Forschung und Innovation für den Erhalt von Biodiversität und gegen den Hunger

Olaf Tschimpke Olaf Tschimpke
Präsident des NABU
Diskussionbeiträge zur Reihe Transformatives Wissen schaffen

Dr. Steffi Ober Dr. Steffi Ober
NABU

Diskussionbeiträge zur Reihe Transformatives Wissen schaffen

Zuerst erschienen im Gegenblende.

Wie können wir in Zukunft 9,5 Milliarden Menschen ernähren, Hunger und Armut verringern, die ländlichen Räume lebenswert halten, Biodiversität und Gesundheit stabilisieren – und all dies sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig?

Die wesentlichen Einflussfaktoren sind heterogen und komplex, ich werde sie im Folgenden schlagwortartig beleuchten: Wie groß ist die verfügbare Anbaufläche für Nutzpflanzen? Können wir degradierte Flächen, die heute nicht in der Produktion sind, wieder urbar machen? Wie schaffen wir es, neben den Nahrungspflanzen noch Biomasse für Energie und nachwachsende Rohstoffe anzubauen? Wie erhalten wir die völlig unberührte Natur, die Hotspots der Biodiversität, aus denen nichts entnommen und nichts von Menschenhand verändert werden sollte? Dieser Gedanke scheint sich ganz den modernen Anforderungen nach Effizienz und Gewinn zu verweigern. Und doch muss es auch diese Oasen der ungestörten Entwicklung geben, um dem rasanten Verlust der Biodiversität zu begegnen. Wie schwierig es ist, die widerstrebenden Interessen dahinter in Einklang zu bringen, zeigen alle Verhandlungen zur Biodiversität in den letzten Jahrzehnten. Unsere Ernährungsmuster verändern sich weltweit. Der Fleischkonsum zeugt von Wohlstand und wächst mit dem Einkommen. Die Nutztiere mit Soja, Mais und Getreide zu füttern, erhöht den Landverbrauch, da je nach Nutztier drei bis sieben pflanzliche Nahrungskalorien verbrannt werden, um eine tierische Nahrungskalorie zu erzeugen. Welchen Beitrag kann und soll die Pflanzenzüchtung in Zukunft leisten, um mehr Ertrag sicher zu produzieren? Auf welche Pflanzen soll sie setzen und sind wir da in Deutschland und anderswo auf dem richtigen Weg? Welchen Beitrag können gentechnologische Verfahren leisten, die seit zwanzig Jahren als Hoffnungsträger von Wissenschaft, Politik und Industrie hochgejubelt werden?

Viele weitere Faktoren spielen dabei noch eine Rolle, wie die Entwicklung der passenden Agrartechnik; die Stärkung der rechtlichen und sozioökonomischen Situation von Frauen; ein faires und transparentes Bodenrecht; die Bekämpfung der Korruption; die „Governance“ der Länder, (also wie gut ihre Institutionen ausgebildet sind, wie gut sie regiert werden); wie der Zugang zu Wasser gewährleistet ist und welche Zukunftsvorsorge für die Versorgung mit Wasser getroffen wird und so weiter. Um diesen mannigfaltigen Herausforderungen zu begegnen, brauchen wir Forschung und Innovationen, die nicht nur mehr technologische Entwicklung bringen sondern vor allem kulturelle und soziale Innovationen ermöglichen.