Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen? Diskussion im Deutschlandfunk

Am 26.04.2013 fand im Rahmen des „Hochschulquartetts“ im Deutschlandradio Kultur eine interessante Diskussion zur Rolle der Helmholtz-Gemeinschaft im künftigen Wissenschaftssystem statt: „Hochschulquartett: Droht eine Dominanz der Großforschungseinrichtungen?“.
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Die Helmholtz-Gesellschaft hatte mit ihrem Positionspapier „Helmholtz 2020“ im Sommer letzten Jahres eine umfassende Themenführerschaft für die Forschung zu den „großen Herausforderungen“ angemeldet und damit bereits heftige Kritik ausgelöst. Als Zusammenschluss verschiedener Institute erforscht die Helmholtz-Gemeinschaft „Systeme hoher Komplexität unter Einsatz von Großgeräten und wissenschaftlichen Infrastrukturen gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern.“ (Mission der Helmholtz-Gemeinschaft, S. 4). Mit dem Anspruch einer transformativen Wissenschaft für gesellschaftliche Herausforderungen ist dieses Profil nur bedingt zu vereinen.
In der Sendung des Deutschlandfunkes diskutieren Prof. Walter Rosenthal von der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dietmar Harhoff, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation, Prof. Dieter Lenzen, Präsident Universität Hamburg sowie Prof. Josef Pfeilschifter, Vizepräsident des Deutschen Hochschulverbandes. Auch wenn die zivilgesellschaftliche Perspektive und die neue Debatte um eine Transparenz und Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Forschung in der Debatte weitgehend ausgeblendet blieben, so gibt die Diskussion doch einen guten Einblick in die Konfliktlinien im klassischen Wissenschaftssystem.

Die Sendung ist abrufbar unter: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturgespraech/2079488/

Helmholtz-Gemeinschaft: Transformative Forschung als Großforschung?

Die Helmholtz-Gemeinschaft verfügt über ein gut ausgebautes Netzwerk an interdisziplinären Instituten, die in den Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr aufgestellt sind. In ihrem Strategiepapier „Helmholtz 2020“ reklamierte sie ihren Führungsanspruch in der Koordination der Erforschung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, warum dieser Anspruch kontrovers diskutiert werden sollte.

„Das Papier hat (…) bei der Hochschulrektorenkonferenz und anderen großen Forschungsgemeinschaften erhebliche Kritik ausgelöst – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die möglichen finanziellen Konsequenzen und Verteilungsmuster, die eine solche Schlüsselstellung der Helmholtz-Gemeinschaft in der Wissenschaftsfinanzierung ab 2017 auslösen könnte. (…) Durch ihren primär naturwissenschaftlich-technischen Charakter und durch die über die „Großforschung“ definierte Ausrichtung gibt es ausgeprägte Pfadabhängigkeiten in der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Arbeit der Institute der Helmholtz-Gemeinschaft ist stark über die in ihr vorhandenen Großgeräte und die in ihr über teilweise Jahrzehnte herausgebildeten Kompetenzen geprägt. Ein umfassendes Umschwenken auf völlig neue Forschungsausrichtungen, wie es eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt, wird dadurch automatisch erschwert“. (S. 171f.)

Eine ausführliche Darstellung der Helmholtz-Gemeinschaft und eine Diskussion ihres Strategiepapiers findet sich im Buch auf den Seiten 168-173.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Helmholtz-Gemeinschaft verkündet Moratorium für umstrittene Ölsand-Forschung in Kanada

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat sich in ihrem Forschungs-Projekt „Helmholtz-Alberta-Initiative“ selbst ein Moratorium auferlegt. Das Kooperations-Projekt zielt auf die Erforschung umweltverträglicher und energieeffizienter Abbaumethoden von Teersand – eine Ressource, die in der kanadischen Partnerregion in großen Mengen verfügbar ist. Die Förderung und Verarbeitung der Ölsande erzeugt jedoch erheblich mehr klimaschädliche Emmissionen als die Förderung konventionellen Öls – ein Punkt, warum das Projekt von Anfang an in der Kritik von Umweltverbänden stand. Hauptlinie der Kritik war, dass über die Grundfinanzierung der Helmholtz-Allianz durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung deutsche Steuergelder unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit indirekt zur Förderung von umweltschädlichen Abbaumethoden der Ölsande eingesetzt werden – immerhin sollten für das Projekt bis 2016 mehr als sechs Millionen Euro ausgegeben werden. Die Gelder würden jedoch nicht nur zur Forschung über den umweltverträglichen Teersand-Abbau sondern für die Erforschung anderer innovativer Energiegewinnungs-Technologien und die Reinigung bereits verschmutzter Abbaugebiete ausgegeben – so die Replik der Helmholtz-Gemeinschaft.

Jetzt verkündete das beteiligte Umweltforschungszentrums Halle-Leipzig (UFZ) ein Moratorium für ein Teilprojekt der Helmholtz-Alberta-Initiative. Mit diesem Schritt soll dem Verlust von Reputation der wissenschaftlichen Organisation vorgebeugt werden. „As an environmental research centre we have an independent role as an honest broker and doing research in this constellation could have had reputational problems for us, especially after Canada’s withdrawal from the Kyoto Protocol,“ sagt Dr. Frank Messner, Leiter der wissenschaflichen Stäbe des UFZ in der internationalen Presse. Das nun verkündete Moratorium zeigt daher die Wirksamkeit der Kritik von Umweltverbänden, Oppositionsparteien und anderer Wissenschaftsorganisationen. Es macht gleichzeitig eine stärkere Sensibilität für die gesellschaftliche Verantwortung von Forschung innherhalb der Helmholtz- Gemeinschaft deutlich.

Quellen:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/helmholtz-alberta-initiative-raus-aus-dem-oelsand/7960668.html
http://www.euractiv.com/science-policymaking/german-research-institute-pulls-news-518608
http://business.financialpost.com/2013/03/20/german-scientists-quit-oil-sands-research-over-public-climate-concerns/

Die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung“ nimmt Arbeit auf

Unter Leitung von Prof. Dr. Armin Grunwald und Prof. Dr. Ortwin Renn startet in diesen Tagen die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit“ ihre Arbeit. Die Allianz ist auf 5 Jahre ausgelegt und wird von der Helmholtz-Gemeinschaft mit 8,25 Mio. Euro gefördert. Die Federführung der Allianz liegt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Weitere beteiligte Helmholtz-Zentren sind das Forschungszentrum Jülich, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Darüber hinaus arbeiten am Zentrum Wissenschaftler der Universität Stuttgart, der Otto von Guericke Universität Magdeburg, der FU Berlin sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim mit.

Der Schwerpunkt der Arbeit der neuen Allianz liegt an der Schnittstelle zwischen Energietechnik, Planungsverfahren und Verbraucherverhalten. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die aktuelle Transformation des Energiesystems vorwiegend auf regenerative Energiequellen und Energieeffizienz setzt und damit die Energienachfrageseite mehr und mehr in den Fokus von Forschung und Energiepolitik rückt.

Weitere Informationen zur Allianz finden sich unter:
o http://www.helmholtz.de/index.php?id=2270
o Pressemeldung der Universität Stuttgart
o Pressemeldung des Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

White Paper und Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ in der Berlin Brandenburgischen Akademie

Am 13. und 14.07.2010 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie die Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ statt. Rund 200 Teilnehmer suchten nach Perspektiven für eine künftige transdisziplinäre und integrative Wasserforschung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Brückenschlages zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Die Konferenz wurde mit einem White-Paper vorbereitet. Die Wasserforschung erweist sich hier einmal mehr als wichtiger Vorreiter auf der Suche nach geeigneten Formen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft.

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