Universitäre Nachhaltigkeitsberichte -Neuer Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen erschienen

Die Universität Bremen legt für das Jahr 2010 einen neuen Nachhaltigkeitsbericht vor. Nachdem bereits vor fünf Jahren ein erster Nachhaltigkeitsbericht erschienen war, werden hier die Entwicklungen der Universität erneut unter die Lupe genommen.

Nachhaltigkeitsberichte dienen dazu, alle Interessengruppen einer Universität über deren Entwicklungen zu informieren. Sie untersuchen die Universität hinsichtlich ihres inneren wie äußeren Wirkens, was zum einen die Betriebsabläufe der Universität selbst, zum anderen aber auch deren Rolle im regionalen Umfeld umfasst. Ganzheitlichkeit, die quasi begriffsimmanent mit Nachhaltigkeit verbunden ist, spiegelt sich auch konzeptuell in Nachhaltigkeitsberichten wieder. Während beispielsweise eine EMAS-Zertifizierung oder Umweltberichte in der Regel nur Aktivitäten einer Einrichtung hinsichtlich bestimmter Umweltkriterien bewerten, finden auch soziale und ökonomische Komponenten in Nachhaltigkeitsberichten ihren Niederschlag.

Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen beispielsweise teilt sich formal in zwei Bereiche: eine Innen- wie Außenansicht der Universität.
Nach Innen konzentriert sich der Bericht auf die Darstellung der Universität als nachhaltige Hochschule, aufgegliedert in die drei Komponenten der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Im Innenbereich geht es darum, die Qualität von Lehre und Forschung zu sichern, ein umweltverträgliches Energie- und Abfallmanagement zu betreiben sowie Chancengleichheit, Diversität und Familienfreundlichkeit zu fördern.

Nachhaltigkeit in der Außenwirkung einer Hochschule findet ihren Bewertungshintergrund in ihrer gesellschaftlichen Aufgabe: dem Transfer und der Generierung von Wissen. Eine Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist danach zu bewerten, wie sie ihren Studierenden für Themen der Nachhaltigkeit sensibilisiert und gleichzeitig einen Transfer diesen Wissens in die Gesellschaft leistet; auch die Forschung sollte bestimmte Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen.

Nicht nur die Universität Bremen ist bisher diesen Schritt gegangen, ihre Rechenschaftslegung auf eine solch breite Ebene zu legen, auch an anderen Universitäten finden sich solche Initiativen. Aktuell liegen beispielsweise Berichte der Universitäten Graz, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück vor. Es gibt jedoch auch Universitäten, an denen das Engagement zu einer solch ausführlichen Berichterstattung nicht von der Hochschulleitung sondern von Studierenden ausging. So hat beispielsweise eine Lokalgruppe des Netzwerkes Oikos für die Universität Bayreuth einen Nachhaltigkeitsbericht verfasst.

Orientierung beim Erstellen eines solchen Nachhaltigkeitsberichtes können internationale Standards liefern. So stellt beispielsweise die Global Reporting Initiative Richtlinien zur Verfügung, anhand derer ein Nachhaltigkeitsbericht aufgebaut werden kann.
Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bayreuth ist beispielsweise nach diesen GRI-Standards strukturiert.

Nachfolgetagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ am Fr, dem 3.12.2010 in Berlin

Die Nachfolgeveranstaltung zu der am 15. April in Bremen von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen Unesco-Kommission (DUK) durchgeführten Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ wird am Fr, dem 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus stattfinden. Die Tagung wird diesmal auch vom Nachhaltigkeitsrat unterstützt, in dem seit kurzem Walter Hirche wirkt, der Vorsitzende der Deutschen Unesco-Kommission. Die Koordination der Veranstaltung liegt bei der Arbeitsgruppe Hochschule und Nachhaltigkeit der Deutschen Unesco-Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Konrektor Lehre an der Universität Bremen.

Die Tagung am 3.12.2010 hat zwei Schwerpunkte:

1. Mit führenden Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wird über die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis eine Lehre und Forschung für Nachhaltige Entwicklung zur Ausdifferenzierung im deutschen Wissenschaftssystem steht. Vor dem Hintergrund der zweiten Runde der Exzellenzinitiative existieren hier aktuell interessante Dynamiken.

2. In parallelen Workshops werden „Good-Practice“-Beispiele einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung in den Feldern „Lehrerbildung“, „Fachübergreifende Veranstaltungen“, „E-Learning“ präsentiert und Möglichkeiten der Übertragung auf andere Hochschulen erörtert.

Das endgültige Programm wird ca. Ende September zur Verfügung stehen. Weitere Informationen sind erhältlich über Prof. Dr. Georg Müller-Christ oder Dipl. Oek. Nadine Dembski.

Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ vom 15.04.2010 in Bremen jetzt auch als Video-Mitschnitt dokumentiert

Die Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ am 15.4.2010 an der Universität Bremen wurde in einem 30-minütigen Zusammenschnitt wichtiger Beiträge auch per Video dokumentiert. Der Mitschnitt vermittelt gute Eindrücke der Tagung. Das System der „mobile lecture“, mit dem die Aufnahmen passierten, wird an der Universität Bremen breit in der Lehre eingesetzt.

Ergebnisse und Follow-Up aus der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ mit HRK und DUK in Bremen am 15.04.2010

Anläßlich der am 1. März 2010 von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dem Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zur „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ fand am 15.04.2010 eine begleitende Tagung an der Universität Bremen statt. Sie bildet den Auftakt für einen weiteren Prozeß der AG „Hochschule und Nachhaltigkeit“. Auf der Abschlussrunde der Tagung des 15.04.2010 wurden dazu unterschiedliche zukünftige Maßnahmen (s.u.) diskutiert und in einem ersten Arbeitstreffen am 30.04.2010 konkretisiert. Der Prozeß wird von Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Konrektor an der Universität Bremen, koordiniert. Interessierte können sich an Frau Frau Nadine Dembski (nadem@uni-bremen.de) wenden.

Ergebnisse der Abschlussrunde der Tagung
„Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“
am 15.4.2010 an der Universität Bremen

In der Abschlussrunde haben die Teilnehmer/innen der Tagung die folgenden
Vorschläge für die weitere Zusammenarbeit gemacht:
1. Auf einer weiteren Veranstaltung sollten mehr Hochschulen ihre guten
Beispiele darstellen und zur Diskussion stellen können, wie sie Nachhaltigkeit
in Forschung, Lehre und Transfer umgesetzt haben.
2. Die HRK wird gebeten, den Prozess aktiv weiter zu unterstützen
und den Dialog mit den Hochschulen zu initiieren.
3. Die Rektoren der Hochschulen sollen über die Ergebnisse und die weiteren
Prozessschritte informiert werden.
4. Neben der konkreten Umsetzung vieler Maßnahmen soll auch weiter an
der strategischen Einbindung des Themas in Hochschulen gearbeitet
werden: Wie lässt sich das Thema mit der Idee einer modernen Hochschule
verknüpfen?
5. Wie in Österreich könnte in Deutschland ein Wettbewerb initiiert werden,
um Best-Practices sichtbar zu machen und zu würdigen (Preis ausloben)
6. Eine inhaltliche Diskussion über die Verknüpfung der Diskussionen über
eine soziale und demokratische Hochschule mit der Einbindung von
Nachhaltigkeit könnte geführt werden.
7. Studierende sollten aktiv in den Prozess einbezogen werden, um die
Nachfrage nach nachhaltigkeitsbezogenen Inhalten zu fördern und als
Argument für ein größeres Angebot einsetzen zu können.
8. Die Entwicklung einer Hochschule in Richtung Nachhaltigkeit sollte über
Kennziffern sichtbar gemacht werden können.
9. Kooperationsangebote der Wirtschaft für Forschung und Lehre sollen
aktiv genutzt werden.

Von der Tagung ist ein Videomitschnitt verfügbar.

Gemeinsame Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung

Am 1. März 2010 haben die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) eine gemeinsame Erklärung zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung öffentliche vorgestellt und damit ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit auch in Hochschulen gesetzt (zur Presseerklärung vom 01.03.2010). Am 15.04.2010 wird in Bremen eine eigene Veranstaltung zu der Erklärung stattfinden. Organisatoren sind die HRK, die DUK und die Universität Bremen.

Bremen: Bremen Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Ballast?

Bremen war der große Überraschungskandidat der ersten Runde der Exzellenzinitiative: Da stand die ehemalige „rote Kaderschmiede“ kurz davor in den Kreis der deutschen Eliteuniversitäten zu gelangen. Auch wenn es am Ende knapp nicht zur Förderung Zukunftskonzeptes gereicht hat, so war die Universität Bremen mit einem Exzellenzcluster und zwei Graduiertenschulen neben Kiel und Göttingen die erfolgreichste norddeutsche Universität im Wettbewerb.

Das Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule sind in der weltweit führenden Bremer Meeresforschung angesiedelt – einem für den Klimawandel wichtigsten globalen Öko-Systeme. Mit dem Alfred Wegener Institut (AWI) verfügt das Land zudem über eines der weltweit führenden außeruniversitären Institute in der Meeresforschung. In den letzten Jahren wurde der Bereich der Windenergiewirtschaft und –forschung konsequent in Bremen ausgebaut und war die Entscheidung der Bundesregierung, Bremerhaven in enger Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Hannover im Rahmen des Aufbaus eines neuen Fraunhofer-Institutes zum zentralen nationalen Windenergieforschungsstandort zu machen, nur konsequent. An der Universität Bremen wird die naturwissenschaftlich und technische Forschung dabei schon lange mit sozialwissenschaftlichen Bezügen verknüpft – hier hilft Bremen, dass es auch einer der führenden sozialwissenschaftlichen Forschungsstandorte ist – ebenfalls ausgezeichnet mit einer Graduiertenschule.

Dazu kommen in Bremen zwei Fachhochschulen (die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremen), in denen Fragen der Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre schon lange eine wichtige Rolle spielen. Die private Jacobs University, Deutschlands einzige Privat-Universität mit einer signifikant ausgebauten Ingenieurwissenschaft und enger Kooperationspartner der Universität Bremen in der Exzellenzinitiative, überlegt aktuell, ihr Wissenschaftsprofil noch konsequenter an den zentralen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten.

All das kombiniert mit einem rot-grünen Senat, in dem u.a. auch ein profilierter Umweltwissenschaftler als Senator sitzt, müssten Bremen eigentlich zur Wissenschaftshauptstadt der Nachhaltigkeit in Deutschland machen. Doch ein zu offensives Bekenntnis dazu gibt es nicht. Steckt die unbegründete Sorge dahinter, plötzlich als die „grüne Kaderschmiede der Republik“ stigmatisiert zu werden?

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