Hochschulen in der Autonomiefalle?

Hochschulen haben heute eine größere Autonomie denn je, nutzen sie jedoch noch zu wenig um an gesellschaftlichen Schlüsselfragen zu arbeiten und damit ihre eigene gesellschaftliche Relevanz deutlich zu machen. Dadurch katapultieren sie sich selbst in eine Autonomiefalle.

„Die mit der Gewährung von stärkerer Hochschulautonomie entwickelten neuen Steuerungsinstrumente (Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Indikator-gesteuerte Mittelzuweisungen, Schaffung von Hochschulräten, Programm-orientierte Hochschulsteuerung)“ (S. 58) gingen „in aller Regel mit einer Schwächung der Selbstverwaltungsgremien zugunsten gestärkter Präsidien und Hochschulräte einher und damit der Gefahr der Schwächung individueller Wissenschafts- und Lehrfreiheit.“ (S. 54)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Kontroverse um Hochschulautonomie findet sich im Buch auf den Seiten 53-60.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Bedeutet die Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen das Ende der Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit?

Die Debatte über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Wird der Inhalt von Forschung durch die Vorgabe „gesellschaftlicher Relevanz“ vorgegeben, so gefährde dies die grundgesetzlich gesicherte Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit – dies ist ein weiteres Bedenken in der Debatte über eine transformative Wissenschaft.

In der Diskussion ist dabei deutlich zwischen der Forschungs- und Lehrfreiheit der einzelnen Wissenschaftlerin/ des einzelnen Wissenschaftlers und der Autonomie der Wissenschaftsinstitutionen, d.h. der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, zu unterscheiden. Gerade die Stärkung der Hochschulautonomie hat in vielen Fällen zur Einschränkung individueller Wissenschafts- und Lehrfreiheit geführt. Die Wettbewerbsorientierung und starke gleichförmige Ausrichtung an engen disziplinären Exzellenzkriterien hat heterodoxe Positionen in vielen Disziplinen komplett aus den Universitäten verdrängt.

Da Hochschulen und Forschungseinrichtungen letztlich immer über die Gesellschaft finanziert waren und in der Vergangenheit zunächst kirchlichen, später staatlichen und heute auch wirtschaftlichen und industriellen Abhängigkeiten ausgesetzt sind, ist eine Pluralisierung der gesellschaftlichen Ansprüche an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen der beste Weg, wirkliche Wissenschafts- und Forschungsfreiheit zu sichern. Genau darauf zielen das Programm einer transformativen Wissenschaft und die Idee einer breiteren zivilgesellschaftlichen Beteiligung.“ (S. 378)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.