Fraunhofer Gesellschaft setzt auf fünf globlale „Fraunhofer Challenges“

In einem umfassenden Prozess hat die Fraunhofer Gesellschaft fünf globale Zukunftsfragen identifiziert, in denen sie die technologische Kompetenz ihrer Institute künftig stärker bündeln möchte:
– Verlustarme Erzeugung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie,
– Bezahlbare Gesundheit,
– Produzieren in Kreisläufen,
– Emissionsarme, zuverlässige Mobilität in urbanen Räumen,
– Erkennen und Beherrschen von Katastrophen.

Diese Herausforderungen dienen der Fraunhofer-Gesellschaft zur Definition künftiger strategischer Projekte. Die Themen ergänzen hervorragend den von der Fraunhofer-Gesellschaft eingeschlagenen Nachhaltigkeitsprozess. Sie decken Nachhaltigkeitsherausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen ab und betten die von Fraunhofer vorangetriebene Technologieentwicklung konsequent in die übergeordneten Herausforderungen ein.

Die Fraunhofer Gesellschaft bündelt die Themen in einem Programm »Märkte für Übermorgen« und fördert die Projekte des Programmes mit insgesamt 33 Millonen Euro.

Weitere Informationen unter http://idw-online.de/de/news422212

Fraunhofer-Gesellschaft startet umfassende Nachhaltigkeitsinitiative

Der Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft hat ein internes Projekt mit über 1,1 Mio € zur Implementierung eines Nachhaltigkeitskonzeptes in der Fraunhofer-Gesellschaft bewilligt. Das Konzept baut auf den Aktivitäten des im Dezember 2009 offiziell gegründeten „Fraunhofer Netzwerkes Nachhaltigkeit“, dem insgesamt 18 Fraunhofer-Institute angeschlossen sind, auf. Das jetzt vom Vorstand bewilligte interne Projekt „Strategie Nachhaltigkeit“ startet im November 2010 und läuft bis zum Oktober 2011. Seine Ziele sind:
o die Fraunhofer-Gesellschaft an den Zielen einer »Nachhaltigen Entwicklung« zu orientieren,
o die Fraunhofer-Gesellschaft durch konkrete Handlungsstrategien und daraus resultierende Innovationsprozesse zu stärken,
o die Fraunhofer-Gesellschaft als Dienstleisterin für Nachhaltigkeitsstrategien von Industrie, Politik und Gesellschaft zu positionieren sowie
o Zukunftsthemen -auch mit Blick auf Entwicklungs- und Schwellenländer- für die Fraunhofer Gesellschaft zu identifizieren, die neue Beiträge zu einer »Nachhaltigen Entwicklung« liefern.

Das Projekt teilt sich in drei Teilprojekte „Leitbild und Strategie“ (Koordination Fraunhofer IGB/Stuttgart ; Prof. Dr. Thomas Hirth, Dr. Johanna Leissner), „Nachhaltige Forschungs- und Geschäftsprozesse“ (Fraunhofer UMSICHT/Oberhausen, Jürgen Bertling, Markus Hiebel) und „Forschung für Nachhaltigkeit“ (Fraunhofer ISI/Karlsruhe, PD Dr. Rainer Walz).

Weitere Informationen zur Initative und zum Netzwerk gibt es hier oder bei: Johanna.leissner@zv.fraunhofer.de

Damit positioniert sich die erste der großen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften prominent im Themenfeld Nachhaltigkeit – ein weiterer wichtiger Impuls zur Entwicklung der Wissenschaftslandschaft in Deutschland.

Nachhaltigkeit in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften, d.h. die Helmholtz- Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft stellen eine zentrale Säule des deutschen Wissenschaftssystem dar. Über 6 Mrd. Euro werden in den Instituten der Gemeinschaften für Forschung ausgegeben. Die Max Planck-Gesellschaft ist im wesentlichen auf Grundlagenforschung hin orientiert. 

In der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und in der Fraunhofer-Gesellschaft spielt eine inter- und teilweise transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung aber eine Rolle. Die Motorfunktion, die diese Wissenschaftsgemeinschaften bei der weiteren Etablierung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung haben könnten, wurde lange Zeit von diesen nur bedingt eingelöst. Seit wenigen Jahren ist aber in den Wissenschaftsgemeinschaften beim Thema Nachhaltigkeitsforschung Bewegung entstanden. Die folgenden pointierten Beiträge kennzeichnen den Stand der Nachhaltigkeitsforschung in den drei Wissenschaftsgemeinschaften und gehen auf ihre diesbezüglichen Zukunftsperspektiven ein. Ein weiterer Beitrag zeichnet das Bild einer möglichen zukünftigen Vorreiterrolle der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften auf dem Weg zu einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in Deutschland:
o Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung
o Leibniz-Gemeinschaft: „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial
o Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
o Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“

Mit einem Geschäftsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Euro gehört auch die Fraunhofer-Gesellschaft zu den großen, weltweit agierenden deutschen Forschungsorganisationen. Sie ist das Dach von rund 60 Fraunhofer-Instituten, in deren Zentrum der Forschung der (industrielle) Anwendungsbezug steht. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den anderen Forschungsgemeinschaften hohen Drittmittelanteil, der fest zur Programmatik der Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Er hat erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen Felder, die von den Instituten bearbeitet werden.
So ist die Fraunhofer-Gesellschaft prominent an der von der Bundesregierung initiierten Hightech-Strategie beteiligt, für die in Deutschland von 2005 bis 2009 fast 15 Mrd. Euro für Spitzentechnologien bereitgestellt werden. Die Gelder dienen der Verbreitung neuer Technologien in siebzehn Zukunftsfeldern, um insbesondere Forschung und Wirtschaft besser zu vernetzen, damit aus neuen Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die meisten der 17 Zukunftsfelder sind auch Schwerpunkte der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die Arbeit der Fraunhofer-Gesellschaft ist in sieben Forschungsverbünden organisiert: Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Mikroelektronik, Oberflächentechnik/Photonik, Produktion, Werkstoffe und Verteidigungs-/Sicherheitsforschung.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere in der Energieforschung, aber auch in den Feldern der weißen Biotechnologie, der Wassernutzung, nachwachsenden Rohstoffen, der Optimierung von Stoffkreisläufen sowie Recycling-Technologien eine Rolle.

In den meisten Forschungsfeldern und Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft dominiert die technologische Perspektive. Jedoch verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) und insbesondere dem schon 1972 gegründeten Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) über ein Institut mit einer organisationswissenschaftlichen Kompetenz. Das ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Bei der Analyse von Innovationssystemen arbeitet man in hohem Maße interdisziplinär. In insgesamt sieben Competence Centern (Neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und Energiesysteme, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung und Innovation, Innovations- und Technologie-Management sowie Vorausschau) mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern arbeiten rund 160 MitarbeiterInnen. Nachhaltigkeit gehört neben relevanten Teilgebieten wie der Energiepolitik und Energiesystemen explizit zum Arbeitsbereich des Fraunhofer ISI. Zur nachhaltigkeitsorientierten Innovationspolitik sind von dort immer wieder wichtige Forschungsimpulse ausgegangen.

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung des Themenfeldes Nachhaltigkeit hat sich in der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2007 auch eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ gebildet. Über die zukünftige strategische Bedeutung des Themas für die Fraunhofer-Gesellschaft wird derzeit intensiv diskutiert.

Gerade aufgrund der hohen Anwendungskompetenz und der hohen Adaptivität an neue Themen könnte sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu einem wichtigen Motor einer zukünftigen „Nachhaltigen Wissenschaft“ entwickeln – insbesondere in dem Maße, in dem Nachhaltigkeitsfragen für immer mehr Unternehmen und Branchen relevant und damit für eine industriebasierte Drittmittelforschung zugänglich werden.

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Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft haben alle den Anspruch gesellschaftlicher (bzw. wirtschaftlicher) Relevanz in ihrer Mission. Durch ihre Governance-Strukturen sind an der Themenfindungen der Forschung auch Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt. Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in allen drei Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Der Koordinationsgrad im Hinblick auf institutsübergreifende Themen ist unterschiedlich. Bei der Helmholtz-Gemeinschaft ist die übergreifende Programmpolitik am konsequentesten ausgeprägt. So finden sich Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in einzelnen Gemeinschaften (Helmholtz) prominent bei den übergreifenden Programmen und Schwerpunkten, bei der Leibniz-Gemeinschaft verortet in einzelnen Instituten, seit kurzem jedoch auch in der Gesamtvision und einzelnen integrierten Themenfeldern. Die Gemeinschaften liefern unterschiedliche Beispiele für die mögliche Integration nicht naturwissenschaftlich-technischer Kompetenz in ihr Arbeit.

Ihre Größe und wissenschaftliche Potenz würden den Wissenschaftsgemeinschaften die Möglichkeit geben, eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung noch sehr viel stärker zu fördern und zu einem nationalen „Capacity-Building“ für diese Form der Forschung beizutragen. Und das in einem Ausmaß, das von einzelnen Hochschulen oder einzelnen wissenschaftlichen Instituten nicht geleistet werden kann.

Beispiele für einen solchen Kapazitätsaufbau sind:
o die Initiierung transdisziplinärer Forschungsprojekte in komplexen Nachhaltigkeitsfragen,
o die Integration transdisziplinärer Forschungselemente in bestehende Großforschungsstrukturen (Exzellenzcluster, Knowledge Innovation Clusters (KICs),..),
o der Aufbau von Karrierepfaden für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftler(innen),
o die Qualifizierung von Wissenschaftler(innen) und Gutachter(innen) in den Qualitätskriterien transdisziplinärer Methoden
o der Aufbau transdisziplinärer Infrastrukturen wie Journals, Panels, Preise,
o die Vernetzung mit führenden internationalen Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung,
o die wissenschaftspolitische Lobby-Arbeit zur Stärkung transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem insgesamt.

Es wäre erfreulich, wenn sich die Dynamik zu mehr transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften fortsetzt und diese einen Beitrag zu dem o.g. Kapazitätsaufbau leisten würden.

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Transdisziplinäre Forschung – Quo vadis?

Für eine nachhaltige Wissenschaft spielt der Ansatz der „Transdisziplinarität“ eine zentrale methodische Rolle. Transdisziplinäre Forschung nimmt ihren Ausgangspunkt von gesellschaftlichen Problemen, bearbeitet sie disziplinenübergreifend und bezieht betroffene Akteure ein. Ergebnis ist ein „sozial robustes Wissen“ über Ziele, Systemzusammenhänge und insbesondere Transformationsprozesse. Im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung sind solche gesellschaftlichen Transformations-herausforderungen von zentraler Bedeutung. Vom Umbau des Energiesystems über neue Mobilitätsstrukturen bis zur Neugestaltung urbaner Räume reichen die Gegenstände der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung.

Trotz der Bedeutung transdisziplinärer Forschung steht sie im Wissenschaftssystem erst am Anfang:

  • Es fehlen noch etablierte Qualitätskriterien und -sicherungsmechanismen für transdisziplinäre Forschung.
  • In den bestehenden disziplinären Scientific Communities gibt es wenig Anerkennung für transdisziplinäre Forschung.
  • Bei DFG-Begutachtungen -sowohl für Einzelanträge als auch für Forschergruppen, Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereiche fallen transdisziplinäre Anträge daher häufig durch die (diszplinären) Raster.
  • Bei den Ergebnissen der Exzellenzinitiative sah es ähnlich aus.
    Referierte Journals mit einer explizit transdisziplinären Ausrichtung existieren erst in geringer Zahl.

Im Schwerpunktthema des Monats Oktobers stehen daher Beiträge zur Zukunft der transdisziplinären Forschung in Deutschland im Zentrum des Weblogs. U.a. folgende Fragen sollen diskutiert werden:

1. Was sind „Best Practices“ transdisziplinärer Forschung in Deutschland? Wo haben wir Projekte, die die Ideen einer transdisziplinären Forschung in idealtypischer Weise umgesetzt haben und als Vorbild für andere dienen können?

2. Aktuell gibt es viele Forschungsförderinitiativen, die einen umfassenden Transformationsanspruch haben. Dazu gehören z.B. das Klimzug-Programm des BMBF (zur Entwicklung regionaler Klimaanpassungsstrategien), die Großprojekte zum Ausbau der Elektromobilität in Deutschland oder die neu entstehenden Knowledge Innovation Clusters (KICs) auf EU-Ebene. Trotz ihres inhärent transdisziplinären Charakters spielen transdisziplinäre Methoden in diesen Verbünden bisher keine wirkliche Rolle. Was kann getan werden, um diese Großforschungsverbünde zu Orten auch aktiver transdisziplinärer Methodenentwicklung und -anwendung zu machen?

3. Was sind die aktuell besten Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung in Deutschland? An welchen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungemeinschaften wird transdisziplinäre Forschung heute schon praktiziert und aktiv gefördert?

4. Wie messe und bewerte ich hochwertige transdiszipinäre Forschungsarbeit? Wo steht die Kriteriendebatte und Qualtitätssicherung? An welchen Publikationen und Beispielen läßt sich die Einhaltung entsprechender Kriterien besonders gut beobachten und erlernen?

Hinter jeder dieser Fragen steht ein kurzer Einleitungsbeitrag (Klicken Sie auf die rot hinterlegte Schrift). Sie sind herzlich eingeladen, diese Beiträge zu kommentieren und zu ergänzen. Auf diese Weise soll ein virtueller Kompass zur transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland unterstützt werden.