VDW Tagung Nachhaltigkeit – Verantwortung für eine begrenzte Welt

Die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.) führt vom 22. bis 24.11. in Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen eine Konferenz durch, auf der Forscherinnen und Forschern, Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit Raum gegeben werden soll, über die globale Bedeutung der Nachhaltigkeit aus gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Perspektive zu diskutieren.

Auf der Tagung soll die Idee der Nachhaltigkeit als Richtschnur für den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt, ihrer Biodiversität und unseren nur begrenzt verfügbaren Lebensgrundlagen überprüft werden. Aus der Analyse werden Schlussfolgerungen für das individuelle Verhalten gezogen sowie Erwartungen an verantwortliche Akteure in Wissenschaft und Politik formuliert.

Universitäten sind Orte gesellschaftlich relevanter Diskurse. Ihnen kommt eine besondere Verantwortung im Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu. In diesem Sinne möchte die Konferenz „Nachhaltigkeit – Verantwortung für eine begrenzte Welt“ dazu einladen, Ansätze zur Lösung existenzieller Zukunftsfragen zu diskutieren und kreative Konzepte zur Nachhaltigkeit aus interdisziplinären Forschungsansätzen zu entwickeln.

Eine Anmeldung ist unter der folgenden Seite möglich.
Das Tagungsprogramm finden Sie hier:

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Nachhaltigkeitsaktivitäten der Universitäten in den USA

PeterSchmuck Prof. Dr. Peter Schmuck

Interdisziplinäres Zentrum für nachhaltige Entwicklung in Göttingen

Sustainability Activities at 11 Universities in California: Stanford University, University of Redlands and 9 Universities of California: Berkeley, Davis, Merced, Los Angeles, Irvine, Riverside, San Diego, Santa Cruz, Santa Barbara

Im März 2012 hat Prof. Dr. Peter Schmuck vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Uni Göttingen eine Forschungsreise zu führenden Standorten nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft in den USA, insbesondere an der Westküste unternommen. Da diese amerikanischen Aktivitäten bisher kaum in der deutschen Debatte wahrgenommen werden, veröffentlichen wir hier den Reisebericht von Peter Schmuck als Nachlese zum Wissenschaftsjahr 2012 „Nachhaltigkeit/ Zukunftsprojekt Erde“.

Veranlassung der Reise: Seit dem Jahr 2000 bin ich im Rahmen des Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Universität Göttingen (IZNE) in Aktionsforschungsprojekten zum Umbau der Energieversorgung Deutschlands hin zu dezentraler Versorgung mit erneuerbaren Energie aktiv. In den letzten Jahren entstand im Göttinger IZNE Team die Idee, die erfolgreichen Aktivitäten unseres Teams in Dörfern und Landkreisen Deutschlands auch für Lehre und Gestaltung nachhaltiger Lebensmuster innerhalb der Universität zur Verfügung zu stellen. Seit 2011 erfährt diese Idee durch die neue Präsidentin der Universität Göttingen Unterstützung. Sie empfahl, schon bestehende Kontakte zur UC Santa Barbara, an der auch E.U. von Weizsäcker einige Jahre tätig war, auszubauen. Von Paul Rowland, Leiter der Association for Advancement of Sustainability in Higher Education (AASHE.org), den ich 2011 in Korea kennenlernte, erfuhr ich, dass in den USA zahlreiche Universitäten Nachhaltigkeitsaspekte in die Lehre sowie Administration aufgenommen haben. So beschloss ich, aktuelle Erfahrungen in Deutschland mit unseren Nachhaltigkeits-Aktionsforschungsprojekten außerhalb von Universitäten in Kalifornien vorzustellen und dort gesammelte Erfahrungen mit Nachhaltigkeitsaktivitäten innerhalb von Universitäten aus erster Hand aufzugreifen, um sie ggf. für die weitere Entwicklung in Deutschland nutzbar zu machen.

Organisation der Reise: Im Januar 2012 habe ich den Nachhaltigkeitsverantwortlichen einer Reihe kalifornischer Universitäten angeboten, über die Projekte in Deutschland vorzutragen und über mögliche Kooperationen bei universtäts-internen Nachhaltigkeitsaktivitäten (Lehre und Administration) zu diskutieren. Kalifornien wurde gewählt, weil dort Nachhaltigkeitsaktivitäten, verglichen mit anderen Gebieten der Welt, am fortgeschrittensten scheinen und in höchster territorialer Dichte vorzufinden sind. Alle angeschriebenen Personen luden mich an die jeweilige Universität ein. An fünf Universitäten hielt ich einen Vortrag vor größerem Publikum, an den anderen Universitäten in Round-Table Gesprächen in kleinerem Kreis. Im Präsidium des UC Verbundes in Oakland fand ein Austausch mit den für alle 10 UCs Verantwortlichen für Nachhaltigkeit statt. Vorgestellt wurden die erfolgreichen Aktionsforschungsprojekte unseres Zentrums im Rahmen des „Göttinger Ansatzes der Nachhaltigkeitsforschung“ sowie die dahinterstehende psychologische Theorie, nach der Menschen das Potential zu Engagement für Nachhaltige Entwicklung aufweisen, dessen Nutzung und Entfaltung Gewinne für das Wohlbefinden bewirkt. Die besuchten Universitäts-VertreterInnen stellten mir wegweisende Projekte der einzelnen Unis auf Campus-Rundgängen vor. Die Hauptverantwortlichen für Nachhaltigkeit von jeder der Universitäten habe ich über ihre Sicht zur Geschichte dieser Aktivitäten, zum Nachhaltigkeitsverständnis, zur persönlichen Motivation, zu den Pionierprojekten in Forschung, Lehre, Administration sowie zu studentischen Initiativen befragt.

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Peter Schmuck in Santa Cruz

Ergebnisse der Reise bezüglich meiner Berichte: Die Ergebnisse der Aktionsforschungsprojekte des Göttinger Teams wurden mit Erstaunen und Begeisterung aufgenommen. Allerorten wurde Interesse am Fortgang der Arbeiten auf Landkreisebene sowie an aktuellen Publikationen, z.B. über die psychologischen Erfolgsfaktoren unserer Projekte, geäußert. An einigen Unis wurde der Wunsch geäußert, dass wir unsere Erfahrungen über internet-gestützte Lehrmethoden im Rahmen von „Webinars“ in laufende Kurse in Kalifornien (z.B. über Skype) einspeisen. Mit der Uni San Diego wurde eine solche Kooperation für das FS 2012 bereits vereinbart. Mein Angebot, bei Gegenbesuchen in Deutschland unsere Projekte vor Ort vorzustellen, wurde gern notiert.

Ergebnisse der Reise bezüglich der US Erfahrungen: Über die Kontakte mit Paul Rowland von AASHE wußte ich bereits, dass die Mehrzahl aller US amerikanischen Universitäten und Colleges Mitglied dieser Vereinigung sind, sich also zumindest formell zu einer Einführung von Nachhaltigkeitsthemen in Lehre und Alltag der Universitäten verpflichtet haben. Nun wollte ich herausfinden, welche Aktivitäten hierzu vor Ort an den besuchten Universitäten tatsächlich stattfinden und welches Nachhaltigkeitsverständnis vorherrscht. Die Aktivitäten lassen sich schwierig aufgliedern, da Universitäten als „living laboratories“ für nachhaltige Lebensstile betrachtet werden, also Lehre, Forschung und das studentische Leben im Campus als eng verwoben gesehen werden. Meinen folgenden Versuch einer Strukturierung bitte unter diesem Vorbehalt sehen.