„Nachhaltige Hochschule – Das Konzept der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt“: eine Vorstellung von Andreas Lob-Hüdepohl im Rahmen des Treffens der AG Hochschule vom 03.03.11

Die Idee der „Nachhaltigen Hochschule“ ist an der KU Eichstätt-Ingolstadt kein ganz neuer Gedanke. Bereits im Jahr 1993 unterzeichnete die KU EI die sogenannte Copernicus-Charta, die im Eindruck der Rio Konferenz von 1992 die Rolle der Hochschulen im Kontext nachhaltiger Entwicklung neu definierte. So bekundete die KU EI schon früh ihre Ambitionen zu mehr Nachhaltigkeit. Über Umweltringvorlesungen, die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Kommunen und Verbänden begann sich dieses Anliegen zu konkretisieren. Aus verschiedenen Gründen verlor diese Bewegung mit der Zeit jedoch an Schwung und wurde erst im Jahr 2008 wieder aufgegriffen.

Quasi zeitgleich mit der Wiederaufnahme des Konzeptes einer nachhaltigen Universität durch Umweltringvorlesungen und den Ideenwettbewerb „Sustainable Campus“ kam auch bundesweit Leben in die Debatte um die Verantwortung der Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung. Anfang 2010 verfassten die UNESCO-Kommission und der Hochschulrektorenkonferenz „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“.

Die Hochschulleitung selbst definiert in einem Wechselspiel zwischen Bottom-up und Top-down Einflüssen zu betrachten. Sie selbst trägt hierbei lediglich die Verantwortung für die Struktur und den Prozess, nicht aber für das Ergebnis selbst. Konkret lässt sich das beispielsweise an der Ernennung eines Beauftragten für Nachhaltige Entwicklung festmachen. Aufgabe der Hochschulleitung ist es für die institutionelle Einbettung eines solchen Prozesses zu sorgen.

Nachhaltigkeit selbst sei hier als normatives Konzept verstanden. Eine nachhaltige Universität müsse sich ständig einer kritischen Selbstreflexion unterziehen und hierin ihre Legitimation neu definieren. Gesellschaftliche Verantwortung ist zentral im Selbstverständnis als Nachhaltige Hochschule. In dieser stetigen Selbstreflexion und Legitimation unterliegt die einem steten Gestaltungsprozess. Im Kontext einer so nennbaren „organisierten Anarchie“, die an Universitäten vorherrschend ist, unterliegen Gestaltungsprozesse meist dem zufälligen Engagement einzelner Akteure, was einen hohen Anspruch der Durchsetzbarkeit an die Idee der Nachhaltigen Hochschule stellt.

Nachhaltigkeit als Leitbild einer Hochschule ist jedoch mehr als ein abstraktes Bild, sondern stellt hohe Ansprüch an alle Bereiche. Hierbei tun sich insbes. drei Handlungsfelder hervor: 1. Forschung, 2. Studium, Lehre und Weiterbildung sowie 3. die institutionelle Umsetzung und Infrastruktur.
Kurzfristig gilt es in der Forschung den Bezug des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltigkeit“ sichtbar zu machen. Im weiteren kann diese Forschung durch die Veranstaltung von Tagungen und Symposia, der Beteiligung an (inter)nationalen Forschungsprojekten und den Ausbau institutionenübergreifender Kooperationen gestärkt werden. Die Verstetigung wird über die Beteiligung an einschlägigen nationalen wie internationalen Netzwerken und Kooperationen angestrebt.
In Lehre und Studium ist zunächst wichtig, Studierende für das Fach BNE, hier Konkret in Form eines Masterstudienganges, zu begeistern. Auch gilt es, für Studierende anderer Studiengänge die Verfügbarkeit von Wahlmodulen zur Nachhaltigkeit zu erweitern. Umweltringvorlesungen des Studium generale sollen weiterhin zentraler Bestandteil des Campusleben bleiben. Auch in der Lehre ist es wichtig, durch eine stärkere nationale wie internationale Sichtbarkeit eine Verstetigung und Profilierung im Bereich der Nachhaltigkeit zu erlangen.
Auf Seite der institutionellen Umsetzung und Infrastruktur heißt dies auch, die Universität in ihrem Vorbildcharakter zu stärken: Es gilt Abfall zu vermeiden, Energiesparmaßnahmen einzuleiten und Studierende und Mitarbeiter der Universität für das Konzept der Nachhaltigkeit auch im eigenen Wirken zu begeistern. Partizipation aller Universitätsangehörigen bei der Umgestaltung und steten Weiterentwicklung der Universität sind durch institutionelle Verankerung zu bestärken und verstetigen. Auch das verstärkte Sichtbarmachen von Literatur und sonstigen Medien zur Thematik kann zur Sensibilisierung für eine NE einen Beitrag leisten. Langfristig wird eine EMAS-Zertifizierung angestrebt.

Die Entwicklung einer Universität zu einer Nachhaltigen Universität hat also nicht nur Relevanz im Bereich der Lehre und des Studiums sondern spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gesellschaftliche Verantwortung ist auch darin zu sehen, dass Universitäten eine Vorbildfunktion zu erfüllen haben. Durch den eigenen, verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen kann so glaubhaft vermittelt werden, dass Hochschulen die Idee der „Nachhaltigen Entwicklung“ ernst meinen.

Treffen der AG Hochschule in Essen

Nach der leichten Ernüchterung, die sich im Zuge des Scheitern des Zukunftskonzeptes einer Nachhaltigen Universität als Zukunftskonzept im Rahmen der Vorauswahl der Exzellenzinitiative eingestellt hat, zeigten die Mitglieder der AG Hochschule, die als Arbeitsgruppe der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) fungiert, dass ihnen ein solcher Bremser nichts anhaben kann.

Vergangenen Donnerstag, 03.03.2011, setzten sich erneut die Vertreter aus Studierendenschaft, Lehrenden sowie außeruniversitärer Akteure zusammen, um das Voranschreiten von BNE im Hochschulbereich kritisch unter die Lupe zu nehmen, gute Beispiele und Herausforderungen in der Praxis zu diskutieren sowie die weitere Projektarbeit zu koordinieren.

Ulrich Schreiber, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universität Duisburg-Essen, stellte das BENA-Nachhaltigkeitsprojekt der Uni Duisburg-Essen vor. BENA (BEstandsaufnahme NAchhaltigkeit) hat das Ziel, relevante Akteure sowohl universitätsintern, wie -extern zu identifizieren und durch eine bessere Vernetzung deren Aktivitäten zu fördern und insbesondere nach außen zu kommunizieren.

Bereits im universitären Gesamtkonzept etabliert hat sich die Idee einer „Nachhaltigen Hochschule“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Andreas Lob-Hüdepohl, Präsident der KU Eichstätt-Ingolstadt berichtete sowohl von der normativen Grundkonzeption als auch von der Konkretisierung eines solchen Vorhabens in der Praxis.

Maik Adomßent von der Universität Lüneburg hingegen erläuterte eher theoriebasiert, was Nachhaltigkeit an Hochschulen zu bedeuten hat. In einer kritischen Bestandsaufnahme zog er Bilanz über die Entwicklungen und Anstrengungen der vergangenen Jahre, zeigte Impulse der Vergangenheit sowie Perspektiven für die Zukunft auf.

Die angeschlossene Projektplanungsphase lässt erwarten, dass wir auch in Zukunft von der AG Hochschule hören werden. An dieser Stelle sei schon mal auf eine geplante Informationsbroschüre zum Thema der Nachhaltigen Hochschule sowie auf zwei im Laufe des Jahres anstehende Konferenzen verwiesen: zum einen geht es um die Stärkung studentischen Engagements in Zeiten verkürzter Studiendauer und enger Stundenpläne sowie um eine Tagung in Anlehnung an die Tagungen des vergangenen Jahres; diesmal unter dem Motto: Wir gehen in die Breite!

Besonderer Dank geht an das Team von BENA, die aus ihrem Gewinn aus dem DM-Wettbewerb „Ideen Initiative Zukunft“ das Treffen finanziell unterstützten.