Österreich – Vorreiterland einer transformativen Wissenschaft

Österreich zeigt eine Vielzahl innovativer Beispiele in der Förderung einer Nachhaltigen/ Transformativen Wissenschaft, die auch für Deutschland interessant sein könnten. Die Studie Transformative Wissenschaft beschreibt die unterschiedlichen Beispiele, wie der Ausruf eines „Sustainability Award“ für eine exzellente Hochschulbildung oder das partizipative Schüler-Forschungsprojekt „Sparkling Science“.

„Schließlich geht Österreich auch im Bereich der Wissenschaftskommunikation und -partizipation neue Wege: Im Jahr 2012 wurde die Initiative „OpenScience4Sustainability“ (OS4S) vom Wissenschaftsministerium gestartet. Hierbei handelt es sich um eine anläßlich der Rio+20 Konferenz im Juni 2012 gestartete Plattform, die zum Thema Nachhaltigkeitsforschung informiert und die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aktiv fördern soll“(S. 204).

Eine umfassendere Darstellung der österreichen Aktivitäten zur Förderung einer transformativen Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 202-205.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Reformvorschlag 17: Schaffung von deutschen „Resilience“- oder „Tyndall“-Zentren

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Schaffung von deutschen „Resilience“- oder „Tyndall“-Zentren

Im Sinne eines globalen „Capacity Building“ für mehr transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung sollte es in Deutschland eine Initiative für die Schaffung von einem oder sogar mehreren Zentren für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung geben. Diese Zentren könnten sowohl vom Bund als auch von einzelnen Bundesländern, aber auch von privaten Stiftern initiiert werden und sollten sich mit ihren jeweiligen Themenschwerpunkten in das internationale Netzwerk vergleichbarer Zentren einbringen.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Die Gründung einer entsprechenden Bündelungsinstanz steht bisher aus. Die stattgefundenen losen Netzwerkinitiativen wie z.B. der NaWis- Verbund können eine solche Struktur nicht vollständig ersetzen.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Humboldt 2.0 – Was heißt das?

Die Anforderungen an das aktuelle Wissenschaftssystem können mit Ullrich Beck als Humboldt 2.0 beschrieben werden. In der Studie Transformative Wissenschaft wird diskutiert, wie sich ein neues Selbstverständnis von Hochschulen als Ort der Reflexion und Orientierung wieder entwickeln kann.

Humboldt 2.0

  • …die sich den Herausforderungen der reflexiven Moderne öffnen, die die multiplen Anforderungen an Hochschulen nicht als Bedrohung, sondern als aktive Chance ihrer Weiterentwicklung wahrnehmen,
  • die sich ihrer gesellschaftlichen Brückenbauerfunktion zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen stellen,
  • die ihre Rolle als „strukturpolitische Akteure“ annehmen, d.h. als Akteure, die auf die Gesellschaftsentwicklungen nicht nur reagiren, sonderen sich auch als deren Stabilisierer verstehen, indem sie aktiv in ihr Umfeld einwirken“ (S. 102)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Beschreibung des Konzeptes „Humboldt 2.0“ findet sich im Buch auf den Seiten 92-102.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Öffentliche Buchvorstellung von „Transformative Wissenschaft“ am 27.06. in Berlin

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.) veranstaltet am 27.06. ein offzielle Vorstellung des Buches „Transformative Wissenschaft – Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem“ in Berlin. In den Räumen der VDW werden die Autoren Kernbotschaften des Buches präsentieren und mit Prof. Dr. Ulrich Bartosch (Vorsitzender der VDW) und Prof. Dr. Ulrike Beisiegel (PräsidentIn der Universität Göttingen und Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz) diskutieren. Beginn der Veranstaltung im Konferenzraum der Geschäftsstelle der VDW, Marienstr. 19/20, 10117 Berlin ist um 11:00 Uhr am 27.06.2013. Anschließend wird ein kleiner Imbiss gereicht. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Aus dem Ankündigungstext der VDW:
„Das deutsche (und internationale) Wissenschaftssystem steht vor großen Herausforderungen! Kann unsere Wissenschaft diese bewältigen? Leistet Wissenschaft einen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderung oder beharrt sie in einem scheinbaren Elfenbeinturm? Wie muss sich das System Wissenschaft selber ändern? Wer sind die Akteure der Veränderung? Wie steht es um die immer wieder beschworene Freiheit von Forschung und Lehre?

Das vorliegende Buch ist eine konstruktive Provokation. Es entwickelt die Perspektive einer transformativen Wissenschaft, die den Weg in eine lebensfähige Gesellschaft mit einem leistungsfähigen Wissenschaftssystem weist. Es ist faktenreich und kontrovers und sucht zugleich auch einen neuen gesellschaftlichen Konsens. Die VDW möchte es der Öffentlichkeit und den Medien vorstellen.“

Die vollständige Einladung mit Hinweisen zur Anmeldung können Sie unter diesem Link herunterladen.

Braucht wissenschaftliche Politikberatung die eine bündelnde Stimme?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In der Diskussion um eine geeignete Form der Wissenschafts-Gesellschaftskopplung ist immer noch das Bild eines klassischen Kopplungsmechanismus dominant: Auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nach ihren Kriterien Wahrheit ergründet, auf der anderen Seite Politik und Gesellschaft, der dieses Wissen übergeben wird, um darauf aufbauend Entscheidungen zu treffen. Als Mittler sollen wissenschaftliche Akademien fungieren. Seit 2008 besitzt auch Deutschland mit der Nationalen Akademie Leopoldina eine nationale Wissenschaftsakademie mit einem solchen Bündelungsanspruch. In vielen gesellschaftlichen Schlüsselfragen wurden ihr inzwischen entsprechende Aufgaben übertragen.

Doch zeigt sich, dass dieses Modell zu kurz greift. Schon naturwissenschaftliches Faktenwissen unterliegt aufgrund der Komplexität der untersuchten Systeme Unsicherheit. Noch mehr gilt dies im Hinblick auf technologische, ökonomische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Analysen und Szenarien. Beim „Zielwissen“ sind Wissens-Unterschiede in pluralen Gesellschaften konstitutiv. Eine Pluralität von Wissens-Positionen ist daher unhintergehbar. Wissenschaftliche Akademien können daher maximal „Agentur“- Funktionen übernehmen. D.h. sie können Wissenslandkarten unterschiedlicher Wissensstände und Positionen skizzieren. Einrichtungen wie der IPCC oder das Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages haben solche Agenturfunktionen und zeigen, dass eine gesellschaftlich breit akzeptierte Aufbereitung von Wissens-Positionen möglich ist. Hierfür braucht es eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Einbindung der Zivilgesellschaft. (Vgl. zur Politikberatung im Nachhaltigkeitskontext und die Rolle der Akademien die Ausführungen auf S. 63 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

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Reformvorschlag 14: Netzwerk von Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung schaffen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Netzwerk von Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung

Sowohl die großen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als auch die mit Zukunftskonzepten erfolgreichen Universitäten der Exzellenzinitiative sollten Kompetenzzentren für Methoden und das Management transdisziplinärer Forschung einrichten. Sie verfügen heute schon über die kritische Masse und den Anspruch, gesellschaftsrelevante Forschung in stark interdisziplinären Zusammenhängen zu betreiben. Gut vernetzte Kompetenzzentren für transdisziplinäre Forschung würden die Methodenprofessionalisierung und den Methodentransfer verbessern und den Stellenwert einer transdisziplinären Forschung verdeutlichen.

Aktuelle Entwicklungen (seit 2009)

Bisher ist es noch zu keiner Einrichtung entsprechender Zentren gekommen, obwohl gerade die Mittel für die Zukunftskonzeptförderung der Exzellenzinitiative hier entsprechende Möglichkeiten bieten würde. Die weitgehendsten Konzepte für den Aufbau entsprechender Kompetenzzentren hat bisher das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt vorgelegt.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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Modus 3- Wissenschaft – Was bedeutet das?

Modus 3- Wissenschaft ist die wissenssoziologische Weiterentwicklung einer Modus 2 Wissenschaft in der reflexiven Moderne. Das Konzept wird in der Studie Transformative Wissenschaft hergeleitet, mit Beispielen unterlegt und auf die Möglichkeiten zur Umsetzung im Wissenschaftssystem hin diskutiert.

„Die Idee einer „Modus 3“-Wissenschaft unterstreicht (…) die Notwendigkeit eines „Third-Order-Changes“, d.h. eines grundlegenden Wandels eben auch dieses institutionellen Gefüges (im Wissenschaftssystem). Eine Modus 3-Wissenschaft ist (…) eine Wissenschaft, die sich im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Rolle im Hinblick auf ihre Forschungsinhalte und -methoden, ihre Ausbildungs- und Vermittlungsfunktion sowie ihrer institutionellen Verfasstheit kontinuierlich weiterentwickelt.“ (S. 123) Sie vereint stark kontextualisiertes System-, Ziel- und Transformationswissen, die (Zivil-) Gesellschaft als Akteur der Wissensproduktion und institutionellen Wissenschaftsorganisation, eine heterodoxe Wissensbasis aus Reallaboren und konkreten Transformationsprozessen, kooperative Organisationsstrukturen in der Wissensproduktion und sich im Science-Society- Zusammenspiel weiterentwickelnde Qualitätssysteme (vgl. S. 122).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept der Modus 3-Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 121-124.

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Reformvorschlag 13: Institut für transdisziplinäre Methoden schaffen

Im Buch „Transformative Wissenschaft“ bieten über 30 Reformvorschläge Impulse, wie ein Umsteuern im Wissenschaftssystem möglich ist. Diese werden im Laufe der kommenden Wochen hier vorgestellt. Bei den Reformvorschlägen, die bereits in dem Buch „Nachhaltige Wissenschaft“ 2009 publiziert wurden, werden die Entwicklungen der vergangenen vier Jahre nachgezeichnet.

Institut für transdisziplinäre Methoden schaffen

Angelehnt an das Leibniz-Institut GESIS im Bereich der Sozialwissenschaften sollte in den kommenden Jahren ein Institut für transdisziplinäre Methoden entstehen.

Ein solches Institut würde Forschung zu transdisziplinären Methoden betreiben, Systeme zu ihrer Qualitätssicherung vorantreiben sowie umfassende Schulungs- und Qualifizierungsangebote für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anbieten. Einen besonderen Stellenwert hätte dabei die Entwicklung von „Reallaboren“, ihr Betrieb, ihr Monitoring sowie die Vernetzung der in Reallaboren gewonnenen Erkennt- nisse.

Ein entsprechendes Institut sollte eine enge Kooperation mit Hochschulen und Vorreiterinstitutionen einer transdiszplinären Forschung pflegen.

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Warum muss Wissenschaftspolitik wieder zu einem politischen Feld werden?

Wissenschaftspolitik ist ein weniger attraktives Feld für PolitikerInnen. Sie wird nur in Ausnahmefällen medial diskutiert und bietet u.a. aufgrund der Verabschiedung von Globalhaushalten wenig Gestaltungsspielräume. In der Studie Transformative Wissenschaft wird analysiert, wie Wissenschaftspolitik wieder zu einem politischen Feld werden kann und welche zentrale Rolle darin zivilgesellschaftliche Akteure einnehmen.

„Nur wenn sich auch diejenigen Gruppen in der Gesellschaft, die von den Entwicklungen des Wissenschaftssystems aktiv betroffen sind, öffentlich zu Wort melden, kann Wissenschaftspolitik auch wieder zu einem politisch verhandelten Thema werden. Erst dann wird das Thema öffentlich und medial wieder relevant, entstehen neue Transparenz- und Legitimationszwänge für Wissenschaftspolitik, Ministerien, Fördergeber und die Wissenschaft selber. Wissenschaftspolitik wird damit zu einem weiteren politischen Feld, in dem die neuen und höheren Partizipationsanforderungen moderner Politik einzulösen sind.“ (S. 307)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit das Zusammenspiel von Wissenschaftspolitik und ziviligesellschaftlichen Akteuren findet sich im Buch auf den Seiten 306-311.

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Wissenschaftsstiftungen als Katalysator für eine transformative Wissenschaft

Wissenschaftsstiftungen bringen sich durch Impulse für innovative Problemlösungen in den vergangenen Jahren zunehmend in die Förderung eines Strukturwandels im Wissenschaftssystems ein. In der Studie Transformative Wissenschaft werden die Potentiale und Grenzen dieses Stiftungsengagements diskutiert und Beispiele für herausragendes Stiftungsengagement beschrieben.

„Stiftungen haben Freiräume zum Experimentieren und verstehen sich selbst als >gesellschaftliche Risiko-Kapitalgeber<, sie fördern neue Arten der Wissensgenerierung, neue Arenen der Kommunikation und sind >Convener<, die die Kooperation von Institutionen und Köpfen ermöglichen. (…)“

  • Stiftungen können innovative Impulse in der Förderung von unkonventionellen und riskanteren Forschungsprojekten geben und dabei auch vermeintlich auseinanderliegende Themenstränge sinnvoll zusammenführen.
  • Sie können an der Schnittstele von Hochschule und Gesellschaft entscheidend zu einer Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie zu einer daraus folgenden Verschränkung unterschiedlicher Wissensformen beitragen.
  • Sie agieren jenseits der Förderalismus-Zwänge und können daher auch strukturelle Impulse jenseits der klassischen Förderinstrumente an Hochschulen setzen (z.B. transdisziplinär arbeitende Stiftungsprofessuren).
    Stiftungen bringen Aufmerksamkeits- und Reputationskapital ins Wissenschaftssystem ein und können dadurch über ihre finanziellen Mittel hinaus Anreite für ein umfassendes Umsteuern im Wissenschaftssystem setzen.“ (S. 318f.)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Innovationskraft der Wissenschaftsstiftungen findet sich im Buch auf den Seiten 319-322.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

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