Stellenausschreibungen der School of Sustainability der Arizona State University

Die Arizona State University schreibt bis zu drei Professorenstellen (zum Teil als Juniorprofessur) im Rahmen eines innovativen und interdisziplinären Studienprogramms für Nachhaltigkeit aus. Die School of Sustainability ist Teil des Global Institute of Sustainability und bearbeitet mit ihren transdisziplinären Lehr- und Forschungsaktivitäten ein weites Spektrum globaler Herausforderungen (Energie, Materialflüsse, Technologie, Wasser, internationale Entwicklungen, Ökosysteme, soziale Transformationen, Ernährung und Politik).

Es werden WissenschaftlerInnen mit folgendem Profil gesucht:

1. vorrangige Forschungs- und Lehrerfahrung im Bereich Nachhaltiger Entwicklung, 
2. methodologische Expertise in Fragen der Erfassung und Bewertung, Entscheidung und Planung, sowie  Intervention und Evaluation von Prozessen nachhaltiger Entwicklung,
3. Erfahrung in der Beteiligung von Akteuren aus der Gesellschaft in Forschungs- und Problemlösungsprozessen,
4. großes Interesse an innovativen Lehrmethoden (Problem- und Projektorientiertes Lernen, transformatives Lernen, kooperatives Lernen).

Die Ausschreibung findet sich unter: https://academicjobsonline.org/ajo/jobs/1331

Bewerbungen können, trotz angegebenem Bewerbungsschluss für die erste Runde, auch weiterhin eingereicht werden.

Sustainability Summit in Lüneburg

29.02. – 02.03.2012 an der Leuphana Universität Lüneburg

20 Jahre nach der Konferenz von Rio de Janeiro setzt sich in mehr und mehr wissenschaftlichen Einrichtungen die Erkenntnis durch, dass für die Umsetzung der normativen Idee einer nachhaltigen Entwicklung eine disziplinär ausgerichtete Forschung nicht ausreicht. Vielmehr müssen inter- und transdisziplinäre Methoden genutzt werden um die Transformation der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung zu erforschen. Die methodologischen und forschungspraktischen Arbeiten zu transdisziplinärer Forschung haben insbesondere in den vergangenen Jahren in Deutschland eine zunehmende Resonanz erfahren – gerade in der Nachhaltigkeitswissenschaft. Die Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg setzt mit der Zusammenführung international renommierter WissenschaftlerInnen und Verantwortlichen aus Poltik und Gesellschaft einen internationalen Impuls zur Weiterentwicklung transdisziplinärer Ansätze. Sie richtet sich an drei Leitfragen aus.

1. Welche Erkenntnisse über die Rolle der Transdisziplinarität für nachhaltige Veränderungen wurden in den letzten 10 Jahren gewonnen?
2. Welche Forschungslücken verbleiben?
3. Wie können diese Forschungslücken gefüllt werden?

Die Konferenz ist in englischer Sprache. Zum Programm und zur Anmeldung geht es hier.

Hier geht es zur Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

WBGU-Hauptgutachten zur „großen Transformation“ jetzt im Volltext verfügbar – eine erste Einschätzung der wissenschaftspolitischen Analyse

Seit dieser Woche liegt die Vollfassung des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat für Globale Umweltveränderungen)-Hauptutachtens „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ vor. Anfang April hatte der WBGU die Entscheiderzusammenfassung präsentiert und der Bundesregierung (Forschungsministerin Schavan und Umweltminister Röttgen) übergeben. Schon dort waren insbesondere die wissenschaftspolitischen Empfehlungen und die Forderung nach einer verstärkten „Transformationsforschung“ sowie einer „transformativen Forschung“ bemerkenswert (vgl. den Blogeintrag vom 09.04.11). Im Hauptgutachten umfassen die wissenschaftspolitschen Forderungen rund 40 Seiten (S. 342 ff.) und gehen in Analyse und abgeleiteten Konsequenzen nochmals über die Ansätze in der Zusammenfassung hinaus. In dieser Deutlichkeit wurden bisher von keinem umwelt- und nachhaltigkeitspolitischen Beratergremium der Bundesregierung wissenschaftspolitische Konsequenzen eingefordert.

Im folgenden findet sich eine Zusammenfassung zentraler Inhalte des wissenschaftspolitischen Teils des WBGU-Gutachtens:

Neuer Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
Wie erstmals im „Potsdam Memorandum“ 2007 formuliert, fordert auch das WBGU-Gutachten einen neuen „Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“: „Ein solcher Vertrag hätte eine stärkere Verzahnung zwischen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und dem gesellschaftlich formulierten Bedarf an Wissen für eine Transformation in Richtung klimaverträgliche Gesellschaft zur Folge.“ (S. 342 des Gutachtens). Ausgangspunkt für diese Forderung ist die umfassende Analyse bestehender europäischer und insbesonderer deutscher Forschungsprogramme (S. 360 ff.), die zeigt, dass diese notwendige Verzahnung bisher nicht existiert. Dabei macht der WBGU deutlich, dass die Forderung nach transformativer Forschung nicht die Grundlagenforschung und die klassische disziplinäre Forschung oder gar die Wissenschaftsfreiheit ablösen soll. Jedoch ist in seinen Augen eine stärkere Ausrichtung künftiger Forschung auf die bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen notwendig (S. 345).

Kriterienraster für eine künftige transformative Forschung – klare Anforderungen an Ziele, Struktur und Ergebnisse von guter transformativer Forschung
Der WBGU formuliert klare Kriterien für die notwendige transformative Forschung (vgl. Tab. 8.1.2 auf S. 361 des Gutachtens). Diese umfassen die Ziele (Klimaverträglichkeit als Ziel der Forschung? Einbettung in einen umfassenderen Nachhaltigkeitskontext?), die Struktur (Interdisziplinarität, gesellschaftliche Relevanz, Transdisziplinarität, Beschleunigung, internationale Reichweite) sowie die Ergebnisse (Technologische und soziale Innovationen, Verbreitungsbedingungen von Innovationen, Politische Strategien).

Bisherige Forschungsprogramme auf EU- und Bundesebene lösen die Anforderungen an eine transformative Forschung nur unreichend ein – zu disziplinär, zu technologie-orientiert
Das Gutachten analysiert auf der Grundlage des o.g. Kriterienrasters sehr umfassend die Forschungsprogramme auf EU-Ebene (Grünbuch 2007 des Europäischen Forschungsraumes, Kooperationsprogramm im 7. EU Forschungsrahmenprogramm, das Joint Programming, die Joint Technology Initiatives sowie das European Institute of Technology EIT mit seinen Knowledge Innovation Clustern (KICs)) sowie auf Bundesebene (Übergreifende Programme wie die Hightec-Strategie der Bundesregierung, die Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie, das Rahmenprogramm Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung (FONA), die sozial-ökologische Forschung und den Pakt für Forschung und Innovation sowie spezifische Forschungsprogramme in den Bereichen Energie, Urbanisierung und Landnutzung).

Das Ergebnis der Analyse fällt fast überall ähnlich aus (vgl. auch Gesamtfazit S. 370 f.): Klimaverträglichkeit ist häufig ein Ziel, steht aber nur nebenrangig neben ökonomischen Zielen. Interdisziplinarität wird in vielen Programmen proklamiert, aber nur selten systematisch eingelöst. Fast alle Programme bleiben stark technologisch orientiert, soziale und kulturelle Innovationen spielen kaum eine Rolle. Die wenigen wirklichen transformativen Forschungsprogramme (z.B. in der Stadtforschung oder der sozial-ökologischen Forschung) sind im Vergleich zu anderen Programmen äußerst gering finanziell ausgestattet.

Ableitung eines umfassenden Maßnahmenkataloges
Aus seiner Analyse leitet der WBGU eine große Zahl an Empfehlungen für die künftige Wissenschaftspolitik ab (S. 380f.). Diese umfassen sowohl Forderungen an neue Forschungsprogramme als auch viele interessante institutionelle Vorschläge (wie z.B. die Einrichtung einer Transformations-Bundesuniversität, mehr partizipative Forschungsformen, die Einrichtung von „Low Carbon Business Schools“ (S. 382), von transformationsrelevanten Sabbaticals oder der Einführung eines freiwilligen Gesellschaftsjahres „Bildung und Wissenschaft“). Viele dieser im Gutachten nur kurz skizzierten Vorschläge bieten ein interessantes Potenzial für die konkrete wissenschaftspolitische Gestaltung.

Viele weitere bemerkenswerte Elemente im Gutachten: Anreizsysteme im Wissenschaftssystem, partizipative Wissenschaft, …
Die Lektüre des Wissenschaftsteils im WBGU-Gutachten lohnt auch aufgrund vieler weiterer interessanter Analysebausteine: z.B. die klare Analyse „falsch ausgerichteter Anreizsysteme“ im Wissenschaftssystem (S. 373), die das inter- und transdisziplinäre Arbeiten für Wissenschaftler sehr erschwert. Die Skizze der bestehenden Beispiele einer „partizipativen Forschung“ ist ebenfalls äußerst lesenswert (S. 378 ff.). Hier werden Beispiele wie die Projekte „Reef Check“ oder das „Evoluation Megalab“ dargestellt, die heute schon deutlich machen, wie die Zivilgesellschaft aktiv in Wissenschaftsprozesse eingebunden werden kann.

Fazit: Die „große Transformation“ erfordert auch eine Transformation des Forschungs- und Wissenschaftssystems. Diese muss langfristig ausgelegt sein (S. 344) und „Experimentierräume“ (S. 342) auch für eine neue Forschung schaffen. Wie dies aussehen kann, dafür legt der WBGU einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor. Es ist zu hoffen, dass dieser von der Wissenschaftspolitik auf europäischer, nationaler und Länderebene aktiv aufgenommen wird.


Qualität statt Quantität – Positionspapier der Jungen Akademie ist auch ein gutes Signal für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ein Positionspapier „Qualität statt Quantität – auch in Berufungsverfahren“ vorgelegt, in dem sie die neuen Regeln der DFG auf Beschränkung der Publikationszahlen im Rahmen von Forschungsanträgen begrüßt und entsprechende Regeln auch bei Berufungsverfahren einfordert. Diese Orientierung an „Qualität statt Quantität“ bedeutet auch eine Chance für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, weil sie den Blick auf die konkreten Inhalte wissenschaftlicher Arbeiten stärken wird und Anreize dazu schafft, auch komplexere inter- und transdisziplinäre Forschungsvorhaben insbesondere im Kontext einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung zu wagen.

White Paper und Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ in der Berlin Brandenburgischen Akademie

Am 13. und 14.07.2010 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie die Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ statt. Rund 200 Teilnehmer suchten nach Perspektiven für eine künftige transdisziplinäre und integrative Wasserforschung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Brückenschlages zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Die Konferenz wurde mit einem White-Paper vorbereitet. Die Wasserforschung erweist sich hier einmal mehr als wichtiger Vorreiter auf der Suche nach geeigneten Formen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft.

Kommentieren Sie Ihre Erfahrungen und Eindrücke von der Konferenz!

Buch „Methoden transdisziplinärer Forschung“ erschienen

Ab sofort ist das Buch: Bergmann, M. u.a. (2010): Methoden transdisziplinärer Forschung. Ein Überblick mit Anwendungsbeispielen. Campus, Frankfurt a.M. 2010 erhältlich.

Das Buch ist das Abschlußprodukt des vom BMBF im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung geförderten td-prax (Stärkung der transdisziplinären Forschungspraxis)- Projektes.

Das ist Buch liefert einen hervorragenden, empirisch gestützten Einblick in den Stand transdisziplinärer Forschungsmethoden. Es hat die vielen insb. im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung durchgeführten transdisziplinären Projekte gescreent und auf die dort sich erfolgreich erwiesenen Methoden der Wissensintegration hin untersucht. Gerade die Integration unterschiedlicher Wissensbestände stellt die zentrale Herausforderung jeder transdisziplinären Forschung dar. Die unterschiedlichen Integrationsformen (vgl. insb. die Übersicht S. 287)

  • Integration durch Begriffsklärung und theoretische Rahmung,
  • Integration durch Forschungsfragen und Hypothesenbildung,
  • Integration durch Sichtung, Nutzung-, Weiter- und Neuentwicklung integrativ wirkender wissenschaftlicher Methoden,
  • Integration durch Bewertungsverfahren
  • Integration durch die Entwicklung und Anwendung von Modellen
  • Integration durch Artefakte, Dienstleistungen und Produkte als Boundary Objects
  • Integrative Verfahren der Forschungsorganisation

werden hervorragend herausgearbeitet und an vielen Fallbeispielen illustriert. Damit entsteht ein Handbuch im besten Sinne für all diejenigen, die sich auf den Weg zu einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung machen. Man merkt dem Buch an, dass es von den führenden Vordenkern transdisziplinärer Projekte in Deutschland geschrieben und in mehreren Workshops innerhalb der einschlägigen Community validiert wurde. Sehr gute Abbildungen und Übersichten und eine hilfreiche Leserführung runden den Eindruck ab.

Greening the University – Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen

Greening the University ist nicht nur programmatisches Ziel, sondern auch der Name einer Studierendeninitative an der Universität Tübingen, die mit einer „bottom-up“-Strategie daran arbeitet, die Universität zu einem Ort in nachhaltiger Entwicklung zu machen. Sie soll dabei sowohl als Lebens- und Arbeitsraum wie auch als Ort für Lehren, Lernen und Forschen wahrgenommen werden. Zum einen initiierte und begleitet die Initiative das universitäre Umweltmanagement und die Validierung nach EMAS. Zum anderen organisieren die Aktiven das „Studium Oecologicum“, ein Seminar- und Vorlesungsangebot für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für ihr Engagement wurde die Initiative als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und informierte über ihr Vorgehen mit Vorträgen und Diskussionen bei Initiativen an anderen Hochschulen. Im Folgenden berichten die Studierenden über ihre Erfahrungen:

Greening the University – der Start
Gegründet im Herbst 2007 auf Initiative des damaligen AStA-Umweltreferenten widmeten wir uns zunächst der inhaltlichen Arbeit, die schließlich im Juni 2008 in ein Symposium „Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“ an der Universität Tübingen [1] mündete, die – allein organisiert von der Studierendeninitiative – den weiteren Nachhaltigkeitsprozess anstieß.
Auf dem Symposium wurden zwei Themenfelder definiert, die in dieser Form bis jetzt unser Engagement und damit auch das der Universität prägen: Zum einen wurden umweltgerechtes Handeln und Umweltmanagementsysteme thematisiert, zum anderen Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema des universitären Lehrens und Lernens diskutiert.

Nach inhaltlichen Inputvorträgen wurden in verschiedenen Workshops die Leitideen für das zukünftige Vorgehen in Tübingen entwickelt. Als ReferentInnen waren ExpertInnen von der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH) sowie von Hochschulen in Bremen, Lüneburg, Dresden und Nürtingen anwesend. Gezielt wurde darauf geachtet, neben Studierenden und DozentInnen auch die universitäre Verwaltung und Interessierte aus der Region einzubinden – dieser partizipative Charakter bildete einen Grundstein des späteren Engagements. Zusätzlich trugen PolitikerInnen, angefangen beim Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer über die Landesumweltministerin Tanja Gönner bis hin zum ehemaligem Direktor des UNEP und Bundesumweltminister a.D., Prof. Dr. Klaus Töpfer, mit Vorträgen zu dem Symposium und vor allem zur Öffnung für ein breites (auch außeruniversitäres) Publikum bei. Die Inhalte und Ergebnisse des Symposiums wurden als Buch veröffentlicht [2], das für uns inhaltlich zur Grundlage unseres Engagements wurde.

EMAS-validiertes Umweltmanagementsystem
Im Verlauf des Symposiums verkündete der Rektor der Universität, Prof. Dr. Engler, den Beschluss zur Einführung eines EMAS-validierten Umweltmanagementsystems [3]. In Folge des Symposiums wurde die Stelle einer Umweltkoordinatorin geschaffen, die als zentrale Ansprechpartnerin für das universitäre Umweltmanagementsystem fungiert. Die notwendige Umweltbilanzierung der Universität wurde erstmalig seit Jahren wieder durchgeführt; die Umweltleitlinien [4] in Zusammenarbeit zwischen Rektorat und Studierendeninitiative entworfen.
Im Juli 2009 startete der EMAS-Validierungsprozess offiziell, der in der Anlaufphase auch vom Landesumweltministerium finanziell unterstützt wird [5]. Inzwischen ist die Phase der ersten internen Umweltbegutachtung im Rahmen der EMAS-Validierung abgeschlossen. Nach der externen Begutachtung steht aus unserer Sicht dem EMAS-Prozess mit seinem Zyklus aus Umweltprüfung, Setzung von Zielen, konkretem Umweltmanagement, dem öffentlichen Umweltbericht und externer Begutachtung nichts mehr im Wege. Die Studierendeninitiative versteht sich hier als Teil dieses dauerhaften und kontinuierlichen Prozesses, der zum einen darauf achtet, die Ziele innerhalb des EMAS-Prozesses ambitioniert zu gestalten, und zum zweiten dazu beiträgt, die Bekanntheit und Akzeptanz des Umweltmanagements an der Universität Tübingen zu verstärken.

Studium Oecologicum – Veranstaltungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
Aus den Diskussionen auf dem Symposium heraus setzten wir uns ein weiteres langfristiges Ziel: Die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung soll in alle (modularisierten) Studiengänge integriert werden. In einer kurzfristigeren Planung wurden für uns zwei zentrale Überlegungen leitend: Zum einen musste das Veranstaltungsangebot als Querschnittsthema Studierenden aller Fachrichtungen offen stehen und möglichst auch für das kurrikulare Studium verwendbar sein, zum anderen sollten auch freiere und diskursivere Lehr- und Lernformen Eingang finden und somit ein Beispiel für Bildung für Nachhaltige Entwicklung darstellen.
Als Anknüpfungspunkt an der Universität Tübingen bot sich vor diesem Hintergrund das Programm des „Studium Professionale“ [6] an, in dessen Rahmen Studierende aller Fachrichtungen Schlüsselqualifikationskurse absolvieren. Mit finanzieller Unterstützung des „Studium Professionale“ organisierten wir im Sommersemester 2009 vier Seminare inklusive einer Zukunftswerkstatt. Im Wintersemester 2009/10 wurde dieses Seminarangebot auf 9 Kurse ausgebaut [7]. In beiden Semestern wurden die Kurse sehr gut von den Studierenden angenommen; aufgrund überbuchter Kurse mussten sogar BewerberInnen abgewiesen werden.
Die Kursinhalte decken sowohl konzeptionelle Inhalte der nachhaltigen Entwicklung (z.B. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“) und ihre dialogische Wechselwirkung mit Fachdisziplinen (z.B. „Literatur(wissenschaft) und Ökologie“) ab als auch kontextbezogene Anwendungsbereiche wie „Betriebliches Umweltmanagement von der Theorie in die Praxis“ oder „Klimawandel – die Prognosen verstehen“. Zentrales Element aller Kurse ist die Vermittlung von Orientierungswissen und Gestaltungskompetenz; das „Studium Oecologicum“ versteht sich dabei als Beitrag zu einer umfassenden Bildung, die die Studierenden zu eigenverantwortlichem und bewusstem Handeln in Unsicherheit und Komplexität befähigen will.
Als Ergänzung dieses Seminarprogramms organisieren wir im aktuellen Wintersemester 2009/10 die Ringvorlesung „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“ im Rahmen des „Studium Generale“ [8] an der Universität Tübingen. Die Vorlesungsreihe geht der Frage nach, wie nachhaltige Entwicklung einerseits als Leitbild in verschiedenen Wissenschaften fungiert, andererseits aber auch mit fachdisziplinären Perspektiven weiterentwickelt wird. Das Spektrum der vertretenen Disziplinen wurde dabei bewusst weit gewählt, neben den Disziplinen der Ethik, Ökologie und Ökonomie kommen unter anderen auch Vertreter der Literatur-, Politik- und Rechtswissenschaft zu Wort [9]. Mit der Reihe wollen wir zeigen, dass die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung als echtes Querschnittsthema an der Universität verankert werden kann – die Dokumentation dieser Reihe wird im Laufe des Jahres 2010 in Buchform erscheinen.

Das weitere Engagement der Studierendeninitiative in diesem Bereich richtet sich vor allem auf die Verstetigung und Institutionalisierung dieses Kursprogramms. Unser spezielles Augenmerk gilt dabei der Qualitätssicherung und Verstärkung des Veranstaltungsangebots, die nur Hand in Hand den Ansprüchen eines starken Nachhaltigkeitsgedankens genügen können. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung muss in den Fachbereichen verankert werden, das übergreifende Veranstaltungsangebot auch konzeptionell weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sind einzelne und einmalige Veranstaltungen und Workshops zu Themen rund um nachhaltige Entwicklung in Planung, die das regelmäßige Programm ergänzen sollen.

Studentisches Engagement an Universitäten – konkrete Erfahrungen
Das Engagement von Studierenden steht vor einem grundsätzlichen Dilemma: Einerseits geht es darum, Dinge grundsätzlich anders zu denken und zu gestalten, andererseits ist Umsetzung immer auch an vorhandene Strukturen gekoppelt, die mitgedacht werden müssen.
Einerseits lässt sich mit ideellen Forderungen, deren Umsetzung nicht mitgedacht wird, wenig bewegen. Andererseits kann es nicht Aufgabe einer Studierendeninitiative sein, der Universität dauerhaft organisatorische Aufgaben abzunehmen – allein die Mitgliederfluktuation durch kürzere Studienzeiten und Auslandsaufenthalte sowie die mangelnde finanzielle Grundausstattung machen ein solches Unterfangen unmöglich.
Unser Engagement zwischen den beiden Polen der Fundamentalkritik und des Einverleibtseins richtete sich deshalb bisher konkret an drei Begriffen aus: Kritische Begleitung, Innovation und Institutionalisierung. Wir verstehen uns als Motor der universitären Umgestaltung im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung, kommentieren dabei sachlich vorhandene Bemühungen und zeigen mit Pilotprojekten Möglichkeiten auf. Dabei behalten wir jedoch stets die langfristige Einbindung unserer Projekte in vorhandene universitäre Strukturen im Blick, auch wenn damit unser eigener Gestaltungsspielraum eingeschränkt wird.
Die Kooperation und der Dialog mit Studierenden, DozentInnen und der Hochschulleitung sind dabei ebenso wichtig wie die Interaktion mit politischen Akteuren aus Kommunal-, Umwelt- und Bildungspolitik sowie der Presse. Studentisches Engagement steht hier aber immer vor dem Problem und der Chance, dass erst Kontaktpersonen gefunden und Vertrauen geschaffen werden muss, dass die Flexibilität und Basisdemokratie einer Studierendeninitiative auf gefestigte Strukturen in Verwaltung und Gesellschaft trifft. Unsere Ergebnisse sind unsere einzige Visitenkarte, auch wenn unsere Vision und die unzählbaren Stunden rein ehrenamtlicher Arbeit darin kaum sichtbar werden. Nachhaltige Entwicklung mit ihrer partizipativen und diskursiven Struktur nicht nur als Zielvorgabe zu begreifen, sondern auch in dem eigenen Vorgehen zu etablieren, zeigt sich vor diesem Hintergrund als notwendiges und gleichzeitig sehr anspruchsvolles Ziel.
Der Weg unserer Studierendeninitiative ist nur gangbar, weil sich viele Engagierte finden, die über Disziplinengrenzen und Weltvorstellungen hinweg mitgehen. Doch der Weg ist steinig – und diese Tatsache zeigt, wie weit es noch ist hin zu einer partizipativen, inter- und transdisziplinären, sozial- und umweltgerechten Universität – einer Universität in nachhaltiger Entwicklung.

Informationsquellen:
[1] Kurzbericht über das Symposium „Greening the University“: http://www.greening-the-university.de/index.php/symposium-2008
[2] Studierendeninitiative Greening the University e.V., 2009: „Greening the University – Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“, oekom, München, ISBN: 3865811329
[3] Informationsseite des Umweltgutachterausschusses des BMU: http://www.emas.de
[4] Umweltleitlinien der Universität Tübingen (veröffentlicht in den Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 8/2009 vom 10.08.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/UmweltleitlinienUniversit%C3%A4tT%C3%BCbingen.pdf
[5] Pressemitteilung der Universität Tübingen zur Einführung des Umweltmanagementsystems nach EMAS (15.07.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/09-07-15EMAS_Umweltmanagement.pdf
[6] Webseite des Studium Professionales in Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/akademisches-beratungszentrum-abz/career-service/studium-professionale-kurse.html
[7] Zusammenfassungsseite des Seminarprogramms „Studium Oecologicum“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-oecologicum
[8] Übersichtsseite zu dem Ringvorlesungsangebot Studium Generale an der Universität Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/aktuell/studium-generale.html
[9] Zusammenfassungsseite der Ringvorlesungsreihe „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-generale

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Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums

Transdisziplinäres Forschen und Lehren heißt „sozial robustes Wissen“ zu schaffen – über Fachgrenzen hinweg und unter Einbezug der Wissensbestände nicht-wissenschaftlicher Akteure. Ausgangspunkt dafür sind konkrete gesellschaftliche Fragestellungen:

Wie lässt sich mehr Demokratie in unserer Hochschule umsetzen? Wie kann der Energieverbrauch in der Uni erheblich gesenkt werden? Das sind Fragen, die sich in jeder Hochschule bearbeiten lassen – fachübergreifend und besonders wichtig: unter Einbezug von Studierenden auf gleicher Augenhöhe, deren Wissen z.B. über eigene Verhaltensmuster und das von Kommilitonen oder über innovative Nutzungsformen des Web 2.0 wichtige Bausteine für eine solche Lehre liefern können. Transdisziplinäres Lernen bringt den Hochschulen das durch die Bachelor- und Masterstrukturen fast völlig verschwundene Projektstudium zurück – heute nochmals sehr viel stärker methodologisch und konzeptionell abgesichert.

Empfehlung: Fordern Sie im Rahmen der Reformierung der Bachelor- und Masterstudiengänge an ihrer Hochschule mindestens ein transdisziplinäres Projektmodul ein, in dem Lehrende und Studierende auf gleicher Augenhöhe Wissensgenerierung im Modus 2 betreiben und gleichzeitig dazu beitragen, konkrete Probleme und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Links: Projekt „Sparkling Science“ des österreichischen Wissenschaftsministeriums.

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Transdisziplinäre Forschung – Quo vadis?

Für eine nachhaltige Wissenschaft spielt der Ansatz der „Transdisziplinarität“ eine zentrale methodische Rolle. Transdisziplinäre Forschung nimmt ihren Ausgangspunkt von gesellschaftlichen Problemen, bearbeitet sie disziplinenübergreifend und bezieht betroffene Akteure ein. Ergebnis ist ein „sozial robustes Wissen“ über Ziele, Systemzusammenhänge und insbesondere Transformationsprozesse. Im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung sind solche gesellschaftlichen Transformations-herausforderungen von zentraler Bedeutung. Vom Umbau des Energiesystems über neue Mobilitätsstrukturen bis zur Neugestaltung urbaner Räume reichen die Gegenstände der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung.

Trotz der Bedeutung transdisziplinärer Forschung steht sie im Wissenschaftssystem erst am Anfang:

  • Es fehlen noch etablierte Qualitätskriterien und -sicherungsmechanismen für transdisziplinäre Forschung.
  • In den bestehenden disziplinären Scientific Communities gibt es wenig Anerkennung für transdisziplinäre Forschung.
  • Bei DFG-Begutachtungen -sowohl für Einzelanträge als auch für Forschergruppen, Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereiche fallen transdisziplinäre Anträge daher häufig durch die (diszplinären) Raster.
  • Bei den Ergebnissen der Exzellenzinitiative sah es ähnlich aus.
    Referierte Journals mit einer explizit transdisziplinären Ausrichtung existieren erst in geringer Zahl.

Im Schwerpunktthema des Monats Oktobers stehen daher Beiträge zur Zukunft der transdisziplinären Forschung in Deutschland im Zentrum des Weblogs. U.a. folgende Fragen sollen diskutiert werden:

1. Was sind „Best Practices“ transdisziplinärer Forschung in Deutschland? Wo haben wir Projekte, die die Ideen einer transdisziplinären Forschung in idealtypischer Weise umgesetzt haben und als Vorbild für andere dienen können?

2. Aktuell gibt es viele Forschungsförderinitiativen, die einen umfassenden Transformationsanspruch haben. Dazu gehören z.B. das Klimzug-Programm des BMBF (zur Entwicklung regionaler Klimaanpassungsstrategien), die Großprojekte zum Ausbau der Elektromobilität in Deutschland oder die neu entstehenden Knowledge Innovation Clusters (KICs) auf EU-Ebene. Trotz ihres inhärent transdisziplinären Charakters spielen transdisziplinäre Methoden in diesen Verbünden bisher keine wirkliche Rolle. Was kann getan werden, um diese Großforschungsverbünde zu Orten auch aktiver transdisziplinärer Methodenentwicklung und -anwendung zu machen?

3. Was sind die aktuell besten Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung in Deutschland? An welchen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungemeinschaften wird transdisziplinäre Forschung heute schon praktiziert und aktiv gefördert?

4. Wie messe und bewerte ich hochwertige transdiszipinäre Forschungsarbeit? Wo steht die Kriteriendebatte und Qualtitätssicherung? An welchen Publikationen und Beispielen läßt sich die Einhaltung entsprechender Kriterien besonders gut beobachten und erlernen?

Hinter jeder dieser Fragen steht ein kurzer Einleitungsbeitrag (Klicken Sie auf die rot hinterlegte Schrift). Sie sind herzlich eingeladen, diese Beiträge zu kommentieren und zu ergänzen. Auf diese Weise soll ein virtueller Kompass zur transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland unterstützt werden.

Bewertung hochwertiger transdisziplinärer Forschungsarbeit

Wie messe und bewerte ich hochwertige transdiszipinäre Forschungsarbeit? Wo steht die Kriteriendebatte und Qualtitätssicherung? An welchen Publikationen und Beispielen läßt sich die Einhaltung entsprechender Kriterien besonders gut beobachten und erlernen?

Nennen Sie uns unter „Kommentar schreiben“ Beispiele und Publikationen, die für Sie im Hinblick auf die Kriterien von transdisziplinärer Forschung von zentraler Bedeutung sind!

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