Fuer eine erweiterte Governance von Wissenschaft – Ein wissenschaftspolitischer Rueckblick auf das Jahr 2014 von Uwe Schneidewind

Auf den NaWis-Seiten der aktuellen GAIA gibt Prof. Dr. Uwe Schneidewind einen wissenschaftspolitischen Rückblick auf das Jahr 2014, zeichnet aktuelle Entwicklungen in den Bundesländern NRW, Baden Württemberg und Niedersachsen sowie auf Bundesebene nach. Schwerpunkt des Beitrages sind die aktuellen wissenschaftspolitischen Konfliktlinien im Kontext einer „Nachhaltigen Wissenschaft“. Diese beziehen sich insbesondere auf die „Governance“ von Wissenschaft und Gesellschaft.  Auf drei Governance-Ebenen verlaufen dabei die Konflikte: 1. der Ebene der Governance „in“ der Wissenschaft, also diejenigen institutionellen Strukturen, die eine nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft langfristig im Wissenschaftssystem verankern, 2. der Governance „von“ Wissenschaft durch neue gesellschaftliche Kräfte, die die gesellschaftlichen Einfluss- Möglichkeiten auf die Wissenschaft umfasst und 3. der Ko-Governance von Gesellschaft „durch“ Wissenschaft als das weitreichendste Form des Zusammenspiels von Wissenschaft und Gesellschaft. In allen drei Governance-Bereichen haben sich im Jahr 2014 erhebliche Kontroversen ergeben.
Der Beitrag ist in GAIA 24/1 (2015) erschienen und kann hier heruntergeladen werden.

Leopoldina Workshop „Nachhaltigkeit in der Wissenschaft” am 12. November 2012

Ankündigung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina:
„Nachhaltigkeit scheint eines der prägenden Schlagworte Anfang des 21. Jahrhunderts zu sein. Nahezu in allen Bereichen verwendet, mal mehr, mal weniger konkret definiert, wirft der Begriff auch für die Wissenschaft verschiedene Fragen auf: Kann es eine nachhaltige Wissenschaft geben? Sind wir gar verpflichtet, bei wissenschaftlicher Praxis stets deren Nachhaltigkeit zu berücksichtigen?[…]“

Mit einem eintägigen Workshop möchte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina einen Rahmen bieten, um diese vielfältige Beziehung zwischen Wissenschaft und Nachhaltigkeit zu beleuchten und in konzentrierter Atmosphäre zu diskutieren.

Die Veranstaltung richtet sich an ein geladenes Fachpublikum. Zur  Anmeldung gelangen Sie über folgenden Link.

Hinweis zum Programm.

„Nachhaltige Universität“ Hamburg – Diskussion von Uni-Präsident Lenzen mit Vertretern der Zivilgesellschaft

In einer Diskussionsveranstaltung am 23. Oktober um 19:00 Uhr im Bürgersaal des Rathauses stellt sich der Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen, Vertretern der Zivilgesellschaft zu den Herausforderungen einer „Nachhaltigen Universität“.

In einem Eingangsreferat wird Dieter Lenzen, das Konzept der „Nachhaltigen Universität“ vorstellen, während in einem zweiten Teil dieses Konzept mit gesellschaftlichen Akteuren aus den Bereichen Wirtschaft, Gewerkschaften, Umwelt und Soziales auf seine Relevanz hin überprüft werden soll. An der Podiumsdiskussion werden neben Prof. Dr. Lenzen teilnehmen:

  • Dr. Wilma Simon, Vorsitzende des Verbandsrates des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
  • Dr. Andreas Keller, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes und Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg und
  • Heinrich Lieser, Geschäftsführer Notus Energy.

Die GAL bittet um Anmeldung unter Tel: 42831-1397 oder per Mail: info@gruene-fraktion-hamburg.de.

Konferenz „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ am 16. November 2012

Das ISOE-Institut für sozial-ökologische Forschung lädt am Freitag, den 16. November 2012, zur Tagung „wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“ ein. Sie ist Teil der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012.
Die Tagung des ISOE steht unter der Leitfrage „Was für eine Nachhaltigkeitsforschung brauchen wir, und in welchem Verhältnis muss sie zu Gesellschaft und Politik stehen, um die globalen sozial-ökologischen Herausforderungen der Zukunft besser bewältigen zu können?“.
Vor Beginn der Tagung werden an die Teilnehmer/innen die „Frankfurter Thesen“ verschickt, die als Diskussionsgrundlage dienen sollen. Während der Tagung werden diese dann in Themenwerkstätten zu Wasser, Energie, Mobilität sowie Biodiversität & Ernährungssicherung bearbeitet.

Die Keynote der Tagung hält Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance.

Veranstaltungszeit und -ort:

„wahrhaft nützlich. Was kritische Nachhaltigkeitsforschung ausmacht“
16. November 2012
10:00 – 17:30 Uhr
Haus am Dom, Frankfurt am Main

Mehr Informationen zu Programm und Anmeldung demnächst auf www.isoe.de

Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft

– ein Kommentar von Uwe Schneidewind zur Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ –

 

Das Podium auch dieser Veranstaltung der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ war wieder hochrangig besetzt: Mit Prof. Dr. Wilhelm Krull (Generalsekretär der VW-Stiftung) und Dr. Lars Grotewold (Programmleiter bei der Stiftung Mercator) saßen zwei der größten Wissenschaftsstiftungen in der Runde. Prof. Dr. Ernst Rietschel (langjähriger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft) ist einer der profundesten Kenner und Gestalter des deutschen Wissenschaftssystems der letzten 20 Jahre und mit Prof. Dr. Dirk Messner diskutierte einer der Autoren des WBGU-Hauptgutachtens zur „großen Transformation“ mit, der die durchaus weitgehenden wissenschaftspolitischen Implikationen des vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen) eingeforderten „neuen Gesellschaftsvertrages“ vertrat.

 

Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft
(v.l n.r.:  Prof. Dr. Wilhelm Krull, Prof. Dr. Ernst Rietschel, Prof. Dr. Dirk Messner, Dr. Lars Grotewold)

Einigkeit in der Rolle der Stiftungen, …
Bezüglich des Kernthemas der Veranstaltung war man sich auch sehr schnell einig: Stiftungsinitiativen „erhöhen die Diversität im Wissenschaftssystem“ (Moderator R. Andreas Kraemer vom Ecologic Institute). Sie stellen „gesellschaftliches Risikokapital“ (Grotewold) zur Verfügung, um immer wieder „Inseln des Gelingens“ (Krull) für neue Forschungsformen zu schaffen. Diese besondere Stellung kommt den Stiftungen zu, weil sie „außerhalb des verfestigten Systems“ (Rietschel) stehen und damit eine besondere Innovationsfunktion erfüllen können.

… aber Diskussion über das notwendige Ausmaß der Veränderung im Wissenschaftssystem
Doch ob dies ausreichend Veränderungsimpulse im Wissenschaftssystem setzt, darüber entspann sich die eigentliche Diskussion: Ernst Rietschel zeigte sich optimistisch: Die Trennung zwischen Universitäten –als Ort zur Kultivierung disziplinärer Forschung- und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, insbesondere den Helmholtz- und Leibniz-Instituten, habe sich bewährt. Gerade die programmorientierte Forschung der außeruniversitären Einrichtungen erlaube seit vielen Jahren den Forschungsmodus, der in der Diskussion um eine transformative Forschung eingefordert würde. Durch die politische Einflussnahme in den Aufsichtsgremien der Forschungsgemeinschaften können sich die Wissenschaftsgemeinschaften künftig auch noch stärker auf gesellschaftliche Bedarfe ausrichten. Auf Stiftungsseite pflichtete ihm Wilhelm Krull bei: Die VW-Stiftung als größte Wissenschaftsstiftung in Deutschland hat seit ihrer Gründung an die „Veränderungsfähigkeit des Wissenschaftssystems aus sich selbst heraus“ geglaubt. Deswegen gründe sie keine eigenen Universitäten und Forschungseinrichtungen, und setze keine thematischen sondern institutionelle Förderschwerpunkte. Innovative Forscherinnen und Forscher und deren Projekte müssen geeignete institutionelle Kontexte zur Entfaltung vorfinden: Programme wie die Nachwuchsgruppenförderung, die Schaffung der Lichtenberg-Professuren oder diejenigen zur Stärkung der Eigenverantwortung von Universitäten haben in den letzten Jahren genau das geleistet.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Nachhaltige Wissenschaft – Wie kommen wir voran? Dokumentation zur Veröffentlichung des Memorandums der Deutschen UNESCO Kommission

Zuerst erschienen bei: www.unesco.de

Memorandum Forschung für nachhaltige Entwicklung in Berlin vorgestellt

Der Vorstand der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) hat das Memorandum „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ aus Anlass des Wissenschaftsjahres 2012 verabschiedet und am 14. Juni in Berlin vorgestellt. Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden und Politik diskutierten über die Forderungen ( begleitende Broschüre).

Prof. Dr. Gerd Michelsen, Vorsitzender des Fachausschusses Wissenschaft der Deutschen Wissenschaft und einer der Autoren des Memorandums, stellte die Forderungen des Memorandums zusammenfassend vor. Anschließend diskutierten auf dem Podium Dr. Thomas Jahn, Prof. Dr. Thomas Lang und Dr. Lutz Möller über die Forderungen. Daniel Lang hat den ersten deutschen Lehrstuhl für transdisziplinäre Forschung an der Uni Lüneburg inne, Thomas Jahn ist Sprecher der Institutsleitung am ISOE in Frankfurt und leitet dort den Forschungsschwerpunkt „Transdisziplinäre Konzepte und Methoden“. Lutz Möller ist Fachbereichsleiter der DUK. Trotz kurzfristiger Absagen aus Ministerien und Bundestag entwickelte sich eine äußerst lebhafte, kenntnisreiche und neue Bezüge eröffnende Diskussion mit dem Publikum. Heike Leitschuh moderierte die Veranstaltung in der „Denkerei“ in Berlin-Kreuzberg gewohnt gekonnt.

Worüber sprechen wir?

Ausgangspunkt der Wissenschaft für Nachhaltigkeit ist, dass trotz gegenteiliger Vermutung ganz grundlegende Fragen der Wechselwirkung von menschlichem Handeln und natürlichen Systemen und den entsprechenden Transformationsprozessen bislang nicht verstanden sind – es geht also um wissenschaftliche und nicht nur um gesellschaftliche Herausforderungen. Ein Beispiel ist die Frage warum die steigende Umweltwahrnehmung nicht zu anderen Verhaltensarten führt. Ein anderes Beispiel lautet, wie Transformationsprozesse überhaupt funktionieren. Transdisziplinäre und sozial-ökologische Forschung forscht gerade oft auch über die Forschung selbst, was anders und besser geforscht hätte werden können.


Transdisziplinäre Wissenschaft zielt ab auf die Etablierung neuer Organisations- und Bewertungsformen der Forschung, neuer Karrieremöglichkeiten und einer neuen Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens. Es geht nicht um eine „systemsprengende Revolution“, sondern um die bewusste Gestaltung eines bereits laufenden, eher zufällig oder ungerichtet stattfindenden Transformationsprozesses des Wissenschaftssystems selbst.

Rio+20 und die Wissenschaft

Mandy Singer-Brodowski

Mandy Singer-Brodowski


Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt


Diskussionbeiträge zur Reihe Transformatives Wissen schaffen

Die Konferenz in Rio de Janeiro vom 20. bis 22. Juni 2012 hat hunderte Delegierte aus der ganzen Welt zusammengeführt und dennoch zu wenig konkreten Ergebnissen geführt, so die einhellige Meinung von Experte_innen. Die Verabschiedung des Ergebnis-Dokumentes „Die Zukunft, die wir wollen“ wurde – im Gegenzug zu vorherigen internationalen (Klima-) Konferenzen- vorab forciert.

Die gemeinsamen Vereinbarungen der internationalen Staatengemeinschaft im Abschlussdokument bilden den kleinsten gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen nationalstaatlichen Interessen und umfassen im Wesentlichen:

  • die moderate Stärkung des UN-Umweltprogramms (UNEP)
  • die Formulierung von wenig konkreten Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) bis 2015 sowie ein
  • gemeinsames Bekenntnis der Staatengemeinschaft zu einem grünen Wachstum (Green Economy)

Insbesondere am letzten Punkt hatte es bereits vor der Konferenz massive Kritik gegeben. Die zu starke Fokussierung auf das Konzept der Green Economy als scheinbar einzig mögliche Strategie zu einer global nachhaltigen Entwicklung erstickt die Diskussion um Konzepte wie Gemeingüter, Suffizienz und den Wandel von Konsum- und Lebensstilen im Keim.

Die unzureichende Suche nach alternativen Konzepten zu einer klassischen Mainstream-Ökonomie, sowie die geringe Konkretion und Verbindlichkeit der Verhandlungsergebnisse lassen Rio+20 in den Augen vieler Expert_innen als ein Scheitern globaler Verhandlungen auf höchstem Niveau erscheinen. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) erklärt in einer Presseerklärung, dass die internationale Staatengemeinschaft aktuell scheinbar nicht in der Lage sei „die dringend notwendige Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft in der gebotenen Geschwindigkeit und Verbindlichkeit voranzutreiben.“

Öffentlichkeit für Pioniere des Wandels

Trotz der ernüchternden Nachrichten aus Brasilien hat die Tatsache des 20jährigen „Jubilläums“ der Rio Konferenz von 1992 eine massive Öffentlichkeit für die Debatte über die Umgangsweisen mit globalen Herausforderungen geschaffen. Allein in Deutschland hat das Zeitfenster der Konferenz im Juni einige Ereignisse gerahmt, deren Dramaturgie für die Transformation hin zu einer Nachhaltigen Entwicklung beachtlich ist. Zentral sind dabei vor allem nicht-staatliche Akteure, die als Pioniere des Wandels selbst Impulse für die anstehenden Transformationen setzen:

Mit dem Transformationskongress des DBG, des Deutschen Naturschutzrings und der Evangelischen Kirche am 08./09.06. in Berlin haben drei zivilgesellschaftliche Hauptakteure nach 20 Jahren parallelen Diskussionen erneut zu gemeinsamen Positionen gefunden. Soziale Gerechtigkeit und ein alternatives Wachstum waren dabei verbindende Forderungen, die auch herkömmliche Differenzen zwischen den Verbänden überbrücken konnten.

Auf dem Stiftungstag des Bundesverbands Deutscher Stiftungen mit dem Schwerpunktthema Nachhaltigkeit vom 20.-22.06. in Erfurt sprachen sich führende Vertreter_innen großer Stiftungen für ein besonderes Engagement der Stiftung im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus. Diese Signale für eine noch stärkere Öffnung der Stiftungen können NGOs und Wissenschaftsprojekten aus dem Feld Mut machen, die eigenen Themen finanziell unterstützen zu lassen.

Wohin läuft das Wissenschaftssystem? – Diskussionsveranstaltung im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.2012

Mit der Veranstaltung wird eine Systemanalyse aus der Sicht einer transformativen Wissenschaft angestrebt. In der Runde sollen u.a. folgende Fragen diskutiert werden: Welchen Forschungsbedarf gibt es für den Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft? Welche Strategien bestehen hierfür seitens der Wissenschaft und der großen Förderorganisationen? Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung von Transdisziplinarität an Hochschulen und in den großen Wissenschafts-organisationen sowie im Rahmen öffentlicher Förderprogramme?

Die Veranstaltung beginnt um 17:30 Uhr und wird mit einem Buffet abgerundet.

Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung werden sein:

  • Dr. Wolfgang Rohe, Leiter Wissenschaft – Stiftung Mercator
  • MinDir. Dr. Karl-Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter „Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit“/BMBF
  • Dr. Dagmar Simon, Leiterin Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik, Wissenschaftszentrum Berlin
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Dr. Armin Grunwald, KIT Karlsruhe
  • Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg
  • Thomas Korbun, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Moderation)

Zielgruppe der Veranstaltung : Vertreter_innen von Wissenschaftsorganisationen, Wissenschaftseinrichtungen und wissenschaftspolitische Multiplikator_innen.

„Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ – Eine Broschüre gibt Orientierungshilfe –

In Deutschland beginnen jedes Jahr knapp 400.000 neue Studierende an 400 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen ihr Studium. Ein Ziel der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist es, ihre Lehrpläne dauerhaft um das Konzept der Nachhaltigkeit zu bereichern.Einige Studien- und Promotionsprogramme existieren bereits. Forschung, Lehre und Betrieb der Hochschule müssen jedoch Hand in Hand gehen, wenn das Konzept ganzheitlich umgesetzt werden soll.

Die neue Broschüre der AG „Hochschule und Nachhaltigkeit“ der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt deshalb nicht nur die akademische Leistungsfähigkeit verschiedener Initiativen auf, sondern nennt auch hilfreiche Quellen, Netzwerke und Beispiele aus dem Alltag, etwa in den Bereichen Energieeffizienz und Klimaneutralität.

Sie bietet außerdem eine Checkliste, die es erleichtert, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie in Hochschulen zu implementieren: Wie viele Schritte auf dem Weg zu einer verantwortungsbewussten und nachhaltigeren Hochschule wurden schon zurückgelegt? Welche weiteren Schritte können gegangen werden? Wie kann das Nachhaltigkeitsengagement sichtbarer gemacht werden?


Ein kleiner Einblick aus der Broschüre:

STUDIERENDE FÜR NACHHALTIGKEIT AN HOCHSCHULEN

Für eine Hochschullandschaft in nachhaltiger Entwicklung!

Forderungspapier des Netzwerks studentischer Nachhaltigkeitsinitiativen


FORSCHUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Nachhaltigkeitsforschung: Was können Hochschulen tun?


LEHRE FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Ansatzpunkte in Studium und Lehre


Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit

Ein Angebot innovativer Lehrveranstaltungen für eine nachhaltige Entwicklung


GEMEINSAME ERKLÄRUNG

Hochschulen für nachhaltige Entwicklung ?
Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung


BETRIEB DER HOCHSCHULE

Nachhaltige Entwicklung im Betrieb der Hochschulen


NACHHALTIGE WISSENSCHAFT IM NETZ

Blog Nachhaltige Wissenschaft


PROFILBILDUNG UND NETZWERKE FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Heraus aus der Nische ? 
Profilbildung und Netzwerke als Katalysatoren für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems


EIN BUNDESLAND UNTERSTÜTZT SEINE HOCHSCHULEN

Hochschulen als Antreiber für nachhaltige Entwicklung


TRANSDISZIPLINÄRE FORSCHUNG

Hochschulen und nachhaltige Entwicklung in der Region


NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Nachhaltigkeitsbewertung von Hochschulen


NACHHALTIGKEITSSELBSTTEST

Nachhaltigkeit in der Hochschule: Ein Konzept für die interne Selbstüberprüfung

Skizzenblätter für den ersten Selbsttest

 

DFG fördert Forschungskolleg zu Postwachstumsgesellschaften

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit 6 Millionen Euro eine sozialwissenschaftliche Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mit dem „Festtag der Jenaer Soziologie“ am 26. Januar nahm die Forscher_innengruppe unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Dörre ihre Arbeit auf. Die Initiatoren begründen die Beantragung des Kollegs mit weltweiten Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und sich verschärfende soziale Ungleichheiten. Diese Herausforderungen führen zu einem Ende des Wachstumskapitalismus und benötigen daher die sozialwissenschaftliche Erforschung von Alternativen. Das – auf 6 Jahre ausgelegte – Kolleg, ist das bislang erste und einzige DFG-geförderte Kolleg dieser Art und kann, laut Prof. Dr. Klaus Dörre, als Ritterschlag bezeichnet werden.

Stellenausschreibung für Nachhaltige Wissenschaft im Baden- Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat sich zum Ziel gesetzt,
den Beitrag der Wissenschaft für die nachhaltige Entwicklung zu verstärken. Mit einer 
eigenen Förderlinie für Nachhaltige Entwicklung setzt die Regierung auf eine innovative
und zukunftsfähige Wissenschaftspolitik.
Für die Entwicklung und Umsetzung der Strategie Wissenschaft für Nachhaltigkeit
wird daher eine Person mit Hochschulabschluss, die über Erfahrungen und Kenntnis-
se in der Wissenschaftspolitik und im Themenfeld Nachhaltige Entwicklung verfügt gesucht.
Von Vorteil sind Erfahrungen in der Konzeption und Durchführung von Programmen.

Zur Stellenausschreibung geht es hier.
Bewerbungsunterlagen müssen bis zum 03.02.2012 eingereicht werden.

Sammelband „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!“ erschienen

Mit dem Buch „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung! – Multiperspektivische Beiträge zu einer verantwortungsbewussten Wissenschaft“ möchte die StudierendenInitiative Greening the University e.V. den Diskurs über die Rolle und Bedeutung von Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung weiter voranbringen.

Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung! – Dieser Ausruf soll Zweifaches bedeuten: Mit Bezug auf das normative Leitbild der nachhaltigen Entwicklung werden die Wissenschaften in die Pflicht genommen und aufgefordert, sich gemäß den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Zugleich drückt dieser Ausruf aus, dass die Wissenschaften selbst aktiv ihre Verantwortung wahrnehmen und ihren Beitrag zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung leisten wollen.

Der Sammelband setzt hierbei drei Schwerpunkte. Die Beiträge tragen erstens zum Verständnis des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung bei. Zweitens fragen sie, wie sich das Wissenschaftssystem verändern muss, um auf die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung antworten zu können. Drittens wird aus der Perspektive verschiedener Disziplinen thematisiert, welchen Beitrag Hochschulen in Lehre und Forschung zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können.


Herausgegeben von der
StudierendenInitiative Greening the University e.V., Tübingen
Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!
Multiperspektivische Beiträge zu einer verantwortungsbewussten Wissenschaft

447 Seiten | 29,80 EUR
978-3-89518-823-7 (Dezember 2011)
http://www.metropolis-verlag.de/Wissenschaft-fuer-nachhaltige-Entwicklung!/823/book.do

Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten an der Universität Tübingen

Zum kommenden Wintersemester wird erstmalig der Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten von der Universität Tübingen vergeben. Das Konzept dieses Preises wurde von dem seit einem Jahr bestehenden Beirat für Nachhaltige Entwicklung entwickelt, auf Initiative von und in Zusammenarbeit mit der StudierendenInitiative Greening the University e.V. Tübingen.

Mit dem Nachhaltigkeitspreis für Abschlussarbeiten sollen jährlich jeweils bis zu drei Bachelor- und Masterarbeiten (bzw. äquivalente akademische Leistungen wie z.B. Zulassungsarbeiten, Diplomarbeiten etc.) prämiert werden. Bis zum 1. September diesen Jahres können sich alle Studierenden und Alumni der Universität Tübingen für den Preis bewerben, die ihre Abschlussarbeit in den vergangenen beiden akademischen Jahren verfasst haben. Die Preise sind mit 300€ für Bachelorarbeiten und 500€ für Masterarbeiten dotiert und werden jedes Jahr im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung vergeben.

Mit der Vergabe des Nachhaltigkeitspreises möchte die Universität erreichen, dass Themen der Nachhaltigen Entwicklung vermehrt in Forschungsprojekten aufgegriffen werden. Hierbei richtet sich die Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung – also der Frage, wie sich unsere Gesellschaft ökologisch, ökonomisch sowie sozial-kulturell global- und generationengerecht weiterentwickeln kann – explizit an alle Fachbereiche! Mit der Ausschreibung des Nachhaltigkeitspreises möchte die Universität also sowohl Anreize für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der Nachhaltigen Entwicklung schaffen als auch bestehende gute Lehre und Forschung an der Universität Tübingen sowie deren Relevanz für die Gesellschaft sichtbar machen.

Die Verleihung des Preises wird am 11.11.2011 im Rahmen des Nachhaltigkeitstages der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim in einer Vorabendveranstaltung stattfinden; Prof. Dr. Klaus Töpfer wird dabei die erste Sustainability Lecture der Universität Tübingen halten.

Wie oben bereits angemerkt können sich (leider) nur Studierende und Alumni bewerben, welche ihre Abschlussarbeiten an der Universität Tübingen abgefasst haben. Als Initiatoren dieses Preises hoffen wir natürlich darauf, dass weitere Hochschulen über Tübingen hinaus diesem Beispiel folgen werden, um verstärkt Anreize zur Erforschung von Themen der Nachhaltigen Entwicklung zu schaffen.

Den vollständigen Auschreibungstext sowie alle Bewerbungskriterien für den Nachhaltigkeitspreises für Abschlussarbeiten finden sich unter http://www.uni-tuebingen.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/Uni_Tuebingen/Fakultaeten/WiSo/Wiwi/Uploads/Karriere/Stipendien/Aushang_Nachhaltigkeitspreis_2011.pdf&t=1312629062&hash=f483d2acd8d254dfc3a9c2995e1b40bdf589f158

Kongress „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“ zum 40-jährigen Bestehen des IWU am 6./7.10.2011 in Darmstadt

Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens veranstaltet das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) am 06./07. Oktober 2011 in Darmstadt einen Kongress zum Thema „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“. Der Kongress orientiert sich am Forschungsverständnis des IWU, Forschungsthemen aus den Problemen der Gesellschaft zu generieren. Er will das aktuelle Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren und zugleich die Merkmale exzellenter wie nachhaltiger Forschung beleuchten. Besonders im Augenmerk steht dabei, in welchen Netzwerken eine derartige Forschung gestaltet werden kann. Das vorläufige Programm des Kongresses findet sich hier.

Die IWU GmbH ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung des Landes Hessen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt und arbeitet sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Das Institut befasst sich mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen sowie umwelt- und energierelevanten Fragestellungen. Es erstellt Analysen und Prognosen für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft und unterstützt sie mit Konzepten, Leitlinien und Instrumenten. Das IWU verfügt über hohe Kompetenz bei prozessbegleitenden Steuerungsinstrumenten wie Monitoring und Evaluation. Das Gesamtbudget beträgt rund 3 Millionen Euro. Neben der institutionellen Förderung finanziert sich das IWU zu erheblichen Teilen aus Drittmittelforschung. Derzeit beschäftigt das Institut 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon überwiegend Wissenschaftler aus mehr als 10 Disziplinen.

Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen – Beitrag von Uwe Schneidewind

In der „aktuellen Kolumne“ des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) liefert Uwe Schneidewind unter dem Titel „Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen“ eine Analyse der wissenschaftspolitischen Konsequenzen aus dem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU).

Institutionen für eine transformative Forschung – GAIA-Beitrag zur Konstituierung der NaWis-Runde

In der aktuellen Ausgabe 2/2011 der Zeitschrift GAIA ist der Beitrag (Download siehe unten) „Institutionen für eine transformative Forschung – zur Gründung der NaWis-Runde“ von Uwe Schneidewind, Andreas Ernst und Daniel Lang erschienen. Der Beitrag zeigt die Notwendigkeit institutioneller Veränderungen im Wissenschaftssystem auf, um den Anforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden – ähnlich wie dies gerade der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem aktuellen Hauptgutachten eingefordert hat. Mit der NaWis-Runde, die von den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut initiiert wurde und die seit 2011 der deutsche Träger der Zeitschrift GAIA ist, soll dazu ein Beitrag geleistet werden.

Der GAIA-Beitrag steht hier zum Download bereit: 110614-GAIA-NaWis-definitiv mit Titelblatt

WBGU-Hauptgutachten zur „großen Transformation“ jetzt im Volltext verfügbar – eine erste Einschätzung der wissenschaftspolitischen Analyse

Seit dieser Woche liegt die Vollfassung des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat für Globale Umweltveränderungen)-Hauptutachtens „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ vor. Anfang April hatte der WBGU die Entscheiderzusammenfassung präsentiert und der Bundesregierung (Forschungsministerin Schavan und Umweltminister Röttgen) übergeben. Schon dort waren insbesondere die wissenschaftspolitischen Empfehlungen und die Forderung nach einer verstärkten „Transformationsforschung“ sowie einer „transformativen Forschung“ bemerkenswert (vgl. den Blogeintrag vom 09.04.11). Im Hauptgutachten umfassen die wissenschaftspolitschen Forderungen rund 40 Seiten (S. 342 ff.) und gehen in Analyse und abgeleiteten Konsequenzen nochmals über die Ansätze in der Zusammenfassung hinaus. In dieser Deutlichkeit wurden bisher von keinem umwelt- und nachhaltigkeitspolitischen Beratergremium der Bundesregierung wissenschaftspolitische Konsequenzen eingefordert.

Im folgenden findet sich eine Zusammenfassung zentraler Inhalte des wissenschaftspolitischen Teils des WBGU-Gutachtens:

Neuer Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
Wie erstmals im „Potsdam Memorandum“ 2007 formuliert, fordert auch das WBGU-Gutachten einen neuen „Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“: „Ein solcher Vertrag hätte eine stärkere Verzahnung zwischen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und dem gesellschaftlich formulierten Bedarf an Wissen für eine Transformation in Richtung klimaverträgliche Gesellschaft zur Folge.“ (S. 342 des Gutachtens). Ausgangspunkt für diese Forderung ist die umfassende Analyse bestehender europäischer und insbesonderer deutscher Forschungsprogramme (S. 360 ff.), die zeigt, dass diese notwendige Verzahnung bisher nicht existiert. Dabei macht der WBGU deutlich, dass die Forderung nach transformativer Forschung nicht die Grundlagenforschung und die klassische disziplinäre Forschung oder gar die Wissenschaftsfreiheit ablösen soll. Jedoch ist in seinen Augen eine stärkere Ausrichtung künftiger Forschung auf die bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen notwendig (S. 345).

Kriterienraster für eine künftige transformative Forschung – klare Anforderungen an Ziele, Struktur und Ergebnisse von guter transformativer Forschung
Der WBGU formuliert klare Kriterien für die notwendige transformative Forschung (vgl. Tab. 8.1.2 auf S. 361 des Gutachtens). Diese umfassen die Ziele (Klimaverträglichkeit als Ziel der Forschung? Einbettung in einen umfassenderen Nachhaltigkeitskontext?), die Struktur (Interdisziplinarität, gesellschaftliche Relevanz, Transdisziplinarität, Beschleunigung, internationale Reichweite) sowie die Ergebnisse (Technologische und soziale Innovationen, Verbreitungsbedingungen von Innovationen, Politische Strategien).

Bisherige Forschungsprogramme auf EU- und Bundesebene lösen die Anforderungen an eine transformative Forschung nur unreichend ein – zu disziplinär, zu technologie-orientiert
Das Gutachten analysiert auf der Grundlage des o.g. Kriterienrasters sehr umfassend die Forschungsprogramme auf EU-Ebene (Grünbuch 2007 des Europäischen Forschungsraumes, Kooperationsprogramm im 7. EU Forschungsrahmenprogramm, das Joint Programming, die Joint Technology Initiatives sowie das European Institute of Technology EIT mit seinen Knowledge Innovation Clustern (KICs)) sowie auf Bundesebene (Übergreifende Programme wie die Hightec-Strategie der Bundesregierung, die Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie, das Rahmenprogramm Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung (FONA), die sozial-ökologische Forschung und den Pakt für Forschung und Innovation sowie spezifische Forschungsprogramme in den Bereichen Energie, Urbanisierung und Landnutzung).

Das Ergebnis der Analyse fällt fast überall ähnlich aus (vgl. auch Gesamtfazit S. 370 f.): Klimaverträglichkeit ist häufig ein Ziel, steht aber nur nebenrangig neben ökonomischen Zielen. Interdisziplinarität wird in vielen Programmen proklamiert, aber nur selten systematisch eingelöst. Fast alle Programme bleiben stark technologisch orientiert, soziale und kulturelle Innovationen spielen kaum eine Rolle. Die wenigen wirklichen transformativen Forschungsprogramme (z.B. in der Stadtforschung oder der sozial-ökologischen Forschung) sind im Vergleich zu anderen Programmen äußerst gering finanziell ausgestattet.

Ableitung eines umfassenden Maßnahmenkataloges
Aus seiner Analyse leitet der WBGU eine große Zahl an Empfehlungen für die künftige Wissenschaftspolitik ab (S. 380f.). Diese umfassen sowohl Forderungen an neue Forschungsprogramme als auch viele interessante institutionelle Vorschläge (wie z.B. die Einrichtung einer Transformations-Bundesuniversität, mehr partizipative Forschungsformen, die Einrichtung von „Low Carbon Business Schools“ (S. 382), von transformationsrelevanten Sabbaticals oder der Einführung eines freiwilligen Gesellschaftsjahres „Bildung und Wissenschaft“). Viele dieser im Gutachten nur kurz skizzierten Vorschläge bieten ein interessantes Potenzial für die konkrete wissenschaftspolitische Gestaltung.

Viele weitere bemerkenswerte Elemente im Gutachten: Anreizsysteme im Wissenschaftssystem, partizipative Wissenschaft, …
Die Lektüre des Wissenschaftsteils im WBGU-Gutachten lohnt auch aufgrund vieler weiterer interessanter Analysebausteine: z.B. die klare Analyse „falsch ausgerichteter Anreizsysteme“ im Wissenschaftssystem (S. 373), die das inter- und transdisziplinäre Arbeiten für Wissenschaftler sehr erschwert. Die Skizze der bestehenden Beispiele einer „partizipativen Forschung“ ist ebenfalls äußerst lesenswert (S. 378 ff.). Hier werden Beispiele wie die Projekte „Reef Check“ oder das „Evoluation Megalab“ dargestellt, die heute schon deutlich machen, wie die Zivilgesellschaft aktiv in Wissenschaftsprozesse eingebunden werden kann.

Fazit: Die „große Transformation“ erfordert auch eine Transformation des Forschungs- und Wissenschaftssystems. Diese muss langfristig ausgelegt sein (S. 344) und „Experimentierräume“ (S. 342) auch für eine neue Forschung schaffen. Wie dies aussehen kann, dafür legt der WBGU einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor. Es ist zu hoffen, dass dieser von der Wissenschaftspolitik auf europäischer, nationaler und Länderebene aktiv aufgenommen wird.


15 Jahre Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin

Am letzten Freitag hat das Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin in einem Fest-Kolloquium seinen 15. Geburtstag gefeiert.

Das inzwischen knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassende Zentrum ist einer der führenden deutschen Standorte für transdiszplinäre Forschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stammen aus rund 20 Diszplinen und arbeiten in fünf thematischen Schwerpunkten (Klima und Energie, Landnutzungsmuster und Konsummuster, Mobilität und Raum, Sicherheit/Risiko und Informations- und Kommunikationstechnologie). Auf dem Kolloquium wurde eindrucksvoll deutlich, wie gut der Brückenschlag aus dem ZTG in unterschiedliche Forschungsbereiche der TU Berlin gelingt. Das ZTG erfüllt dadurch seit 15 Jahren eine wichtige Integrationsfunktion innerhalb der TU Berlin.

Das Potenzial des ZTG und der TU Berlin als Schlüsselstandort für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland war Gegenstand des Festvortrages von Uwe Schneidewind. Die Folien des Vortrages stehen hier zum Download zur Verfügung:
110527-Schneidewind-ZTG-TU-Berlin-Transdiszp-Nachhaltigkeitsforschung

GAIA-Beitrag „Ein institutionelles Reformprogramm zur Förderung transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung“

In der aktuellen GAIA 2/2010 findet sich der Beitrag „Ein institutionelles Reformprogramm zur Förderung transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung“. Er gibt einen systematischen Überblick über Gestaltungsempfehlungen für eine Nachhaltige Wissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem.

Schwerpunktausgabe „Nachhaltigkeit und Universitäten“ im Journal of Cleaner Production

Die Mai-Ausgabe des Journal of Cleaner Production (Volume 18, Issue 7, Pages 607-702 (May 2010)) widmet sich dem Schwerpunkt „Going beyond the rhetoric: system-wide changes in universities for sustainable societies“). In dem Heft findet sich eine Reihe guter empirischer und konzeptioneller Beiträge zur Ausleuchtung des Feldes.

Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ als podcast auf der Plattform Lecturio

Ab sofort finden Sie unter http://www.lecturio.de/e-vorlesungen/videoplayer/evorlesung/nachhaltige-wissenschaft.html den von Uwe Schneidewind am 17.12.2009 gehaltenen Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ im Rahmen der Phlink-Vorlesungsreihe an der Universität Marburg. Neben einem Überblick stehen insbesondere die Ansätze im Bereich der Lehre im Zentrum des Vortrages.

Schwerpunkt Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule im HIS: Mitteilungsblatt 4/2009

Im Mitteilungsblatt 4/2009 vom Dezember 2009 der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), Hannover steht das Thema „Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule“ im Mittelpunkt. Neben einer umfassenden Rezension des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ werden aktuelle Tagungen vorgestellt sowie über den Neustart des Copernicus-Netzwerkes berichtet.

Der grüne Weg zu mehr Profil – Schwerpunktthema in der DUZ 1/2010

In ihrer Januarausgabe (1/2010) stellt die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) unter dem Titel „Der grüne Weg zu mehr Profil“ die umweltorientierten Profilbildungsstrategien mittelgroßer Universitäten vor. Konkret werden die Universitäten Kassel, Lüneburg und Oldenburg porträtiert. Der Beitrag zeigt auf, warum im Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema gerade für mittelgrosse Universitäten ein besonderes strategisches Potenzial steckt. Die Beiträge des Schwerpunktes zum Download als pdf finden Sie hier: