Wissenschafts- und Hochschulfreiheit und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen – Videos des Workshops „Autonomie der Hochschulen“ an der Universität Bonn

Wie sich die gesellschaftliche Aufgabe der Wissenschaft und die Autonomie der Hochschulen zueinander verhalten, wird häufig sehr zugespitzt diskutiert. Der Workshop „Autonomie der Hochschulen“ in der Diskussionsreihe „Zur Zukunft der Universität“ hat am 7. Juli 2014 in Bonn das multidimensionale Beziehungsgeflecht von Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und Politik der Wissenschaft beleuchtet. Die Workshop-Beiträge sind als Videos im YouTube-Kanal der Universität Bonn verfügbar. Darunter auch der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Schneidewind „Wissenschafts- und Hochschulfreiheit und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen – Liebes- oder Konfliktbeziehung?“ sowie seine anschließende Diskussion mit Prof. Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die per Video aufgezeichneten Vorträge und Diskussionen können über die Veranstaltungs-Seite der Universität Bonn angesehen werden.

DFG- Sackgasse für transformative Forschung?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist als Selbstorganisation der deutschen Wissenschaft aktuell kein Impulsgeber für eine transformative Wissenschaft. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche Öffnungstendenzen es im Hinblick auf eine Missions- sowie eine stärkere Gesellschaftsorientierung bei der DFG gibt:

„Die Förderung erfolgt insbesondere für Forschungsansätze und Zugänge, die im aktuellen Wissenschaftssystem etabliert und dadurch in den bestehenden Gutachtergremien repräsentiert sind. Dies sichert einen hohen Qualitätsstandard im Hinblick auf die bestehenden Formen der Forschung, verringert in der Regel jedoch die Erfolgschancen für neue und daher noch nicht in gleicher Weise qualitätsgesicherte Forschungsparadigmen – wie es die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt. Sowohl die Ergebnisse der Exzellenzinitiative als auch das Spektrum der geförderten koordinierten Forschungsverbünde und der Anträge der Einzelförderung zeigen dies“ (S. 148).

Eine detailliertere Darstellung der Anknüpfungspunkte an eine transdisziplinär ausgerichtete und Transformationsprozesse begleitende Forschungsförderung in der DFG findet sich im Buch auf den Seiten 148-150.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

DFG fördert Forschungskolleg zu Postwachstumsgesellschaften

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit 6 Millionen Euro eine sozialwissenschaftliche Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit dem „Festtag der Jenaer Soziologie“ am 26. Januar nahm die Forscher_innengruppe unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Dörre ihre Arbeit auf. Die Initiatoren begründen die Beantragung des Kollegs mit weltweiten Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und sich verschärfende soziale Ungleichheiten. Diese Herausforderungen führen zu einem Ende des Wachstumskapitalismus und benötigen daher die sozialwissenschaftliche Erforschung von Alternativen. Das – auf 6 Jahre ausgelegte – Kolleg, ist das bislang erste und einzige DFG-geförderte Kolleg dieser Art und kann, laut Prof. Dr. Klaus Dörre, als Ritterschlag bezeichnet werden.

Qualität statt Quantität – Positionspapier der Jungen Akademie ist auch ein gutes Signal für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ein Positionspapier „Qualität statt Quantität – auch in Berufungsverfahren“ vorgelegt, in dem sie die neuen Regeln der DFG auf Beschränkung der Publikationszahlen im Rahmen von Forschungsanträgen begrüßt und entsprechende Regeln auch bei Berufungsverfahren einfordert. Diese Orientierung an „Qualität statt Quantität“ bedeutet auch eine Chance für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, weil sie den Blick auf die konkreten Inhalte wissenschaftlicher Arbeiten stärken wird und Anreize dazu schafft, auch komplexere inter- und transdisziplinäre Forschungsvorhaben insbesondere im Kontext einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung zu wagen.