WBGU-Gutachten „Große Transformation“ jetzt als videobasierte Lehrveranstaltung online

Das WBGU-Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ ist jetzt als videobasierte Lehrveranstaltung in englischer Sprache erschienen (http://wit.va-bne.de/). Die Mitglieder des WBGU und weitere Mitarbeiter präsentieren die Inhalte des Gutachtens und Fragen der wissenschaftlichen Politikberatung in elf Lerneinheiten (mit jeweils 2x 30min Vortrag und einem 30 minütigen Interview zur Vertiefung und Reflexion).

Die Lehrveranstaltung „World in Transition“ des WBGU entstand in Kooperation mit der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit, ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt der Universität Bremen. Ein Beispiel finden Sie hier.

Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit arbeitet für ihre Lehrveranstaltungen mit Wissenschaftlern sowie wissenschaftlichen Institutionen mit Nachhaltigkeitsbezug zusammen. Unter anderem mit Herrn Prof. Dr. Uwe Schneidewind, der ebenfalls Mitglied des Vorstands der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit ist.

Ziel ist es Studierenden und Hochschulen frei zugängliche und kostenfreie Online-Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit anzubieten. Dieses Angebot richtet sich an Studierende aller Studiengänge und kann von Hochschulen im Bereich Studium Generale, offenes Studium oder Wahlpflichtbereich integriert werden. Nach einer bestandenen elektronischen Prüfung können Creditpoints erworben werden. Erste deutsche Universitäten haben das Lehrangebot bereits aufgegriffen.

Die videobasierte Lehrveranstaltung ist auch ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2012 des BMBF „Zukunftsprojekt Erde“.

Wenn Sie Interesse haben die Lernvideos an Ihrer Hochschule zu nutzen, informieren wir Sie gern zu den unterschiedlichen Integrationsmöglichkeiten.

Kontakt:

WBGU: Dr. Benno Pilardeaux bpilardeaux@wbgu.de

Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit: Nadine Dembski dembski@va-bne.de

wbgu_jg2011_ZfEVA_Broschuere_2012Broschüre der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit und Zusammenfassung Gutachten des WBGU

Promotionsförderung der Heinrich-Böll-Stiftung – Forschung für und über die „Große Transformation“

Die aktuelle Einrichtung des Forschungsschwerpunkts Transformationsforschung im Rahmen der Promotionsförderung steht im Kontext des Programmschwerpunkts der Heinrich-Böll-Stiftung zur Großen Transformation. Das Themen-Cluster greift eine zentrale Forderung des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen (WBGU) zur „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ (WBGU 2011) zur Umsetzung des „Green New Deal“ auf: Mit dem Themenschwerpunkt leistet die Heinrich-Böll-Stiftung einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des neuen Forschungsfelds der Transformationsforschung.

Die Arbeiten sollten „robustes Wissen“ zu Transformationsprozessen entwickeln und insbesondere auch Perspektiven auf sektorale Transformationsstrategien eröffnen. Wichtig ist dabei die Anschlussfähigkeit sowohl an das Wissenschaftssystem als auch an Akteure außerhalb der Wissenschaft.

Es wird angestrebt, einen Unterstützerkreis von Wissenschaftler_innen für den Förderschwerpunkt aufzubauen. Zudem werden ab 2013 Veranstaltungen zum fachlichen Austausch und zur gegenseitigen Vernetzung im Rahmen des ideellen Begleitprogramms des Studienwerks und in Kooperation mit den Fachabteilungen der Stiftung stattfinden. Es ist zudem geplant, das Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Transformationsforschung weiter zu entwickeln, darunter folgende Institute: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (d.i.e.), das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) sowie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH.


Weitere Informationen zu den Stipendien gibt es hier.

Bewerbungsfristen: 1. März und 1. September 2012

Dokumentation des Forums „Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft“ vom 8.11.11 ab sofort verfügbar

Im Rahmen der Initiative „Fortschritt NRW“ veranstaltete das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium am 8.11.2011 in der Akademie der Wissenschaften und Künste, Düsseldorf ein Forum zum Thema „Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft“. Das Forum wurde durch einen Vortrag von Prof. Dirk Messner, Leiter des Deutschen Institutes für Entwicklungspolitik (DIE) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU) eingeleitet, der auf die im aktuellen Hauptgutachten des WBGU herausgearbeiteten Defizite des aktuellen Wissenschaftssystems bei der Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen einging. Dem Vortrag schloss sich eine anregende Diskussion auf einem Podium an, auf dem Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Prof. Dr. Achim Bachem/Leiter des Forschunszentrums Jülich, Prof. Ursula Gather/Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, Dr. Dagmar Simon/Leiterin der Gruppe Wissenschaftspolitik des Wissenschaftszentrums Berlin sowie Philine Warnke vom Fraunhofer-ISI diskutierten. Es wurde deutlich, dass die vom WBGU eingeforderte Verstärkung einer „transformativen Forschung“ noch am Anfang steht. Die Universitäten tun sich dabei schwerer als die großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Sowohl in der Forschungspolitik als auch in den wissenschaftsinternen Anreizsystemen bestehen noch Anpassungsbedarfe. Dabei war bei der Diskussion u.a. umstritten, ob eine „transformative Forschung“ eigene Förderlinien braucht oder integraler Bestandteil bestehender Forschungsansätze und Institutionen werden muss.

Die Dokumentation der Veranstaltung (Vortrag von Dirk Messner, Teilnehmerliste des Podiums) ist ab sofort im Download verfügbar unter: http://www.wissenschaft.nrw.de/landdertalente_nrw/Fortschritt_NRW/Foren_des_Fortschritts/FdF__gesellschaftliche_Verantwortung_v_Wissenschaft/index.php

Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft – Forum des Fortschritts NRW am 8.11.2011 in Düsseldorf

Am 8. November ab 18:00 Uhr veranstaltet das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium in der Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf sein nächstes Forum des Fortschritts. Thema ist die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft. Mit dem Forum bietet das Ministerium eine weitere Plattform für die Diskussion über zukünftige Anforderungen an das Wissenschaftssystem angesichts wachsender globaler Herausforderungen: „Die globalen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, demografische Entwicklung und Energie- und Ressourcenknappheit verlangen nachhaltige Lösungen und Strategien. Worin genau sollte der Beitrag der Wissenschaft liegen? Welche neue strukturellen und inhaltlichen Anforderungen an Wissenschaft ergeben sich? Und wie müssen Forschungsstrategien und Förderprogramme ausgerichtet sein? Auf Grundlage des Hauptgutachtens „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) möchte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in einem offenen Dialog mit der Öffentlichkeit und den Fachleuten diese und andere Fragen diskutieren.“ Nach einem Eingangsreferat von Prof. Dirk Messner, Mitglied des WBGU, diskutieren Svenja Schulze, Prof. Dr. Dirk Messner, Prof. Dr. Ursula Gather/Vorsitzende der Rektorenkonferenz des Landes NRW, Prof. Dr. Achim Bachem/Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, Waldemar Kütt/Mitglied des Kabinetts der EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, Dr. Dagmar Simon/Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB ) und Dr. Philine Warnke/Geschäftsfeldleiterin Zukunftsforschung und Vorausschau im Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Weitere Informationen und das Programm zur Veranstaltung finden sich unter http://www.wissenschaft.nrw.de/landdertalente_nrw/Fortschritt_NRW/FdF__gesellschaftliche_Verantwortung_v_Wissenschaft/index.php

Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen – Beitrag von Uwe Schneidewind

In der „aktuellen Kolumne“ des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) liefert Uwe Schneidewind unter dem Titel „Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen“ eine Analyse der wissenschaftspolitischen Konsequenzen aus dem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU).

Kann man nachhaltige Entwicklung durch Forschung fördern? Thesen zu Rolle und Aufgaben der Forschungsförderung – Beitrag von Peter Moll

Auf der SAGUF-Tagung „Welche Forschung führt aus der Krise“ am 07.06.2011 in Bern hat Peter Moll einen Vortrag zu Rolle und Aufgaben der Forschungsförderung im Kontext Nachhaltiger Entwicklung gehalten. Der Vortrag findet sich zum Download am Ende dieses Beitrages.

Peter Moll koordiniert die EU-Initiative RD4SD (Research and Development for Sustainable Development), in der derzeit die nachhaltigkeitsorientierten Förderanstrengungen von Wissenschaftsministerien in insgesamt 18 europäischen Ländern diskutiert und Perspektiven für künftige Förderstrategien entwickelt werden.

In der Diskussion spielt dabei zunehmend die Forderung nach einem „3-Säulen-Modell“ eine zentrale Rolle. Neben die beiden Pole „Grundlagenforschung“ und „Anwendungsforschung“ sollte konsequent eine Ziel-orientierte Forschung gestellt werden (vgl. die Abbildung zum 3-Säulen-Modell).

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Abb: 3-Säulenmodell der Forschungsförderung. Quelle: Moll 2011

Neben eine „Forschung über“ tritt eine „Forschung für“ (in diesem Fall für Nachhaltige Entwicklung). Damit greift Moll Forderungen auf, wie Sie auch der WBGU in seinem aktuellen Hauptgutachten formuliert hat. Eine solche 3. Säule könnte vermeiden, dass entsprechende transdisziplinäre Forschungsansätze weiterhin zwischen dem Raster von „Grundlagenforschung“ einerseits und „Anwendungsforschung“ andererseits hindurchfallen, handelt es sich bei vielen der hier beschriebenen Forschungsansätze (wie z.B. bei der vom WBGU eingeforderten „Transformationsforschung“) häufig um eine „anwendungsorientierte Grundlagenforschung“.

Peter Moll ist für Rückfragen und Kommentare unter der E-Mail-Adresse moll@science-development.de zu erreichen.

Die Folien zum Vortrag von Peter Moll stehen hier zum Download bereit:

110607-SAGUF-Vortrag-Moll

Institutionen für eine transformative Forschung – GAIA-Beitrag zur Konstituierung der NaWis-Runde

In der aktuellen Ausgabe 2/2011 der Zeitschrift GAIA ist der Beitrag (Download siehe unten) „Institutionen für eine transformative Forschung – zur Gründung der NaWis-Runde“ von Uwe Schneidewind, Andreas Ernst und Daniel Lang erschienen. Der Beitrag zeigt die Notwendigkeit institutioneller Veränderungen im Wissenschaftssystem auf, um den Anforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden – ähnlich wie dies gerade der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem aktuellen Hauptgutachten eingefordert hat. Mit der NaWis-Runde, die von den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut initiiert wurde und die seit 2011 der deutsche Träger der Zeitschrift GAIA ist, soll dazu ein Beitrag geleistet werden.

Der GAIA-Beitrag steht hier zum Download bereit: 110614-GAIA-NaWis-definitiv mit Titelblatt

WBGU-Hauptgutachten zur „großen Transformation“ jetzt im Volltext verfügbar – eine erste Einschätzung der wissenschaftspolitischen Analyse

Seit dieser Woche liegt die Vollfassung des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat für Globale Umweltveränderungen)-Hauptutachtens „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ vor. Anfang April hatte der WBGU die Entscheiderzusammenfassung präsentiert und der Bundesregierung (Forschungsministerin Schavan und Umweltminister Röttgen) übergeben. Schon dort waren insbesondere die wissenschaftspolitischen Empfehlungen und die Forderung nach einer verstärkten „Transformationsforschung“ sowie einer „transformativen Forschung“ bemerkenswert (vgl. den Blogeintrag vom 09.04.11). Im Hauptgutachten umfassen die wissenschaftspolitschen Forderungen rund 40 Seiten (S. 342 ff.) und gehen in Analyse und abgeleiteten Konsequenzen nochmals über die Ansätze in der Zusammenfassung hinaus. In dieser Deutlichkeit wurden bisher von keinem umwelt- und nachhaltigkeitspolitischen Beratergremium der Bundesregierung wissenschaftspolitische Konsequenzen eingefordert.

Im folgenden findet sich eine Zusammenfassung zentraler Inhalte des wissenschaftspolitischen Teils des WBGU-Gutachtens:

Neuer Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
Wie erstmals im „Potsdam Memorandum“ 2007 formuliert, fordert auch das WBGU-Gutachten einen neuen „Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“: „Ein solcher Vertrag hätte eine stärkere Verzahnung zwischen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und dem gesellschaftlich formulierten Bedarf an Wissen für eine Transformation in Richtung klimaverträgliche Gesellschaft zur Folge.“ (S. 342 des Gutachtens). Ausgangspunkt für diese Forderung ist die umfassende Analyse bestehender europäischer und insbesonderer deutscher Forschungsprogramme (S. 360 ff.), die zeigt, dass diese notwendige Verzahnung bisher nicht existiert. Dabei macht der WBGU deutlich, dass die Forderung nach transformativer Forschung nicht die Grundlagenforschung und die klassische disziplinäre Forschung oder gar die Wissenschaftsfreiheit ablösen soll. Jedoch ist in seinen Augen eine stärkere Ausrichtung künftiger Forschung auf die bestehenden gesellschaftlichen Herausforderungen notwendig (S. 345).

Kriterienraster für eine künftige transformative Forschung – klare Anforderungen an Ziele, Struktur und Ergebnisse von guter transformativer Forschung
Der WBGU formuliert klare Kriterien für die notwendige transformative Forschung (vgl. Tab. 8.1.2 auf S. 361 des Gutachtens). Diese umfassen die Ziele (Klimaverträglichkeit als Ziel der Forschung? Einbettung in einen umfassenderen Nachhaltigkeitskontext?), die Struktur (Interdisziplinarität, gesellschaftliche Relevanz, Transdisziplinarität, Beschleunigung, internationale Reichweite) sowie die Ergebnisse (Technologische und soziale Innovationen, Verbreitungsbedingungen von Innovationen, Politische Strategien).

Bisherige Forschungsprogramme auf EU- und Bundesebene lösen die Anforderungen an eine transformative Forschung nur unreichend ein – zu disziplinär, zu technologie-orientiert
Das Gutachten analysiert auf der Grundlage des o.g. Kriterienrasters sehr umfassend die Forschungsprogramme auf EU-Ebene (Grünbuch 2007 des Europäischen Forschungsraumes, Kooperationsprogramm im 7. EU Forschungsrahmenprogramm, das Joint Programming, die Joint Technology Initiatives sowie das European Institute of Technology EIT mit seinen Knowledge Innovation Clustern (KICs)) sowie auf Bundesebene (Übergreifende Programme wie die Hightec-Strategie der Bundesregierung, die Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie, das Rahmenprogramm Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung (FONA), die sozial-ökologische Forschung und den Pakt für Forschung und Innovation sowie spezifische Forschungsprogramme in den Bereichen Energie, Urbanisierung und Landnutzung).

Das Ergebnis der Analyse fällt fast überall ähnlich aus (vgl. auch Gesamtfazit S. 370 f.): Klimaverträglichkeit ist häufig ein Ziel, steht aber nur nebenrangig neben ökonomischen Zielen. Interdisziplinarität wird in vielen Programmen proklamiert, aber nur selten systematisch eingelöst. Fast alle Programme bleiben stark technologisch orientiert, soziale und kulturelle Innovationen spielen kaum eine Rolle. Die wenigen wirklichen transformativen Forschungsprogramme (z.B. in der Stadtforschung oder der sozial-ökologischen Forschung) sind im Vergleich zu anderen Programmen äußerst gering finanziell ausgestattet.

Ableitung eines umfassenden Maßnahmenkataloges
Aus seiner Analyse leitet der WBGU eine große Zahl an Empfehlungen für die künftige Wissenschaftspolitik ab (S. 380f.). Diese umfassen sowohl Forderungen an neue Forschungsprogramme als auch viele interessante institutionelle Vorschläge (wie z.B. die Einrichtung einer Transformations-Bundesuniversität, mehr partizipative Forschungsformen, die Einrichtung von „Low Carbon Business Schools“ (S. 382), von transformationsrelevanten Sabbaticals oder der Einführung eines freiwilligen Gesellschaftsjahres „Bildung und Wissenschaft“). Viele dieser im Gutachten nur kurz skizzierten Vorschläge bieten ein interessantes Potenzial für die konkrete wissenschaftspolitische Gestaltung.

Viele weitere bemerkenswerte Elemente im Gutachten: Anreizsysteme im Wissenschaftssystem, partizipative Wissenschaft, …
Die Lektüre des Wissenschaftsteils im WBGU-Gutachten lohnt auch aufgrund vieler weiterer interessanter Analysebausteine: z.B. die klare Analyse „falsch ausgerichteter Anreizsysteme“ im Wissenschaftssystem (S. 373), die das inter- und transdisziplinäre Arbeiten für Wissenschaftler sehr erschwert. Die Skizze der bestehenden Beispiele einer „partizipativen Forschung“ ist ebenfalls äußerst lesenswert (S. 378 ff.). Hier werden Beispiele wie die Projekte „Reef Check“ oder das „Evoluation Megalab“ dargestellt, die heute schon deutlich machen, wie die Zivilgesellschaft aktiv in Wissenschaftsprozesse eingebunden werden kann.

Fazit: Die „große Transformation“ erfordert auch eine Transformation des Forschungs- und Wissenschaftssystems. Diese muss langfristig ausgelegt sein (S. 344) und „Experimentierräume“ (S. 342) auch für eine neue Forschung schaffen. Wie dies aussehen kann, dafür legt der WBGU einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor. Es ist zu hoffen, dass dieser von der Wissenschaftspolitik auf europäischer, nationaler und Länderebene aktiv aufgenommen wird.


Starkes Plädoyer für eine transformative Forschung im neuen WBGU-Gutachten zur „Großen Transformation“

Am 07. April hat der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) sein Hauptgutachten „Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“ der Bundesregierung überreicht sowie auf einer Tagung in der Akademie Tutzing umfassend vorgestellt und diskutiert. Bisher liegt nur die knapp 30-seitige „Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ vor (Download hier). Die Vollfasssung des Gutachtens (die ursprünglich für den 22.03.2011 geplant war) wird aufgrund der Ereignisse und politischen Entscheidungen in Folge der Reaktorkatastrophe in Fukushima erst in einigen Wochen verfügbar sein.

Das Gutachten zeichnet insgesamt die Epochenherausforderung der Transformation zu einer globalen Nachhaltigen Gesellschaft eindrucksvoll nach und übersetzt diese in differenzierte Strategien. Dabei gefällt die sozial- und kulturwissenschaftlich aufgeklärte Herangehensweise, in die die technologischen, politischen und ökonomischen Transformationspfade eingebettet sind.

Aus der Perspektive einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ ist besonders bemerkenswert, welch starker Stellenwert einer Veränderung im Wissenschaftssystem beigemessen wird, um die anstehenden Transformationsaufgaben zu bewältigen (vgl. S. 22 f. der Zusammenfassung). Der WBGU fordert ein „transformatives Quartett“ der Wissensgesellschaft.

WBGU-transformatives-Quartett

Das „transformative Quartett der Wissensgesellschaft“
Quelle: WBGU (2011), S. 23 (Zusammenfassung des Hauptgutachtens)

Dabei geht es ihm sowohl um eine Transformationsforschung, das heißt eine Forschung, die Zusammenhänge von umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen versteht als auch um eine transformative Forschung, d.h. eine Forschung die transformative Prozesse aktiv befördert. Faktisch wird hier das Programm einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft skizziert. Im Hauptgutachten werden diese Forderungen für einzelne Disziplinen (wie z.B. die Rechtswissenschaften) durchdekliniert.

Der WBGU macht zudem konkrete institutionelle Vorschläge: Neben einer systematischen Evaluation der bisherigen Forschungsprogramme empfiehlt er u.a. die Einrichtung einer Bundesuniversität (S. 26), die „schwerpunktmäßig Forschung und Bildung für die Transformation zur Nachhaltigkeit betreibt“ sowie eine Runde der Exzellenzinitiative, „vollständig zum Thema Forschung im Kontext der Transformation für eine Ressourcen schonende, nachhaltige und lebenswerte Gesellschaft auszuschreiben“.