Aktueller Umweltbericht der TU Berlin veröffentlicht

Die TU Berlin hat vor kurzem ihren aktuellen Umweltbericht veröffentlicht.
Der CO2-Ausstoß wurde halbiert, der Stromverbrauch ist jedoch gestiegen.

Diese und andere Ergebnisse können im neuen Umweltbericht der TU Berlin für das Jahr 2010 nachgelesen werden. Er stellt ausführlich die Umweltauswirkungen von Lehre, Forschung und Verwaltung der Universität dar. Der Anteil von Lehre (10%) und Forschung (15%) mit Nachhaltigkeitsbezug erhöht sich stetig.

Als besonderer Erfolg konnte die CO2-Emission der TU Berlin durch Umstellung der elektrischen Energie auf erneuerbare Energiequellen auf 17.000 Tonnen pro Jahr mehr als halbiert werden. Doch auch kritische Entwicklungen sind auszumachen: Aufgrund der steigenden Technisierung z. B. im EDV-Bereich und der Tendenz zu halbindustriellen Großforschungsständen steigt der Stromverbrauch seit Jahren trotz korrigierender Maßnahmen der Fachtechnik kontinuierlich an.

Umweltbericht der TU Berlin als Download:    
Umweltbericht_2011

15 Jahre Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin

Am letzten Freitag hat das Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin in einem Fest-Kolloquium seinen 15. Geburtstag gefeiert.

Das inzwischen knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassende Zentrum ist einer der führenden deutschen Standorte für transdiszplinäre Forschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stammen aus rund 20 Diszplinen und arbeiten in fünf thematischen Schwerpunkten (Klima und Energie, Landnutzungsmuster und Konsummuster, Mobilität und Raum, Sicherheit/Risiko und Informations- und Kommunikationstechnologie). Auf dem Kolloquium wurde eindrucksvoll deutlich, wie gut der Brückenschlag aus dem ZTG in unterschiedliche Forschungsbereiche der TU Berlin gelingt. Das ZTG erfüllt dadurch seit 15 Jahren eine wichtige Integrationsfunktion innerhalb der TU Berlin.

Das Potenzial des ZTG und der TU Berlin als Schlüsselstandort für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland war Gegenstand des Festvortrages von Uwe Schneidewind. Die Folien des Vortrages stehen hier zum Download zur Verfügung:
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Die Leitbilddebatte gewinnt an Schwung!

„Die Uni brennt!“ – ist das Leitmotiv der aktuellen fast flächendeckenden Studierendenproteste in Deutschland. Der Blick auf die Protestaktionen zeigt, dass es ein produktives Feuer ist, das da brennt. Dies erklärt auch, warum sich die meisten Hochschulleitungen und große Teile der Hochschulpolitik hinter die protestierenden Studierenden stellen.

Es scheint ein Knoten zu platzen. Endlich mischen sich die am unmittelbarsten von der Hochschulpolitik und den Hochschulstrategien Betroffenen in großer Zahl in die Diskussion um die zukünftige Ausrichtung ihrer Hochschulen ein. Die Forderungen der Studierenden sind konkret und differenziert: Sie zielen auf 1. die freiere Gestaltung des Studiums, 2. die Demokratisierung der Hochschulen, 3. den freien Zugang zu Bildung und 4. die Ausfinanzierung der Hochschulen (vgl. exemplarisch die Forderungen der Studierenden an der TU Berlin).

Seit einiger Zeit beteiligen sich auch andere Organisationen an der Leitbilddiskusion. So haben die Gewerkschaften unter Leitung der Hans-Böckler-Stiftung einen umfassenden Leitbild-Prozeß gestartet, in dem die Perspektiven einer „demokratischen Hochschule“ sondiert werden (vgl. das Interview mit Projektleiter Dr. Manfred Wannöffel in der der DUZ 11/2009 bzw. unter http://www.boeckler.de/455_91456.html). Es ist zu hoffen, dass ähnliche Prozesse von Kirchen, Umweltverbänden und weiteren gesellschaftlichen Gruppen folgen.

Die Diskussionen bereichern die häufig zu Recht bemängelte Leitbild-Einfalt der letzten Jahre, die einseitig auf die stärkere Professionalisierung, die Managementorientierung und die Forschungsexzellenz der Hochschulen zielte.

Genau solche engagiert und differenziert geführten Debatten sind der Institution Hochschule würdig. Das am Ende stehende Ergebnis wird hoffentlich ein buntes sein. Deutschland ist zu wünschen, dass in Zukunft erfolgreiche private Hochschulen neben solchen stehen, die die Idee einer demokratischen Hochschule auf ganz neue Weise umsetzen, dass Bundesländer mit differenzierten Studiengebührenmodellen neben solchen existieren, die bewusst auf Studienbeiträge verzichten, dass Studiengänge mit streng umgesetzter Modularisierung neben solchen angeboten werden, in denen wieder ein sehr viel freieres Studium möglich wird.

Für die Umsetzung des Leitbildes einer „Nachhaltigen Hochschule“ eröffnet die aktuelle Umbruchssituation vielfältige Chancen. Denn der Charme der Diskussion über „Nachhaltigkeit“ ist, dass sie einerseits eine breite Beteiligung und ständige kritische Reflexion benötigt. Auf der anderen Seite eröffnen die Herausforderungen wie der Klimawandel vielfältige persönliche und berufliche Perspektiven in Politik, Unternehmen, im Bildungssystem sowie in Nichtregierungsorganisationen. Deswegen wäre es nicht verwunderlich, wenn wir in zehn Jahren sowohl „Nachhaltige“ öffentliche Hochschulen mit umfassender demokratischer Partizipation neben ersten privaten Hochschulen haben, die sich der Herausforderung annehmen und ihre inter- und transdisziplinäre Ausbildung für die gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vollständig im „Bildungsmarkt“ refinanzieren.

Deswegen gilt es die Debatten in den brennenden Hochschulen jetzt mit Elan und Offenheit zu führen.

Berlin: Wo bleibt die Nachhaltige Politische Kraft der Universitäten?

Berlin hat mit der FU Berlin, der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin drei große Universitäten, deren Politik und Management der letzten Jahre insbesondere durch massive Einsparprogramme gekennzeichnet waren – Folge des überschuldeten Landeshaushaltes der Bundeshauptstadt. Proaktive Wissenschaftspolitik fällt dadurch alles andere als leicht, Rivalitäten um knappe Ressourcen sowie Dauerkonflikte mit der Landesregierung, insbesondere dem Finanzsenator prägen dann schnell das Bild eines Wissenschaftsstandortes.

Dabei sind die Universitäten und Hochschulen in hohem Masse potent, mit der FU Berlin war eine der Berliner Universitäten als Eliteuniversität erfolgreich, insgesamt gingen vier Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen an die Berliner Universitäten.

Gerade für die Wissenschaftseinrichtungen in der Bundeshauptstadt ist das Vorleben einer gesellschaftsoffenen und –orientierten Wissenschaft eine besondere Herausforderung. Im Themenfeld „Nachhaltigkeit“ sind die Voraussetzungen in Berlin dafür durchaus sehr gut. Die Technische Universität Berlin hat die meisten ihrer Forschungsschwerpunkte in Themenfeldern unmittelbarer Nachhaltigkeitsrelevanz (Energie, Wasser, Verkehr/Mobilität, Gestaltung von Lebensräumen, Ernährung/Gesundheit). Mit freien Instituten wie dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem IZT oder Ecologic sitzen wichtige ökologische Vordenkereinrichtungen der freien Institutslandschaft in Berlin, mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Mitglied der Leibnizgemeinschaft) das der führenden Wirtschaftsinstitute mit einer profilierten umweltwirtschaftlichen Abteilung. Einige der Berliner Fachhochschulen wie die FHW oder FHTW waren früh Vorreiter der Ökologie- und Nachhaltigkeitsdebatte und mit privaten Hochschulen wie der Hertie School of Governance verfügt Berlin über weltweit führende Wissenschaftseinrichtungen für die globale politische Steuerung, die zunehmend von Nachhaltigkeitsthemen bestimmt ist.

Die Wissenschaftslandschaft der Bundeshauptstadt bringt mithin alles mit, um eine nationale Politik wissenschaftlich zu unterstützen, die den Anspruch erhebt, international in Nachhaltigkeitsfragen federführend zu sein. Dazu sollte sich die Berliner Wissenschaftspolitik noch aktiver bekennen.

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