines der weltweit führenden und hoch interdisziplinär arbeiten Forschungsinstitute im Feld der Klima- und Nachhaltigkeitsforschung vertreten. Das im Jahr 2009 gestartete und von der Bundesregierung geförderte „Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS)“ unter Leitung von Klaus Töpfer soll zum Think-Tank für die globalen Vordenker von Nachhaltigkeitsstrategien werden. Damit befinden sich zwei der Leuchtturminstitutionen der deutschen Nachhaltigkeitsforschung in Brandenburg.

Und auch über Potsdam hinaus finden sich Nachhaltigkeitsansätze in der brandenburgischen Wissenschaft. Die Fachhochschule Eberswalde hat sich in Ihrer Leitorientierung der „Nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes“ verpflichtet und kann als eine der führenden Nachhaltigkeits-Fachhochschulen in Deutschland gelten. Die TU Cottbus hat zentrale Schwerpunkte in der Energie- und Umweltforschung und dort auch ihren einzigen Sonderforschungsbereich angesiedelt („Strukturen und Prozesse der initialen Ökosystementwicklung in einem künstlichen Wassereinzugsgebiet“).

Durch seine Leuchtturminstitutionen hat Brandenburg mithin heute schon eine führende Stellung in einer nachhaltigkeits-orientierten Wissenschaft. Dieses „Pfund“ sollte das Land noch aktiver spielen, gerade weil es in den letzten beiden Runden der Exzellenzinitiative leer ausgegangen ist.

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Sachsen: Flagschiff ohne Kontext

Von den neuen Bundesländern erzielte Sachsen das beste Ergebnis in der Exzellenzinitiative. So gewann die TU Dresden jeweils ein Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule, nach Leizpzig ging eine Graduiertenschule. Beide großen Universitäten des Landes Sachsen sind „klassisch“ aufgestellt, Fragen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung nur von vereinzelter Bedeutung.

Dadurch bestehen auch wenige Anknüpfungspunkte zum eigentlichen Flagschiff der sächsischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, dem Umweltforschungszentrum Leipzig. Als Institut der Helmholtz-Gemeinschaft mit ca. 900 Mitarbeitern ist es mit die bedeutendste Umweltforschungseinrichtung in Deutschland und verfügt neben seinen vielen naturwissenschaftlich-technischen Arbeitsgebieten auch über eine große sozialwissenschaftliche und ökonomische Arbeitsgruppe. Seine Vernetzung ist auch weit über das Bundesland Sachsen hinaus angelegt, was auch durch die Außenstandorte in Halle und Magdeburg zum Ausdruck kommt.

Eine sächsische Perle einer sehr international ausgerichteten Umweltforschung ist das 1993 mit universitären Status eingerichtete Internationale Hochschulinstitut Zittau (IHI), das sowohl in Forschung als auch in Lehre vielfältige umwelt- und nachhaltigkeitsbezogene Schwerpunkte mit seinen mitteleuropäischen Partnerinstituten betreibt.

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Sachsen-Anhalt: Zu klein für Sustainability?

Gerade die kleinen neuen Bundesländer stehen vor dem Problem, überhaupt eine ausreichend leistungsfähige Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur in ihren Bundesländern bereitszustellen. Dies nimmt dann schnell auch die Möglichkeiten für eine landesweite thematische Profilbildung, da insbesondere in der Ausbildung eine gewisse Breite der Grundversorgung sichergestellt sein muss. Sachsen-Anhalt ist ein Beispiel für eine solche Konstellation. Keine der beiden Universitäten Magdeburg und Halle konnte sich mit einem Antrag in der Exzellenzinitiative durchsetzen. Bei den Schwerpunktbereichen der Hochschulen in Sachsen-Anhalt spielen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte kaum eine Rolle, andere Themen dominieren.

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Thüringen: Energie und Nachhaltigkeit nur im Grenzbereich

Das Land Thüringen positioniert sich als ein dynamischer Technologiestandort, die Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade um die Universitäten Jena und die TU Ilmenau herum ist ein umfassender Technologietransfer entstanden. Auch wenn Umwelttechnologien einen Baustein in dieser Strategie darstellen, sind diese Themenfelder nicht dominant. Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsherausforderungen könnte dieses Themenfeld an Bedeutung gewinnen und würde auch Integrationsmöglichkeiten in die nicht technischen Bereiche der thüringischen Wissenschaftslandschaft bieten.

Die Fachhochschule Nordhausen zeigt dabei in einem vom Stifterverband ausgezeichneten Konzept, wie man durch intelligente Kooperation über die Ländergrenzen hinweg (hier mit der TU Clausthal in Niedersachsen) zu größeren Verbünden in der Umwelt- und Energieforschung kommt.

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Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ von Rolf Kreibich

Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin hat ein pointiertes Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ vorgelegt. Rolf Kreibich ist Mitglied der „Gruppe 2004“ und Mit-Autor des Memorandums „Die Hochschule neu denken“ aus dem Jahr 2004. Mit seinem Diskussionsbeitrag entwickelt er einige der Ideen des Memorandums provokant weiter. Insbesondere seine Ideen zur (Re-) Demokratisierung der Hochschulen, um gesellschaftlichen Herausforderungen besser gerecht zu werden, sind lesens- und diskussionswert.