Leistet zivilgesellschaftliche Beteiligung Klientelpolitik Vorschub?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In den Bundestagsdebatten des Wissenschaftsjahres kam der Vorwurf auf, eine Beteiligung von Umwelt- und Sozialorganisationen sowie Kirchen leiste „Klientelpolitik“ im Wissenschaftsbetrieb Vorschub.

Dieser Vorwurf überrascht deswegen, weil heute die Industrie prominent in die Definition von Forschungsprogrammen auf allen Ebenen eingebunden ist, es sogar wissenschaftliche Akademien wie die Akademie für Technikforschung acatech gibt, die gemeinsam von Wissenschaft und Industrie getragen werden. Allein in der Forschungsunion zur Begleitung der Umsetzung der Hightech-Strategie der Bundesregierung kommt auf zehn Vertreter großer Aktiengesellschaften eine VertreterIn einer zivilgesellschaftlichen Organisation. Eine Pluralisierung von Interessen im Wissenschaftsbetrieb ist daher das Gegenteil von Klientelpolitik. Die Erweiterung der Organe zur strategischen Beratung von Forschungsförderung um zivilgesellschaftliche Akteure stellt die demokratisch legitimierte Interessensvielfalt gesellschaftlicher Systeme in der Forschungsförderung sicher. (Vgl. zur Vertiefung: „Zivilgesellschaftsbeteiligung und Forschungsfreiheit“: S. 315 ff.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Braucht wissenschaftliche Politikberatung die eine bündelnde Stimme?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In der Diskussion um eine geeignete Form der Wissenschafts-Gesellschaftskopplung ist immer noch das Bild eines klassischen Kopplungsmechanismus dominant: Auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nach ihren Kriterien Wahrheit ergründet, auf der anderen Seite Politik und Gesellschaft, der dieses Wissen übergeben wird, um darauf aufbauend Entscheidungen zu treffen. Als Mittler sollen wissenschaftliche Akademien fungieren. Seit 2008 besitzt auch Deutschland mit der Nationalen Akademie Leopoldina eine nationale Wissenschaftsakademie mit einem solchen Bündelungsanspruch. In vielen gesellschaftlichen Schlüsselfragen wurden ihr inzwischen entsprechende Aufgaben übertragen.

Doch zeigt sich, dass dieses Modell zu kurz greift. Schon naturwissenschaftliches Faktenwissen unterliegt aufgrund der Komplexität der untersuchten Systeme Unsicherheit. Noch mehr gilt dies im Hinblick auf technologische, ökonomische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Analysen und Szenarien. Beim „Zielwissen“ sind Wissens-Unterschiede in pluralen Gesellschaften konstitutiv. Eine Pluralität von Wissens-Positionen ist daher unhintergehbar. Wissenschaftliche Akademien können daher maximal „Agentur“- Funktionen übernehmen. D.h. sie können Wissenslandkarten unterschiedlicher Wissensstände und Positionen skizzieren. Einrichtungen wie der IPCC oder das Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages haben solche Agenturfunktionen und zeigen, dass eine gesellschaftlich breit akzeptierte Aufbereitung von Wissens-Positionen möglich ist. Hierfür braucht es eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Einbindung der Zivilgesellschaft. (Vgl. zur Politikberatung im Nachhaltigkeitskontext und die Rolle der Akademien die Ausführungen auf S. 63 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Ist Wissenschaft für Nachhaltigkeit normativ?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„Ein Grund der Ablehnung transdisziplinärer und gesellschaftsorientierter Wissenschaft basiert auf ihrer vermeintlichen „Normativität“. Eine „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ beschränkte sich z.B. nicht auf wertneutrale Aussagen, sondern umfasse selber Werturteile, die nur in der Sphäre von Politik und Gesellschaft erfolgen sollten.

Transdisziplinäre Wissenschaft umfasst explizit „Zielwissen“, d.h. Wissen über wünschenswerte Zustände und Zukünfte. Zielwissen beinhaltet Werturteile von betroffenen und gestaltenden Akteuren. Indem Zielwissen explizit gemacht wird, wird es einer wissenschaftlichen Perspektive zugänglich. Es kann z.B. mit systemischem Szenario-Wissen genauso wie mit Begründungswissen für Werturteile verknüpft werden. In transdisziplinären Forschungsprozessen passiert genau das. Zielwissen wird dort von wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Akteuren reflektiert und weiterentwickelt. Vermeintlich wertfreie Forschung z.B. zu Technologien oder ökonomischen Instrumenten enthält eine große Zahl impliziter Werturteile, insbesondere wenn sie in der Gesellschaft zu Anwendung kommt. Dies ist die eigentlich kritische Form einer normativen Wissenschaft. (Vgl. zur Vertiefung: „Erweiterte Wissensformen: Vom System- zum Ziel- und Transformationswissens“: S. 69 f.)“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Behindert staatliche Steuerung die Wissenschaft?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„Wer in einer möglichst weitgehenden Hochschulautonomie den zentralen Imperativ für eine qualitätsvolle Hochschulentwicklung sieht, muss jede Form staatlichen Eingriffs als Behinderung empfinden. In der wissenschaftspolitischen Debatte findet sich diese Position prominent vertreten von Hochschulleitungen, aber auch aus dem Bereich der Wirtschaft.

Für einen Sektor, der zu rund 80% öffentlich finanziert wird – wie das bei Hochschulen der Fall ist – birgt eine solche Position Risiken. Es droht eine „Autonomiefalle“. Denn ohne die Möglichkeit der politischen Rückkopplung von Hochschulstrategien droht Legitimations- und damit letztlich auch Finanzierungsverlust. Hochschulen tun daher gut daran, den staatlichen Gestaltungsanspruch als sinnvoll anzuerkennen. Die eigentliche Diskussion sollte um die Form der Umsetzung gehen. Und im Zuge neuer Steuerungsphilosophien liegt diese jenseits bürokratischer Gängelung.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Sichert vollständige Autonomie Forschungsfreiheit und Vielfalt?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Die Sorge um Wissenschaftsfreiheit durch eine stärkere gesellschaftliche Orientierung geht meistens mit einer Erhöhung der vermeintlichen positiven Wirkungen von möglichst weitgehender Hochschulautonomie einher. Diese Position bezieht sich dabei auf die institutionelle Wissenschaftsfreiheit, d.h. die Autonomie von Hochschulen als Institutionen, und wird gerade von Hochschulleitungen gerne vertreten.

Zwar hat die in den letzten gut zehn Jahren eingeräumte Hochschulautonomie die Produktivität der Hochschulen erheblich gesteigert – insbesondere im Hinblick auf die eingeworbenen Drittmittel sowie die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit in Form international gemessener disziplinärer Exzellenz. Gleichzeitig hat eine inhaltliche Ausdifferenzierung gerade im Universitätsbereich kaum stattgefunden. Profilbildungsstrategien von Universitäten erweisen sich heute als weitgehend austauschbar. Die Evaluationen der Exzellenzinitiative haben dies gezeigt. Kleine Fächer, heterodoxe Zentren, umfassende Formen der Inter- und Transdisziplinarität und nicht drittmittelfähige Forschung haben es zunehmend schwerer, sich zu behaupten.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Verdrängt eine transformative Wissenschaft die Grundlagenforschung?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Eine große Sorge vieler Akteure im Wissenschaftssystem ist die Verdrängung von Grundlagenforschung durch die Forderung nach mehr Gesellschaftsorientierung im Wissenschaftssystem. Je nach Schätzung sind in Deutschland und Europa nur rund 10%-15% aller Forschung Grundlagenforschung im eigentlichen Sinne. Die Bewältigung vieler „großer Herausforderungen“ bedarf daher eher einer Ausdehnung von Grundlagenforschung als einer Reduktion. Deswegen hat z.B. die Max-Planck-Gesellschaft als die zentrale deutsche Organisation für Grundlagenforschung erst vor kurzem ein neues „Institut für chemische Energiekonversion“ gegründet, um damit einen Beitrag zur Begleitung der Energiewende zu leisten.

Das Programm einer „transformativen Wissenschaft“ zielt nicht auf eine Rückführung von Grundlagenforschung, es fragt vielmehr nach der Ausrichtung der bestehenden problembezogenen Forschung: Wer ist wie in die Definition anwendungsorientierter Forschungsprogramme einbezogen? Wie lassen sich neben wirtschaftlichen auch weitergehende gesellschaftliche Interessen berücksichtigen? Gibt es das richtige Gleichgewicht von technologischen und nicht-technologischen Lösungsperspektiven? Liegen die geeigneten Ansätze der Wissensintegration vor – zwischen Disziplinen, zwischen Grundlagen- und problembezogener Forschung, zwischen wissenschaftlichem und Akteurswissen? (Vgl. zur vertieften Betrachtung dieser Überlegungen im Buch Transformative Wissenschaft insbesondere die Ausführungen zur „disziplinierten Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“ auf S. 46 ff. sowie zur Max-Planck-Gesellschaft auf den Seiten 180 ff.)“ (S. 377/378).

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Bedeutet die Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen das Ende der Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit?

Die Debatte über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Wird der Inhalt von Forschung durch die Vorgabe „gesellschaftlicher Relevanz“ vorgegeben, so gefährde dies die grundgesetzlich gesicherte Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit – dies ist ein weiteres Bedenken in der Debatte über eine transformative Wissenschaft.

In der Diskussion ist dabei deutlich zwischen der Forschungs- und Lehrfreiheit der einzelnen Wissenschaftlerin/ des einzelnen Wissenschaftlers und der Autonomie der Wissenschaftsinstitutionen, d.h. der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, zu unterscheiden. Gerade die Stärkung der Hochschulautonomie hat in vielen Fällen zur Einschränkung individueller Wissenschafts- und Lehrfreiheit geführt. Die Wettbewerbsorientierung und starke gleichförmige Ausrichtung an engen disziplinären Exzellenzkriterien hat heterodoxe Positionen in vielen Disziplinen komplett aus den Universitäten verdrängt.

Da Hochschulen und Forschungseinrichtungen letztlich immer über die Gesellschaft finanziert waren und in der Vergangenheit zunächst kirchlichen, später staatlichen und heute auch wirtschaftlichen und industriellen Abhängigkeiten ausgesetzt sind, ist eine Pluralisierung der gesellschaftlichen Ansprüche an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen der beste Weg, wirkliche Wissenschafts- und Forschungsfreiheit zu sichern. Genau darauf zielen das Programm einer transformativen Wissenschaft und die Idee einer breiteren zivilgesellschaftlichen Beteiligung.“ (S. 378)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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