Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“

Mit einem Geschäftsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Euro gehört auch die Fraunhofer-Gesellschaft zu den großen, weltweit agierenden deutschen Forschungsorganisationen. Sie ist das Dach von rund 60 Fraunhofer-Instituten, in deren Zentrum der Forschung der (industrielle) Anwendungsbezug steht. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den anderen Forschungsgemeinschaften hohen Drittmittelanteil, der fest zur Programmatik der Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Er hat erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen Felder, die von den Instituten bearbeitet werden.
So ist die Fraunhofer-Gesellschaft prominent an der von der Bundesregierung initiierten Hightech-Strategie beteiligt, für die in Deutschland von 2005 bis 2009 fast 15 Mrd. Euro für Spitzentechnologien bereitgestellt werden. Die Gelder dienen der Verbreitung neuer Technologien in siebzehn Zukunftsfeldern, um insbesondere Forschung und Wirtschaft besser zu vernetzen, damit aus neuen Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die meisten der 17 Zukunftsfelder sind auch Schwerpunkte der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die Arbeit der Fraunhofer-Gesellschaft ist in sieben Forschungsverbünden organisiert: Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Mikroelektronik, Oberflächentechnik/Photonik, Produktion, Werkstoffe und Verteidigungs-/Sicherheitsforschung.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere in der Energieforschung, aber auch in den Feldern der weißen Biotechnologie, der Wassernutzung, nachwachsenden Rohstoffen, der Optimierung von Stoffkreisläufen sowie Recycling-Technologien eine Rolle.

In den meisten Forschungsfeldern und Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft dominiert die technologische Perspektive. Jedoch verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) und insbesondere dem schon 1972 gegründeten Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) über ein Institut mit einer organisationswissenschaftlichen Kompetenz. Das ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Bei der Analyse von Innovationssystemen arbeitet man in hohem Maße interdisziplinär. In insgesamt sieben Competence Centern (Neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und Energiesysteme, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung und Innovation, Innovations- und Technologie-Management sowie Vorausschau) mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern arbeiten rund 160 MitarbeiterInnen. Nachhaltigkeit gehört neben relevanten Teilgebieten wie der Energiepolitik und Energiesystemen explizit zum Arbeitsbereich des Fraunhofer ISI. Zur nachhaltigkeitsorientierten Innovationspolitik sind von dort immer wieder wichtige Forschungsimpulse ausgegangen.

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung des Themenfeldes Nachhaltigkeit hat sich in der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2007 auch eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ gebildet. Über die zukünftige strategische Bedeutung des Themas für die Fraunhofer-Gesellschaft wird derzeit intensiv diskutiert.

Gerade aufgrund der hohen Anwendungskompetenz und der hohen Adaptivität an neue Themen könnte sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu einem wichtigen Motor einer zukünftigen „Nachhaltigen Wissenschaft“ entwickeln – insbesondere in dem Maße, in dem Nachhaltigkeitsfragen für immer mehr Unternehmen und Branchen relevant und damit für eine industriebasierte Drittmittelforschung zugänglich werden.

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