Best Practices transdisziplinärer Forschung in Deutschland

Was sind die besten Beispiele und Projekte transdisziplinärer Forschung in Deutschland? Auch wenn inzwischen eine Reihe von Fallbeispielen transdisziplinärer Forschung dokumentiert und analysiert sind, gibt es bisher wenig Austausch über beispielgebende Projekte. Geben Sie unter „Kommentare schreiben“ einen Hinweis auf ein aus ihrer Sicht vorbildliches, interessantes oder lehrreiches transdisziplinäres Projekt, von dem andere lernen können!

Zurück zum Thema „Transdisziplinäre Forschung – Quo vadis?“ geht es hier.

Positionen der Parteien zu BNE

Das bne-portal, die offizielle deutsche BNE-Institution im Web, hat CDU/CSU, SPD, FDP, die Grünen und die Linke um ihre Positionen für eine „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) gebeten. Insbesondere ging es um den Stellenwert der „UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien. Die Antworten bleiben etwas abstrakt. Es wird deutlich, dass noch einiges an Vermittlungsarbeit geleistet werden muss, um die Bedeutung von BNE für das deutsche Bildungssystem griffig zu transportieren. Insbesondere der Hochschulbereich kommt kaum vor. Aber erfreulich ist, dass sich alle Parteien klar zu BNE bekennen.

Die Positionen finden sich unter: http://www.bne-portal.de/coremedia/generator/unesco/de/03__Aktuelles/12__Bundestagswahl/Bundestagswahl_202009.htm

CHE-Tagung „Corporate Governance – (k)ein Thema für Hochschulen?“

Am 16./17.11.09 führt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zusammen mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen eine Tagung zum Thema „Hochschul-Governance“ durch. In der Tagung geht es um die Frage, wie koordinierte Steuerungsmöglichkeiten für Hochschulen aussehen können, um zu gewährleisten, „dass möglichst positive und nachhaltige Wirkungen in die Gesellschaft erzielt werden“. Die Tagung erweitert damit den Blick auf die Steuerung von Hochschulen in interessanter Weise. Auch für die Frage, wie eigentlich die Governance einer „Nachhaltigen Hochschule“ aussehen kann, lassen sich aus der Tagung vermutlich interessante Anregungen ziehen. Ein interessanter Referent(inn)en-Kreis verspricht spannende Impulse. Weitere Informationen zur Veranstaltung unter http://www.che-concept.de/cms/?getObject=250&getLang=de&strAction=programm&PK_Veranstaltungen=208.

16 für einen nachhaltigen Streich – eine Übersicht über die Nachhaltigkeitsorientierung in den Wissenschaftssystemen der 16 Bundesländer

Das Weblog „Nachhaltige Wissenschaft“ greift in regelmäßigen Abständen Schwerpunktthemen auf. Im ersten „Schwerpunkt“ geht es um den Stand einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in den 16 deutschen Bundesländern. Die Ausdifferenzierung des deutschen Wissenschaftssystems fordert nicht nur die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen heraus, sich zu positionieren. Auch jede Landesregierung als die zentrale wissenschafts- und hochschulpolitische Instanz steht vor der Frage, mit welcher Form der Wissenschafts- und Hochschulpolitik sie ihr Land fit für das 21. Jahrhundert macht.

Der Aufbau transdisziplinärer Wissenschaftsstrukturen und die Ausrichtung an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen kann dabei eine interessante Option sein, um im Profilwettbewerb der Länder den eigenen Wissenschaftsstandort für zukünftige Studierende und Wissenschaftler(inn)en attraktiv zu halten. „Nachhaltigkeit“ als ein übergeordnetes Wissenschaftsleitbild mit einem hohen Integrationspotenzial bietet hier vielfältige Chancen. Die Ausrichtung am Leitbild einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft hat alle Ingredienzien für eine zukunftsweisende Wissenschaftspolitik: Sie kann bestehende Forschungsspitzen aufgreifen und sie in einen gesellschaftlich relevanten Kontext einbetten, sie stärkt die gesellschaftliche Vermittlung von Wissenschaft, fördert die Integration zwischen Disziplinen und Hochschulen (insbesondere auch von unterschiedlichen Hochschultypen) sowie anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie integriert auf überzeugende Weise Forschung und Lehre. Der Blick auf die 16 Bundesländer zeigt, dass einige für eine solche Strategie hervorragende Voraussetzungen besitzen.

Die folgenden Blog-Beiträge zu den einzelnen Bundesländern sind bewusst kurz und provokant verfasst. Allein die Idee, dass einzelne Bundesländer ihre Wissenschaftspolitik an einzelnen gesellschaftlich relevanten Leitthemen ausrichten, ist an sich schon diskussionswürdig. All dies soll Sie zu Ergänzungen und Kommentierungen anregen.

Neben unmittelbaren Kommentierungen zu den einzelnen Beiträgen („Kommentar schreiben“) sind zu dem Thema ganz herzlich auch Gastbeiträge eingeladen. Wenn Sie einen eigenen Weblog-Beitrag zu Ihrem Bundesland oder der Diskussion insgesamt verfassen möchten, dann wenden Sie sich an die Weblog-Administration, damit Ihnen die entsprechenden Rechte eingerichtet werden. Wir freuen uns besonders über Beiträge mit kontroversen Positionen oder solchen, die neue Blicke auf die Debatte werfen.

Leiten Sie den Link auf die Weblog-Diskussion gerne an andere hochschulpolitisch interessierte Akteure in ihrem Umfeld weiter, um die Diskussion für einen breiten Kreis von Diskutaten zugänglich zu machen.

Hier die Übersicht über die Beiträge zu den einzelnen Bundesländern:
o Baden-Württemberg: „Erdrückt von Exzellenz“
o Bayern: „Wüste jenseits der TU München?“
o Berlin: „Wo bleibt die nachhaltige politische Kraft der Universitäten?“
o Brandenburg: „Advanced Studies als Motor?“
o Bremen: „Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Balast“
o Hamburg: „Potenziale – versunken in Konflikten“
o Hessen: „Ein Ökosystem spannender Davids“
o Mecklenburg-Vorpommern: „Meer- und Ökosystemforschung in schwierigem Umfeld“
o Niedersachsen: „Federführende Rolle mit fehlender politischer Integration“
o NRW: „Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung“
o Rheinland Pfalz: „Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld“
o Saarland: „Voran mit externer Förderung“
o Sachsen:“Flagschiff ohne Kontext“
o Sachsen-Anhalt: „Zu klein für Sustainability?“
o Schleswig Holstein: „Über die Meeresforschung den globalen Wandel verstehen“
o Thüringen: „Energie und Nachhaltigkeit nur im Grenzbereich“

Bayern: Wüste jenseits der TU München?

Transdisziplinarität und Nachhaltigkeitsorientierung spielen bisher keine wirklich wichtige Rolle in der bayrischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik. Es ist das Flagschiff der bayrischen Universitäten, die TU München, die auch in diesem Feld die prominentesten Zeichen setzt. Mit dem Campus Weihenstephan (Land- und Ernährungswissenschaft) sowie dem von der TU München mit initiierten Wissenschaftszentrum Straubing (Nachwachsende Rohstoffe) existieren zwei integrierte Standorte, die zeigen, wie zu ökologisch relevanten Themen disziplinen- und institutionen-übergreifend gelehrt und geforscht werden kann..

Daneben gibt es einzelne Ansätze zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen auf hohem wissenschaftlichen Niveau – z.B. die Afrikaforschung in Bayreuth, die Arbeiten zu nachhaltiger Chemie an der Universität Regensburg oder das Engagement mehrerer Fachhochschulen in diesem Feld, ohne dass jedoch eine der Institutionen dies zu einem prägenden Strategieelement gemacht hätte. Gerade angesichts des „München-Bias“ in der bayrischen Wissenschaftspolitik liegt eventuell gerade hier ein spannendes Potenzial für einzelne der mittelgroßen Universitäten außerhalb Münchens – wenn nicht die „Unternehmeruniversität TU München“ mit ihrem „entrepreneurial spirit“ auch die gesellschaftlichen Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts wissenschaftlich früh besetzt.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.

Baden Württemberg: Erdrückt von Exzellenz

Baden Württemberg ist als der eindeutige Sieger aus der Exzellenzinitiative vorgegangen. Vier der neun gekürten Eliteuniversitäten stammen von hier (Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Heidelberg). Angesichts dieser geballten Kraft klassischer wissenschaftlicher Exzellenz, haben es Perspektiven einer eher thematischen Ausrichtung des Wissenschaftssystems schwer – auch wenn an vielen der ausgezeichneten Universitäten starke Bereiche einer mindestens interdisziplinären Umweltforschung (z.B. am KIT, Karlsruhe oder dem Zentrum für Erneuerbare Energie (ZEE) an der Universität Freiburg) präsent sind.

Einige kleinere Hochschulen (z.B. die vom Stifterverband ausgezeichnete Fachhochschule Rottenburg) nutzen dies für ganz bewusste Nischenstrategien. Mit dem Öko-Institut Freiburg verfügt Baden Württemberg zudem über die Pionierinstitution im Bereich der nachhaltigkeits-orientierten freien Forschungsinstitute.

Man wird in den kommenden Jahren sehen, ob es bei solchen Nischenstrategien bleibt oder Baden-Württemberg außer Hochdeutsch wirklich alles kann – eben auch seine Spitzenforschung noch stärker auf die gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen des 21. Jahrhunderts hin auszurichten.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.

Rheinland-Pfalz: Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld

Rheinland Pfalz tut sich nicht leicht mit seiner hochschulpolitischen Positionierung. Die Ergebnisse der Exzellenzinitiative haben ernüchtert. Gerade zu einer Graduiertenschule an der Universität Mainz hat es gereicht. Wäre da eine stärkere gesellschaftsorientierte Ausrichtung des Wissenschaftssystems nicht eine interessante Alternative?

Einige „Perlen“ dafür besitzt das Land. Dazu gehört an prominenter Stelle der Umweltcampus Birkenfeld der Fachhochschule Trier unter Beteiligung der Universität Trier. Und auch in der TU Kaiserslautern spielen Nachhaltigkeitsbezüge über Fachgrenzen hinweg eine zentrale Rolle. Zudem hat sich die TU Kaiserslautern mit ihrem deutschlandweit führenden Weiterbildungangeboten schon früh gesellschaftlichen Belangen geöffnet.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.

Hessen: Ein Ökosystem spannender Davids

Das wissenschaftliche Machtzentrum Hessens pocht in seinem Süden: Das bundesweit beachtete Autonomiemodell „TU Darmstadt“ und das Projekt der „Stiftungsuniversität Frankfurt“ haben die wissenschaftspolitische Kulisse Hessens in den letzten Jahren geprägt. Von den anderen hessischen Universitäten beeindruckte insbesondere die Universität Giessen in der Exzellenzinitiative mit dem Gewinn eines Exzellenzclusters und einer Graduiertenschule (und war damit ähnlich erfolgreich wie Frankfurt und Darmstadt). Zudem erregte hier die Zusammenlegung und Privatisierung der Universitätskliniken Giessen und Marburg Aufsehen.

In dieser Kulisse klassisch wissenschaftlicher Goliaths hat sich eine aus Nachhaltigkeitsperspektive erfreuliche kleine Schar von „Davids“ herausgebildet. Bei den Universitäten gehört dazu an vorderster Front die Universität Kassel, die seit 2004 eine prononcierte Umweltstrategie verfolgt und dafür sogar eine eigene Vizepräsidentenposition geschaffen hat. Zudem verfügt Hessen über bundesweit führende freie Forschungsinstitute im Feld: dazu gehören neben dem Öko-Institut Darmstadt insbesondere das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) – eine der Vordenker-Institutionen für die Standards transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland.

Auch wenn eine Nachhaltigkeitsausrichtung (trotz einiger interessanter Potenziale gerade an der TU Darmstadt und der Universität Frankfurt) auch mittelfristig keine dominante Strategie für Hessen werden wird, so wäre es in jedem Fall eine Chance, die interessanten Pionier-Institutionen in Hessen auch im Rahmen der prononcierten Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung im Blick zu behalten.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.

Saarland: Voran mit externer Förderung

Das Saarland ist das Bundesland mit der kleinsten Hochschullandschaft aller Bundesländer. Verstärkt durch seine Randlage erfüllen die wenigen Hochschulen zudem einen wichtigen allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsauftrag, der eine inhaltlich zu begrenzte Ausrichtung verbietet.

Im Hinblick auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung verfügt das Land aber mit der in Saarbrücken ansässigen ASKO-Europa-Stiftung (hervorgegangen aus der Metro-Gruppe) über einen der bundesdeutschen wichtigen privaten Motoren für eine stärkere Nachhaltigkeits-Orientierung im Wissenschaftssystem. Ein konkretes Ergebnis ist die im Jahr 2009 eingerichtete Nachhaltigkeits-Stiftungsprofessur der Stiftung an der Universität Saarbrücken. Dass aktuell einer der deutschland-weit führenden Umweltpsychologen die Uni Saarbrücken führt verspricht zudem Offenheit für eine weiteren Ausbau des Themas. Angesichts der Saarbrücker Stärken in der Informatik wäre z.B. Fragen einer „Nachhaltigen Informationsgesellschaft“ ein spannender Themenkandidat für ein Bundesland, das sich gerade im industriestrukturellen Wandel befindet.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.

NRW: Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung

Als größtes Bundesland verfügt Nordrhein-Westfalen auch über die größte und ausdifferen-zierteste Landschaft an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland. Neben der im technischen Bereich dominierenden RWTH Aachen (der einzigen in der Exzellenzinitiative ausgezeichneten „Eliteuniversität“ in NRW) sind die fachlichen Schwerpunkte und Profilspitzen relativ gleichmäßig über das Bundesland verteilt. Allein schon aufgrund der Masse der Wissenschaftseinrichtungen existiert eine umfassende Wissenschaftssubstanz auch in Nachhaltigkeits-relevanten Themenfeldern: Dazu gehört z.B. eine profilierte (regenerative) Energieforschung (z.B. an der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich).

Keine der vielen Hochschulen in NRW hat jedoch bisher eine Umwelt- oder Nachhaltigkeitsorientierung zu einem dominanten Strategieschwerpunkt gemacht – auch wenn es an einzelnen Universitäten dazu erste Ansätze gibt, wie z.B. an der Universität Duisburg-Essen (bei der eines der Präsidiumsmitglieder, Prof. Ute Klammer, aktuell auch Mitglied des deutschen Nachhaltigkeitsrates ist).

Angesichts der existierenden Substanz in NRW könnte das Land –auch wenn eine solche Ausrichtung für so großes Bundesland keine dominierende Prägung des Wissenschaftssystem sein kann – durch noch bessere Vernetzung eine führende Rolle nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft in Deutschland spielen. Auch über die prädestinierten Vordenker- und Vernetzer-Institutionen für eine solche Vision- wie z.B. das Wuppertal-Institut für Umwelt, Energie und Klima verfügt NRW längst.

Die 2009 gestartete „Bonn Sustainability Alliance“ (wissenschaftliche insbesondere durch die FH Bonn Rhein-Sieg getragen) zeigt, dass auch andere Akteure in NRW in Richtung einer solchen Vernetzung denken.

Kommentieren Sie den Beitrag! Zurück zum Übersichtsbeitrag über alle Bundesländer geht es hier.