„Nachhaltige Universität“ Hamburg – Diskussion von Uni-Präsident Lenzen mit Vertretern der Zivilgesellschaft

In einer Diskussionsveranstaltung am 23. Oktober um 19:00 Uhr im Bürgersaal des Rathauses stellt sich der Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen, Vertretern der Zivilgesellschaft zu den Herausforderungen einer „Nachhaltigen Universität“.

In einem Eingangsreferat wird Dieter Lenzen, das Konzept der „Nachhaltigen Universität“ vorstellen, während in einem zweiten Teil dieses Konzept mit gesellschaftlichen Akteuren aus den Bereichen Wirtschaft, Gewerkschaften, Umwelt und Soziales auf seine Relevanz hin überprüft werden soll. An der Podiumsdiskussion werden neben Prof. Dr. Lenzen teilnehmen:

  • Dr. Wilma Simon, Vorsitzende des Verbandsrates des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
  • Dr. Andreas Keller, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes und Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg und
  • Heinrich Lieser, Geschäftsführer Notus Energy.

Die GAL bittet um Anmeldung unter Tel: 42831-1397 oder per Mail: info@gruene-fraktion-hamburg.de.

Wohin läuft das Wissenschaftssystem? – Ein Kommentar zur Veranstaltung am 07.05.2012 im ProjektzentrumBerlin der Stiftung Mercator

Uwe Schneindewind 07.05.12„Wohin läuft das Wissenschaftssystem?“ war die Leitfrage einer Podiumsdiskussion im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.12. Sie fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Transformatives Wissen schaffen“ statt. Nach dem Reihen-Auftakt im Wissenschaftsjahr mit Vorreiterinstitutionen, der Zivilgesellschaft und insbesondere den Ministerinnen der beiden das Thema vorantreibenden Bundesländer NRW und Baden-Württemberg am 06. Februar in der NRW-Landesvertretung diskutierte diesmal das „etablierte“ nationale Wissenschaftssystem über den Status und die Fähigkeit, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen adäquat zu bearbeiten.

Schon die Zusammensetzung der Podiumsrunde war bemerkenswert: Mit dem Hamburger Uni-Präsidenten Dieter Lenzen, dem Leiter der neuen Helmholtz-Allianz zur Energiewende, Armin Grunwald, dem für die gesamte Nachhaltigkeitsforschung zuständigen Abteilungsleiter im Bundesforschungsministerium, Eugen Huthmacher sowie dem Leiter Wissenschaft der – mit ihren aktuellen Energie- und Klima-Projektinitiativen im zweistelligen Millionenbereich Furore machenden – Stiftung Mercator, Wolfgang Rohe, waren zentrale Segmente des Wissenschaftssystems hervorragend repräsentiert. Dagmar Simon, die Leiterin der Wissenschaftssystemforschung am Wissenschaftszentrum Berlin und eine der profundesten Kennerinnen des Systems rundete das Plenum ab. Dass diese Akteure gerne der Einladung einer Veranstaltungsreihe gefolgt sind, die von einer Reihe innovativer und eher unkonventioneller Vorreiterinstituten und –universitäten veranstaltet wird, wäre vor fünf oder gar zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen – zu einer Zeit, in der das gesamte Wissenschaftssystem noch im Bann der Exzellenzinitiative stand. Kurz vor Verkündung der Ergebnisse deren letzter Runde am 15.06.2012 und flankiert durch das aktuelle Wissenschaftsjahr zur Nachhaltigkeit scheint es eine neue Nachdenklichkeit über die Perspektiven der Wissenschaftspolitik für die kommenden Jahre zu geben.

Dies spiegelte sich auch in der Zusammensetzung des Publikums wider: Nicht nur zahlreiche Wissenschaftspolitikerinnen und –politiker unterschiedlicher Fraktionen hatten den Weg ins Projektzentrum gefunden, sondern auch die Vertreter mehrerer Landeswissenschaftsministerien. Niedersachsen war gar durch seinen Staatssekretär, Josef Lange, vertreten – der dienstälteste Wissenschafts-Staatssekretär in Deutschland, versehen mit einem sicheren Instinkt für relevante Entwicklungen in der Wissenschaft.

Wohin läuft das Wissenschaftssystem? – Diskussionsveranstaltung im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.2012

Mit der Veranstaltung wird eine Systemanalyse aus der Sicht einer transformativen Wissenschaft angestrebt. In der Runde sollen u.a. folgende Fragen diskutiert werden: Welchen Forschungsbedarf gibt es für den Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft? Welche Strategien bestehen hierfür seitens der Wissenschaft und der großen Förderorganisationen? Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung von Transdisziplinarität an Hochschulen und in den großen Wissenschafts-organisationen sowie im Rahmen öffentlicher Förderprogramme?

Die Veranstaltung beginnt um 17:30 Uhr und wird mit einem Buffet abgerundet.

Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung werden sein:

  • Dr. Wolfgang Rohe, Leiter Wissenschaft – Stiftung Mercator
  • MinDir. Dr. Karl-Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter „Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit“/BMBF
  • Dr. Dagmar Simon, Leiterin Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik, Wissenschaftszentrum Berlin
  • Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes für Klima, Umwelt, Energie
  • Prof. Dr. Armin Grunwald, KIT Karlsruhe
  • Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg
  • Thomas Korbun, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Moderation)

Zielgruppe der Veranstaltung : Vertreter_innen von Wissenschaftsorganisationen, Wissenschaftseinrichtungen und wissenschaftspolitische Multiplikator_innen.

Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität der Universität Hamburg schreibt Postdoc-Stipendien für das Kolleg „Sustainable Future“ aus

Das Kompetenzzentrum „Nachhaltige Universität“ der Universität Hamburg schreibt noch bis zum 31.12.2011 die nächste Runde von Post-Doc-Fellowships aus. Die Stipendien sind auf maximal 2 Jahre mit 2200,- Euro + Sachkostenzuschuss dotiert. Bewerben können sich herausragend qualifizierte Postdoktorandinnen und -doktoranden sowohl von der Universität Hamburg als auch von anderen Universitäten im In- und Ausland. Voraussetzung ist, dass das betreffende Vorhaben das Thema der „Nachhaltigkeit“ entweder in
thematisch-inhaltlicher, reflexiv-wissenschaftskritischer, didaktischer und/oder institutioneller Perspektive aufgreift. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden sich unter http://www.nachhaltige.uni-hamburg.de/de/Foerderung/Fellowships.html.

Vortrag „Nachhaltiges Hamburg – nachhaltige Wissenschaft: Perspektiven für die europäische Umwelthauptstadt 2011“ am 26.05.2011 um 19:00 Uhr in der Universität Hamburg

Im Jahr 2010 hat das Wuppertal Institut seine Studie „Zukunftsfähiges Hamburg“ vorgelegt und die Vision einer nachhaltigen Stadtentwicklung aufgezeigt. Welche Chancen und Herausforderungen liegen in einer solchen Perspektive für die Hamburger Wissenschaft und die Universität Hamburg?

Auf diese Fragen geht Prof. Dr. Uwe Schneidewind, seit März 2010 Präsident des Wuppertal Institutes und u.a. Autor des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ in seinem Vortrag

an der Universität Hamburg, Hörsaal H, Edmund-Siemers-Alle 1, 20146 Hamburg
um 19:00 Uhr

ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hamburger Vorträge zur Nachhaltigkeit“ statt und wird durch Grußworte von Universitätspräsident Prof. Dr. Dieter Lenzen und Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt eröffnet.

Die Folien des Vortrags können finden Sie hier zum Download:
110526-Schneidewind-Nachhaltiges-Hamburg-Nachhaltige-Wissenschaft

Startschuss für eine nachhaltige Ausdifferenzierung – ein Kommentar zu den Entscheidungen in der Exzellenzinitiative

Seit Freitag ist klar, dass die Exzellenzinitiative auch in ihrer zweiten Runde ohne nachhaltigkeitsorientierte Gesamtkonzepte stattfinden wird. Der couragierte und äußerst differenzierte Zukunftskonzept-Entwurf der Universität Hamburg zur „Sustainable University“ hat keine Aufforderung zur Ausarbeitung eines endgültiges Antrages erhalten.

Damit wurde es verpasst, auch einer gesellschaftsorientierten Wissenschafts-Ausrichtung eine Chance im Rahmen der Exzellenzinitiative zu geben. Diese immer wichtiger werdende Ergänzung im deutschen Wissenschaftssystem muss mithin außerhalb der Exzellenzinitiativenkulisse stattfinden. Auf den ersten Blick ist das ernüchternd, auf den zweiten Blick stecken darin auch Chancen:

Einmal ist es eine unmittelbare Chance für die mittelgroßen Universitäten, die schon seit einiger Zeit auf ein Nachhaltigkeitsprofil in ihrer strategischen Ausrichtung setzen – vorne weg die Universitäten Lüneburg und Kassel. Ihre besondere Bedeutung für das Wissenschaftssystem wird durch die Entscheidungen vom Freitag wachsen. Durch eine intelligente Vernetzung ihrer Aktivitäten können sie ihre wissenschaftspolitische Wirkung noch stärken.

Es ist aber auch eine Chance für eine Reihe von Universitäten, die seit Freitag wissen, dass sie sich ab jetzt nicht mehr auf die Exzellenzinitiative konzentrieren müssen. Universitäten wie Duisburg-Essen, Dortmund, Osnabrück oder Wuppertal haben in den letzten Jahren viele interessante Elemente einer nachhaltigkeitsorientierten Wissenschaft entwickelt. Für sie könnte die Weiterentwicklung eines gesellschafts- und nachhaltigkeitsorientierten Wissenschaftsprofils eine interessante Differenzierungschance darstellen.

Die Entscheidung wirkt aber auch auf der Ebene ganzer Bundesländer zurück:

Das Land Hessen weiß seit Freitag, dass es auch künftig keine „Eliteuniversität“ beherbergen wird – trotz der eindrucksvollen Exzellenzcluster und Graduiertenkollegs-Leistungen seiner Universitäten Frankfurt, Darmstadt oder Gießen. Dies ist eine Gelegenheit, über die wissenschaftspolitische Positionierung des Landes nachzudenken. Und dabei auch über den Stellenwert von „Gesellschaftsorientierung“ – zumal das Land Hessen im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie in den Hochschul-Zielvereinbarungen als erstes Land diese Dimension fest für alle Hochschulen verankert hat und zudem mit der Universität Kassel sowie Instituten wie dem Institut für sozial-ökologische Forschung über Vordenker-Organisationen im Feld verfügt.

Die neue Landesregierung in Hamburg ist nach den Entscheidungen des Wissenschaftsrates ebenfalls gefordert, ihre künftige Wissenschaftsstrategie zu überdenken. Als Umwelthauptsstadt Europas und vielen Ansatzpunkten für eine nachhaltige Metropole würde es Hamburg gut anstehen, wenn es seine Wissenschaftspotenziale noch stärker für eine entsprechende Positionierung nutzt. Es ist daher zu hoffen, dass die Universität Hamburg ihr wegweisendes Nachhaltigkeitskonzept auch außerhalb der Exzellenzinitiative weiter vorantreibt.

Nordrhein-Westfalen als größtes Bundesland hat die herausragende Chance, das Zusammenspiel von exzellenter Grundlagenforschung und nachhaltigkeitsorientierter Anwendungsforschung vorzuleben. Neben der RWTH-Aachen sind jetzt mit den Universitäten Köln und Bochum zwei weitere Eliteuniversitätskandidaten im Rennen. Schon heute klappt der Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und problemorientierter Anwendungsforschung in NRW in wichtigen Feldern wie der Energie- und Klimaforschung. Dies ließe sich intensivieren. Die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) könnte dafür ein Versuchsort mit Vorbildcharakter sein. Hier treffen sich der „Elitekandidat“ Bochum mit den herausragenden inter- und transdisziplinären Potenzialen der Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund (vgl. z.B. BMBF Spitzencluster „Effiziencluster LogistikRuhr“ oder Profilschwerpunkte wie den Urbanen Systemen in Duisburg-Essen), ergänzt um Leuchtturminstitutionen wie dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen, das mit seinen Arbeiten zur Klimakultur zentrale Akzente in der Umwelt- und Klimadebatte gesetzt hat. Und dies passiert in einem Umfeld mit idealtypischen „Realexperimentcharakter“ – wie z.B. der Innovation City Ruhr, bei der exemplarisch am Beispiel Bottrops eine CO2-Reduktion um 50% in 10 Jahren umgesetzt und als Muster zusammen mit vielen weiteren Ruhrgebietsstädten entwickelt werden soll.

Es ist zu hoffen, dass die Standorte, die seit Freitag wissen, dass sie Ihre Zukunftsplanung künftig befreit vom Blick auf die Schlange „Exzellenzinitiative“ gestalten können, diese Chance für intelligente Differenzierungsstrategien nutzen.

Zukunftskonzept der Nachhaltigen Universität Hamburg leider nicht zur endgültigen Antragstellung in der Exzellenzinitiative aufgefordert

Die Universität Hamburg hatte in ihrer Antragsskizze für die 3. Linie der Exzellenzinitiative als erste große deutsche Universität konsequent auf das Konzept einer Nachhaltigen Universität gesetzt. Leider ist die Skizze in der heutigen Auswahlrunde von Wissenschaftsrat und DFG nicht zur endgültigen Antragsstellung aufgefordert worden. Obwohl das Konzept selber von den Gutachtern für visionär gehalten wurde, führte insbesondere Skepsis bzgl. des Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Hamburg insgesamt dem Vernehmen nach zur Ablehnung (vgl. hierzu auch die Pressemeldung der Universität Hamburg sowie die Meldung des Nachhaltigkeitsrates). Es ist zu hoffen, dass die Universität Hamburg sich von dieser Entscheidung nicht entmutigen lässt und die Umsetzung des wegweisenden Konzeptes auch unter den anderen Randbedingungen weiter vorantreibt.

Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ in Berlin – kraftvoller Impuls für eine Nachhaltigkeits-Orientierung an Deutschen Hochschulen

Rund 100 Teilnehmer nahmen am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus an der von der deutschen UNESCO-Komission (DUK) (AG Hochschule), dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und der Freien Universität Berlin getragenen Tagung „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“ teil. Diese Tagung war Nachfolge-Tagung einer Veranstaltung von Deutscher Unesco-Kommission und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 15. April 2010 in Bremen und erfreute sich noch größerer Resonanz als schon die Bremer Tagung.

Doch nicht nur die Zahl der Teilnehmer aus rund 40 unterschiedlichen Hochschulen war bemerkenswert, sondern die Kraft, mit der das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell aus unterschiedlichen Richtungen in die Hochschulen getragen wird: Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, machte in seinem Vortrag zum Exzellenzintiativen-Antrag der Universität Hamburg deutlich, wie eine Nachhaltigkeitsorientierung den Rahmen für ein umfassendes Zukunftskonzept einer Großuniversität in den Bereichen Wissenschaftsverständnis, Forschung, Lehre und Universitäts-Governance bilden kann.
Mandy Singer-Brodowski stellte in einem eindruckvollen Vortrag die Perspektiven und den Forderungskatalog von rund zehn an unterschiedlichen Hochschulen tätigen studentischen Initiativen vor. Dabei stellte sich eine hohe Parallelität der Forderungen mit den Bausteinen des Hamburger Zukunftskonzeptes heraus. Ein Zusammenfallen, das zeigt, dass eine Nachhaltigkeitsorientierung zu neuen Formen der Zusammenarbeit vieler Gruppen in Hochschulen führen kann.

In parallelen Workshops (zu den Themenfeldern Lehrerbildung, fachübergreifende Angebote zum Thema Nachhaltigkeit sowie E-Learning-Veranstaltungen für Nachhaltigkeit) zeigte sich, dass dieser Impuls inzwischen an vielen Hochschulen aufgenommen wurde. Ein aktuelles Beispiel ist die Katholische Universität Eichstätt, die –befördert durch die gemeinsame Erklärung von Deutscher Unesco-Kommission und HRK- inzwischen eine eigene Beauftragte für BNE in der Hochschule benannt und rechtzeitig zur Berliner Tagung ein Leitbild „Nachhaltige Katholische Universität Eichstätt“ verabschiedet hatte (vgl. den Titel-Bericht im Universitätsmagazin „Agora“ der Universität).

Am Ende der Veranstaltungen bestand Einigkeit darüber, dass über solche Tagungen hinaus Wege zu einer weitergehenden Institutionalisierung der Nachhaltigkeitsimpulse an deutschen Hochschulen gefunden werden müssen. Dabei wurden Forderungen laut, eine Verpflichtung zu Nachhaltigkeit zu einem festen Element in allen Landes-Hochschulgesetzen zu machen – eine Perspektive von der einzelne Länder wie das Land Hessen, das Nachhaltigkeitselemente fest in den Katalog der Zielvereinbarungsbausteine mit seinen Hochschulen übernommen hat, gar nicht so weit entfernt sind.

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Prof. Dr. Dieter Lenzen; Prof. Dr. Uwe Schneidewind; Mandy Singer-Brodoski, Prof. Dr. Georg Müller-Christ im Podiumsgespräch zu den Perspektiven von Hochschulen für Nachhaltigkeit am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus.

Wissenschaftsrat legt seine Empfehlungen zur Differenzierung von Hochschulen vor – nur zaghafte Brücken zu gesellschaftsorientierten Wissenschaftsprofilen

In seiner Herbstsitzung (10.-12.11.2010 in Lübeck) hat der Wissenschaftsrat u.a. seine „Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen“ verabschiedet. In seinen Empfehlungen plädiert der Wissenschaftsrat für mehr Mut zu Differenzierung im deutschen Hochschulsystem. Die Hochschultypen Universität und Fachhochschule in ihrer bisherigen Form allein reichen aus Sicht des Wissenschaftsrates nicht mehr aus, um die gewachsene Vielfalt der individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen an akademische Einrichtungen erfüllen zu können. Es seien mehr alternative Hochschulformen notwendig. In seinem Gutachten (S. 110 f.) weist der Wissenschaftsrat dann auch knapp 30 Hochschulbeispiele aus, die heute schon in Deutschland als „institutionelle Sonderformate“ in „Abweichung vom institutionellen Regelfall“ gelten können – dabei auch mehrere themenfokussierte Hochschulen wie z.B. die Hafen City Univercity (HCU) oder die Hertie School of Governance. Insgesamt wird das Potenzial einer gegenstandsbezogenen Differenzierung von Hochschulen anhand von gesellschaftlichen Herausforderungen nur am Rande adressiert (vgl. S. 38 der Stellungnahme). So heißt es lediglich in einer Fußnote auf S. 38 „International lassen sich vereinzelt Experimente mit gegenstandsbezogenen Hochschulen beobachten. Dabei spielen vielfach transdisziplinäre Konzepte und eine Orientierung an großen gesellschaftlichen Herausforderungen eine Rolle. Vgl. exemplarisch die Selbstbeschreibung der Arizona State University in Phoenix.“ Es ist auch die einzige Stelle in dem 150-seitigen Papier, an der der Begriff der „Transdisziplinarität“ auftaucht. „Nachhaltige Entwicklung“ als gesellschaftliche Schlüsselherausforderung für eine mögliche gesellschaftliche Orientierung von Hochschulen wird kein einziges Mal erwähnt. Dies ist umso interessanter als aktuell mehrere Universitäten (wie z.B. die Universität Hamburg in ihrem Exzellenzinitiativenantrag oder die Leuphana Universität Lüneburg) in Deutschland aktuell auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung als Differenzierungsstrategie setzen. Am 3.12.2010 wird in Berlin im -Rahmen der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ die Frage eine Rolle spielen, ob die Herausforderung „Nachhaltige Entwicklung“ ein Differenzierungsmerkmal für einzelne Hochschulen oder eine Aufgabe für die gesamte Hochschullandschaft ist.

Universität Hamburg geht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ als Zukunftskonzept in die nächste Runde der Exzellenzinitiative

Die Universität Hamburg setzt mit ihrem Zukunftskonzept (3. Linie) in der Bewerbung für die kommende Runde der Exzellenzinitiative auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Antrag für die 3. Förderlinie heißt „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung Universität Hamburg: Seeking Knowledge for a Sustainable Future“ und soll mit einem Partnernetzwerk deutscher und skandinavischer Universitäten umgesetzt werden. Dies verspricht spannende Impulse für die Diskussion um eine Nachhaltigkeitsausrichtung von Hochschulen in Deutschland.

Hamburg: Potenziale – versunken in Konflikten?

Hamburg wäre eigentlich ein idealer Standort für eine nachhaltigkeits-orientierte Wissenschaftsstrategie: Weltweit führend in der Klimaforschung (und hier auch mit einem Exzellenzcluster an der Universität Hamburg ausgezeichnet), zudem viele wissenschaftliche Potenziale, die die globale Vernetzung der Hafenstadt Hamburg spiegeln – von Afrikastudien bis zur globalen Logistik. Zudem verfügt die Stadt mit der neu gegründeten Hafen City University (HCU) über eine der wenigen deutschen Universitäten, die sich konsequent an einem inhaltlichem Schwerpunkt (den Perspektiven und der Entwicklung von Metropolen) ausrichtet ist und dieser Schwerpunkt mitten im Kern der Nachhaltigkeitsfrage liegt.

Jedoch leidet die Stadt seit vielen Jahren unter Konflikten, die ihr Potenzial erheblich schwächen – Konflikten innerhalb der Universität, die erst vor wenigen Monaten im erzwungenen Rücktritt der Präsidentin gipfelten, Rivalitäten zwischen den unterschiedlichen Hochschulen , und Streitpunkten zwischen Hochschulen und Landesregierung.

Gerade für einen schwarz-grünen Senat würden in einer zukunftsgewandten Entwicklung des Wissenschaftsstandortes interessante Potenziale zur Profilierung des Landes Hamburg liegen. Es ist zu hoffen, dass dies in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen gelingt.

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