Wissen von der Basis für den globalen Wissenschaftsrat für Biodiversität – Plädoyer für ein transdisziplinäres Wissenschaftsverständnis vom neuen Leiter des Museums für Naturkunde in Berlin

Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversität

Die Rettung der Biodiversität ist eine soziale und wissenschaftliche Herausforderung. Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde, spricht sich im neuesten Artikel im renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature“ dafür aus, Wissen von der Basis stärker im globalen Wissenschaftsrat für Biodiversität, IPBES, zu berücksichtigen. „Wenn Menschen die Probleme beim Klimawandel und Biodiversitätsverlust verursachen, dann ist ein Umdenken der Menschen auch der Schlüssel zum Erfolg. Für die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz von IPBES ist es wichtig, dass verschiedene Quellen von Wissen berücksichtigt werden. Dazu gehören nicht nur wissenschaftliche Publikationen in hochrangigen Zeitschriften, sondern auch Erfahrungen und Erkenntnisse normaler Bürger“, so Vogel. „Wir müssen offen sein und neue Wege finden.“

Ein wichtiger Schritt hierfür ist der Ausbau einer Partnerschaft zwischen Forschungseinrichtungen und Bürgern, wo derartige Beziehungen experimentell entwickelt werden können.

Weitere Informationen unter: idw-online.de und biodiversity.de

Leibniz-Gemeinschaft : „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial“

Die im Jahre 1997 aus der 1990 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ hervorgegangene Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich im Vergleich zur Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft durch eine noch größere Vielfalt ihrer 86 Institute (Stand Ende 2009) sowie durch eine sehr viel dezentralere Organisationsform aus. Ihre Einrichtungen sind in den meisten Fällen wissenschaftlich und organisatorisch unabhängig und decken Forschungsfelder von den Naturwissenschaften bis zu den Sozial- und Geisteswissenschaften ab. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeitsforschung setzten daher in den letzten Jahren einzelne Institute Akzente, die sich explizit Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen verschrieben haben. Besonders relevant ist hierbei das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) . Als ein zentraler Akteur der nationalen und internationalen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung deckt es mit seinen Arbeiten die Klimaforschung breit und interdisziplinär ab. Im PIK gibt es neben den naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kompetenzen auch umfassende sozialwissenschaftliche Bezüge. In der Leibniz-Gemeinschaft sind auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute organisiert, die wie z.B. das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim über umfassende umweltökonomische Abteilungen verfügen.

Ausgelöst durch eine in den Jahren 2004/2005 bundespolitisch intensiv geführte Debatte über die Zukunft der Leibniz-Gemeinschaft hat diese unter ihrem Präsidenten Ernst Th. Rietschel erfolgreiche Anstrengungen in der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes sowie der Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft unternommen. Die in einem Strategiepapier ausgearbeitete Vision „Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen“ entwickelt eine umfassende gesellschaftsorientierte Wissenschaftsvision für die Leibniz-Gemeinschaft und fördert Ansätze von disziplinen- und institutsübergreifenden Clusterbildungen, die z.B. in der Biodiversitätsforschung schon erfolgreich umgesetzt sind.

Über das Konzept des Wissenschaftscampus treibt die Leibniz-Gemeinschaft zudem die Kooperation mit Hochschulen voran. Mit Blick auf die Leibniz-Gemeinschaft kann daher festgestellt werden, dass zunehmend nicht nur einzelne ihrer Institute (wie z.B. das PIK) Motor für eine nachhaltigkeitsorientierte Forschung sind, sondern sich die Gemeinschaft insgesamt zu einem wichtigen Dach für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland zu entwickeln verspricht.

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