Ist Transdisziplinarität das Ende der disziplinären Qualitätssicherung?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Die Forderung nach Transdisziplinarität wird häufig als die Aufgabe erreichter methodischer und konzeptioneller Qualitätsstandards in einzelnen Disziplinen gesehen. Es entsteht die Sorge von Wissenschaft und WissenschaftlerInnen, die von Vielem ein wenig, aber nichts mehr wirklich richtig verstehen.

Roland Scholz hat in seiner „Environmental Literacy“ am eindrücklichsten auf die Formel gebracht, dass das Gegenteil der Fall ist. Transdisziplinäre Wissenschaft zielt demnach auf „disziplinierte Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“. Der methodisch und konzeptionell „disziplinierte“ Blick auf Phänomene bleibt der Kern jeder herausragenden Wissenschaft. Es geht jedoch darum, früh die Stärken und Grenzen der eigenen disziplinären Betrachtung im Vergleich zu anderen Disziplinen zu erkennen und dadurch in einen produktiven interdisziplinären Austausch treten zu können. Wenn diese Form „disziplinierter Interdisziplinarität“ in die wissenschaftliche Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Herausforderungen eingebracht wird und es zum engen Zusammenspiel wissenschaftlicher und akteursbezogener Wissensbestände kommt, dann entsteht „sozial robustes“ Wissen, das nicht nur wissenschaftlich anschlussfähig, sondern auch für gesellschaftliche Akteure handlungsrelevant ist. Das ist der Kern „transdisziplinärer Prozesse“.

Eine so verstandene Wissenschaft erweitert ihre disziplinären und interdisziplinären Qualitätskriterien – z.B. um solche des gesellschaftlichen Impacts – und gibt sie nicht auf. An die Seite des „Science Impacts“ tritt vielmehr der „Societal Impact“. (Vgl. zur Vertiefung: „Disziplinierte Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“: S. 46 ff., „Transdisziplinarität ohne Exzellenz? – Exzellenzkriterien einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung“: S. 114 ff).“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.