Stellenausschreibung Universität Hohenheim – Professur für Gesellschaftliche Transformation und Landwirtschaft

Zunehmend werden in Deutschland Stellen für Transformationsforschung ausgeschrieben. Hier zeigt sich vermutlich auch die Wirkung der (landes)politischen Kulissen für eine „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben. So ist zum kommenden Wintersemester an der Universität Hohenheim die Professur (W3) für Gesellschaftliche Transformation und Landwirtschaft ausgeschrieben. „Die Stelleninhaberin /der Stelleninhaber soll das Fachgebiet in Forschung und Lehre vertreten und sich mit der gesellschaftlichen Transformation zur Nachhaltigkeit in Bezug auf den Agrar- und Ernährungssektor befassen. Es wird eine Bewerberin/ein Bewerber mit fundierten sozialwissenschaftlichen Kenntnissen gesucht, die/der das Fachgebiet interdisziplinär auch in Zusammenarbeit mit der Fakultät Naturwissenschaften und der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften etabliert und vertritt. Die Fakultät legt besonderen Wert auf die Exzellenz der angewendeten Methodik und die internationale Sichtbarkeit der Bewerberin/des Bewerbers.“ (aus der Ausschreibung).
Die Bewerbungsfrist endet am 15.02. Die vollständige Ausschreibung finden Sie hier.

„Pioniere des Wandels – Transformationsforschung für eine Kultur der Nachhaltigkeit“ – Veranstaltungsbericht

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Verena Salomon

Studentisches netzwerk n

Diskussionsbeiträge zur Nachhaltigen/ Transformativen Wissenschaft

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Hannes Bever

Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende

Diskussionsbeiträge
zur Nachhaltigen/ Transformativen Wissenschaft

Vom 15. bis 16. Oktober 2013 fand in der Berliner Zentrale der Heinrich Böll Stiftung das Transformative Symposium mit dem Untertitel „Pioniere des Wandels – Transformationsforschung für eine Kultur der Nachhaltigkeit“ statt. Der Andrang und die aktive Beteiligung sprechen für sich, es musste im Vorfeld Teilnehmern abgesagt werden und die angemeldeten nahmen in großer Zahl an der Vorab-Umfrage teil, welche gleich zu Beginn der Veranstaltung ausgewertet wurde.
Seitens der Wissenschaft aber auch der Politik wurde der Anspruch an die Zivilgesellschaft gestellt, gemeinsam mit einer starken Stimme zu sprechen. Die Forschungsgemeinschaft richtete symbolisch das Angebot an die anwesenden Praxisakteure aus der Zivilgesellschaft (beispielsweise Ökodörfer) in direkteren Austausch zu treten und zu formulieren, welche Art von Unterstützung erwünscht und nötig sei. Immer wieder rückte die Frage in den Mittelpunkt, ob ein Wandel aus dem Wissenschaftssystem selbst heraus oder nur von „außen“ möglich sei, was sich in einer hitzigen Diskussion am Mittwochvormittag zwischen Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Präsident des Wuppertal Instituts), Prof. Dr. Harald Welzer (Stiftung Futur II) und dem Publikum noch einmal zuspitzte. Dass es in dieser Debatte keine entweder-oder-Antwort geben kann, wurde uns als Pioniere des Wandels, in der Abschlussrunde noch einmal deutlich.
Besonders stach hervor, dass das zu großen Teilen aus Wissenschaftlern bestehende Publikum die Rolle der Wissenschaft als Vermittler auf dem Weg zur großen Transformation eher kritisch betrachtet. Auch die Sinnhaftigkeit, sich an immer neuen Begrifflichkeiten wie Nachhaltigkeit oder Transformation aufzuhängen, wurde hinterfragt. Viel vermeintlich Neues hat es historisch unter anderem Namen gegeben, die Konzepte liegen in der Schublade, nur an der Umsetzung scheitern wir immer wieder.

Zentrum für Transformationsforschung TransZent eröffnet

„Mit einer Gründungsfeier wurde die Initiative für ein gemeinsames Zentrum für Transformationsforschung „TransZent“ von der Bergischen Universität Wuppertal und vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie vorgestellt. Die Forschungsarbeit soll sich auf Transformationsprozesse in ausgewählten gesellschaftspolitisch, sozioökonomisch und ökologisch relevanten Feldern konzentrieren, die auf eine qualitative Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards abzielen.
„In Wuppertal wird mit TransZent das erste deutsche Kompetenzzentrum für Transformationsforschung zwischen einer Universität und einer außeruniversitären Forschungseinrichtung geschaffen“, betonte Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch bei der Begrüßung der Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft der Stadt Wuppertal. „TransZent soll als interdisziplinäre Einrichtung fachbereichsübergreifend arbeiten. Die vertiefte Kooperation mit Politik und Zivilgesellschaft ist wichtiges Ziel in der künftigen Arbeit des Zentrums“, so Koch weiter. Svenja Schulze, NRW-Wissenschaftsministerin, begrüßte die Initiative: „Unsere Welt ist im Wandel. Dieser Wandel bringt Herausforderungen mit sich, die sich mit bisherigem Wissen, bekannten Strategien und erprobten Technologien nicht bewältigen lassen. Unsere Forschungsstrategie ‚Fortschritt NRW‘ folgt dem Leitbild einer Wissenschaft, die wieder mehr Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt. Das Konzept des Wuppertaler Zentrums zur Erforschung des Wandels ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Beitrag.“

„Im Wuppertaler Zentrum TransZent werden sozialwissenschaftliches und technologisches Systemwissen mit Reallabor-Designs verknüpft“, erläuterten Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts und Prof. Dr. Maria Behrens, Politikwissenschaftlerin von der Universität Wuppertal bei der gemeinsamen Vorstellung der Initiative. Die Ergebnisse aus den vielfältigen Praxisprojekten und Feldexperimenten des Wuppertal Instituts sollen so in die Weiterentwicklung von Modellen, Konzepten und empirischen Methoden einfließen. „Unsere gemeinsame Arbeit wird es sein, Hürden und Gestaltungspotenziale gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit zu analysieren, um dann Handlungsempfehlungen zu formulieren“, ergänzten sie.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Bergische Universität Wuppertal und Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie


Weitere Aktivitäten von Vorreiter-Instituten und Pilothochschulen finden Sie hier.

Forschungskonferenz: Klimarobustes und nachhaltiges Deutschland – Wie gestalten wir die Transformation?

Zur Diskussion künftiger Forschungsschwerpunkte lädt das Umweltbundesamt Akteure der Klimaanpassungs- und Nachhaltigkeitsforschung sowie der Forschungsförderung am 11. und 12. Juni 2013 nach Dessau ein.

Dreiklang aus Nachhaltigkeits-, Transformations- und Anpassungsforschung

Die deutsche Klimapolitik zielt sowohl auf die Vermeidung von Treibhausgasen als auch auf die Anpassung an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels. Zudem sind die sozialen und ökologischen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung weiterhin Treiber für zukunftsorientierte Politik und Forschung.

Die diesjährige Forschungskonferenz des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt stellt die Forschung zur Anpassung an den Klimawandel in Bezug zu Zielen und Konzepten einer nachhaltigen Entwicklung und sozial-ökologischen Transformationsprozessen. Im Fokus stehen Verbindungen von Anpassungsforschung, Nachhaltigkeitsforschung und der Forschung für eine „Große Transformation“ (WBGU).

Klimaschutz, Klimaanpassung, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Transformation – Wie können diese Forschungsfelder zukünftig noch stärker verschränkt werden, um Impulse für ein nachhaltiges und klimarobustes Deutschland zu entwickeln?

Die Konferenz bietet einen Rahmen, um u. a. folgende Fragen zu diskutieren und weiter zu entwickeln:
► Wie lassen sich Erkenntnisse aus der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung stärker in der Anpassungsforschung berücksichtigen?
► Was ergibt sich aus der Anpassungsforschung für die Gestaltung nachhaltiger Zukünfte?
► Welche Erkenntnisse lassen sich für erfolgreiche Forschungs- und Politikansätze weiterentwickeln?
► Wie lassen sich Anstöße zur Veränderung der Forschungslandschaft entwickeln?

Interaktives Format – neue Forschungsthemen gemeinsam entwickeln

Diskussion und Austausch sowie die gemeinsame Entwicklung innovativer Forschungsthemen und -fragen stehen im Mittelpunkt der Konferenz. Akteure der Forschung und der Forschungsförderung sind dazu eingeladen, ihr Wissen und ihre Expertise einzubringen, um die zentralen Themen und Fragen für eine nachhaltige und klimarobuste Gesellschaft zu identifizieren.

Die Diskussionen erfolgen in parallelen Arbeitsgruppen. Für die Identifikation der Themen und Leitfragen der Arbeitsgruppen werden die Teilnehmenden bereits bei der Anmeldung aktiv im Rahmen einer Befragung mit einbezogen. Die Ergebnisse der Befragung werden in die Konzeption der Arbeitsgruppen und die Entwicklung von Leitfragen einfließen.

Veranstalter: Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt

Konzeption und Durchführung: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)


Weitere Informationen und Anmeldung

Promotionsförderung der Heinrich-Böll-Stiftung – Forschung für und über die „Große Transformation“

Die aktuelle Einrichtung des Forschungsschwerpunkts Transformationsforschung im Rahmen der Promotionsförderung steht im Kontext des Programmschwerpunkts der Heinrich-Böll-Stiftung zur Großen Transformation. Das Themen-Cluster greift eine zentrale Forderung des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen (WBGU) zur „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ (WBGU 2011) zur Umsetzung des „Green New Deal“ auf: Mit dem Themenschwerpunkt leistet die Heinrich-Böll-Stiftung einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des neuen Forschungsfelds der Transformationsforschung.

Die Arbeiten sollten „robustes Wissen“ zu Transformationsprozessen entwickeln und insbesondere auch Perspektiven auf sektorale Transformationsstrategien eröffnen. Wichtig ist dabei die Anschlussfähigkeit sowohl an das Wissenschaftssystem als auch an Akteure außerhalb der Wissenschaft.

Es wird angestrebt, einen Unterstützerkreis von Wissenschaftler_innen für den Förderschwerpunkt aufzubauen. Zudem werden ab 2013 Veranstaltungen zum fachlichen Austausch und zur gegenseitigen Vernetzung im Rahmen des ideellen Begleitprogramms des Studienwerks und in Kooperation mit den Fachabteilungen der Stiftung stattfinden. Es ist zudem geplant, das Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Transformationsforschung weiter zu entwickeln, darunter folgende Institute: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (d.i.e.), das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH.


Weitere Informationen zu den Stipendien gibt es hier.

Bewerbungsfristen: 1. März und 1. September 2012

Starkes Plädoyer für eine transformative Forschung im neuen WBGU-Gutachten zur „Großen Transformation“

Am 07. April hat der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) sein Hauptgutachten „Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“ der Bundesregierung überreicht sowie auf einer Tagung in der Akademie Tutzing umfassend vorgestellt und diskutiert. Bisher liegt nur die knapp 30-seitige „Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ vor (Download hier). Die Vollfasssung des Gutachtens (die ursprünglich für den 22.03.2011 geplant war) wird aufgrund der Ereignisse und politischen Entscheidungen in Folge der Reaktorkatastrophe in Fukushima erst in einigen Wochen verfügbar sein.

Das Gutachten zeichnet insgesamt die Epochenherausforderung der Transformation zu einer globalen Nachhaltigen Gesellschaft eindrucksvoll nach und übersetzt diese in differenzierte Strategien. Dabei gefällt die sozial- und kulturwissenschaftlich aufgeklärte Herangehensweise, in die die technologischen, politischen und ökonomischen Transformationspfade eingebettet sind.

Aus der Perspektive einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ ist besonders bemerkenswert, welch starker Stellenwert einer Veränderung im Wissenschaftssystem beigemessen wird, um die anstehenden Transformationsaufgaben zu bewältigen (vgl. S. 22 f. der Zusammenfassung). Der WBGU fordert ein „transformatives Quartett“ der Wissensgesellschaft.

WBGU-transformatives-Quartett

Das „transformative Quartett der Wissensgesellschaft“
Quelle: WBGU (2011), S. 23 (Zusammenfassung des Hauptgutachtens)

Dabei geht es ihm sowohl um eine Transformationsforschung, das heißt eine Forschung, die Zusammenhänge von umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen versteht als auch um eine transformative Forschung, d.h. eine Forschung die transformative Prozesse aktiv befördert. Faktisch wird hier das Programm einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft skizziert. Im Hauptgutachten werden diese Forderungen für einzelne Disziplinen (wie z.B. die Rechtswissenschaften) durchdekliniert.

Der WBGU macht zudem konkrete institutionelle Vorschläge: Neben einer systematischen Evaluation der bisherigen Forschungsprogramme empfiehlt er u.a. die Einrichtung einer Bundesuniversität (S. 26), die „schwerpunktmäßig Forschung und Bildung für die Transformation zur Nachhaltigkeit betreibt“ sowie eine Runde der Exzellenzinitiative, „vollständig zum Thema Forschung im Kontext der Transformation für eine Ressourcen schonende, nachhaltige und lebenswerte Gesellschaft auszuschreiben“.