„Der inkonsequente Reformer“ – Diskussion über Bürgerwissenschaft und Bürgeruniversität in der Deutschen Universitätszeitung (DUZ)

In der August-Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung reagierte Uwe Schneidewind mit einem „Plädoyer für eine Bürgeruniversität“ auf die im Sommer erschienenen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu den „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“. Grundtenor des Beitrages: Hochschulen müssen sich in einer ganz neuen Form gegenüber der Gesellschaft öffnen. Dies hat massive methodische und institutionelle Konsequenzen – in Forschung und Lehre.

Peter Finke, Wissenschaftstheoretiker aus Bielefeld, antwortet in der Januarausgabe der Deutschen Universitätszeitung auf den Beitrag vom August. In seiner Kritik „Der inkonsequente Reformer“ macht er deutlich, dass die Idee einer „Bürgeruniversität“ letztlich noch viel zu eng gedacht ist. Es bedarf vielmehr einer „Bürgerwissenschaft“, die sich heute schon an vielen Orten zeigt und auch über die Ansätze einer „Citizen Science“ hinausweist.

Die DUZ will mit den veröffentlichten Beiträgen eine Plattform für eine breitere Diskussion über „Citizen Science“ schaffen.

„Übernehmt die Verantwortung“ – lesenswerter Denkanstoß im neuen duzMagazin

In der neuesten Ausgabe des duzMAGAZIN (Deutsche Universitätszeitung 10/2010) findet sich ein sehr lesenswerter Denkanstoß von Volker Meyer-Guckel/stellvertretender Generalsekretär und Frank Stäudner/Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vom Stifterververband der Deutschen Wissenschaft, der von der deutschen Wirtschaft getragenen Einrichtung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Sie weisen in dem Beitrag auf die Breite der gesellschaftlichen Aufgaben von Hochschulen hin und bemängeln, dass durch die starke Autonomisierung der Hochschulen „nahezu alle Hochschulen im Wettbewerb auf das gleiche Pferd setzen: … jede Hochschule…definiert sich als exzellente Forschungsstätte“. Indem alle Hochschulen nach einer Rolle streben, verelende letztlich das gesamte System, löse das Hochschulsystem insgesamt seine vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen nicht mehr ein.

Diese Ausdifferenzierungsforderung ist in sich nicht neu. Was den Beitrag von Volker Meyer-Guckel und Frank Stäudner bemerkenswert macht, ist einmal die Breite der gesellschaftlichen Funktionen, die beide in ihrem Beitrag aufzeigen: dies reicht von der Vermittlung anspruchsvoller Bildung, die Förderung alternativer Hochschulzugänge und Weichenstellungen zum gesellschaftlichen Aufstieg über Forschung zur Lösung von Problemen in Wirtschaft und Gesellschaft bis zum Dialog mit der Gesellschaft. Zum anderen legen Meyer-Guckel und Stäudner konkrete Vorschläge zur künftigen Hochschulsteuerung vor, um die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems zu gewährleisten: eine konsequente Weiterentwicklung des Instrumentes der Zielvereinbarungen auf Landesebene, die dazu führen soll, dass in großen Flächenländern die Bandbreite der verschiedenen Hochschulfunktionen wirklich abgedeckt wird und auf Bundesebene die Forderung nach einer stärkeren Koordinationsfunktion der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), um die Funktionsfähigkeit auch über kleine Bundesländer hinweg zu gewährleisten.

Gerade in den politischen Gestaltungsvorschlägen steckt provokanter Diskussionsstoff, weil sie eine Abkehr vom heutigen Verständnis von Hochschulautonomie bedeuten und die Hochschulen stärker in die gesellschaftliche Pflicht nehmen.