Die Debatte um eine transformative Wissenschaft gewinnt an Schärfe – Prof. Dr. Günter Stock warnt vor den Gefahren einer „transformativen Wissenschaft“ auf dem Leibniztag

Auf dem diesjährigen „Leibniztag“ (28.06.14) der Berlin-Brandenburgischen Akademie, auf dem die Akademie ihre wichtigsten Auszeichnungen verleiht, hat ihr Präsident Prof. Dr. Günter Stock seine Grußansprache für grundlegende wissenschaftspolitische Überlegungen genutzt.

Er setzt sich dabei mit der aktuellen Debatte über Autonomie und Demokratisierung der Wissenschaft auseinander. Dabei werden insbesondere der Entwurf des aktuellen nordrhein-westfälischen Hochschulgesetzes und das Konzept einer „transformativen Wissenschaft“ kritisiert.

Die Schärfe des gewählten Tons ist eindrucksvoll. So heißt es zur Demokratisierung:

„Nein, mit der „Demokratisierung von Wissenschaft“ ist hingegen etwas ganz anderes gemeint, nämlich dass die Gewährung von Forschungsmitteln und die Definition von Forschungszielen sehr viel stärker an einem wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Interesse ausgerichtet werden soll. (….) Im 20. Jahrhundert haben wir in Deutschland zweimal auf bittere Weise erfahren, was es bedeutet, wenn Forschung und Wissenschaft ausschließlich in den Dienst sogenannter gesellschaftlicher Interessen gestellt werden.“

Und unter Bezugnahme auf die Debatte um eine „transformative Wissenschaft“ sowie die aktuelle Diskussion über eine stärkere zivilgesellschaftliche Beteiligung an den Wissenschaftsprozessen heißt es dann:

„Diejenigen, die eine „Demokratisierung der Wissenschaft“ einfordern, sind jedoch bestrebt, Partikularinteressen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen durch Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und mittels partizipativer Strukturen in den Entscheidungsgremien durchzusetzen. Plakativ formuliert könnte folgendes eintreten: Gesellschaftlich relevante Gruppen halten Einzug in den Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft, um dort – u.a. im Rhythmus von Landtagswahlen – Forschungsziele zu definieren. Immerhin gibt es für diese Art der Definition von Forschung schon eine akademische Debatte und auch Begrifflichkeiten: So sprechen wir von „transformativer Wissenschaft“ sowie von „Solutionismus“. – Grund genug, sorgfältig aufzupassen.“

Es ist bemerkenswert, dass sich Spitzenvertreter des deutschen Wissenschaftssystems mit solchen Tönen in die Diskussion um das angemessene Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts einbringen. Statt einer offenen Auseinandersetzung damit, dass es heute natürlich schon erhebliche Einflussnahmen – gerade bei der Forschungsprogrammgestaltung – von zumeist ökonomischen Partikularinteressen im Wissenschaftssystem gibt, und dass der Umgang ganzer Fachdisziplinen wie den Wirtschaftswissenschaften mit den aktuellen gesellschaftlichen Umbruchssituationen als sehr ernüchternd wahrgenommen wird, wird die Diskussion über eine pluralisierte Form der Wissenschaftssteuerung in die Nähe nationalsozialistischer Einflussnahme auf das Wissenschaftssystem gerückt. Gleichzeitig erklärt Stock den „Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ quasi zur unantastbaren Heiligenstätte der wissenschaftlichen Autonomie. Auch das überrascht angesichts der Debatte über den Reformbedarf innerhalb der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die derzeit geführt wird.

 

Weiterführende Links:

Buch „Transformative Wissenschaft“ in 2. verbesserter und aktualisierter Auflage erschienen

Innerhalb eines Jahres war die 1. Auflage des Buches „Transformative Wissenschaft – Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“ vergriffen. Das Buch liegt jetzt in einer 2. verbesserten und aktualisierten Auflage vor. In die neue Auflage fanden u.a.  im letzten Jahr erschienene Studien zur Wissenschafts-Governance und aktuelle Entwicklungen bei den Vorreiter-Institutionen einer transformativen Wissenschaft Eingang.

Wir freuen uns darüber, dass sich das Buch im deutschsprachigen Raum als Referenzwerk für die Diskussion über eine gesellschafts- und nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft etabliert hat.

Dabei gibt es einerseits viele Rückmeldungen zu den konzeptionellen Aspekten des Buches wie der Bedeutung der Wissenschaft in der Reflexiven Moderne (S. 77 f.), insbesondere jedoch zu den Überlegungen zum Stellenwert von Autonomie von Wissenschaft und Hochschulen und einer möglichen „Autonomiefalle“ (S. 53 f.) – gerade im Zuge der Diskussion um das aktuelle nordrhein-westfälische Hochschulgesetz.

Die schon in der 1. Auflage umfassend dargestellte neue Rolle der Zivilgesellschaft in der Wissenschaftspolitik (S. 306 ff.) hat sich ähnlich dynamisch entwickelt wie die im Buch diskutierten Möglichkeiten auf der Ebene der Bundesländer mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen, Baden Württemberg und Niedersachsen.

Die Betonung der Rolle der Lehre und insbesondere des studentischen Engagements (S. 282 ff.) für eine transformative Hochschulentwicklung hat sich im letzten Jahr ebenfalls bestätigt. Inzwischen wird die weitere Vertreitung des studentischen Engagements u.a. aktiv vom Bundesbildungs- und Forschungsministerium (BMBF) unterstützt.

Die kompakte Diskussion der „12 Fehlwahrnehmungen einer transformativen Wissenschaft“ (S. 377 f.) – Von „1. Transformative Wissenschaft verdrängt Grundlagenforschung“ über „4. Staatliche Steuerung behindert Wissenschaft“ und „7. Wissenschaftliche Politikberatung braucht die eine bündelnde Stimme“ bis zu „12. Das Wissenschaftssystem ist unterfinanziert“ – hat einige Kontroversen ausgelöst und uns darin bestätigt, die richtigen Themen adressiert zu haben.

Wir danken für das zahlreiche Feedback und freuen uns auf die weiteren Debatten!

Schneidewind, Uwe/Singer-Brodowski, Mandy
Transformative Wissenschaft
– Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem
2. verbesserte und aktualisierte Auflage
Metropolis-Verlag, Marburg 2014

„Der inkonsequente Reformer“ – Diskussion über Bürgerwissenschaft und Bürgeruniversität in der Deutschen Universitätszeitung (DUZ)

In der August-Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung reagierte Uwe Schneidewind mit einem „Plädoyer für eine Bürgeruniversität“ auf die im Sommer erschienenen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu den „Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems“. Grundtenor des Beitrages: Hochschulen müssen sich in einer ganz neuen Form gegenüber der Gesellschaft öffnen. Dies hat massive methodische und institutionelle Konsequenzen – in Forschung und Lehre.

Peter Finke, Wissenschaftstheoretiker aus Bielefeld, antwortet in der Januarausgabe der Deutschen Universitätszeitung auf den Beitrag vom August. In seiner Kritik „Der inkonsequente Reformer“ macht er deutlich, dass die Idee einer „Bürgeruniversität“ letztlich noch viel zu eng gedacht ist. Es bedarf vielmehr einer „Bürgerwissenschaft“, die sich heute schon an vielen Orten zeigt und auch über die Ansätze einer „Citizen Science“ hinausweist.

Die DUZ will mit den veröffentlichten Beiträgen eine Plattform für eine breitere Diskussion über „Citizen Science“ schaffen.

Reformvorschlag 20: Virtuelle BNE Academy für Nachhaltigkeitslehre in den General- Studies-Bereichen der deutschen Universitäten

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Virtuelle BNE Academy für Nachhaltigkeitslehre in den General- Studies-Bereichen der deutschen Universitäten

Um die Möglichkeiten der General-Studies-Bereiche der Bachelor- und Master-Studiengänge konsequent und auf hohem Qualitätsniveau für eine nachhaltigkeits-orientierte Lehre zu nutzen, bietet sich die enge Kooperationen mehrerer Hochschulen an, um auf diese Weise ein Lehrangebot zu schaffen, das standortübergreifend von Studierenden belegt werden kann – idealerweise im Rahmen von internationalen Kooperationen.

Genau in diese Richtung zielt die im Jahr 2009 vom Kon-Rektor für Studium und Lehre in Bremen, Georg Müller-Christ, initiierte Initiative für eine virtuelle BNE-Academy. Hier soll in enger Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen ein internet-basiertes Lehrangebot zu Nachhaltigkeits-Themenfeldern entstehen, das an möglichst vielen deutschen Hochschulen im Rahmen des Lehrangebotes der General-Studies-Bereiche als komplett virtuelle Studienangebote oder im Rahmen von „Blended-Learning“-Designs (d.h. in Kopplung mit Präsenzveranstaltungen an der jeweiligen Universität) angeboten wird.

Aktuelle Entwicklung (seit 2009)

Dieser Vorschlag wurde erfolgreich umgesetzt und läuft seit 2011 unter dem Link: http://www.va-bne.de/. Mit Lehrveranstaltungen zu „World in Transition“ (eine Lehrveranstaltung des WBGU), „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“, „Transition Management“, „Klimaschutz und Anpassung“ sowie „Nachhaltigkeit und BWL“ existieren bereits zahlreiche Vorlesungen, die online verfügbar sind und mit einem eigenen Prüfungstool an jeder beliebigen Hochschule Deutschlands im Lehrplan eingesetzt werden können. Die Organisation der Virtuellen Akademie ist dabei einerseits auf die Bedürfnisse der Lehrenden zugeschnitten und erlaubt einen modularisierten Einsatz spezieller einzelner Vorlesungen bis hin zu einer Adaption der kompletten Lehrveranstal- tung inklusive Prüfung. Andererseits kommt sie dem flexiblen Studierverhalten der heutigen Generation Studierender entgegen und ermöglicht ein Studium ohne Präsenz in Hörsälen.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Managementwissenschaft als transdisziplinäre Wissenschaft?

Managementwissenschaft weist in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft auf. Daher wundert es nicht, dass neuere Ansätze der Transformationsforschung insbesondere von Theoriesträngen des „transition managements“ inspiriert wurden. In der Studie Transformative Wissenschaft wird dargestellt, welche Verbindungslinien beide haben.

„Managementforschung oszilliert zwischen konkreten Praxisproblemen sowie einer oft unterkomplexen Definition der Problemlagen und -lösungen auf der einen Seite und dem Anspruch einer angemessenen theoretischen Verortung auf der anderen Seite. Zur Lösung von Managementforschungsfragen erfolgt der Rückgriff auf viele Disziplinen: die Ingenieurwissenschaften, die Psychologie, die Sozial-, Medien- und Kulturwissenschaften. In die Lösung von Managementfragestellungen und die Generierung des dafür notwendigen Wissens sind viele Akteure involviert: Wissenschaftler, Unternehmensvertreter, aber häufig auch Unternehmensberater als Übersetzer zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und unternehmerischer Praxis.“

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Ähnlichkeiten der Managementwissenschaft und der transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft findet sich im Buch auf der Seite 107.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Reformvorschlag 19: BNE-Ranking deutscher Hochschulen einführen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

BNE-Ranking deutscher Hochschulen einführen

Angelehnt an internationale Best-Practice-Beispiele wie dem asisatischen ProSPER.NET sollte ein BNE-Ranking deutscher Hochschulen eingeführt werden. Es könnte sich auf in den letzten Jahren entstandene Indikatorensysteme stützen, würde die Weiterentwicklung einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung im deutschen Hochschulsystem abbilden und die Diffusion von Best-Practice-Beispielen erleichtern. Eine Erprobung und Vorab-Einführung in einzelnen Vorreiterbundesländern wäre denkbar.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ .

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Wer sind Pionierhochschulen einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit in Deutschland?

Noch vor wenigen Jahren kamen die Pionierhochschulen einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit überwiegend aus dem Feld der mittelgroßen Universitäten. Jetzt haben sie sich ausdifferenziert und umfassen mittelgoße Universitäten ebenso wie große Volluniversitäten und Fachhochschulen. In der Studie Transformative Wissenschaft werden vier Hochschulen und ihr Weg zur Profilbildung im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung beschrieben.

„Pilothochschulen stellen mithin den Keim für einen Wandel des Wissenschaftssystems von unten zu mehr Nachhaltigkeit dar. Sie sind vermutlich die wichtigsten „Nischen-Akteure“ für eine Veränderung“ (S. 346). „Die Beispiele der Universitäten Kassel und Lüneburg, Hamburg und der Hochschule Eberswalde zeigen unterschiedliche Pfade einer hochschulweiten Nachhaltigkeitsstrategie auf. Sie verdeutlichen, dass es verschiedene Wege und Durchsetzungsmuster für eine solche Strategie an Hochschulen gibt, die sich grundsätzlich nicht nur auf kleine Hochschulen beschränkt“ (S. 359).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Pilothochschulen findet sich im Buch auf den Seiten 345-359.

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Schweiz– Vorreiterland für eine transformative Wissenschaft?

Die Schweiz hat als eines der wenigen europäischen Länder das 3 % Ziel der Forschungsausgaben am BIP erreicht und insgesamt gute Bedingungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche institutionellen Innovationen davon auch für Deutschland übertragbar wären.

„Die Schweiz hat mithin in den letzten knapp 20 Jahren eine umfassende Landschaft an Institutionalisierungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung entwickelt: Dies reicht von spezifischen, gut ausgestatteten Förderprogrammen, einigen „Lead-Universitäten“ für die Nachhaltigkeitsforschung bis zu spezifischen Fachvereinigungen und damit verbundenen Quali- tätssicherungssystemen. Dies liefert institutionelle Anregungen für die Weiterentwicklung des deutschen Systems und macht deutlich, wie zentral „Ökosysteme“ unterschiedlicher, sich gegenseitig befördernder Institutionen sind, um neuen Forschungsausrichtungen zum Durchbruch zu verhelfen.“ (S. 208)

Eine umfassendere Darstellung der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Schweiz findet sich im Buch auf den Seiten 205-208.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Reformvorschlag 18: Studentisches Nachhaltigkeits-Engagement anerkennen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Studentisches Nachhaltigkeits-Engagement anerkennen

In vielen Veranstaltungen wird studentisches Engagement bereits mit ECTS/Kreditpunkten honoriert – z.B. wenn Studierende im Rahmen von Service-Learning-Veranstaltungen in sozialen Einrichtungen mit- arbeiten. Dieses Modell kann weiter ausgedehnt und damit die Aner- kennung studentischen Engagements gefördert werden, sowie die erworbenen informellen Kompetenzen für den Studienabschluss nutzbar gemacht werden. Die offizielle Anrechnung studentischen (Nachhaltigkeits-) Engagements insbesondere in General-Studies Mo- dulen oder Angeboten des Service-Learnings ist für immer mehr Hoch- schulen ein erfolgreicher Weg der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Beispielsweise hat die Universität des Saarlandes im Sommer 2011 in ihrer Prüfungsordnung eine Anerkennung studentischen Engagements in Gremien etc. in Form von ECTS-Punkten verankert. Diese Ansätze gilt es bundesweit zu stärken.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Leistet zivilgesellschaftliche Beteiligung Klientelpolitik Vorschub?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In den Bundestagsdebatten des Wissenschaftsjahres kam der Vorwurf auf, eine Beteiligung von Umwelt- und Sozialorganisationen sowie Kirchen leiste „Klientelpolitik“ im Wissenschaftsbetrieb Vorschub.

Dieser Vorwurf überrascht deswegen, weil heute die Industrie prominent in die Definition von Forschungsprogrammen auf allen Ebenen eingebunden ist, es sogar wissenschaftliche Akademien wie die Akademie für Technikforschung acatech gibt, die gemeinsam von Wissenschaft und Industrie getragen werden. Allein in der Forschungsunion zur Begleitung der Umsetzung der Hightech-Strategie der Bundesregierung kommt auf zehn Vertreter großer Aktiengesellschaften eine VertreterIn einer zivilgesellschaftlichen Organisation. Eine Pluralisierung von Interessen im Wissenschaftsbetrieb ist daher das Gegenteil von Klientelpolitik. Die Erweiterung der Organe zur strategischen Beratung von Forschungsförderung um zivilgesellschaftliche Akteure stellt die demokratisch legitimierte Interessensvielfalt gesellschaftlicher Systeme in der Forschungsförderung sicher. (Vgl. zur Vertiefung: „Zivilgesellschaftsbeteiligung und Forschungsfreiheit“: S. 315 ff.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Österreich – Vorreiterland einer transformativen Wissenschaft

Österreich zeigt eine Vielzahl innovativer Beispiele in der Förderung einer Nachhaltigen/ Transformativen Wissenschaft, die auch für Deutschland interessant sein könnten. Die Studie Transformative Wissenschaft beschreibt die unterschiedlichen Beispiele, wie der Ausruf eines „Sustainability Award“ für eine exzellente Hochschulbildung oder das partizipative Schüler-Forschungsprojekt „Sparkling Science“.

„Schließlich geht Österreich auch im Bereich der Wissenschaftskommunikation und -partizipation neue Wege: Im Jahr 2012 wurde die Initiative „OpenScience4Sustainability“ (OS4S) vom Wissenschaftsministerium gestartet. Hierbei handelt es sich um eine anläßlich der Rio+20 Konferenz im Juni 2012 gestartete Plattform, die zum Thema Nachhaltigkeitsforschung informiert und die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aktiv fördern soll“(S. 204).

Eine umfassendere Darstellung der österreichen Aktivitäten zur Förderung einer transformativen Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 202-205.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Reformvorschlag 17: Schaffung von deutschen „Resilience“- oder „Tyndall“-Zentren

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Schaffung von deutschen „Resilience“- oder „Tyndall“-Zentren

Im Sinne eines globalen „Capacity Building“ für mehr transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung sollte es in Deutschland eine Initiative für die Schaffung von einem oder sogar mehreren Zentren für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung geben. Diese Zentren könnten sowohl vom Bund als auch von einzelnen Bundesländern, aber auch von privaten Stiftern initiiert werden und sollten sich mit ihren jeweiligen Themenschwerpunkten in das internationale Netzwerk vergleichbarer Zentren einbringen.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Die Gründung einer entsprechenden Bündelungsinstanz steht bisher aus. Die stattgefundenen losen Netzwerkinitiativen wie z.B. der NaWis- Verbund können eine solche Struktur nicht vollständig ersetzen.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Humboldt 2.0 – Was heißt das?

Die Anforderungen an das aktuelle Wissenschaftssystem können mit Ullrich Beck als Humboldt 2.0 beschrieben werden. In der Studie Transformative Wissenschaft wird diskutiert, wie sich ein neues Selbstverständnis von Hochschulen als Ort der Reflexion und Orientierung wieder entwickeln kann.

Humboldt 2.0

  • …die sich den Herausforderungen der reflexiven Moderne öffnen, die die multiplen Anforderungen an Hochschulen nicht als Bedrohung, sondern als aktive Chance ihrer Weiterentwicklung wahrnehmen,
  • die sich ihrer gesellschaftlichen Brückenbauerfunktion zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen stellen,
  • die ihre Rolle als „strukturpolitische Akteure“ annehmen, d.h. als Akteure, die auf die Gesellschaftsentwicklungen nicht nur reagiren, sonderen sich auch als deren Stabilisierer verstehen, indem sie aktiv in ihr Umfeld einwirken“ (S. 102)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Beschreibung des Konzeptes „Humboldt 2.0“ findet sich im Buch auf den Seiten 92-102.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Öffentliche Buchvorstellung von „Transformative Wissenschaft“ am 27.06. in Berlin

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.) veranstaltet am 27.06. ein offzielle Vorstellung des Buches „Transformative Wissenschaft – Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“ in Berlin. In den Räumen der VDW werden die Autoren Kernbotschaften des Buches präsentieren und mit Prof. Dr. Ulrich Bartosch (Vorsitzender der VDW) und Prof. Dr. Ulrike Beisiegel (PräsidentIn der Universität Göttingen und Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz) diskutieren. Beginn der Veranstaltung im Konferenzraum der Geschäftsstelle der VDW, Marienstr. 19/20, 10117 Berlin ist um 11:00 Uhr am 27.06.2013. Anschließend wird ein kleiner Imbiss gereicht. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Aus dem Ankündigungstext der VDW:
„Das deutsche (und internationale) Wissenschaftssystem steht vor großen Herausforderungen! Kann unsere Wissenschaft diese bewältigen? Leistet Wissenschaft einen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderung oder beharrt sie in einem scheinbaren Elfenbeinturm? Wie muss sich das System Wissenschaft selber ändern? Wer sind die Akteure der Veränderung? Wie steht es um die immer wieder beschworene Freiheit von Forschung und Lehre?

Das vorliegende Buch ist eine konstruktive Provokation. Es entwickelt die Perspektive einer transformativen Wissenschaft, die den Weg in eine lebensfähige Gesellschaft mit einem leistungsfähigen Wissenschaftssystem weist. Es ist faktenreich und kontrovers und sucht zugleich auch einen neuen gesellschaftlichen Konsens. Die VDW möchte es der Öffentlichkeit und den Medien vorstellen.“

Die vollständige Einladung mit Hinweisen zur Anmeldung können Sie unter diesem Link herunterladen.

Braucht wissenschaftliche Politikberatung die eine bündelnde Stimme?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In der Diskussion um eine geeignete Form der Wissenschafts-Gesellschaftskopplung ist immer noch das Bild eines klassischen Kopplungsmechanismus dominant: Auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nach ihren Kriterien Wahrheit ergründet, auf der anderen Seite Politik und Gesellschaft, der dieses Wissen übergeben wird, um darauf aufbauend Entscheidungen zu treffen. Als Mittler sollen wissenschaftliche Akademien fungieren. Seit 2008 besitzt auch Deutschland mit der Nationalen Akademie Leopoldina eine nationale Wissenschaftsakademie mit einem solchen Bündelungsanspruch. In vielen gesellschaftlichen Schlüsselfragen wurden ihr inzwischen entsprechende Aufgaben übertragen.

Doch zeigt sich, dass dieses Modell zu kurz greift. Schon naturwissenschaftliches Faktenwissen unterliegt aufgrund der Komplexität der untersuchten Systeme Unsicherheit. Noch mehr gilt dies im Hinblick auf technologische, ökonomische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Analysen und Szenarien. Beim „Zielwissen“ sind Wissens-Unterschiede in pluralen Gesellschaften konstitutiv. Eine Pluralität von Wissens-Positionen ist daher unhintergehbar. Wissenschaftliche Akademien können daher maximal „Agentur“- Funktionen übernehmen. D.h. sie können Wissenslandkarten unterschiedlicher Wissensstände und Positionen skizzieren. Einrichtungen wie der IPCC oder das Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages haben solche Agenturfunktionen und zeigen, dass eine gesellschaftlich breit akzeptierte Aufbereitung von Wissens-Positionen möglich ist. Hierfür braucht es eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Einbindung der Zivilgesellschaft. (Vgl. zur Politikberatung im Nachhaltigkeitskontext und die Rolle der Akademien die Ausführungen auf S. 63 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Reformvorschlag 14: Netzwerk von Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung schaffen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Netzwerk von Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung

Sowohl die großen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als auch die mit Zukunftskonzepten erfolgreichen Universitäten der Exzellenzinitiative sollten Kompetenzzentren für Methoden und das Management transdisziplinärer Forschung einrichten. Sie verfügen heute schon über die kritische Masse und den Anspruch, gesellschaftsrelevante Forschung in stark interdisziplinären Zusammenhängen zu betreiben. Gut vernetzte Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung würden die Methodenprofessionalisierung und den Methodentransfer verbessern und den Stellenwert einer transdisziplinären Forschung verdeutlichen.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Bisher ist es noch zu keiner Einrichtung entsprechender Zentren gekommen, obwohl gerade die Mittel für die Zukunftskonzeptförderung der Exzellenzinitiative hier entsprechende Möglichkeiten bieten würde. Die weitgehendsten Konzepte für den Aufbau entsprechender Kompetenzzentren hat bisher das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt vorgelegt.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Modus 3- Wissenschaft – Was bedeutet das?

Modus 3- Wissenschaft ist die wissenssoziologische Weiterentwicklung einer Modus 2 Wissenschaft in der reflexiven Moderne. Das Konzept wird in der Studie Transformative Wissenschaft hergeleitet, mit Beispielen unterlegt und auf die Möglichkeiten zur Umsetzung im Wissenschaftssystem hin diskutiert.

„Die Idee einer „Modus 3“-Wissenschaft unterstreicht (…) die Notwendigkeit eines „Third-Order-Changes“, d.h. eines grundlegenden Wandels eben auch dieses institutionellen Gefüges (im Wissenschaftssystem). Eine Modus 3-Wissenschaft ist (…) eine Wissenschaft, die sich im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Rolle im Hinblick auf ihre Forschungsinhalte und -methoden, ihre Ausbildungs- und Vermittlungsfunktion sowie ihrer institutionellen Verfasstheit kontinuierlich weiterentwickelt.“ (S. 123) Sie vereint stark kontextualisiertes System-, Ziel- und Transformationswissen, die (Zivil-) Gesellschaft als Akteur der Wissensproduktion und institutionellen Wissenschaftsorganisation, eine heterodoxe Wissensbasis aus Reallaboren und konkreten Transformationsprozessen, kooperative Organisationsstrukturen in der Wissensproduktion und sich im Science-Society- Zusammenspiel weiterentwickelnde Qualitätssysteme (vgl. S. 122).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept der Modus 3-Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 121-124.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Reformvorschlag 13: Institut für transdisziplinäre Methoden schaffen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Institut für transdisziplinäre Methoden schaffen

Angelehnt an das Leibniz-Institut GESIS im Bereich der Sozialwissenschaften sollte in den kommenden Jahren ein Institut für transdisziplinäre Methoden entstehen.

Ein solches Institut würde Forschung zu transdisziplinären Methoden betreiben, Systeme zu ihrer Qualitätssicherung vorantreiben sowie umfassende Schulungs- und Qualifizierungsangebote für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anbieten. Einen besonderen Stellenwert hätte dabei die Entwicklung von „Reallaboren“, ihr Betrieb, ihr Monitoring sowie die Vernetzung der in Reallaboren gewonnenen Erkennt- nisse.

Ein entsprechendes Institut sollte eine enge Kooperation mit Hochschulen und Vorreiterinstitutionen einer transdiszplinären Forschung pflegen.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Warum muss Wissenschaftspolitik wieder zu einem politischen Feld werden?

Wissenschaftspolitik ist ein weniger attraktives Feld für PolitikerInnen. Sie wird nur in Ausnahmefällen medial diskutiert und bietet u.a. aufgrund der Verabschiedung von Globalhaushalten wenig Gestaltungsspielräume. In der Studie Transformative Wissenschaft wird analysiert, wie Wissenschaftspolitik wieder zu einem politischen Feld werden kann und welche zentrale Rolle darin zivilgesellschaftliche Akteure einnehmen.

„Nur wenn sich auch diejenigen Gruppen in der Gesellschaft, die von den Entwicklungen des Wissenschaftssystems aktiv betroffen sind, öffentlich zu Wort melden, kann Wissenschaftspolitik auch wieder zu einem politisch verhandelten Thema werden. Erst dann wird das Thema öffentlich und medial wieder relevant, entstehen neue Transparenz- und Legitimationszwänge für Wissenschaftspolitik, Ministerien, Fördergeber und die Wissenschaft selber. Wissenschaftspolitik wird damit zu einem weiteren politischen Feld, in dem die neuen und höheren Partizipationsanforderungen moderner Politik einzulösen sind.“ (S. 307)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit das Zusammenspiel von Wissenschaftspolitik und ziviligesellschaftlichen Akteuren findet sich im Buch auf den Seiten 306-311.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Wissenschaftsstiftungen als Katalysator für eine transformative Wissenschaft

Wissenschaftsstiftungen bringen sich durch Impulse für innovative Problemlösungen in den vergangenen Jahren zunehmend in die Förderung eines Strukturwandels im Wissenschaftssystems ein. In der Studie Transformative Wissenschaft werden die Potentiale und Grenzen dieses Stiftungsengagements diskutiert und Beispiele für herausragendes Stiftungsengagement beschrieben.

„Stiftungen haben Freiräume zum Experimentieren und verstehen sich selbst als >gesellschaftliche Risiko-Kapitalgeber<, sie fördern neue Arten der Wissensgenerierung, neue Arenen der Kommunikation und sind >Convener<, die die Kooperation von Institutionen und Köpfen ermöglichen. (…)“

  • Stiftungen können innovative Impulse in der Förderung von unkonventionellen und riskanteren Forschungsprojekten geben und dabei auch vermeintlich auseinanderliegende Themenstränge sinnvoll zusammenführen.
  • Sie können an der Schnittstele von Hochschule und Gesellschaft entscheidend zu einer Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie zu einer daraus folgenden Verschränkung unterschiedlicher Wissensformen beitragen.
  • Sie agieren jenseits der Förderalismus-Zwänge und können daher auch strukturelle Impulse jenseits der klassischen Förderinstrumente an Hochschulen setzen (z.B. transdisziplinär arbeitende Stiftungsprofessuren).
    Stiftungen bringen Aufmerksamkeits- und Reputationskapital ins Wissenschaftssystem ein und können dadurch über ihre finanziellen Mittel hinaus Anreite für ein umfassendes Umsteuern im Wissenschaftssystem setzen.“ (S. 318f.)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Innovationskraft der Wissenschaftsstiftungen findet sich im Buch auf den Seiten 319-322.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Ist Wissenschaft für Nachhaltigkeit normativ?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„Ein Grund der Ablehnung transdisziplinärer und gesellschaftsorientierter Wissenschaft basiert auf ihrer vermeintlichen „Normativität“. Eine „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ beschränkte sich z.B. nicht auf wertneutrale Aussagen, sondern umfasse selber Werturteile, die nur in der Sphäre von Politik und Gesellschaft erfolgen sollten.

Transdisziplinäre Wissenschaft umfasst explizit „Zielwissen“, d.h. Wissen über wünschenswerte Zustände und Zukünfte. Zielwissen beinhaltet Werturteile von betroffenen und gestaltenden Akteuren. Indem Zielwissen explizit gemacht wird, wird es einer wissenschaftlichen Perspektive zugänglich. Es kann z.B. mit systemischem Szenario-Wissen genauso wie mit Begründungswissen für Werturteile verknüpft werden. In transdisziplinären Forschungsprozessen passiert genau das. Zielwissen wird dort von wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Akteuren reflektiert und weiterentwickelt. Vermeintlich wertfreie Forschung z.B. zu Technologien oder ökonomischen Instrumenten enthält eine große Zahl impliziter Werturteile, insbesondere wenn sie in der Gesellschaft zu Anwendung kommt. Dies ist die eigentlich kritische Form einer normativen Wissenschaft. (Vgl. zur Vertiefung: „Erweiterte Wissensformen: Vom System- zum Ziel- und Transformationswissens“: S. 69 f.)“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Applied Economics an der Universtität Bonn – disziplinäre Exzellenz und transformative Wissenschaft zusammendenken?

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kritik an der disziplinären und methodischen Verengung der Wirtschaftswissenschaften sind wirtschaftwissenschaftliche Institute und Bereiche, die sich institutionell und inhaltlich neu aufstellen, betrachtenswert. In der Studie Transformative Wissenschaft wird die angewandte Ökonomie an der Universität Bonn vorgestellt und seine institutionellen Innovationen für eine transformative Wissenschaft diskutiert.

„Mit den Maßnahmen ist es der Universität Bonn in den letzten Jahren gelungen, Zentrum einer ökonomischen Forschung zu werden, das hohe theoretische und methodische Standards mit einem relevanten gesellschaftlichen Impact der Arbeiten verknüpft. Labor- und Feldexperimente stellen dabei einen zentralen Nukleus dieses Forschungsdesigns dar. Interessant ist dabei die Entwicklung der Reputationswahrnehmung innerhalb der ökonomischen Community: Diese Form „angewandter Ökonomie“ hat sich zunehmend zur eigentlichen ökonomischen Spitzenforschung entwickelt. Dies zeigt, wie sich die Entwicklung zu einer transformativen Wissenschaft durchaus in ein- drucksvoller Form mit Wissenschaftsstandards von bestehenden Wissen- schaftscommunities verbinden lässt.“ (S. 133)

Eine detailliertere Darstellung der Bonner Applied Economics findet sich im Buch auf den Seiten 131-135.

Überblick zum Buch „Transformative Wissenschaft“ und zur Diskussion in den Monaten April bis Juli 2013 auf diesem Blog

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Reformvorschlag 12: Stärkung der sozial-ökologischen Forschung in Deutschland

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Stärkung der sozial-ökologischen Forschung in Deutschland

Die sozial-ökologische Forschung sollte in den kommenden Jahren insbesondere mit folgenden Vorstößen gestärkt werden:

  • Es sollten mehr Mittel in die Bildung von fest institutionalisierten Netzwerken zwischen Hochschulen, nationalen und freien Forschungsinstituten fließen. Diese Förderprogramme sollten auf innovativen Formen der integrierten Bund-Länder-Förderung basieren, die auch die Hochschulen im Hinblick auf die Verstetigung sozial-ökologischer Forschung in die Pflicht nehmen.
  • Es sollte unbedingt die stärkere Vernetzung der nationalen sozial- ökologischen Forschung mit internationalen Wissenschaftsprogrammen wie dem IHDP erfolgen.
  • Das Mittelvolumen für sozial-ökologische Forschungsansätze sollte erheblich ausgeweitet werden, insbesondere dadurch, dass in bestehenden Forschungsprogrammen mit hoher Nachhaltigkeitsrelevanz Anreize für eine stärkere sozial-ökologische Ausrichtung der Forschung geschaffen werden.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Die Fortsetzung und Stärkung des SÖF-Programmes ab dem Jahr 2013 steht fest auf der Agenda des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Mit einem umfassenden Agendaprozess sowie dem 2012 veröffentlichten und von über 1000 WissenschaftlerInnen unterstützten Memorandum zur Weiterentwicklung der sozial-ökologischen Forschung in Deutschland sind die Konturen für die Weiterentwicklung des Programmes gezeichnet.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ zum Thema Transformative Wissenschaft

Ökologisches WirtschaftDie aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Ökologisches Wirtschaften (herausgegeben vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung e.V.) widmet sich der aktuellen Debatte zu den Möglichkeiten und Grenzen transformativer Wissenschaft. Zwei Jahre nach Veröffentlichung des WBGU Gutachtens wird damit die wissenschaftspolitische Dimension der „Großen Transformation“ zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen. In den Beiträgen der AutorInnen werden unterschiedliche Bezüge zum Leithema hergestellt: das neue Feld der Transformationsforschung, der Beitrag der Wirtschaftswissenschaften oder die Technikfolgenabschätzung als Vorreiter einer Transformativen Wissenschaft. Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe kann hier eingesehen werden.

Baden-Württembergs Engagement für eine Wissenschaft für Nachhaltigkeit

Baden-Württemberg ist eines der Bundesländer mit einem der leistungsstärksten Wissenschaftssysteme. In den beiden bisherigen Runden der Exzellenzinitiative bewährten sich die Baden-Württemberger Hochschulen und Forschungseinrichtungen signifikant. Die Studie Transformative Wissenschaft skizziert die partizipativ angelegte wissenschaftspolitische Strategie des Bundeslandes.

„Für die Weiterentwicklung seiner diesbezüglichen wissenschaftspolitischen Strategie wählte das Wissenschaftsministerium ein exploratives Vorgehen: Es bekannte sich zur Leitidee einer „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ und dem Anspruch Baden-Württembergs, mit seinem Wissenschaftssystem eine Führungsrolle in diesem Bereich einzunehmen. Die Wissenschaftsministerin setzte im Frühjahr 2012 eine siebenköpfige Expertenkommission „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ ein, die im Laufe eines Jahres Empfehlungen für die Stärkung von Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Betrieb von Hochschulen und Wissenschaft erarbeiten sollte“ (S. 342)

Eine weitergehende Beschreibung der wissenschaftspolitischen Steuerungsansätze Ansätze Baden-Württembergs findet sich im Buch auf den Seiten 341-343.

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Bedeutet zivilgesellschaftliche Beteiligung eine Überforderung für das Wissenschaftssystem?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Ein immer wieder vorgebrachter Einwand gegen die Forderungen einer transformativen Wissenschaft ist organisatorischer Natur: Er zielt auf die systematische Überforderung, die eine Einbeziehung von Zivilgesellschaft sowohl für die Wissenschaft als auch die Zivilgesellschaft selber bedeuten würde. Er verbindet sich mit dem Zweifel, dass Zivilgesellschaft zudem gar nicht in der Lage sei, die inhaltliche Ausgestaltung von Forschungsprogrammen zu beurteilen.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen bestehen diese Zweifel interessanterweise nicht. Hier sind in den letzten Jahrzehnten eine differenzierte Struktur und Erfahrungen mit der Kopplung von Wirtschaft und Wissenschaft entstanden. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Umweltverbände, Gewerkschaften oder Kirchen verfügen heute schon über umfassende wissenschaftliche Expertise, betreiben z.T. eigene Forschungseinrichtungen und wissenschaftliche Beiräte. Gegen die Beteiligung der organisierten Zivilgesellschaft an den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen von Forschungsprogrammen, Forschungsorganisationen sowie an wissenschaftspolitischen Entscheidungen laufen daher entsprechende Argumentationen ins Leere, auch wenn im Vergleich zum Wirtschaftssektor hier noch ein Kapazitätsaufbau in zivilgesellschaftlichen Organisationen notwendig ist.

Eine frühere Beteiligung von Zivilgesellschaft an Forschungsprogrammen und -politiken hätte vermutlich geholfen, viele Technologieentwicklungen der Vergangenheit, die später an gesellschaftlichem Widerstand scheiterten, in andere Bahnen zu lenken. (Vgl. zur Vertiefung: „Die Zivilgesellschaft als wissenschaftspolitischer Motor“: S. 306 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Ist ein Umsteuern im Wissenschaftssystem überhaupt möglich?

Ein Umsteuern des Wissenschaftssystems ist auf der Ebene einzelner Organisationen, Bundesländer oder des gesamten Bundes möglich. Die Studie Transformative Wissenschaft skizziert erfolgreiche und mögliche Steuerungsimpulse auf allen Ebenen und beschreibt die Pioniere und Motoren dieser Veränderung.

„Die zweite Auflage des Buches schließt mit einem Fazit nach vier Jahren „Aktionsforschung“ und „teilnehmender Beobachtung“ im Wissenschaftssystem als einem der vermutlich besonders veränderungsresistenten Subsysteme unserer Gesellschaft. Die Erfahrungen der letzten Jahre und die überraschend intensive Aufnahme von einzelnen Impulsen hat zu einigen interessanten Einblicken über Veränderungsmöglichkeiten des Wissenschaftssystems geführt (…) Umsteuern im Wissenschaftssystem ist möglich – aber es wird ein langer Weg. Die Herausforderungen, vor denen moderne Gesellschaften stehen, machen es lohnenswert, diesen Weg auch in den kommenden Jahren weiter zu gehen“ (S. 374ff.).

Ein ausführliches Fazit zu den Potentialen und Grenzen eines Umsteuerns im Wissenschaftssystem findet sich im Buch auf den Seiten 374-376.

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Reformvorschlag 11: Alternativer Nobelpreis für transdisziplinäre Forschung

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Alternativer Nobelpreis für transdisziplinäre Forschung

WissenschaftlerInnen, WissenschaftspolitikerInnen und Wissenschafts-organisationen weltweit sollten sich in einer Initiative für einen (alternativen) Nobelpreis für transdisziplinäre Forschung stark machen. Mit diesem Preis würde jedes Jahr eine herausragende Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler für ihre Arbeit im Bereich transdisziplinärer Forschung ausgezeichnet werden.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Eine entsprechend prominente Positionierung dieser Art steht noch aus und könnte beispielsweise von einer innovativen Stiftung in Angriff genommen werden. Die Auszeichnung von Pionieren transdisziplinärer Forschung nimmt jedoch bei der Verleihung von Wissenschaftspreisen zu.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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„Reallabore“ – neuer Modus Transformation zu verstehen?

„Reallabore“ dienen der Einbettung von Realexperimenten und tragen so zu einer Wissensgenerierung in konkreten Transformationsprozessen bei. In der Studie Transformative Wissenschaft wird das Konzept der Reallabore beschrieben, seine Bedeutung im Kontext von Transformationsprozessen diskutiert und einige schon vorhandene Orte der Umsetzung im Wissenschaftssystem benannt.

„Realexperimente vollziehen sich in „Reallaboren“, d.h. Umgebungen, in denen sich Akteure und die für Transformationsprozesse relevanten sozio-technischen Einflussfaktoren beobachten und auch beeinflussen lassen. Reallabore werden damit zu sogenannten „Boundary Objects“ in einem transdisziplinären Forschungsprozess, d.h. ein Bezugsort, der es unterschiedlichen Akteuren und Disziplinen ermöglicht, ihre Wissensbestände aufein- ander zu beziehen und damit transformatives Wissen zu schaffen (S. 126). Städte sind ein wichtiger und schon länger etablierter Typus für ein „Reallabor“. In ihnen lassen sich konkrete Transformations-Realexperi- mente initiieren und wissenschaftlich begleiten – wie z.B. Veränderungsprozesse, die auf eine konkrete Reduktion des CO2-Ausstoßes einer Stadt zielen. Durch ihre räumliche Abgrenzung sowie z.B. durch ein entsprechend gemeinsam vereinbartes Reduktionsziel schaffen eine Stadt, ein Stadtteil oder ein Dorf einen Rahmen, in dem Innovationen und Veränderungsstrategien aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht und aufeinander bezogen werden können“ (S. 127).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept des Reallabors findet sich im Buch auf den Seiten 124-137.

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Reformvorschlag 10: Kriterien transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem verankern

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Kriterien transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem verankern

Um die Kriterien transdisziplinärer Forschung besser im Wissenschaftssystem zu platzieren, gilt es sie an zentralen Orten des Wissenschaftsbetriebs zu verankern. Neben dem Aufbau weiterer wissenschaftlicher Journals, die ihre Peer-Review-Prozesse nach den Kriterien für transdisziplinäre Forschung aufbauen, gehört dazu die Aufnahme von Transdisziplinaritätskriterien in die Bewertungen von kumulierten Dissertations- und Habilitationsverfahren sowie vermehrte Rankings nach Transdisziplinaritätskriterien:

(1) Rankings nach wissenschaftlicher Exzellenz gewinnen zunehmend Popularität in der Bewertung von Wissenschaftsleistungen. Rankings nach Transdisziplinaritätskriterien würden z.B. Veröffentlichungen mit anderen Wissenschaftlern, Publikationen in fachfremden Journals oder den Impact der Forschung z.B. in Form von Auflagenzahlen von Bü- chern messen und auf diese Weise einen Überblick darüber geben, wo besonders herausragende transdisziplinäre Forschung stattfindet.

(2) In immer mehr Fächern wird es zur Regel, die schriftliche Habilitationsleistung und auch die schriftliche Promotionsleistung „kumuliert“ zu erbringen. D.h. statt eines umfassenden wissenschaftlichen Buches reicht die DoktorandIn bzw. die HabilitandIn mehrere in wissenschaftlichen Journals veröffentlichte Aufsätze ein. In den Promotions- und Habilitationsordnungen der Fakultäten ist geregelt, in welcher Zahl und Güte (Welche Journal-Qualität?) diese Aufsätze für einen erfolgreichen Abschluss des Verfahrens mindestens vorliegen müssen. Es wäre wünschenswert, dass zur Förderung transdisziplinärer Promotionen und Habilitationen spezifische Gütekriterien für die Produkte transdisziplinärer Forschung in diese Kriterienkataloge für kumulative Promotionen und Habilitationen aufgenommen werden und damit eine wissenschaftliche Weiterqualifizierung über herausragende transdisziplinäre Forschung leichter möglich wird.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Kriterienkataloge und Indikatorsets für eine transdisziplinäre Forschung gewinnen in den letzten Jahren national und international an Bedeutung. Eine feste Verankerung in den vorgeschlagenen institutionellen Bewertungssystemen steht noch weitgehend aus und wäre eine wichtige Aufgabe nicht nur für die akademischen Institutionen selber, sondern z.B. auch für Bundesländer durch Berücksichtigung im Rahmen ihrer Zielvereinbarungsprozesse mit Hochschulen sowie den Instrumenten einer indikatorgesteuerten Mittelvergabe.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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Global Change-Forschung – internationaler Motor für eine transformative Wissenschaft?

In der Global Change Forschung werden im Zuge der internationalen Netzwerkbildung die großen naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramme integriert und im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung koordiniert. In der Studie Transformative Wissenschaft wird diskutiert, an welchen Stellen diese Integration bereits erfolgreich ist und was das deutsche Wissenschaftssystem davon lernen kann.

„Die Global Change-Forschung befindet sich seit 2011 in einem Umbruch. Unter dem Titel „Future earth: research for global sustainability“ soll eine noch stärkere Integration der unterschiedlichen themen- und disziplinen-bezogenen Forschungsprogramme sowie ein intensivierter Austausch mit der Zivilgesellschaft erfolgen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei das sogenannte „Co-Design“, d.h. die gemeinsame Festlegung von Forschungsthemen und Fragen mit der Zivilgesellschaft, als auch die „Co-Production“, d.h. Forschungsprozesse, in die betroffene Akteure intensiv eingebunden sind.“ (S. 211)

Eine detailliertere Darstellung der Global Change Forschung findet sich im Buch auf den Seiten 210-214.

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Ist Transdisziplinarität das Ende der disziplinären Qualitätssicherung?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Die Forderung nach Transdisziplinarität wird häufig als die Aufgabe erreichter methodischer und konzeptioneller Qualitätsstandards in einzelnen Disziplinen gesehen. Es entsteht die Sorge von Wissenschaft und WissenschaftlerInnen, die von Vielem ein wenig, aber nichts mehr wirklich richtig verstehen.

Roland Scholz hat in seiner „Environmental Literacy“ am eindrücklichsten auf die Formel gebracht, dass das Gegenteil der Fall ist. Transdisziplinäre Wissenschaft zielt demnach auf „disziplinierte Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“. Der methodisch und konzeptionell „disziplinierte“ Blick auf Phänomene bleibt der Kern jeder herausragenden Wissenschaft. Es geht jedoch darum, früh die Stärken und Grenzen der eigenen disziplinären Betrachtung im Vergleich zu anderen Disziplinen zu erkennen und dadurch in einen produktiven interdisziplinären Austausch treten zu können. Wenn diese Form „disziplinierter Interdisziplinarität“ in die wissenschaftliche Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Herausforderungen eingebracht wird und es zum engen Zusammenspiel wissenschaftlicher und akteursbezogener Wissensbestände kommt, dann entsteht „sozial robustes“ Wissen, das nicht nur wissenschaftlich anschlussfähig, sondern auch für gesellschaftliche Akteure handlungsrelevant ist. Das ist der Kern „transdisziplinärer Prozesse“.

Eine so verstandene Wissenschaft erweitert ihre disziplinären und interdisziplinären Qualitätskriterien – z.B. um solche des gesellschaftlichen Impacts – und gibt sie nicht auf. An die Seite des „Science Impacts“ tritt vielmehr der „Societal Impact“. (Vgl. zur Vertiefung: „Disziplinierte Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“: S. 46 ff., „Transdisziplinarität ohne Exzellenz? – Exzellenzkriterien einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung“: S. 114 ff).“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Reformvorschlag 9: Sozial- und kulturwissenschaftliche Förderoffensive für Nachhaltigkeit starten

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Sozial- und kulturwissenschaftliche Förderoffensive für Nachhaltigkeit starten

Um das eklatante Defizit der sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektive in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung zu beseitigen, gilt es eine umfassende Förderoffensive für diese Forschung zu starten. Eine solche Initiative sollte u.a. Folgendes umfassen:

  • eine Ausweitung der sozial- und kulturwissenschaftlichen Programmförderung,
  • die Gewinnung von >Leitwissenschaftlern
  • die Einrichtung von Professuren zu „Sozialwissenschaften und Nach- haltigkeit/ Klimawandel“,
  • den Aufbau „sozialwissenschaftlicher Infrastrukturen“ im Sinne von Panels für Längsschnittanalysen aber auch in Form von sozialwissenschaftlichen „Laboren“.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Seit 2009 hat sowohl vom BMBF insgesamt als auch im Programm der sozial-ökologischen Forschung (SÖF) eine Stärkung sozial- und kulturwissenschaftlicher Bezüge stattgefunden. Das von der DFG 2011 neu eingerichtete Instrument der Kolleg-Forschergruppen wird ebenfalls den Anforderungen kultur- und sozialwissenschaftlicher Forschung besser gerecht. Der Ausbau sozialwissenschaftlicher Labore bleibt eine Herausforderung.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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Die „Effizienzlücke“ als Motor aktueller Hochschulpolitik?

Hochschulen stehen heute unter einem steigenden Produktivitätsdruck und dem permanenten Sannungsfeld von wachsenden Anforderungen auf der einen Seite und abnehmenden Ressourcen auf der anderen Seite. In der Studie Transformative Wissenschaft wird beschrieben, wie mit diesem Produktivitätsdruck und der daraus resultierenden Effizienzlücke politisch umgegangen wird.

„>Managerisierung< im Sinne der vielen neu entwickelten Managementinstrumente und „Ökonomisierung“ im Sinne eines immer stärkeren Achtens auf Input-Output-Verhältnisse im Hochschulbereich sind die zwangsläufigen Versuche der Hochschulen, mit der Effizienzlücke umzugehen. Die Gewährung von „Autonomie“ hilft ihnen dabei, die Produktivitätspotenziale zu mobilisieren. Durch die äußere Zwangslage ist diese aber nicht mehr als eine Scheinautonomie – es ist die Freiheit, der Einsicht in die faktischen Ressourcenzwänge mit einem Spektrum an nahe liegenden Managementinstrumenten zu folgen“ (S. 84).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Effizienzlücke findet sich im Buch auf den Seiten 81-86.

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Reformvorschlag 8: Kultivierung von Inseln der Heterodoxie

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Kultivierung von Inseln der Heterodoxie

Sowohl als eigenständige Institutionen (z.B. in Form von Institutes of Advanced Studies oder einzelne konsequent heterodox ausgerichtete Hochschulen) als auch in Form von geschützten „Orten“ innerhalb bestehender Institutionen (z.B. durch Sabbaticals und Forschungsstipendien oder eigenständige Zentren) gilt es „Inseln der Heterodoxie“ im deutschen Wissenschaftssystem zu kultivieren. Auf ihnen sollten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neuen und ungewöhnlichen Perspektiven Fragen der Nachhaltigkeit und der Transdisziplinarität nähern können.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Hier kommt erst langsam Bewegung ins System. Die Schaffung des neuen Instrumentes der geisteswissenschaftlichen DFG-Kolleg-Forschergruppen sowie erste mutige Entscheidungen für heterodoxe Themen wie dem der „Postwachstumsgesellschaften“ weisen in die richtige Richtung. Zudem haben einige stiftungsbasierte Initiativen dazu beigetragen, entsprechende „Inseln“ für heterodoxe Zugänge zu schaffen.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ und hier.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Wissenschafts- und Hochschulpolitik als Thema der Gewerkschaften?

Die Gewerkschaften haben durch die ihre langjährige Auseinandersetzung mit Hochschulen als Arbeitgeber eine breite Erfahrung mit der Wissenschaftspolitik. Die Studie Transformative Wissenschaft skizziert die Entwicklung eines über Arbeitsmarkt-Fragen hinausgehenden hochschulpolitischen Leitbildes durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

„In den Jahren 2009 und 2010 hat nun die gewerkschaftsnahe Hans- Böckler-Stiftung zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB.) und den DGB-Mitgliedsgewerkschaften einen Leitbildprozess initiiert, der in ein hochschulpolitisches Leitbild „Demokratische und soziale Hochschule“ mündet (…). Das Leitbild baute u.a. auf 14 Expertisen zu zentralen Themen der hochschulpolitischen Auseinandersetzung auf und zielt insbesondere auf die Rolle der Hochschulen für eine demokratische und soziale Gesellschaft sowie den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Ausgestaltung der Hochschulen selbst ab“ (S. 311).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Wissenschaftspolitik und ziviligesellschaftlichen Akteuren findet sich im Buch auf den Seiten 311-312.

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Warum die Umweltverbände die Wissenschaftspolitik für sich entdecken

Aktuelle Umweltpolitik ist ein stark wissenschaftsgestütztes Politikfeld. Die gleichzeitige Expansion von Umweltbewegung und Hochschulausbau in den 70er Jahren führte dazu, dass die Umweltverbände immer über ausreichende „Sparrings-Partner“ im Wissenschaftssystem verfügten. Aktuell wird der aktive Austausch von Umweltverbänden und dem etablierten Wissenschaftsystem jedoch zunehmend geringer. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht die Folgen dieser Entkopplung: ein gesteigertes Engagement der Umweltverbände in der Wissenschaftspolitik.

„Seit einigen Jahren merken die Umweltverbände aber, dass der intensive Austausch mit dem etablierten Wissenschaftssystem geringer wird. Die Generation der in den 70er-Jahren berufenen Hochschullehrerinnen und -lehrer tritt ab. Viele der von ihnen vertretenen Lehrstühle werden gar nicht oder nur in veränderten Denominationen nachberufen. Die Umweltverbände spüren plötzlich die (…) skizzierten Folgen eines sich reduzierenden, auf rein innerwissenschaftliche disziplinäre Exzellenz konzen- trierenden Wissenschaftssystems“ (S. 309).

Eine Beschreibung der Hintergründe und Folgen des wissenschaftspolitischen Engagements der Umweltverbände findet sich im Buch auf den Seiten 308-311.

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Reformvorschlag 5: Innovationsministerien im Zeichen des Klimawandels nutzen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Verstärkung der sozial- und geisteswissenschaftlichen Kompetenzen in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Gerade die Kombination von Wissenschafts- und Wirtschaftsressort bietet vor dem Hintergrund einer Nachhaltigen Entwicklung die interessante Chance, die vorherrschende Dominanz von Wirtschaft vor Wissenschaft in einem solchen „Innovations-Ministerium“ umzudrehen: d.h. eine Wirtschaftspolitik konsequent so zu gestalten, dass die Erkenntnisse zu den Anpassungsherausforderungen an eine nachhaltige Entwicklung in wirtschaftspolitische Impulse für Schlüsselbranchen eines Landes übersetzt werden. Dies ist leider immer noch die Ausnahme, die Wirtschaftsministerien oft „Blockade“- und nicht „Förder“- Ministerien für einen nachhaltigen Wandel.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Seit 2009 hat es noch keine Umsetzung eines solchen Ressortzuschnittes gegeben. Aber es gibt in einzelnen Bundesländern Schritte, die in diese Richtung weisen: So wird das Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen seit 2010 mit Svenja Schulze von einer ausgewiesenen Umweltpolitikerin geleitet. Das Wissenschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg ist seit 2011 stark in die Nachhaltigkeits-Landesstrategie des Ministerpräsidenten eingebettet.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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Einführung in das Buch „Transformative Wissenschaft“

Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie, erläutert im Film die Idee und den Inhalt des im April 2013 im Metropolis-Verlag erschienenen Buches „Transformative Wissenschaft. Klimawandel im deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystem'“.

Er geht dabei insbesondere auf den Bezug des Buches zur Forschung im Wuppertal Institut ein.

Behindert staatliche Steuerung die Wissenschaft?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„Wer in einer möglichst weitgehenden Hochschulautonomie den zentralen Imperativ für eine qualitätsvolle Hochschulentwicklung sieht, muss jede Form staatlichen Eingriffs als Behinderung empfinden. In der wissenschaftspolitischen Debatte findet sich diese Position prominent vertreten von Hochschulleitungen, aber auch aus dem Bereich der Wirtschaft.

Für einen Sektor, der zu rund 80% öffentlich finanziert wird – wie das bei Hochschulen der Fall ist – birgt eine solche Position Risiken. Es droht eine „Autonomiefalle“. Denn ohne die Möglichkeit der politischen Rückkopplung von Hochschulstrategien droht Legitimations- und damit letztlich auch Finanzierungsverlust. Hochschulen tun daher gut daran, den staatlichen Gestaltungsanspruch als sinnvoll anzuerkennen. Die eigentliche Diskussion sollte um die Form der Umsetzung gehen. Und im Zuge neuer Steuerungsphilosophien liegt diese jenseits bürokratischer Gängelung.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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DFG- Sackgasse für transformative Forschung?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist als Selbstorganisation der deutschen Wissenschaft aktuell kein Impulsgeber für eine transformative Wissenschaft. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche Öffnungstendenzen es im Hinblick auf eine Missions- sowie eine stärkere Gesellschaftsorientierung bei der DFG gibt:

„Die Förderung erfolgt insbesondere für Forschungsansätze und Zugänge, die im aktuellen Wissenschaftssystem etabliert und dadurch in den bestehenden Gutachtergremien repräsentiert sind. Dies sichert einen hohen Qualitätsstandard im Hinblick auf die bestehenden Formen der Forschung, verringert in der Regel jedoch die Erfolgschancen für neue und daher noch nicht in gleicher Weise qualitätsgesicherte Forschungsparadigmen – wie es die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt. Sowohl die Ergebnisse der Exzellenzinitiative als auch das Spektrum der geförderten koordinierten Forschungsverbünde und der Anträge der Einzelförderung zeigen dies“ (S. 148).

Eine detailliertere Darstellung der Anknüpfungspunkte an eine transdisziplinär ausgerichtete und Transformationsprozesse begleitende Forschungsförderung in der DFG findet sich im Buch auf den Seiten 148-150.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Reformvorschlag 4: Verstärkung der sozial- und geisteswissenschaftlichen Kompetenzen in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Verstärkung der sozial- und geisteswissenschaftlichen Kompetenzen in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Naturwissenschaftlich-technische Institute der Fraunhofer-Gesellschaft bzw. der Leibniz- und Helmholtz-Gemeinschaft sollten konsequenter ihre sozial- und geisteswissenschaftlichen Kompetenzen ausbauen. Bei Neuaufnahmen in diese Gemeinschaften (insbesondere in die Leibniz- Gemeinschaft) sollten Institute mit einer wirtschafts-, sozial- und geis- teswissenschaftlichen Ausrichtung eine besondere Berücksichtigung finden.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Die sozialwissenschaftliche Forschung in den großen Forschungs- gemeinschaften hat in den letzten Jahren weiter zugenommen: So hat die am Karlsruher KIT 2011 initiierte Helmholtz-Allianz „ENERGY- TRANS“ zur Energiewende umfassende sozialwissenschaftliche Anteile oder sind am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) sozialwissenschaftliche Bezüge ausgebaut worden. Trotz des Aufbaus sozialwissenschaftlicher Kapazität bleibt die Herausforderung bestehen, diese zu wirklich integrierten Forschungsansätzen weiterzuentwickeln.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ .

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Exzellenzinitiative und Nachhaltigkeit

Die Exzellenzinitiative hat das deutsche Wissenschaftssystem in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt. Eine transdisziplinär organisierte Nachhaltigkeitswissenschaft fand darin bisher nur marginal Beachtung, u.a. weil die Auswahlkriterien der Exzellenzinitiative sehr disziplinär angelegt waren. In der letzten Runde der Exzellenzinitiative gab es dagegen Anknüpfungspunkte für eine Verbindung disziplinärer und transdisziplinärer Forschung, wie es die Studie Transformative Wissenschaft zeigt.

„Ein Blick auf diese ausgewählten Graduiertenschulen und Exzellenzcluster zeigt, dass gerade Umwelt- und Nachhaltigkeitsperspektiven aus sehr unterschiedlichen disziplinären Perspektiven angesprochen werden. Es gibt einzelne explizit umweltwissenschaftliche Cluster, in anderen sind entsprechende Fragen und Teilaspekte relevant. Doch alle ausgewählten Cluster und Graduiertenschulen verharren letztlich in einer disziplinären und eng interdisziplinären Logik. (…) Wenn es gelingt, diese Cluster transdisziplinär weiterzuentwickeln, wird deutlich werden, wie hervorragend disziplinäre und interdisziplinäre Exzellenz mit dem Anspruch einer auf Transformation zielenden transdisziplinären Wissenschaftspraxis in Einklang stehen. Die Elitestandorte sind die idealen Orte, diese Komplementarität zu entwickeln.“ (S. 188f.)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Kontroverse um Nachhaltigkeit in der Exzellenzinitiative findet sich im Buch auf den Seiten 183-194.

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Die sozial-ökologische Forschung – Vorbild für eine transformative Wissenschaft?

Die sozial-ökologische Forschung (SÖF) in Deutschland wird seit dem Jahr 1999 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschug gefördert und hat entscheidende Entwicklungen (beispielsweise in der Diskussion um Qualitätskriterien transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung) ermöglicht. Seit der Etablierung der sozial-ökologischen Forschung wurden auch institutionelle Innovationen befördert – z.B. durch die Förderung von sozial-ökologischen Nachwuchsgruppen zur Qualifizierung von transdisziplinär arbeitenden NachwuchsforscherInnen. Die Studie Transformative Wissenschaft diskutiert warum sie durch diese institutionellen Innovationen ein Vorbild für eine transformative Wissenschaft sein kann.

„Die Sozial-ökologische Forschung verstand und versteht sich deswegen als Motor für die Entwicklung sozialwissenschaftlich aufgeklärter Transformationsstrategien von Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen sowie als Katalysator für die Entwicklung transdisziplinärer Forschungsstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem. (…) Dabei wurde mit dem Förderprogramm zur Sozial-ökologischen Forschung von Anfang an ein zweifaches Ziel verfolgt: einmal konkrete Projektförderung in dem gerade definierten Schnittbereich zu fördern, zum anderen aktiv zum „Capacity Building“, d.h. dem Aufbau von dauerhaften Strukturen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung beizutragen: Neben der Projektförderung in Form der Förderung thematischer Forschungsverbünde erfolgten von Beginn an auch sogenannte „Infrastrukturförderungen“ (S. 155).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der sozial-ökologischen Forschung findet sich im Buch auf den Seiten 154-165.

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Sichert vollständige Autonomie Forschungsfreiheit und Vielfalt?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Die Sorge um Wissenschaftsfreiheit durch eine stärkere gesellschaftliche Orientierung geht meistens mit einer Erhöhung der vermeintlichen positiven Wirkungen von möglichst weitgehender Hochschulautonomie einher. Diese Position bezieht sich dabei auf die institutionelle Wissenschaftsfreiheit, d.h. die Autonomie von Hochschulen als Institutionen, und wird gerade von Hochschulleitungen gerne vertreten.

Zwar hat die in den letzten gut zehn Jahren eingeräumte Hochschulautonomie die Produktivität der Hochschulen erheblich gesteigert – insbesondere im Hinblick auf die eingeworbenen Drittmittel sowie die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit in Form international gemessener disziplinärer Exzellenz. Gleichzeitig hat eine inhaltliche Ausdifferenzierung gerade im Universitätsbereich kaum stattgefunden. Profilbildungsstrategien von Universitäten erweisen sich heute als weitgehend austauschbar. Die Evaluationen der Exzellenzinitiative haben dies gezeigt. Kleine Fächer, heterodoxe Zentren, umfassende Formen der Inter- und Transdisziplinarität und nicht drittmittelfähige Forschung haben es zunehmend schwerer, sich zu behaupten.“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Reformvorschlag 3: Empirische Wissenschaftsforschung zu Ökologie und Nachhaltigkeit stärken

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Empirische Wissenschaftsforschung zu Ökologie und Nachhaltigkeit stärken

Viele der skizzierten Entwicklungen – wie die disziplinäre Engführung oder die Schwierigkeit der Etablierung ökologie- und nachhaltigkeitsorientierter Professuren – stützen sich wissenschaftlich auf Experteneinschätzungen und einzelne Fallbeispiele. Systematische empirische Untersuchungen des deutschen (und anderer nationaler) Wissenschaftssysteme im Hinblick auf die Entwicklung ihrer ökologischen und nachhaltigen Ausrichtung fehlen bisher weitgehend. Diese Form der Forschung gilt es unbedingt auszubauen. Eine wichtige Analyse wäre dabei die empirische Untersuchung des Rückgangs ökologisch und nachhaltig ausgerichteter Professuren an deutschen Universitäten, der von den Umweltverbänden immer wieder beklagt wird. Es wäre wünschenswert, die in den Universitäten über die letzten zehn Jahre zu beobachtenden Entwicklungen differenziert nach einzelnen Fächern nachzuzeichnen.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Umfassende empirische Analysen liegen bisher nicht vor. Der WBGU (2011) hat in seinem Hauptgutachten 2011 eine Grobbewertung der bestehenden deutschen und europäischen Förderprogramme im Hinblick auf ihre Potenziale zur Unterstützung gesellschaftlicher Transformationsprozesse vorgenommen. Das Umweltbundesamt förderte 2012 eine Überblicksstudie zur „Politikrelevanten Nachhaltigkeitsforschung“ in Deutschland. Im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Plattform „Forschungswende“ wurde ein Gutachten zu „strukturellen und programmatischen Hindernissen für eine Partizipation der Umweltverbände in der staatlichen Forschungspolitik“ ausgeschrieben. Eine umfassende, insb. auch Lehrstuhl-genaue Analyse wäre weiterhin ein wichtiger Beitrag zur Analyse der Entwicklungstendenzen im deutschen Wissenschaftssystem. Das BMBF-Programm zur Wissenschaftsforschung würde hier Möglichkeiten bieten; genauso wären aber auch Analysen auf der Ebene einzelner Bundesländer denkbar.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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„Landscape“ – „Regime“ – „Nischen“ – Wie verändert sich eigentlich das Wissenschaftssystem?

Die Transition-Forschung beschreibt sektorale Veränderungsprozesse im Rahmen einer Multi-Level-Perspektive. Die Veränderung komplexer sozio-technischer Systeme wird danach durch die Wechselwirkung von drei funktionalen Ebenen beeinflusst. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht die verschiedenen Ebenen im Hinblick auf das deutsche Wissenschaftssystem.

„Dies sind die Ebenen von (1) Umfeld („Landscape“), (2) Regime und (3) Nische. Die „Umwelt“ wird dabei durch stabile Megatrends eines Systems charakterisiert, die in der Regel durch die Akteure im System nicht beeinflusst werden können(…). Das „Regime“ charakterisiert die in einem sozio-technischen System bestehenden Institutionen, Regeln und Routinen, die das Handeln im System beeinflussen und stabilisieren(…). „Nischen“ bezeichnen schließlich Handlungsmuster und Experimente von Akteuren und Akteursgruppen, die Neuerungen erproben, auch gegen bestehende institutionelle und organisationale Regeln des bestehenden Regimes. Nischen-Akteure werden dadurch zu zentralen Motoren für Veränderungsprozesse (S. 298f.).“

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel der drei funktionalen Ebenen im Wissenschaftssystem findet sich im Buch auf den Seiten 298-301.

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Die Fraunhofer-Gesellschaft: Nachhaltigkeit als konsequente Weiterentwicklung unternehmensbezogener Anwendungsforschung?

Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt als große Wissensschaftsgemeinschaft am konsequentesten auf Anwendungsorientierung und ist im Gegensatz zu den anderen großen deutschen Wissenschaftsgemeinschaften zu großen Anteilen über Drittmittel finanziert. In der Studie Transformative Wissenschafft wird diskutiert inwieweit dieses Profil für eine Forschung für Nachhaltigkeit geeignet ist.

„Die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren mithin zu einem wichtigen Motor für das Nachhaltigkeitsthema in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften entwickelt. Ihre nachhaltigkeits-bezogene Forschung bleibt – einzelne Projekte und Initiativen ausgenommen – Technologie- und Unternehmens-orientiert. Die Orientierung an konkreten Unternehmensbedarfen hat in der Fraunhofer-Gesellschaft aber eine hohe Kompetenz zum transdisziplinären Arbeiten entstehen lassen. Durch die Anwendungsorientierung bei der Bildung von regionalen Clustern ermöglicht die Fraunhofer-Gesellschaft einen schnellen Transfer von Technologien und unterstützt dabei gerade auch kleine und mittlere Unternehmen mit wissenschaftlichem Know- How“ (S. 177).

 

Umfassendere Informationen zur Fraunhofer-Gesellschaft und ihren Nachhaltigkeits-Aktivitäten finden sich im Buch auf den Seiten 173-177.

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Reformvorschlag 2: „Grenzgänger“- Anreize schaffen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

„Grenzgänger“- Anreize schaffen

Um die Anreize für junge WissenschaftlerInnen zu erhöhen, sich auf das Abenteuer transdisziplinärer Forschung einzulassen, sollten die Chancen für wissenschaftliche Karrieren in diesem Bereich massiv ausgebaut werden. Ein Ansatz kann die Schaffung von Juniorprofessuren in transdisziplinären Forschungsfeldern sein, die mit einer klar definierten Tenure-Track-Option abgesichert sind und die Tenure- Track-Option durch internationale Gutachter aus der Transdisziplinaritätsforschung evaluiert wird. Solche Juniorprofessuren könnten in Form von Bund-Länder-Programmen insbesondere in Wissenschaftsschwerpunkten im Schnittbereich von Natur- und Geistes-/ Sozialwissenschaften eingerichtet werden.

 

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Grenzgänger-Anreize werden auch heute kaum gesetzt. Inzwischen ist erst eine zweite der Nachwuchsgruppenleiterinnen der 22 vom BMBF geförderten SÖF-Nachwuchsgruppen auf eine reguläre Professur berufen worden. Lediglich die Universität Lüneburg hat im Jahr 2011 den Mut gehabt, eine disziplinäre Fakultätsstruktur konsequent aufzubrechen und eine disziplinen-übergreifende „Fakultät für Nachhaltig- keitswissenschaften“ aufzubauen, die auch neue wissenschaftliche Karriereoptionen für einen transdisziplinär arbeitenden Typus von Wissen- schaftler erzeugt. Kombiniert mit der wachsenden Tendenz, über „Tenure Track“-Optionen im deutschen Wissenschaftssystem nachzudenken, ist das eine Grundlage für verstärkte Grenzgänger-Anreize.

Weitere der 31 Reformvorschläge und deren Entwicklung seit 2009 finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“.

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Niederlande – Vorreiterland für eine transformative Wissenschaft

Die Niederlande verfügt über ein weit verzweigtes Netzwerk an Forschungsorganisationen die nachhaltigkeits-orientierte Transformationsprozesse in Unternehmen, Branchen und insbesondere Städten und Regionen anstoßen. Inbesondere die seit 2000 entwickelte Transition-Forschung hat international an Beachtung gewonnen. Die Studie Transformative Wissenschaft beschreibt, wie es zu dieser Entwicklung und auch zum partiellen Abbruch der Aktivitäten kam.

Es ist seit 2000 „gelungen, mit der Transition-Forschung nachhaltig Strukturen aufzubauen, die heute weit über die Niederlande hinausreichen: Mit mehreren Hundert (zum größten Teil referierter) Publikationen ist die Transition-Forschung inzwischen international als Wissenschaftsfeld etabliert und in einem eigenen internationalen wissenschaftlichen Netzwerk mit jährlichen Konferenzen und einem eigenen Journal organisiert. Der Transition-Forschungszugang hat inzwischen festen Eingang in die EU-Förderprogramme gefunden“ (S. 210).

Eine umfassendere Darstellung der Nachhaltigkeitsbezogenen Forschungsaktivitäten der Niederlande findet sich im Buch auf den Seiten 209f..

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Wie weiter mit einer transformativen Wissenschaft auf europäischer Ebene?

Die europäische Forschungsförderung umfasst einen kontinuierlich steigenden Anteil an der Finanzierung der in Deutschland ansässigen Forschung – und wies auch schon im 7. Rahmenprogramm (2006-2013) interessante Impulse für eine transformative Nachhaltigkeitsforschung auf.  Mit dem besonderen Stellenwert von „Grand Challenges“ im 8. Rahmenforschungsprogramm der EU (Horizon 2020) wird diese programmatisch und finanziell auch für die deutsche Nachhaltigkeitsforschung noch releveanter. In der Studie Transformative Wissenschaft wird die institutionelle Innovationskraft von Horizon 2020 im Hinblick auf eine transformative Wissenschaft untersucht.

„So gab es (im 7. Rahmenprogramm) einen eigenen Forschungsstrang „Science in Society“ und dort einen Bereich „Research for CSO (Civil Society Organizations)“, in dem zivilgesellschaftliche Organisationen eigene Forschungsbedarfe adressieren konnten. Auch wenn der Umfang und die Ausgestaltung aus der Perspektive der Zivilgesellschaft noch als unzureichend angesehen werden, so hat die EU-Kommission hier Möglichkeiten geschaffen, die z.B. im deutschen Fördersystem völlig fehlen. (…) Auch der umfassende öffentliche Konsultationsprozess für die Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraumes durch die EU-Kommission Ende 2011 hat einen wichtigen Vorbildcharakter für die Programmgestaltung auf nationaler Ebene.“ (S. 200f.)

Eine detailliertere Darstellung der Europäischen Forschungsförderung findet sich im Buch auf den Seiten 192-201.

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Helmholtz-Gemeinschaft: Transformative Forschung als Großforschung?

Die Helmholtz-Gemeinschaft verfügt über ein gut ausgebautes Netzwerk an interdisziplinären Instituten, die in den Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr aufgestellt sind. In ihrem Strategiepapier „Helmholtz 2020“ reklamierte sie ihren Führungsanspruch in der Koordination der Erforschung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, warum dieser Anspruch kontrovers diskutiert werden sollte.

„Das Papier hat (…) bei der Hochschulrektorenkonferenz und anderen großen Forschungsgemeinschaften erhebliche Kritik ausgelöst – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die möglichen finanziellen Konsequenzen und Verteilungsmuster, die eine solche Schlüsselstellung der Helmholtz-Gemeinschaft in der Wissenschaftsfinanzierung ab 2017 auslösen könnte. (…) Durch ihren primär naturwissenschaftlich-technischen Charakter und durch die über die „Großforschung“ definierte Ausrichtung gibt es ausgeprägte Pfadabhängigkeiten in der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Arbeit der Institute der Helmholtz-Gemeinschaft ist stark über die in ihr vorhandenen Großgeräte und die in ihr über teilweise Jahrzehnte herausgebildeten Kompetenzen geprägt. Ein umfassendes Umschwenken auf völlig neue Forschungsausrichtungen, wie es eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt, wird dadurch automatisch erschwert“. (S. 171f.)

Eine ausführliche Darstellung der Helmholtz-Gemeinschaft und eine Diskussion ihres Strategiepapiers findet sich im Buch auf den Seiten 168-173.

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Wissenschaft in der Effizienzfalle?

Wachsende gesellschaftliche Anforderungen an die Hochschuen (steigende Zahlen der StudienanfängerInnen, Exzellenzorientierung in der Forschung, Umstellung der Studiengänge im Zuge der Bologna-Reform) auf der einen Seite und abnehmende Ressourcen auf der anderen Seite führen Hochschulen in eine „Effizienzfalle“. In der Studie Transformative Wissenschaft wird beschrieben, warum diese Effizienzfalle momentan zu einem „Lernen erster Ordnung“ führt und welche Potentiale in einer umfassenden inhaltlichen und institutionellen Neuaufstellung des Wissenschaftssystem stecken.

„Managerisierung“ im Sinne der vielen neu entwickelten Managementinstrumente und „Ökonomisierung“ im Sinne eines immer stärkeren Achtens auf Input-Out- put-Verhältnisse im Hochschulbereich sind die zwangsläufigen Versuche der Hochschulen, mit der Effizienzlücke umzugehen.“ (S. 84). (Es) „bedarf (…)  jedoch einer grundlegenden Neuausrichtung der Ziele des Wissenschaftssystems: Modus 2-Forschung und die Idee einer Humboldt 2.0-Orientierung stehen für eine Wissenschaft, die sich gesellschaftlichen Veränderungsherausforderungen in neuer Form stellt.“ (S. 77)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Kontroverse um eine Wissenschaft in der Effizienzfalle findet sich im Buch auf den Seiten 81-86.

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Verdrängt eine transformative Wissenschaft die Grundlagenforschung?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Eine große Sorge vieler Akteure im Wissenschaftssystem ist die Verdrängung von Grundlagenforschung durch die Forderung nach mehr Gesellschaftsorientierung im Wissenschaftssystem. Je nach Schätzung sind in Deutschland und Europa nur rund 10%-15% aller Forschung Grundlagenforschung im eigentlichen Sinne. Die Bewältigung vieler „großer Herausforderungen“ bedarf daher eher einer Ausdehnung von Grundlagenforschung als einer Reduktion. Deswegen hat z.B. die Max-Planck-Gesellschaft als die zentrale deutsche Organisation für Grundlagenforschung erst vor kurzem ein neues „Institut für chemische Energiekonversion“ gegründet, um damit einen Beitrag zur Begleitung der Energiewende zu leisten.

Das Programm einer „transformativen Wissenschaft“ zielt nicht auf eine Rückführung von Grundlagenforschung, es fragt vielmehr nach der Ausrichtung der bestehenden problembezogenen Forschung: Wer ist wie in die Definition anwendungsorientierter Forschungsprogramme einbezogen? Wie lassen sich neben wirtschaftlichen auch weitergehende gesellschaftliche Interessen berücksichtigen? Gibt es das richtige Gleichgewicht von technologischen und nicht-technologischen Lösungsperspektiven? Liegen die geeigneten Ansätze der Wissensintegration vor – zwischen Disziplinen, zwischen Grundlagen- und problembezogener Forschung, zwischen wissenschaftlichem und Akteurswissen? (Vgl. zur vertieften Betrachtung dieser Überlegungen im Buch Transformative Wissenschaft insbesondere die Ausführungen zur „disziplinierten Interdisziplinarität in transdisziplinären Prozessen“ auf S. 46 ff. sowie zur Max-Planck-Gesellschaft auf den Seiten 180 ff.)“ (S. 377/378).

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Wohin geht eigentlich unsere Forschungsförderung?

Deutschland investierte 2012 insgesamt ca. 70 Milliarden Euro (2,82% seines Bruttoinlandsprodukt) in die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, wie diese Gelder verteilt werden und welche Rolle darin eine Forschung für Nachhaltigkeit einnimmt.

„Rund zwei Drittel der Aufwendungen werden in Forschungsprojekten innerhalb der deutschen Industrie erbracht und davon rund 77% in den Sektoren Fahrzeugbau (37% der gesamten Industrie- F&E-Aufwendungen), der Elektroindustrie, der Chemie, der Pharmaindustrie und des Maschinenbaus. Der zentrale Anteil der Forschungsanstrengungen in Deutschland ist daher unmittelbare technologische Forschung in den deutschen Schlüsselindustriesektoren.“ (S. 141)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Verteilung der Forschungsförderung findet sich im Buch auf den Seiten 139-166.

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Plattform Forschungswende – Motor für zivilgesellschaftliches Engagement in der Wissenschaftspolitik

Die Plattform Forschungswende bündelt seit Juni 2012 die wissenschaftspolitischen Positionen von Umweltverbänden, Kirchen und anderen nichtstaatlichen Organisationen. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht welche Rolle ihr im Rahmen der Umsteuerung im Wissenschaftssystem zukommt und zeigt die wichtigsten Forderungen der zivilgesellschaftlichen Verbände.

„Die zivilgesellschaftliche Plattform „Forschungswende“ hat sich mehrere Ziele gesetzt: (1) Bildung von wissenschaftspolitischer Kompetenz in den angeschlossenen Verbänden durch die Plattform, (2) Bildung einer Anlaufstelle für Interessierte aus Politik und Verwaltung an den wissen- schaftspolitischen Positionen der Verbände, (3) stärkere Forderung und Förderung von verbesserter Partizipation und Transformationsorientierung im Wissenschaftssystem.“ (S. 313)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Plattform Forschungswende und der erstarkten Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Verbände unter der Agenda der „Transformation“ findet sich im Buch auf den Seiten 313-315.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Hochschulen in der Autonomiefalle?

Hochschulen haben heute eine größere Autonomie denn je, nutzen sie jedoch noch zu wenig um an gesellschaftlichen Schlüsselfragen zu arbeiten und damit ihre eigene gesellschaftliche Relevanz deutlich zu machen. Dadurch katapultieren sie sich selbst in eine Autonomiefalle.

„Die mit der Gewährung von stärkerer Hochschulautonomie entwickelten neuen Steuerungsinstrumente (Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Indikator-gesteuerte Mittelzuweisungen, Schaffung von Hochschulräten, Programm-orientierte Hochschulsteuerung)“ (S. 58) gingen „in aller Regel mit einer Schwächung der Selbstverwaltungsgremien zugunsten gestärkter Präsidien und Hochschulräte einher und damit der Gefahr der Schwächung individueller Wissenschafts- und Lehrfreiheit.“ (S. 54)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Kontroverse um Hochschulautonomie findet sich im Buch auf den Seiten 53-60.

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Was heißt Transdisziplinarität?

Transdisziplinarität ist ein weit verbreitetes Konzept in der Nachhaltigkeitswissenschaft und darüber hinaus. Die Studie Transformative Wissenschaft greift das in ihrer Analyse auf und untersucht die institutionellen Bedingungen für die Möglichkeiten transdisziplinärer Forschung.

„Transdisziplinäre Forschung liefert Beiträge zur Lösung gesellschaftlich relevanter Probleme. Sie ist dabei zwangsläufig interdisziplinär und vernetzt unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen. Zudem bezieht sie nichtwissenschaftliche Akteure des Problemfeldes in ihre Forschung ein, um zu umsetzbaren Handlungsempfehlungen zu kommen. Die Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung (…) ist eines der zentralen Anwendungsfelder transdisziplinärer Forschung. Die Entwicklung von Güte-Kriterien transdisziplinärer Forschung stellt eine wichtige Aufgabe im Rahmen der Qualitätssicherung von Nachhaltigkeitswissenschaft dar.“ (S. 42)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Forschungsmodus der Transdisziplinarität findet sich im Buch auf den Seiten 46-52.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Was ist eine „transformative Wissenschaft“?

Transformative Wissenschaft ist ein vom WBGU in die wissenschaftspolitische Debatte eingebrachter Begriff. Die Studie Transformative Wissenschaft greift ihn in ihrer Analyse auf und entwickelt damit den 2009 vorgestellten Ansatz einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ weiter:

„Transformative Wissenschaft versteht sich dabei als eine Wissenschaft, die als Katalysator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse wirkt (…). Der Begriff der transformativen Wissenschaft lehnt sich an die vom WBGU (2011) geprägte Definition einer >transformativen Forschung< an. Transformative Wissenschaft ist demnach eine Wissenschaft, die >Umbauprozesse durch spezifische Innovationen (…) befördert. Sie unterstützt Transformationsprozesse konkret durch die Entwicklung von Lösungen sowie technischen und sozialen Innovationen; dies schließt Verbreitungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Möglichkeiten zu deren Beschleunigung ein und erfordert zumindest in Teilen systemische Betrachtungsweisen sowie inter- und transdisziplinäre Vorgehensweisen, darunter die Beteiligung von Stakeholdern< (WBGU 2011, S. 374.)“

Eine transformative Wissenschaft ist eine Antwort auf die Herausforderungen einer „reflexiven Moderne“. Sie macht den bewussten Umgang mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Nebenfolgen ausdifferenzierter Gesellschaften möglich. Mit ihr gehen drei „Wenden“ im Wissenschaftsystem einher: ein „normative turn“, ein „experimental turn“ und ein „institutional turn“.

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept einer transformativen Wissenschaft findet sich im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 67-76.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei Amazon.

Buch „Transformative Wissenschaft“ erschienen – begleitende Diskussion in den Monaten April bis Juli 2013

Das Buch „Transformative Wissenschaft – Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulssystem“ ist ab sofort über den Verlag erhältlich. Das Buch greift die Entwicklungen im Wissenschaftssystem im Umgang mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen auf und geht insbesondere auf die Entwicklungen seit Erscheinen des Vorläuferbandes „Nachhaltige Wissenschaft“ im Jahr 2009 ein.

Begleitend zu dem Buch wird auf dem Blog nachhaltigewissenschaft.de in den Monaten April bis Juli 2013 (mit Start am 8.4.2013) eine Diskussion über die Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystem stattfinden. Diese Diskussion greift die Debatten des Wissenschaftsjahres 2012 auf und führt sie weiter. Einen Überblick über die Themen finden Sie hier.

Wir freuen uns auf anregende Diskussionen!

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Das im April 2013 erscheinende Buch „Transformative Wissenschaft“ greift die Herausforderungen auf, die die Bearbeitung großer gesellschaftlicher Herausforderungen für das Wissenschaftssystem bedeutet. Im Zeitraum vom April bis zum Sommer 2013 geben wir auf dem Blog NachhaltigeWissenschaft einen Einblick in wichtige Inhalte und Thesen des Buches, um diese breit zu diskutieren. Damit soll die Debatte des Wissenschaftsjahres 2012 fortgesetzt werden. Unten finden Sie eine Übersicht der diskutierten Themenfelder und Links zu den Einzelthemen.

In dem Video, sowie unter der Kategorie „Buch Transformative Wissenschaft“ finden sie einen Einblick in wichtige Themen des Buches.

Für freuen uns auf eine anregende Debatte!

Definitionen/Grundlagen – Schlüsselbegriffe einer transformativen Wissenschaft
Was verbirgt sich hinter dem Konzept einer „transformativen Wissenschaft“? Was ist Transdisziplinarität? Was hat man unter „Reallaboren“ zu verstehen, was unter einer „Modus 3“-Wissenschaft? Welche Rolle hat Wissenschaft in der „Reflexiven Moderne“?

Antworten auf diese Fragen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ und unter diesem Link.

Kennzeichnung von Institutionen
Welche Rolle spielen die Hochschulen auf dem Weg in eine transformative Wissenschaft? Wer sind heute schon Pionierhochschulen? Wie greifen die großen Forschungsorganisationen Helmholtz, Max-Planck, Leibniz und Fraunhofer das Thema auf? Wie positionieren sich die freien Nachhaltigkeitsinstitute? In welchen Bundesländern gibt es die stärksten Aktivitäten? Wo werden international „Best Practices“ umgesetzt? Welche Rolle spielen Umweltverbände und die Zivilgesellschaft in der neuen wissenschaftspolitischen Debatte?

Eine Übersicht über die Strategien der unterschiedlichen Akteure finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ und unter diesem Link.

Wie umsteuern?
Wie kann ein Umsteuern zu einer transformativen Wissenschaft gelingen? Wie lassen sich Transformationsstrategien im Wissenschaftssystem konzeptionell beschreiben? Welche Rolle haben Vorreiterbundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Baden- Württemberg? Was passiert in Pionierhochschulen? Welche Bedeutung kommt Studierendeninitiativen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen zu?

Ein Blick in die Transformationsagenda des Wissenschaftssystems findet sich unter diesem Link.

31 konkrete Reformvorschläge
Schon das Vorgängerbuch „Nachhaltige Wissenschaft“ hat im Jahr 2009 knapp 30 Vorschläge zur Transformation des Wissenschaftssystems gemacht, um den Anforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung besser gerecht zu werden. Das Buch „Transformative Wissenschaft“ greift diese Reformvorschläge auf und zeigt auf, welche Entwicklungen sich in den Feldern in den letzten vier Jahren ergeben haben. Zudem schlägt es einige weitere Reformvorhaben vor.

Eine Übersicht über die Reformvorschläge finden Sie hier.

Die 12 Fehlwahrnehmungen einer transformativen Wissenschaft
Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf.

Eine Übersicht der diskutierten Fehlwahrnehmungen finden Sie hier.

Weitere kontroverse Themen
Neben den thematisierten 12 Fehlwahrnehmungen gibt es eine Reihe weiterer kontroverser Themen im Feld einer transformativen Wissenschaft.