Schweiz– Vorreiterland für eine transformative Wissenschaft?

Die Schweiz hat als eines der wenigen europäischen Länder das 3 % Ziel der Forschungsausgaben am BIP erreicht und insgesamt gute Bedingungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche institutionellen Innovationen davon auch für Deutschland übertragbar wären.

„Die Schweiz hat mithin in den letzten knapp 20 Jahren eine umfassende Landschaft an Institutionalisierungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung entwickelt: Dies reicht von spezifischen, gut ausgestatteten Förderprogrammen, einigen „Lead-Universitäten“ für die Nachhaltigkeitsforschung bis zu spezifischen Fachvereinigungen und damit verbundenen Quali- tätssicherungssystemen. Dies liefert institutionelle Anregungen für die Weiterentwicklung des deutschen Systems und macht deutlich, wie zentral „Ökosysteme“ unterschiedlicher, sich gegenseitig befördernder Institutionen sind, um neuen Forschungsausrichtungen zum Durchbruch zu verhelfen.“ (S. 208)

Eine umfassendere Darstellung der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Schweiz findet sich im Buch auf den Seiten 205-208.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Welche Forschung führt aus der Krise? – Tagung zum Stand nachhaltigkeitsorientierter Forschungspolitik in der Schweiz

Am 07.06.2011 hat die Schweizerische Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie (SAGUF) unter der Leitfrage „Welche Forschung führt aus der Krise?“ eine eintägige Tagung zu den Perspektiven nachhaltigkeitsorientierter Forschung und Forschungspolitik in der Schweiz durchgeführt. Die SAGUF hatte für die Veranstaltung führende Vertreter der schweizerischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik gewinnen können (so u.a. den Präsidenten des schweizerischen Nationalfonds Prof. Dr. Dieter Imboden, die Nachhaltigkeits-Koordinatoren der ETH Zürich Prof. Dr. Schwarzenbach und der Universität Bern Prof. Dr. Hans Hurni, leitende Vertreter des Bundesamtes für Umwelt sowie des Bundesamtes für Raumentwicklung).

In den Diskussionen wurde deutlich, dass auch in der Schweiz heftig um das richtige Verhältnis von wissenschaftlicher Selbstorganisationen und geeigneter politischer Steuerung gerungen wird. Die Vorreiterrolle, die die Schweiz im Hinblick auf eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung europaweit bis Ende der 90er-Jahre hatte, muss erst wieder errungen werden. Dies machen die rasanten Entwicklungen in anderen europäischen Wissenschaftssystemen deutlich, wie u.a. der Vortrag von Peter Moll zur EU-Initiative RD4SD (Research and Development for Sustainable Development) zeigt. Die Initiative koordiniert derzeit die Wissenschaftsministerien von 18 europäischen Ländern.

Die SAGUF wird die Impulse aus der Tagung dafür nutzen, die Diskussion in der Schweiz weiter fortzuführen. Eine erste Medienmitteilung der SAGUF zur Veranstaltung findet sich hier.

Weissbuch „Zukunft Bildung Schweiz“ der schweizerischen Akademien der Wissenschaften

Die schweizerischen Akademien der Wissenschaften haben gerade das Weissbuch „Zukunft Bildung Schweiz“ vorgelegt und entwickeln darin eine Vision 2030 für das schweizerische Bildungssystem und eine Roadmap zur Erreichung dieser Vision (Download des Weissbuches). Eindrucksvoll ist neben dem integrierten Charakter des Ansatzes, der alle Bildungsstufen von der Vorschule bis zur Hochschule umfasst, die Tatsache, dass auch das Leitbild „Nachhaltigkeit“ sowohl bei den Randbedingungen (S. 8/9) als auch beim Szenario 2030 (S. 17/18) eine wichtige Rolle spielt. Die Entwicklung eines solchen Weissbuches für Deutschland wäre eine interessante Herausforderung – stellt sich die Frage, wer angesichts der föderalen Zuständigkeit Autor eines solchen Denkanstosses sein könnte/sein sollte.