Anschluss an die Praxis: Leitlinien für die Nachhaltigkeitsforschung

Es gehört zu den Aufgaben der Forschung, Politik in Fragen nachhaltiger Entwicklung mit anschlussfähigem Wissen zu unterstützen. Damit die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Projekten aber auch tatsächlich in die politische Praxis einfließen können, sind anerkannte und verbindliche Leitlinien notwendig. Dies ist ein Ergebnis der Fachtagung „Politikrelevante Forschung für eine nachhaltige Entwicklung – Herausforderungen und Lösungsansätze“ des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts am 18. Juni 2013 in Berlin. Die Tagung war Teil des vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung koordinierten Projekts „Wirkungsvolle Politikberatung durch Nachhaltigkeitsforschung“. In Zusammenarbeit mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) der Freien Universität Berlin haben die beteiligten Expert/innen Anforderungsprofile für eine politikrelevante Nachhaltigkeitsforschung entwickelt.

Verbindliche Leitlinien für Wissenstransfer

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfang Marquardt, betonte in seiner Keynote, dass verbindliche Leitlinien vor allem den Wissenstransfer zwischen Forschung und Politik adressieren müssen. „Dieser Transfer ist als Dialog zu gestalten, und er beginnt bereits bei der Problembeschreibung und Zielbestimmung von Forschung“, so Marquardt. Als Ergänzung zu den etablierten wissenschaftlichen Gütestandards könnten entsprechende Leitlinien zur Verbesserung und Sicherung der Qualität von Nachhaltigkeitsforschung beitragen – eine Funktion, so Marquardt, die auch die vom ISOE mitentwickelten Anforderungsprofile erfüllen.

Partizipatives „Agenda-Setting“ und Referenzprojekte für „gute Nachhaltigkeitsforschung“

Auf der Tagung diskutierten 70 Expertinnen und Experten aus Forschungsförderung, Politik, Verwaltung, Beratungsgremien, Akademien und Forschung darüber, wie Nachhaltigkeitsforschung besser auf den jeweils aktuellen politischen Wissens- und Beratungsbedarf ausgerichtet werden kann. Lösungsvorschläge zielten dabei zum einen auf die Stärkung des partizipativen „Agenda-Setting“ der Forschung, zum anderen auf die Etablierung von Referenzprojekten für „gute Nachhaltigkeitsforschung“. Auch die konsequente Förderung von Dialogaktivitäten sowie die engere Abstimmung zwischen Forschungsförderung und dem politischen Programm innerhalb der Ressorts könnten den Anschluss von Forschungsergebnissen an politisches Handeln optimieren.

Die Ergebnisse der Tagung werden im Abschlussbericht des Projekts dokumentiert, der im Spätsommer veröffentlicht werden wird.

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Mehr zum Projekt

Download (pdf): Politikrelevante Nachhaltigkeitsforschung
Anforderungsprofil für Forschungsförderer, Forschende und Praxispartner aus der Politik zur Verbesserung und Sicherung von Forschungsqualität – Ein Wegweiser

Forschungskonferenz: Klimarobustes und nachhaltiges Deutschland – Wie gestalten wir die Transformation?

Zur Diskussion künftiger Forschungsschwerpunkte lädt das Umweltbundesamt Akteure der Klimaanpassungs- und Nachhaltigkeitsforschung sowie der Forschungsförderung am 11. und 12. Juni 2013 nach Dessau ein.

Dreiklang aus Nachhaltigkeits-, Transformations- und Anpassungsforschung

Die deutsche Klimapolitik zielt sowohl auf die Vermeidung von Treibhausgasen als auch auf die Anpassung an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels. Zudem sind die sozialen und ökologischen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung weiterhin Treiber für zukunftsorientierte Politik und Forschung.

Die diesjährige Forschungskonferenz des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt stellt die Forschung zur Anpassung an den Klimawandel in Bezug zu Zielen und Konzepten einer nachhaltigen Entwicklung und sozial-ökologischen Transformationsprozessen. Im Fokus stehen Verbindungen von Anpassungsforschung, Nachhaltigkeitsforschung und der Forschung für eine „Große Transformation“ (WBGU).

Klimaschutz, Klimaanpassung, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Transformation – Wie können diese Forschungsfelder zukünftig noch stärker verschränkt werden, um Impulse für ein nachhaltiges und klimarobustes Deutschland zu entwickeln?

Die Konferenz bietet einen Rahmen, um u. a. folgende Fragen zu diskutieren und weiter zu entwickeln:
► Wie lassen sich Erkenntnisse aus der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung stärker in der Anpassungsforschung berücksichtigen?
► Was ergibt sich aus der Anpassungsforschung für die Gestaltung nachhaltiger Zukünfte?
► Welche Erkenntnisse lassen sich für erfolgreiche Forschungs- und Politikansätze weiterentwickeln?
► Wie lassen sich Anstöße zur Veränderung der Forschungslandschaft entwickeln?

Interaktives Format – neue Forschungsthemen gemeinsam entwickeln

Diskussion und Austausch sowie die gemeinsame Entwicklung innovativer Forschungsthemen und -fragen stehen im Mittelpunkt der Konferenz. Akteure der Forschung und der Forschungsförderung sind dazu eingeladen, ihr Wissen und ihre Expertise einzubringen, um die zentralen Themen und Fragen für eine nachhaltige und klimarobuste Gesellschaft zu identifizieren.

Die Diskussionen erfolgen in parallelen Arbeitsgruppen. Für die Identifikation der Themen und Leitfragen der Arbeitsgruppen werden die Teilnehmenden bereits bei der Anmeldung aktiv im Rahmen einer Befragung mit einbezogen. Die Ergebnisse der Befragung werden in die Konzeption der Arbeitsgruppen und die Entwicklung von Leitfragen einfließen.

Veranstalter: Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt

Konzeption und Durchführung: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)


Weitere Informationen und Anmeldung

IÖW stellt Grundzüge der „transformativen Forschung“ im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vor

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung war am 13. März 2013 zu einer Anhörung im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses eingeladen, um die Grundvorstellungen der „transformativen Forschung“ darzustellen. Die Grünen im Abgeordnetenhaus hatten die Einladung durch den Ausschuss initiiert. Der Wissenschaftliche Geschäftsführer des IÖW Thomas Korbun ist seit langem wissenschaftspolitisch aktiv und hatte nahegelegt, das Thema in den Ausschuss einzubringen. Die Präsentation vom Leiter des IÖW-Forschungsfeldes Umweltpolitik und Umweltökonomie Ulrich Petschow zum Tagesordnungspunkt „Transformative Wissenschaften – ein zukunftsorientierter Schwerpunkt in Berlin?“ wurde im Ausschuss mit Interesse aufgenommen.

Praxisbeispiele zeigen Relevanz des Themas

Es gab eine Reihe von Nachfragen von den verschiedenen Fraktionen. Die Relevanz des Themas erläuterte Petschow vor allem über Praxisbeispiele sowie über Aktivitäten aus anderen Bundesländern. Ein sehr aktuelles Beispiel aus dem Themenspektrum mit lokalem Bezug ist etwa das Projekt „Klimaneutrales Berlin“. Wie kann die Stadt es schaffen, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden? Diese Frage, die derzeit von einem Projektkonsortium unter Beteiligung des IÖW im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt untersucht wird, sei ein Paradebeispiel für transformative Forschung, so Petschow. Ein Good-Practice-Beispiel auf Länderebene stelle z. B. die neue NRW-Forschungsstrategie „Fortschritt NRW“ dar, die Transformationsherausforderungen benennt und Ansatzpunkte für die transformative Forschung aufzeigt.

Senatorin Scheeres: „Transformative Forschung“ soll auf die Berliner Agenda

Die Grünen im Wissenschaftsausschuss verwiesen auf die hohe Relevanz dieses Ansatzes. Die Piraten-Fraktion stellte die Themen Transformation und transformative Forschung in Bezug zu ihren Kernvorhaben, wie etwa dem bedingungslosen Grundeinkommen oder der sogenannten „Share Economy“. Die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft Sandra Scheeres von der SPD bekundete ihr Interesse an dem Ansatz und verwies darauf, dass man das Thema auf die Agenda für die Berliner Wissenschaftspolitik nehmen wolle.

Mehr Informationen zum Ausschuss für Wissenschaft des Berliner Abgeordnetenhauses

Wohin läuft das Wissenschaftssystem? – Ein Kommentar zur Veranstaltung am 07.05.2012 im ProjektzentrumBerlin der Stiftung Mercator

Uwe Schneindewind 07.05.12„Wohin läuft das Wissenschaftssystem?“ war die Leitfrage einer Podiumsdiskussion im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.12. Sie fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Transformatives Wissen schaffen“ statt. Nach dem Reihen-Auftakt im Wissenschaftsjahr mit Vorreiterinstitutionen, der Zivilgesellschaft und insbesondere den Ministerinnen der beiden das Thema vorantreibenden Bundesländer NRW und Baden-Württemberg am 06. Februar in der NRW-Landesvertretung diskutierte diesmal das „etablierte“ nationale Wissenschaftssystem über den Status und die Fähigkeit, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen adäquat zu bearbeiten.

Schon die Zusammensetzung der Podiumsrunde war bemerkenswert: Mit dem Hamburger Uni-Präsidenten Dieter Lenzen, dem Leiter der neuen Helmholtz-Allianz zur Energiewende, Armin Grunwald, dem für die gesamte Nachhaltigkeitsforschung zuständigen Abteilungsleiter im Bundesforschungsministerium, Eugen Huthmacher sowie dem Leiter Wissenschaft der – mit ihren aktuellen Energie- und Klima-Projektinitiativen im zweistelligen Millionenbereich Furore machenden – Stiftung Mercator, Wolfgang Rohe, waren zentrale Segmente des Wissenschaftssystems hervorragend repräsentiert. Dagmar Simon, die Leiterin der Wissenschaftssystemforschung am Wissenschaftszentrum Berlin und eine der profundesten Kennerinnen des Systems rundete das Plenum ab. Dass diese Akteure gerne der Einladung einer Veranstaltungsreihe gefolgt sind, die von einer Reihe innovativer und eher unkonventioneller Vorreiterinstituten und –universitäten veranstaltet wird, wäre vor fünf oder gar zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen – zu einer Zeit, in der das gesamte Wissenschaftssystem noch im Bann der Exzellenzinitiative stand. Kurz vor Verkündung der Ergebnisse deren letzter Runde am 15.06.2012 und flankiert durch das aktuelle Wissenschaftsjahr zur Nachhaltigkeit scheint es eine neue Nachdenklichkeit über die Perspektiven der Wissenschaftspolitik für die kommenden Jahre zu geben.

Dies spiegelte sich auch in der Zusammensetzung des Publikums wider: Nicht nur zahlreiche Wissenschaftspolitikerinnen und –politiker unterschiedlicher Fraktionen hatten den Weg ins Projektzentrum gefunden, sondern auch die Vertreter mehrerer Landeswissenschaftsministerien. Niedersachsen war gar durch seinen Staatssekretär, Josef Lange, vertreten – der dienstälteste Wissenschafts-Staatssekretär in Deutschland, versehen mit einem sicheren Instinkt für relevante Entwicklungen in der Wissenschaft.

Wohin läuft das Wissenschaftssystem? – Diskussionsveranstaltung im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.2012

Mit der Veranstaltung wird eine Systemanalyse aus der Sicht einer transformativen Wissenschaft angestrebt. In der Runde sollen u.a. folgende Fragen diskutiert werden: Welchen Forschungsbedarf gibt es für den Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft? Welche Strategien bestehen hierfür seitens der Wissenschaft und der großen Förderorganisationen? Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung von Transdisziplinarität an Hochschulen und in den großen Wissenschafts-organisationen sowie im Rahmen öffentlicher Förderprogramme?

Die Veranstaltung beginnt um 17:30 Uhr und wird mit einem Buffet abgerundet.

Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung werden sein:

  • Dr. Wolfgang Rohe, Leiter Wissenschaft – Stiftung Mercator
  • MinDir. Dr. Karl-Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter „Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit“/BMBF
  • Dr. Dagmar Simon, Leiterin Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik, Wissenschaftszentrum Berlin
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Dr. Armin Grunwald, KIT Karlsruhe
  • Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg
  • Thomas Korbun, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Moderation)

Zielgruppe der Veranstaltung : Vertreter_innen von Wissenschaftsorganisationen, Wissenschaftseinrichtungen und wissenschaftspolitische Multiplikator_innen.

Dokumentation der IÖW/VÖW-Jahrestagung jetzt online

Die Veranstalter der IÖW/ VÖW Jahrestagung freuen sich, mitteilen zu können, dass die Tagung „Was bewegt? Von sozial-ökologischen Experimenten in den Alltag“ vom 8. und 9. März umfassend online dokumentiert wurde. Die Tagung war eine Veranstaltung der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im BMBF-Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde/ Nachhaltigkeit„. Zu den anderen Veranstaltungen der Reihe gelangen Sie hier.
Unter www.was-bewegt.org finden Sie die Tagungsdokumentation zum Nachlesen, -hören, und -schauen:

  • „Was bewegt Sie…?“ – Stimmen zur Konferenz als Kurzvideo sowie Mitschnitte ausgewählter Vorträge (zu den Videos)
  • Den Tagungsreader und die Präsentationen der Referent/innen als PDF-Download sowie Audiobeiträge „Drei Visionen für den Brennpunkt Stadt“ (zu den Downloads und Audios)
  • Ein Fotoalbum mit Impressionen der Tagung (zum Album)

Wenn Sie über Neuigkeiten aus dem Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung informiert bleiben möchten, können Sie mit dem IÖW-Newsletter aktuelle Informationen direkt in Ihren Posteingang erhalten. Der Newsletter erscheint rund viermal im Jahr: zum IÖW-Newsletter-Abonnement.

Newsletter zur Fachzeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ gestartet

Mit der ersten Ausgabe 2012 von „Ökologisches Wirtschaften“ wird ab sofort ein neues Informationsangebot rund um die Fachzeitschrift angeboten. Mit dem „Ökologisches Wirtschaften Newsletter“ sind stets vorab neue Ausgaben und Themen der Zeitschrift angekündigt sowie Informationen zu Artikeln im Open Acess Bereich von „Ökologisches Wirtschaften Online“ verfügbar. Sie können sich hier für den Newsletter anmelden.

Über „Ökologisches Wirtschaften“

„Ökologisches Wirtschaften“ ist die wissenschaftliche Zeitschrift zu sozial-ökologischen Wirtschaftsthemen. „Ökologisches Wirtschaften online“ bietet als Open Access Portal Zugang zu allen Fachartikeln seit der Gründung der Zeitschrift 1986. In diesem reichen Wissensfundus können Sie über 1.000 Artikel durchsuchen und herunterladen. Die Ausgaben der letzten zwei Jahre stehen exklusiv Abonnent(inn)en zur Verfügung. Herausgeber sind das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Vereinigung für Ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW). Ökologisches Wirtschaften erscheint im oekom Verlag, München.
Zum Newsletter Ökologisches Wirtschaften 1/2012 gelangen Sie hier.

Quelle:
http://www.ioew.de/news/article/newsletter-zur-fachzeitschrift-oekologisches-wirtschaften-gestartet/

Gespräche zu Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsforschung: Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besucht Heidelberger IÖW-Büro

Am 2. März 2012 war die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zu Gast beim IÖW. Gemeinsam mit Thomas Korbun und Dr. Frieder Rubik vom IÖW sowie Markus Duscha vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) sprach sie über die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsforschung ihres Bundeslandes. Anlässlich des Besuches würdigte Bauer die beiden traditionsreichen unabhängigen Institute in ihrem Wahlkreis Heidelberg: „Institute wie das IÖW und das IFEU sind Zukunftslabore, die mit Forschung und Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Ich möchte sie und andere außeruniversitäre Umweltforschungsinstitute deshalb in die Landesstrategie „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ einbinden.“

Mehr auch auf: http://www.ioew.de

Für einen neuen Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – Erfolgreiche Auftaktveranstaltung der Initiative Transformatives Wissen schaffen im Wissenschaftsjahr „Zukunftsprojekt Erde“

Die Wissenschaftsministerinnen der beiden großen Wissenschaftsstandorte NRW (Svenja Schulze) und Baden Würtemberg (Theresia Bauer), der Vorsitzende des größten deutschen Umweltverbandes (Hubert Weiger), eine der wenigen Frauen im Vorstand eines DAX-Unternehmen (Kathrin Menges/Henkel) und einer der Autoren des Hauptgutachtens zur „Großen Tranformation“ (Prof. Dr. Dirk Messner/WBGU): besser hätte das Podium der ersten größeren im – vom BMBF ausgerufenenen – Wissenschaftsjahr Nachhaltigkeit/ Zukunftsprojekt Erde organisierten Veranstaltung nicht zusammengesetzt sein, um über den neuen „Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ zu diskutieren.

Knapp 200 Teilnehmer besuchten am 06. Februar die Auftaktveranstaltung zur Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ in der NRW-Landesvertretung in Berlin.

Die Veranstaltung nahm die Aufforderung des BMBF, das Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit“, auch für kontroverse Diskussion über die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems zu nutzen, ernst. Mit der fast zeitgleichen Veröffentlichung des wissenschaftspolitischen Positionspapiers des BUND und der Broschüre zu Hochschulen und Nachhaltigkeit der AG Hochschule des Deutschen Unesco Komitees (DUK) brachten zudem zentrale Akteure der Zivilgesellschaft ihre Anforderungen und positiven Beispiele einer Nachhaltigen Wissenschaft in die Auftaktveranstaltung ein.

Die Initiatoren der Reihe – der NaWis-Verbund und das Ecornet – selber Netzwerke der Pioniere einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung wollen mit ihrer Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ eine Plattform für diese Debatten im Wissenschaftsjahr bieten.

Im ersten Podium stellten die Initiatoren das Anliegen der Reihe vor. Ein Blick auf die Gründungsgeschichte von vielen freien Nachhaltigkeitsforschungsinstituten zeigt, dass Veränderungen des Wissenschaftssystems häufig von außerhalb des Wissenschaftssystems kamen und ein offener Dialog helfen kann, Bewegung im gesamten Wissenschaftssystem auszulösen.

In einem zweiten Podium stellten unterschiedliche Vertreter zivilgesellschaflicher Organisationen ihre Anforderungen ans Wissenschaftssystem vor. Weil Wissenschaft zum großen Teil aus Steuergeldern finanziert würde, sollte sie sich stärker am Gemeinwohl orientieren. Der BUND – größter deutscher Umweltverband – forderte daher eine Wissenschaft für statt über die Gesellschaft : „Public money for public goods“, um auch mutige und unabhängige Forschung voranzubringen.  Auch Studierende positionierten sich als innovative Ideengeber und Pioniere des Wandels, was sich in der Initiative Greening the University beispielhaft zeigt. Sie forderten ihr eigenes Engagment stärker in den Prozess der Umsteuerung des Wissenschaftssystems einzubeziehen und zugleich auch anzuerkennen.

Im dritten Podium lag der Fokus auf länderweiten, nationalen und internationalen Perspektiven einer Transformativen Wissenschaft, bei der die Selbstreflexion des Wissenschaftssystems und die Anerkennung anderer Formen des Wissens im Vordergrund stehen. In Nordrhein-Westfalen wird dieser Prozess in der Fortschrittsinitiative NRW organisiert, bei der ein qualitativer (auf Mensch und Natur ausgerichteter) Fortschritt angesteuert wird. National müsse es um die Entwicklung gemeinsamer methodischer Standards für die transdisziplinäre Forschung bei gleichzeitiger disziplinärer Rückgebundenheit gehen. Die internationalen Impulse zeigten deutlich die Vorreiterschaft anderer Länder und gaben spannende Impulse zur Weiterentwicklung für Deutschland. Der schweizerische Nationalfonds (Pendant zur deutschen DFG) trug durch eine programmunabhängige Förderung transdisziplinärer Projekte entscheidend zu der Verbreiterung nachhaltiger Wissenschaftsprojekte bei. Im österreichischen Projekt Sparkling Sciene wird eine echte Beteiligung von Jugendlichen in der Forschung zu Konsumverhalten praktiziert. Insgesamt ist ein Kreis aus europäischen Experten dabei zu diskutieren, wie eine Forschungsförderung für eine Nachhaltige Entwicklung aussehen kann (RD4SD). Die Atmosphäre des dritten Podiums zeigte deutlich: es gibt hervorragende Beispiele für transdisziplinäre und transformative Wissenschaft, die  aus der Nische  heraus müssen. Für dieses Mainstreaming sind Experimente mutiger Pioniere entscheidend, damit die Akteure durch engagiertes Handeln dazu kommen neues transformatives Wissen zu schaffen.

Die Wissenschaftsministerin von NRW Svenja Schulze als Gastgeberin betonte das starke Signal, das die Veranstaltung durch die Zusammensetzung der Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ausstrahle. An verschiedenen Beispielen aus NRW erörterte sie, wie sich wissenschaftspolitische Maßnahmen an den Grand Challenges – den epochalen Herausforderungen der Gesellschaft – orientieren könne. Mit der Fortschritts-Initiative setzt NRW auf eine Innovationsstrategie, die sich an ökologischer Verträglichkeit und sozialer Gerechtigkeit orientiert, bspw. durch die Förderung von klugen Kooperationsstrukturen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft so genannte regionale nnovationsnetzwerke, sowie die Auszeichnung von Pionieren des Fortschritts.

Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, griff ein Schlagwort aus dem Gutachten des WBGU auf und forderte einen Umbau aus Einsicht, Umsicht und Vorraussicht. Zur Bewältigung der epochalen Aufgaben habe die Landesregierung das Thema Nachhaltige Entwicklung zur Chef-Sache gemacht und eine Steuergruppe beim Ministerpräsidenten eingerichtet. Dieser Expertenrat soll strategische Handlungsfelder einbgrenzen und innovative Anreize in der Forschungsförderung setzen. Die Wissenschaftspolitik in Baden-Württemberg ziele auf eine Veränderung von Forschung, Lehre und Verwaltung der Institutionen, in der auch die Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren entscheidend sei. Politische Veränderungen seien dann erfolgreich, wenn sie gesellschaflich vorgedacht seien.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter(innen) aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft war man sich nahezu einig, dass das Engagement und der Druck der verschiedenen Akteure in der Vergangenheit dazu geführt hat, dass die Notwendigkeit einer Nachhaltigen Entwicklung in der Mitte von Wissenschaft und Gesellschaft angekommen sei. Jetzt sei die gemeinsame Kernarbeit aller notwendig um die große Transformation in die Breite zu tragen. Dazu seien eine offene, kontroverse und positive Diskussion quer durch die verschiedenen Milieus genauso notwendig wie die Stärkung und der Ausbau der vorhandenen Netzwerke der Vorreiter. Ein nationaler Masterplan für eine transformative Wissenschaft könne für die weitere Diskussion wichtige Impulse setzen.

All dies verspricht eine spannende Perspektive auf die weiteren Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ und des Wissenschaftsjahres.

Links zu Berichten über die Veranstaltung

Die Initiatoren der Reihe zusammen mit Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (NRW) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Baden Württemberg), Bild: Michael Miethe

Auftaktveranstaltung zur Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ mit den Wissenschaftsministerinnen Svenja Schulze/NRW und Theresia Bauer/Baden Württemberg am 06.02.2012 in Berlin

Die Auftaktveranstaltung leitet die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ für das vom BMBF ausgerufene Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/Zukunftsprojekt Erde“ ein. Sie ist gleichzeitig der erste größere öffentliche Auftritt der NaWis-Runde sowie des Ecological Research Networks (Ecornet) der freien Umweltforschungsinstitute. Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung NRW unter Teilnahme der Wissenschaftsministerinnen des Landes NRW und des Landes Baden Württemberg statt. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über den Stand und Herausforderungen an Wissenschaft und Wissenschaftssystem, um die Transformation zu einer Nachhaltigen Entwicklung aktiv zu unterstützen.

Programm (Stand 31.01.2012)

11:15 Uhr: Begrüßung durch die Gastgeber der Veranstaltung

Vorstellung der Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012

11:30 Uhr: Einstimmung in den Tag – Prof. Dr. Uwe Schneidewind (für das NaWis-Netzwerk und EcoRNet)

11:45 Uhr: Podiumsdiskussion zur Initiative mit den Initiatoren (Moderation: R. Andreas Kraemer/ Ecologic Institut)

  • Prof. Dr. Alexander Roßnagel/ Universität Kassel
  • Dr. Thomas Jahn/ ISOE
  • Michael Sailer/  Öko-Institut
  • Reiner Braun/ Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)
  • Stephan Ertner/ Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg

13:00 Uhr: Mittagspause 

Anforderungen an eine transformative Wissenschaft

14:00 Uhr: Die Zivilgesellschaft als wissenschaftspolitischer Akteur
Moderierte Podiumsdiskussion –
(Moderation: R. Andreas Kraemer/ Ecologic Institut)

  • Prof. Dr. Angelika Zahrnt/ Rat für Nachhaltige Entwicklung
  • Prof. Dr. Wilfried Kühling/ BUND
  • Reiner Hoffmann/ IGBCE NRW
  • Dr. Steffi Ober/ Nabu
  • Alejandro Esguerra/Initiative Greening the University/Tübingen

15:15 Kaffeepause

15:30 Uhr Anforderungen und Best Practices einer transformativen Wissenschaft – moderierte Podiumsdiskussion

(Moderation: Thomas Korbun/ IÖW)

  • Prof. Dr. Claus Leggewie/ WBGU
  • Prof. Dr. Daniel Lang/ Leuphana Universität Lüneburg
  • Dr. Matthias Bergmann/ ISOE
  • Dr. Marie Loibl/ Sparkling Science – Österreich
  • Ute Zander/ VISION RD4SD
  • Thorsten Menne/ Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW – Initiative Fortschritt NRW

16:30 Kaffeepause

Öffentliche Nachmittags-/Abendveranstaltung

17:00 Uhr: Begrüßung durch die Veranstalter – Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Nawis-Runde und das EcoRNet) und Dr. Mario Tobias (IASS) 

17:15 Uhr: Grand Challenges als Grundlage künftiger Innovationspolitik – das Beispiel NRW/Svenja Schulze – Wissenschaftsministerin des Landes NRW

17:40 Uhr: Wissenschaft für Nachhaltigkeit – Ausblick auf die Wissenschaftsintiative in Baden Württemberg/Theresia Bauer – Wissenschaftsministerin des Landes Baden Württemberg

18:00 Uhr Perspektiven einer transformativen Wissenschaft – wie bringen wir ökologischen, sozialen und ökonomischen Fortschritt zusammen?
Podiumsdiskussion mit (Moderation: Thomas Korbun/ IÖW)

  • Svenja Schulze/  Wissenschaftsministerin des Landes NRW
  • Theresia Bauer/ Wissenschaftsministerin der Landes Baden Württemberg
  • Prof. Dr. Hubert Weiger/ Vorsitzender des BUND
  • Kathrin Menges/ Vorstand, Henkel AG & Co. KGaA
  • Prof. Dr. Dirk Messner/ WBGU

19:30 Uhr: Schlusswort und Empfang in der Landesvertretung

Anfahrt: http://www.mbem.nrw.de/landesvertretungen/landesvertretung-berlin/service-landesvertretung.html

Anmeldung:
Anmeldungen bitte bis zum 27.01.2012  hier per Mail oder an wissenschaftsjahr2012(at)wupperinst.org.

Programm zum Ausdrucken: Nawis_INV_01_2012_01x

Pressemeldung zum Ausdrucken: Pressemeldungs_Transform_Wissen_7_Feb_2012

Hier geht es zur Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

Ecological Research Network (Ecornet) – der freien Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland

Das „Ecological Research Network“ (Ecornet) versteht sich als Netzwerk von Pioniereinrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Aus den konkreten Herausforderungen der ökologischen und nachhaltigkeitsorientierten Wende ist in den letzten 30 Jahren der Bedarf in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nach einer Forschung und Forschungseinrichtungen entstanden, die die entsprechenden Transformationsprozesse wissenschaftlich begleiten und befördern. Durch die existierende Wissenschaftslandschaft konnte dieser Bedarf nicht befriedigt werden. Dies führte zur Gründung einer Reihe von freien Forschungsinstituten (vgl. Übersicht der beteiligten Institute weiter unten) mit besonderen Spezifika:

  • Konsequente Orientierung an einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung und damit Ausrichtung der Forschung an konkreten gesellschaftlichen Problemlagen. Die Forschung der Institute soll gesellschaftlich relevante Fragestellungen thematisieren, die Forschungsergebnisse Eingang in das Handeln der betroffenen Akteure finden. Der Umgang mit dieser normativen Dimension ihrer Forschung erfolgt explizit.
  • Problemdefinition der Forschungsvorhaben gemeinsam mit betroffenen Akteuren/Auftraggebern. Ein besonderes Charakteristikum der Umweltforschungs-Institute ist das breite Spektrum ihrer Förderer, die von Politik über Unternehmen bis zu Umweltverbänden und der Wissenschaft selbst reichen.
  • Umsetzung einer hohen Interdisziplinarität in der Forschungsarbeit – insbesondere ein intensiver Brückenschlag zwischen Natur-, Technik- und Sozialwissenschaften.
  • Besondere strukturelle Bedingungen (geringe/keine Grundförderung, Ausrichtung an Drittmittelmärken), die ständigen Anreiz zu hoher Innovationsfähigkeit, Flexibilität und Anschlussfähigkeit an die Adressaten der Forschung führen.
  • Hohes Maß an Reflexität über Inhalte und Art der eigenen Forschung.

Die Institute verkörpern damit in besonderen Maße die Anforderungen an eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft. Durch die Förderung in spezifischen Forschungsprogrammen, insbesondere der sozial-ökologischen Forschung (SÖF) des BMBF wurden die inhaltlichen und insbesondere methodischen Standards dieser Forschung entscheidend weiterentwickelt.

Im deutschen Wissenschaftssystem stellen die führenden freien gemeinnützigen Umweltforschungsinstitute heute eines der inhaltlich und methodisch am besten entwickelten Zentren transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung dar.

Mitglied des Ecornet sind folgende Institute:

Zur Homepage des Ecornet gelangen Sie unter: http://ecornet.de/

Nachhaltig forschen – transformatives Wissen schaffen: Veranstaltungsreihe im Wissenschaftsjahr 2012

Das deutsche Bundesforschungsministerium (BMBF) hat das Jahr 2012 zum Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/Zukunftsprojekt Erde“ ausgerufen. Die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ nimmt dies zum Anlass, mit einer Reihe von Veranstaltungen zu diskutieren, vor welchen Herausforderungen das Wissenschaftssystem selber steht, um seine Motorfunktion für die notwendigen Transformationsprozesse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft auszufüllen.

Getragen wird die Initiative zum Wissenschaftsjahr von wissenschaftlichen Vorreiter-Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft. Dazu gehören neben dem NaWis-Verbund aus den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut und dem Institute of Advanced Sustainability Studies (IASS), das Ecological Research Network (Ecornet) der freien Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland, die seit über 20 Jahren eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung als Pioniere betreiben. Dem EcoRNet gehören an: das Öko-Institut, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU), das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), das Ecologic Institute, das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Viele weitere Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen u.a. aus der Arbeitsgruppe Hochschule des Deutschen UNESCO-Komitees unterstützen das Netzwerk.

Für 2012 ist ein breites Spektrum an Veranstaltungen geplant.

Den Auftakt macht eine Tagung am 6. Februar 2012 in der Landesvertretung NRW in Berlin mit den Wissenschaftsministerinnen aus Nordrhein-Westfalen, Svenja Schulze und Baden-Württemberg, Theresia Bauer. In der ganztägigen Veranstaltung soll unter Einbeziehung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft darüber diskutiert werden, wie Wissenschaft, Wissenschaftssystem und Wissenschaftspolitik künftig gestaltet sein müssen.

Neben der großen Auftaktveranstaltung werden über das gesamte Jahr verteilt Tagungen und Workshops zu bestehender nationaler und internationaler Best Practice einer transformativen Nachhaltigkeitswissenschaft in den Bereichen Forschung, Lehre und Wissenschaftsförderung stattfinden.

Einen weiteren wichtigen Höhepunkt des Jahres bildet der Sustainability Summit vom 29. Februar bis zum 2. März 2012 in Lüneburg. Auf diesem internationalen Kongress werden führende Nachhaltigkeitswissen-schaftler/innen zusammenkommen, um zu verorten, wo die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung heute steht und wie sie sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln muss.

Die Koordination der Veranstaltungsreihe durch das Berliner Büro des Wuppertal Instituts wird von der Stiftung Mercator gefördert.

Eine Übersicht über die Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Die Pressemeldung zum Auftakt der Reihe finden Sie unter: http://idw-online.de/de/news456261

Berlin: Wo bleibt die Nachhaltige Politische Kraft der Universitäten?

Berlin hat mit der FU Berlin, der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin drei große Universitäten, deren Politik und Management der letzten Jahre insbesondere durch massive Einsparprogramme gekennzeichnet waren – Folge des überschuldeten Landeshaushaltes der Bundeshauptstadt. Proaktive Wissenschaftspolitik fällt dadurch alles andere als leicht, Rivalitäten um knappe Ressourcen sowie Dauerkonflikte mit der Landesregierung, insbesondere dem Finanzsenator prägen dann schnell das Bild eines Wissenschaftsstandortes.

Dabei sind die Universitäten und Hochschulen in hohem Masse potent, mit der FU Berlin war eine der Berliner Universitäten als Eliteuniversität erfolgreich, insgesamt gingen vier Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen an die Berliner Universitäten.

Gerade für die Wissenschaftseinrichtungen in der Bundeshauptstadt ist das Vorleben einer gesellschaftsoffenen und –orientierten Wissenschaft eine besondere Herausforderung. Im Themenfeld „Nachhaltigkeit“ sind die Voraussetzungen in Berlin dafür durchaus sehr gut. Die Technische Universität Berlin hat die meisten ihrer Forschungsschwerpunkte in Themenfeldern unmittelbarer Nachhaltigkeitsrelevanz (Energie, Wasser, Verkehr/Mobilität, Gestaltung von Lebensräumen, Ernährung/Gesundheit). Mit freien Instituten wie dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem IZT oder Ecologic sitzen wichtige ökologische Vordenkereinrichtungen der freien Institutslandschaft in Berlin, mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Mitglied der Leibnizgemeinschaft) das der führenden Wirtschaftsinstitute mit einer profilierten umweltwirtschaftlichen Abteilung. Einige der Berliner Fachhochschulen wie die FHW oder FHTW waren früh Vorreiter der Ökologie- und Nachhaltigkeitsdebatte und mit privaten Hochschulen wie der Hertie School of Governance verfügt Berlin über weltweit führende Wissenschaftseinrichtungen für die globale politische Steuerung, die zunehmend von Nachhaltigkeitsthemen bestimmt ist.

Die Wissenschaftslandschaft der Bundeshauptstadt bringt mithin alles mit, um eine nationale Politik wissenschaftlich zu unterstützen, die den Anspruch erhebt, international in Nachhaltigkeitsfragen federführend zu sein. Dazu sollte sich die Berliner Wissenschaftspolitik noch aktiver bekennen.

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